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Sepultura - München

09.04.2003 | 03:31

08.04.2003, Backstage

Einige Wochen vor der offiziellen Veröffentlichung des dritten Albums der „Post-Max-Cavalera“-Ära (eigentlich das 10te Studioalbum) – „Roorback“ nennt sich die Scheibe – haben sich die Mannen vom SEPULTURA-Tribe Richtung Alte Welt aufgemacht, um dort vorab die Werbetrommel für den neuen Silberling zu rühren. Und wenn man dann auch schon mal da ist, so hat man sich vermutlich gedacht, hängt man gleich noch ein paar Shows in dezenter Clubatmosphäre hinten dran. Im Falle München hat man sich als Schauplatz die neuen Räumlichkeiten des Backstage ausgesucht, das dann auch pünktlich zu Showbeginn um halb zehn in Sachen Auslastung nicht mehr allzu weit vom „Ausverkauft“-Szenario entfernt war. Irgendwie verwunderlich, denn in Zeiten wirtschaftlicher Talfahrten 18 Euro als VVK-Preis anzusetzen und dies ohne Support ist nicht von schlechten Eltern (krasser ausgedrückt … es grenzt an Unverschämtheit!!!).
Sei’s drum, als Schreiberling hat man ja das Glück solche Klippen umschiffen zu können, dafür gilt es andere „Bürden“ zu tragen. Im Falle SEPULTURA, durfte meine Wenigkeit unter Aufsicht des zuständigen SPV-Promoters Mirko (Danke fürs Bier!) die neue Scheibe vor Konzertbeginn schon einmal vorab checken. Nun, was soll ich sagen!? Ich will es mal so formulieren, man sollte sich von Aussagen, wie sie dieser Tage in einem renommierten Metal-Mag nachzulesen sind („… soundmäßig zurück zu ihren Wurzeln …“, „… erinnert … an den Stil von „Beneath The Remains“ und „Arise“ …“ oder „Percussion-Instrumente tauchen hier und da mal auf, allerdings wesentlich reduzierter als auf der letzten Scheibe.“) nicht zu viel erwarten bzw. keine falschen Hoffnungen aufkommen lassen. Denn wer hier eine 180 Gradwendung zurück zu alten Tagen erwartet hat, wird bitter enttäuscht sein. SEPULTURA knüpfen bei „Roorback“ musikalisch ohne wenn und aber an „Against“ und „Nation“ an, lediglich vom Feeling her beschleicht einen der Hauch vergangener Zeiten. Ich muss zugeben, meinereiner hat sich von den obigen Aussagen auch ins Boxhorn jagen lassen und war dementsprechend desorientiert nach dem Anhören der Scheibe. Bin mir aber sicher, spätestens nach 2 oder 3 weiteren Durchläufen wird sich diese Orientierungslosigkeit wieder legen und mein Verstand steht wieder in der richtigen Spur, denn schlecht war das Gehörte nun wirklich nicht … nur eben unerwartet!
Ach ja, musiziert hat man selbstverständlich auch noch. Eröffnet wurde der 75 minütige Reigen (ja, länger ging’s wirklich nicht!) mit dem „Schizophrenia“-Klassiker „Troops Of Doom“, dicht gefolgt von „Messiah“, einem HELLHAMMER-Cover, das sich die Jungs aber getrost hätten sparen können. Denn neben dem schnöden Cover, trug der nicht gerade berauschende Sound (die Bassdrum malträtierte Hammer, Ambos und Steigbügel unsäglich, während man sich fragte, wo zur Hölle sind die Klampfen?), zu keinem gelungenen Start bei. Dies sollte sich aber ab „Slave New World“ schlagartig ändern. Kaum hatte Sänger Derrick Green sich der zweite Klampfe entledigt, entsprach in punkto Sound Ist- gleich Sollwert. Spätestens zu dem Zeitpunkt hatte das Quartett die gut 750 Anwesenden voll im Griff und man feuerte dem Münchner Publikum eine Breitseite nach der anderen vor den Bug. Lediglich die zwei neuen Stücke „Mindwar“ & „Corrupted“ verfehlten (noch) Ihr Ziel und standen demzufolge weniger hoch in der Gunst des Publikums, wie z. B. die um etliche BPM’s schneller gezockten All-Time-Classics „Inner Self“, „Beneath The Remains“ oder „Arise“. Insgesamt hatte man ein breit gefächertes Best-Off-Programm in der Hinterhand, bei dem speziell der 93’er Longplayer „Chaos A.D.“ mit 5 Stücken im Vordergrund stand. Dabei merkte man der Band zu jeder Sekunde an, dass man froh ist, endlich wieder Tourluft zu schnuppern. Dies gilt im Besonderen für Drummer Igor Cavalera, der an diesem Dienstagabend ohne Zweifel der überragende Akteur on stage war. Mit seiner stilprägenden Mischung aus Thrash-Meets-Tribal-Drumming, ist der 32-jährige zweifelsohne schon sein Jahren eine Ausnahmeerscheinung in der heutigen drummenden Metalwelt … phänomenal!
Der Gong zur letzen Runde wurde schließlich mit dem heftig rockenden U2-Cover „Bullet Blue Sky“ eingelitten, ehe man mit „Against“ & „Sepulnation“ zum finalen Stoß ansetzte und „Roots, Bloody Roots“ das Münchner Publikum endgültig auf die Bretter schickte … 8, 9 und 10. Aus!
Als Fazit kann man durchaus anführen auf einer kurzweilig, unterhaltsamen Veranstaltung gewesen zu sein, wobei lediglich das Preis/Leistungs-Verhältnis für meinen Geschmack zu weit in Richtung des Preises verschoben war. Nichtsdestotrotz darf man auf „Roorback“ und die kommenden Festivals mit SEPULTURA gespannt sein … denn man kann sagen was man will, aber Live zählen die Südamerikaner nach wie vor zum Besten, was der gesamte Hartwurst-Sektor zu bieten hat!

Tracklist

1. Troops Of Doom
2. Messiah
3. Slave New World
4. Propaganda
5. Spit
6. Attitude
7. Choke
8. Corrupted
9. Desperate Cry / Biotech Is Godzilla
10. Inner Self / Beneath The Remains
11. Who Must Die
12. Mindwar
13. Refuse/Resist
14. Territory
15. Arise / Dead Embryonic Cells
16. Bullet Blue Sky
17. Against
18. Sepulnation
19. Roots, Bloody Roots



Redakteur:
Oliver Kast

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