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Sieges Even - Berlin

20.11.2007 | 11:47

15.11.2007, Live Style

Gute Voraussetzungen sind wohl etwas anderes: Die Bahn streikt, im Columbiaclub spielen AMORPHIS, und SIEGES EVEN sollen laut Veranstalterhomepage erst um 22:30 Uhr auf die Bühne gehen. Von einer Vorband ist weit und breit keine Rede, und so verwundert es nur wenig, dass gerade einmal 51 Nasen zu zählen sind. Personal, der Anhang der überraschenderweise doch existierenden Vorband und eben jene selbst mitgezählt. Berücksichtigt man dann noch die Gästeliste, haben wir vielleicht 25 bis 30 zahlende Fans. Berlin, das ist eine Schande für eine solch großartige Band wie SIEGES EVEN!

Von dem Support bekomme ich nur noch wenige Minuten mit, in denen mir leider niemand den Namen der Truppe verrät. Ist mir aber hier und heute eigentlich auch egal, denn ich will SIEGES EVEN sehen. Die kommen um Viertel vor elf auf die niedrige Bühne und rocken das Haus vom ersten Takt des Openers 'When Alpha & Omega Collide' an. Toller Sound, toller Song, aber vor allem tolle Musiker. Mit welcher Leichtigkeit Alex Holzwarth über die Felle wirbelt, mit welcher Dynamik Oliver Holzwarth die Saiten seines Basses zupft, mit welcher Virtuosität Markus Steffen die großartigen Soli zelebriert und mit was für einer kraftvollen Performance Arno Mendes singt, ist schlicht absolute Extraklasse. Das Wichtigste dabei ist aber, dass die Jungs Spaß, Spaß, Spaß haben - allen voran Arno und Oliver, die die ganze Zeit rumkaspern. Nur Markus gibt den eher introvertierten Gitarrero. Da ist es auch nur ein klitzekleiner Wermutstropfen, dass die schönen mehrstimmigen Gesangspassagen bei Songs wie 'Stigmata', 'Unbreakable', 'Tidal' oder 'Iconic' nur vom Band kommen. Denn 95 Prozent der Stimmen macht eh Arno aus, und der glänzt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Das vor allem auch bei den alten Nummern wie 'The Waking Hours' oder 'These Empty Places', die mit Arno am Mikro eine ganz neue Qualität erfahren. Finde ich die alten Alben immer zu verkopft und den Gesang nervenzehrend hoch und wenig souverän, so tanzt Arno stattdessen über die vertrackten Instrumentalpassagen und bekommt so etwas wie Melodien hin. Jungs, nehmt die ollen Schinken bitte, bitte mit Arno noch mal auf. Das wäre toll. Wirklich.

Wirklich toll bleiben auch SIEGES EVEN bis zur letzten Note von 'The Weight'. Unbeeindruckt von den wenigen Zuschauern zocken sie ihr Programm mit voller Energie runter, geben sich extrem professionell und sympathisch. Erste Sahne.

Dass SIEGES EVEN bei mir so viele Glückshormone ausschütten können, ist umso beeindruckender, da ich nur drei Tage zuvor von FATES WARNING in den siebten - ach, was rede ich: elften! - Prog-Himmel katapultiert worden war. Doch sie stehen diesem Erlebnis nur in sehr wenig nach. Und ein größeres Kompliment kann ich wohl kaum machen, oder?

Ganz klar, die ca. 3.8 Millionen Berliner, die an diesem Abend nicht im Live Style waren, haben etwas verpasst. Euch sollte das nicht passieren. Also kann ich euch nur auffordern, unbedingt zu SIEGES EVEN zu gehen, wenn sie in der Nähe sind. Es lohnt sich. Definitiv. Versprochen.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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