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Spinefeast - Helsinki

26.10.2006 | 12:44

21.10.2006, Nosturi

Spinefarm dürfte den meistern Metalheads ein Begriff sein. Das finnische Label ist die Heimat von hochkarätigen Bands wie CHILDREN OF BODOM, FINNTROLL, NIGHTWISH und AMORPHIS - um nur einige zu nennen. Einmal im Jahr, gerade wenn der Herbst langsam in den Winter umschlägt, stellt Spinefarm ein besonderes Event auf die Beine: das Spinefeast. Hierbei handelt es sich um ein Indoor-Festival, das im Nosturi, eines der größeren Venues in Helsinki, stattfindet. Zwei Tage dauerte das Spinefeast dieses Jahr, und dabei waren zehn Spinefarm-Bands, die dort performen durften. Dabei stand der erste Tag eher im Zeichen der härteren Bands, während es am zweiten Tag melodischer zuging.
Dank Examen an der Uni konnte ich am Freitag noch nicht nach Helsinki pilgern, und verpasste den ersten Tag und somit MALUMMEH, NOUMENA, KALMAH, NINE und SWALLOW THE SUN. Dumm gelaufen. Auch am Samstag gestaltete sich die Zugfahrt doch schwieriger als gedacht, so dass ich das Nosturi erst ereiche als COLLARBONE ihre letzten zwei Lieder schmettern. Aber um ehrlich zu sein, bin ich darüber auch nicht sonderlich böse, denn das ganze hört sich in meinen Ohren doch eher wie Chaos als wie Musik an.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es dann gleich weiter mit END OF YOU. "Oh je, der nächste HIM-Verschnitt" schießt es mir beim Anblick der Jungs sofort durch den Kopf. Und ja, auch die Musik kann man bestens als melancholischen Rock mit viel Herzschmerz betiteln. Doch die Newcomer als bloßen Abklatsch der Valo-Mannen abzutun, wäre gewiss auch nicht fair. Sänger Jami zeigt, dass in ihm mehr steckt als nur gutes Aussehen. Eine wirklich angenehme Stimme zum Bespiel, und durchaus auch das Zeug zum Entertainer. Gespielt werden Lieder des Debutalbums "Unreal", darunter natürlich auch die Single 'Walking With No One', die das Publikum begeistert aufnimmt.

Der Samstag des Spinefeasts war bereits im Voraus ausverkauft, und es strömen während der Umbaupause mehr und mehr Menschen in die Halle, so dass es bei ENTWINE bereits überdurchschnittlich gut gefüllt ist. Sänger Mika mit Mütze auf dem Kopf und Bart im Gesicht bietet ein ganz anderes Bild als zuvor, aber durchaus kein schlechtes. Und die Stimme ist zum Glück ja auch noch immer die gleiche, auch wenn diese dann doch manchmal etwas rumkiekst und die Töne nicht richtig treffen will. Doch das tut der Show und vor allem auch der Stimmung definitiv keinen Abbruch. Mit Keyboarderin Riitta hat ENTWINE als einzige Band des Abends auch einen Augenschmaus für heterosexuelle Männer im Gepäck, so dass es kein Wunder ist, nicht nur weibliche Gesichter in den ersten Reihen zu sichten. Die Jungs und das Mädel auf der Bühne lassen sich gerne feiern und danken es den Fans mit tollen Songs wie den Singles 'Break Me' und 'Surrender' aus dem aktuellen Album "Fatal Design". Aber natürlich dürfen auch Stücke wie 'Still Remains' auf der Setlist nicht fehlen. Nach 30 Minuten ist die Zeit dann aber schon abgelaufen (genau wie bei COLLARBONE und END OF YOU), was ich persönlich als eine kleine Frechheit empfinde, sind ENTWINE doch lange keine Newcomer mehr und außerdem mein persönliches Highlight des Abends. Doch die Band trägt es mit Fassung und wird später noch mehrmals beim Fleißig-Autogramme-Schreiben gesichtet.

Die nächste Umbaupause entpuppt sich als wahre Werbung, und zwar für die neue Hevi-Karaoke-DVD. Das Singen das NIGHTWISH-Songs 'Dead To The World' lässt doch noch einiges zu Wünschen übrig, zum Beispiel, dass jemand singen würde, aber 'My Land' von SONATA ARCTICA wird immerhin schon besser präsentiert. Ob sich jemand dank diesen Darbietung die DVD wirklich gekauft hat, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Nach dieser kleinen und durchaus amüsanten Einlage geht es auch flugs weiter mit BROTHER FIRETRIBE. Auch wenn ich die Band in den letzten Monaten zu genüge gesehen haben sollte, wird es dennoch nicht langweilig. Die fünf legen wieder eine energiegeladene Show vor, die einfach Spaß macht. Immerhin haben sie 45 Minuten Zeit sich zu präsentieren, so dass neben der Single 'One Single Breath' auch Knaller wie 'Midnight Queen' und das zum Mitgrölen anregende 'Valerie' Platz auf der Setlist haben. Sänger Pekka animiert gekonnt das Publikum und Gitarrist Emppu gewinnt defintiv mal wieder den ersten Preis, was das Flirten mit den Mädels der vorderen Reihen angeht. Das Publikum scheint die Glam-Rock-Abwechslung von den anderen doch düstereren Bands willkommen zu heißen, und so wird gehüpft, gesungen und sich gefreut. Abschluss bildet die neue Single 'I'm On Fire', dann verabschiedet man sich brav und macht die Bühne frei für den Umbau für die letzte Band.

Headliner das Abends sind die Gothic-Rocker von CHARON, und als diese die Bühne betreten merkt man, dass die Halle ausverkauft ist, denn das Gedränge ist groß. Sänger J.P. und seine Mannen zeigen sich sichtlich beeindruckt und eröffnen ihr einstündiges Set mit 'Colder', der ersten Single des letzten Albums "Songs For The Sinners". Der weibliche Background-Gesang kommt dieses Mal leider vom Band, aber das macht niemanden wirklich etwas aus. Vor allem nicht den Mädels aus den ersten Reihen, die J.P. anhimmeln, als würde Gott persönlich vor ihnen stehen. Zugegeben, tolle Haare hat der Mann. Singen und performen kann er obendrein und so steht er die Stunde über im Mittelpunkt, auch wenn sich die Mitmusiker durchaus auch zu präsentieren wissen. Die Setlist beinhaltet natürlich neuere Songs wie 'Ride On Tears', aber auch älteres Material darf nicht fehlen. Den Höhepunkt bietet mal wieder der Überhit 'Little Angel', denn das Publikum feiert, als wäre es die Nationalhymne ihres stolzen Heimatlandes.
Bald danach ist dann auch endgültig Schluss, und man strömt zur Bar oder zum Ausgang und dann in eine andere Bar. So oder so gelungen ist der Abend allemal und Spinefarm hat wieder einmal bewissen, dass es kein anderes Label in Finnland gibt, bei dem so viele der größten und vielversprechendsten finnischen Bands und Newcomer zu Hause sind.

Redakteur:
Ricarda Schwoebel

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