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Smolski, Victor (CD-Präsentation) - Bochum

28.10.2000 | 10:13

12.05.2000, Rockpalast

Da nimmt man also eine Reise von 4 Stunden auf sich, nur um einer von den Auserwählten zu sein, die sich Smolskis neustes Soloalbum anhören dürfen. Aber es hat sich mehr als gelohnt, soviel kann ich im Vornherein verraten. Ca. 30 andere Leute fanden sich im Rockpalast in Bochum ein, wo man auch gleich Victors Bandkollegen Peavey und Mike zu Gesicht bekam. Diese zeigten sich sehr fannah und unterhaltungsfreudig. Was kann man also von dem neusten Output des russischen Ausnahmegitarristen erwarten ? Für die, die es noch nicht wissen: \"The Heretic\" ist ein Konzeptalbum über die Inquisition, wobei originale Texte in drei Sprachen vorgetragen werden. Peavey übernimmt die deutschen Parts, Mike die englischen und Victor selbst die russischen. Begleitet wird das Ganze instrumental von dem weissrussischen Orchester und natürlich Victor an der Gitarre.

Mit einer etwas größeren Verspätung begann nun der Auftritt und man begab sich in den Konzertsaal. Von einem gemütlichen Sitzplatz aus konnte man nun das Konzert perfekt auf sich einwirken lassen. Selbstverständlich kamen die Orchesterklänge vom Band, was dem Auftritt jedoch keinen Abbruch tat. Bereits mit \"Baptism of Fire\" zeigt Smolski, was Sache ist: Angsteinflössende, bombastische Orchesterklänge, die eine homogene Verbindung mit der Gitarrenarbeit des Meisters eingehen. Selten habe ich ein derart beängstigendes, erdrückendes, zugleich aber faszinierendes Stück Musik gehört. Smolski versteht es perfekt, den Schrecken der Inquisition und dieser Zeit glaubhaft und ohne Übertreibung dem Hörer zugänglich zu machen. Besonders die tief gesprochenen Textstellen tragen noch zusätzlich zur ohnehin düsteren Stimmung bei und runden das Gesamtwerk auf perfekte Art und Weise ab. Meistens hält sich Smolski solotechnisch eher zurück und passt sich nahtlos in das Orchester mit ein. Songs wie \"Hex of the Six Strings\", dessen Namen man wörtlich nehmen kann, bieten dem russischen Wundergitarristen jedoch auch die Möglichkeit, sein ganzes Können unter einzigartigem Einsatz unter Beweis zu stellen ohne dabei zu aufdringlich zu wirken. Besonders das Acht-Finger-Tapping-Solo überzeugte sehr eindrucksvoll und liess einige der Herren Journalisten mit offenem Mund dastehen. Smolski ist einer der größten Gitarristen unserer Zeit, soviel dürfte spätestens nach diesem Part sicher sein. Die bedrohliche Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Album hindurch und hinterlässt zwangsläufig bleibende Eindrücke beim Hörer. Beim Titelsong \"The Heretic\" geben sich Peavey und Mike musikalisch die Ehre, klemmen sich hinter ihre Instrumente und zeigen, daß Metal und Klassik beileibe keine unterschiedlichen Musikrichtungen sind, sondern daß sie ohne Probleme eine perfekte Symbiose eingehen können und dem Zuhörer ein unvergessliches Erlebnis darbieten können. Wenn das neue Rage-Album auch nur annäherend so genial wird wie dieser Song, dann kann ich schon jetzt die Veröffentlichung nicht mehr abwarten. Auch wenn die vorgetragenen Textstellen leider im Playbackverfahren abgespult wurden, womit besonders Peavey gewisse Umsetzungsprobleme hatte, so war der Abend trotzdem mehr als überzeugend und lässt auf mehr hoffen. Für mich war es einer der außergewöhnlichsten und unvergesslichsten Auftritte, die ich je erlebt hatte und die Standing Ovations seien den Musikern von Herzen gegönnt. Wollen wir hoffen, daß Smolski sich entschliesst, mit \"The Heretic\" noch ein paar Konzerte zu geben, denn dieses Album ist ein unvergleichlich geniales Meisterwerk, welches ich an dieser Stelle nur wärmstens weiterempfehlen kann. Jeder, der den Anspruch erhebt, von Musik eine gewisse Ahnung haben kann dieses Album blind kaufen, die schlichte Genialität des Schaffens von Victor Smolski wird einen einfach umhauen und grenzenlos begeistern.

Redakteur:
Christian Debes

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