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Six Feet Under, Orth - Offenbach

29.10.2000 | 11:31

12.08.2000, Hafenbahn

Nachdem SIX FEET UNDER auf dem Wacken Open Air bereits alles in Schutt und Asche gelegt hatten war es eine logische Konsequenz, den Jungs um den Ex CANNIBAL CORPSE Grunzer Chris Barnes auch einen Besuch auf ihrer Tournee abzustatten. Und mit ORTH hatten sie nun wahrlich nicht die schlechteste Vorgruppe im Angebot. Weiterhin standen zwei lokale Bands auf dem Programm, im Falle Offenbach waren das DARKMAN SHADOW und BLACK IN MIND.
Bereits um halb acht betraten DARKMAN SHADOW die Bühne und versuchten, das Publikum mit ihrer Musik zu überzeugen. Es ist leider nur beim Versuch geblieben, denn was hier geboten wurde war schrecklich. Den Sänger mit einer Stimme wie Lemmy Kilmister als DeathMetal-Variante hatte ich ja noch ertragen können und auch die billigen Riffs und das 08/15-Drumming liessen meinen Überlebensdrang noch aufrecht erhalten; unerträglich jedoch war die Keyboarderin, die sich auf unterstem Niveau, also in der Nähe von CREMATORY, befand und die ganze Zeit nervige Dreiklangsteilungen vornahm, wie man es einem 5-jährigen Mädchen in der zweiten oder dritten Klavierstunde beibringt. Und nicht nur, daß sie sich auf ihr armseliges Geklimper konzentrierte, nein, sie musste auch noch, die geplagten Anwesenden mit ihrer nervigen Micky Maus-Stimme verschrecken. Das Ganze glich einem Angriff auf das zentrale Nervensystem eines jeden nicht unter Drogen stehenden Konzertbesuchers. Mit einem angemessen müdem Applaus wurden DARKMAN SHADOW nach einem halbstündigen Martyrium seitens des Publikums von der Bühne verscheucht, äh verabschiedet...
Mit recht guter Stimmung (es konnte ja schließlich nur noch besser werden) war ich nun gespannt auf die zweite Lokalband namens BLACK IN MIND. Hier zeigte sich schnell, daß sich im Gegensatz zu DARKMAN SHADOW der Sound verschlechtert hat und insbesonders in den Höhen ein stark klirrendes Nebengeräusch hinterliess, was aber durch die Fähigkeiten der Musiker, insbesonders des Bassisten problemlos wieder ausgeglichen wurde. Dieser war der unumstrittene musikalische Höhepunkt der Band und überzeugte vor allem, als ihm eine Saite gerissen ist und er von nun an etwas improvisieren musste. Die Musik, die BLACK IN MIND von sich gaben war zwar keineswegs innovativ, man hatte das Gefühl, alles schon dutzende Male von anderen Bands gehört zu haben, doch hier wurde im Gegensatz zu den gar schrecklichen DARKMAN SHADOW saubere Arbeit verrichtet und durch ihre Wechsel zwischen langsamen, atmosphärischen Passagen mit schnellem Death-Gebollere wurde man bestens unterhalten. BLACK IN MIND boten also eine gute Einstimmung auf die nun folgenden ORTH.
In der nun folgenden Umbaupause wurde man mit Musik beschallt. Für ein Death-Metal-Konzert waren Klänge von GAMMA RAY und SPOCKS BEARD zwar eher ungewohnt, aber eine gewisse Komik ist hier nicht zu bestreiten. Aber nun wurde es endlich Zeit für ORTH. Die Berliner kann man problemlos als die EDGUY des Death-Metals bezeichnen. Immer einen blöden Spruch drauf und Musik, die einfach Spaß macht. Man kommunizierte sehr viel mit dem Publikum und die ganze Band liess sich ihren Spielspaß deutlich anmerken. Auch wenn man musikalisch größtenteils nicht mehr als Standard-Death bot, so fabrizierten ORTH gute Laune und waren perfekt als Anheizer für den heutigen Headliner SIX FEET UNDER. Politisch sind ORTH eindeutig stark links gerichtet, was nicht nur der Song \"Auf Dem Rechten Auge Blind\" bewies, sondern auch zig Ansagen, in denen faschistoides Gedankengut verurteilt wurde. Zuweit gingen sie jedoch eindeutig bei dem Lied \"Zero Tolerance\", welches folgendermaßen angesagt wurde: \"Dieser Song ist unseren ganz speziellen Freunden gewidmet. Den Polizisten. Auf das sie verrecken mögen !\" Durch diese Ansage erhielt der Auftritt für mich einen unangenehmen Nachgeschmack, den auch die ansonsten akzeptablen Stücke ihres Albums \"Feed The Flames\" nicht wettmachen konnten. Aber ich bin ja schließlich hier um die Musik zu beurteilen und nicht irgendwelche schwachsinnigen Parolen zu verurteilen. Mit Songs wie \"Leichenschmaus\" ging es weiter im Programm, aber auch ORTH blieben von der Bass-Saiten-Plage nicht verschont und so wunderte sich der Bassist, als er nach einem Intro nur noch einen Drei-Saiter zur Hand hatte. Dies wurde trocken mit den Worten \"Heute ist die Nacht der gerissenen Bass-Saiten...\" kommentiert. Nunja, nach 45 Minuten Spielzeit und einem im Gesamten betrachtet guter Auftritt verliessen ORTH die Bühne, um jedoch nach kurzer Zeit auf die Zugabe-Forderungen des Publikums eingingen, die auch mit ihrem letzten Song \"Terrorhythm\" erfüllt wurden.
Die Hafenbahn füllte sich; inzwischen dürften gut 350-400 Leute anwesend sein um sich die volle Dröhnung SIX FEET UNDER zu geben. Doch gut Ding will Weile haben und somit war eine recht lang geratene Umbaupause angesagt, die mit Songs von OZZY OSBOURNE\'s Soloalben ausgeschmückt wurden. Doch schließlich war es soweit und das Inferno konnte beginnen. Chris Barnes und Co. liefen gemächlich und unter großem Jubel auf die Bühne, griffen sich ihre Instrumente und legten los. Mit \"Revenge Of The Zombie\" hätte man keinen passenderen Opener finden können und hier war schon an der Spielfreudigkeit und der Begeisterung des Publikums zu sehen, daß ein Wahnsinns-Konzert bevorstand. Spätestens bei \"Beneath A Black Sky\" und \"Human Target\" vom genialen \"Haunted\"-Debut begann die Stimmung im Publikum zu kochen und es war in den ersten Reihen verdammt schwierig, einen Platz zu finden, bei dem man nicht alle fünf Sekunden umgestossen wurde. Warum bloß ? Ein kurzer Blick nach rechts: unzählige Männer mit nacktem Oberkörper, die sich gegenseitig anstumpen ??? Ein Auftritt der Chippendales in ner Schwulenbar ??? Ach nein: Es ist nur der berühmt-berüchtigte Moshpit bei SIX FEET UNDER.
An der Songauswahl gab es nichts zu meckern und so zeigten sich SIX FEET UNDER souverän und als klarer Publikumsliebling. Der Sound war astrein und die Band gab alles. Chris Barnes grunzte so markerschütternd wie eh und je und auch die Herren Swanson, Butler und Gall überzeugten auf ganzer Linie. Durch ihren groovigen, fast schleppenden Death-Metal zwang man jeden einzelnen förmlich dazu, sich das Hirn aus dem Kopf zu bangen. Chris Barnes zeigte sich sichtlich erstaunt über das vollkommen ausrastende und ständig anheizende Publikum. Daß es eine Zugabe geben musste war eine logische Konsequenz ihres genialen Auftritts und der mehr als gelungene Abend wurde mit dem genialen AC/DC-Cover \"TNT\" abgeschlossen. Dieser Song verlieh dem sichtlich erschöpften Publikum noch zusätzliche Energie und so ertönte in regelmäßigen Abständen ein tiefes TNT aus knapp 400 grunzenden Kehlen. Die vollkommen ausgepowerten Konzertbesucher verliessen langsam, mit einem breiten Lächeln im Gesicht die Hafenbahn, während ihnen ständig in Erinnerung gerufen wurde, eines der definitiven Death-Metal-Highlights des Jahres miterlebt zu haben. Und angesichts der unglaublichen Coverversion von \"TNT\" sehne ich erwartungsvoll dem 23. Oktober entgegen, an dem SIX FEET UNDER ein Album voller Coverversionen namens \"Graveyard Classics\" rausbringen werden und bei dem so hoffnungsvolle Titel wie \"Smoke On The Water\", \"Purple Haze\" oder \"In League With Satan\" mit Chris Barnes\' Grunzen veredelt werden.

Redakteur:
Christian Debes

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