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Savatage / Blaze - Dortmund

25.01.2002 | 13:34

24.01.2002, Soundgarden

Im Januar von der Tour des Jahres zu sprechen, ist normalerweise ziemlich vermessen, aber schon das Billing machte deutlich, dass die Messlatte nach dieser Show verdammt hoch liegen würde. Wie hoch konnte man vorher nur ahnen.

Dass der Gig im Dortmunder Soundgarden stattfand, kam für mich etwas überraschend. Verirren sich Bands doch recht selten hier her, da die Location nicht gerade mit einer tollen Akustik glänzt und der Sound des öfteren nicht besonders prall ist. Aber heute kann man sich über den Sound nicht beschweren, der bei allen Bands zumindest solide aus den Boxen kommt. Das der einzige Gig in NRW mit etwa 1.500 Leuten ausverkauft ist, ist klar.

Pünktlich um 20.00 Uhr ertönt eine Stimme aus dem Off (die von Szene-Ikone Volker Raabe) und kündigt meine alten Helden von VICIOUS RUMORS an. Und waren sie schon auf dem letztjährigen BYH superb, so blasen sie mich diesmal einfach um. "Digital Dictator", "You Only Live Twice" (Ohrgasmus!!), "Down To The Temple", "Don't Wait For Me", "March Or Die", "Abandoned", "On The Edge"!! Noch Fragen? Wie ein Orkan donnerten VICIOUS RUMORS durch die Halle. Ausnahmslos mit Klassikern der legendären ersten vier Alben. Dabei ließ Fronter Brian O'Conner Carl Albert einmal mehr vergessen, leierte sich Mastermind Geoff Thorpe ein geniales Lead nach dem anderen aus den Rippen, rann Bassist Cornbread (der heißt wirklich so ;-)) wie ein Berserker über die Bühne und bangte der Megalanghaardackel Ira Black, dass es den Langhaarfetischistinnen die reine Wonne war. War das geil! Ähnlich sah es der Rest der Fans, die mit jedem Song euphorischer wurden und teilweise unablässig bangten (wie der Schreiber dieser Zeilen bspw. ;-)) Nach dieser 30minütigen Zeitreise war dann viel zu früh Schluss und mein Nacken ziemlich demoliert. Egal. Das war Power (Power!) Metal in Perfektion. Danke, VICIOUS RUMORS.

Nachdem man sich mit Speis und Trank versorgt hatte, konnte BLAZE kommen. Und eigentlich wollte ich mich nach dem grandiosen VR-Gig etwas ausruhen, aber... BLAZE und seine Band waren so mitreißend, hyperaktiv und spielgeil, dass man überhaupt keine Chance auf eine Pause bekam. Dabei entwickelt vor allem Blaze bei Songs wie "Evolution", "Ghost In The Machine" oder dem neuen "Speed Of Light" eine Energie wie ich sie bislang lediglich von einem John Bush (ANTHRAX, ARMORED SAINT) oder Andy B. Franck (BRAINSTORM, SYMPHORCE) gewohnt war. Er turnt auf allen möglichen Kisten rum, klettert auf jedes erklimmbare Geländer und hüpft mit lustiger Miene über die Bühne. Und das alles trotz seines chic verpackten Wohlstandsbäuchleins (schwarzes Muscle-Shirt in der zu engen Jeans ohne Gürtel ;-)) Und bei der ganzen Kletterei singt er immer noch gnadenlos gut. Aber auch die Saitenfraktion ist übermäßig aktiv. Vor allem John Slater (g.) hüpft und klettert ähnlich wie der Chef über die Bühne und spielt dabei eine richtig geile Leadgitarre. Das Publikum reagiert mit ähnlich euphorischen Reaktionen wie bei VICIOUS RUMORS, was sich die arschtighte Truppe auch redlichst verdient hat. Nach dem Titeltrack des neuen Albums "Tenth Dimension" ist dann endgültig Schluss und BLAZE hinterlassen ein mehr als aufgewärmtes Publikum. Meinem Nacken geht es jetzt noch schlechter. Egal. Danke, BLAZE.

In der Umbaupause macht sich eine spürbare Spannung, aber auch eine gewisse Skepsis im Publikum breit. Viele Leute haben SAVATAGE noch nicht mit Damond gesehen und Zak hat einen riesigen Schatten hinterlassen. Der hatte es 1993 auf seiner ersten SAVA-Tour vergleichsweise einfach, musste er doch im Vorprogramm(!) von OVERKILL vor rund 500 Nasen im viel zu großen Kölner E-Werk (Kap.:2.500 Leute) beweisen, was er kann. So ändern sich die Zeiten. Genug Geschwafel. Wie gewohnt, starten SAVATAGE überraschend. Diesmal tönt als Intro "Show Must Go On" von QUEEN durch die Boxen. Natürlich laut intoniert von den Fans, die erwartungsvoll vor der Bühne ausharren. Dann kommt die Band angeführt von 'Mountain King' Jon Oliva unter den – immer noch vom Band tönenden – Klängen von "Commissar" auf die Bühne, um dann mit "Surrender" von "Poets And Madmen" die Show zu einzuläuten. Damond ist ähnlich wie in Balingen erst mal mit Sonnebrille und Ledermantel unterwegs und im Grunde genommen zunächst überflüssig. Denn der Song wird – wie auf dem Album – von Jon gesungen. Aber irgendwie macht Daman auch so eine gute Figur. Bangt, fuchtelt mit dem Mikroständer rum und steht nicht dumm da. Und die Frauen im Volk schwärmen von seiner erotischen Ausstrahlung. Das er auch singen kann, beweist er dann bei "Sarajevo" und "This Is The Time", wo er erstmals die Leadvocals übernimmt. Und überzeugt. Der Rest der Band überzeugt auch. Chriss spielt mittlerweile fast so geil wie einst Criss Oliva (R.I.P), Jack Frost ist wesentlich agiler als sein Vorgänger Al Pitrelli und die Rhythmusfraktion sorgt für ordentlich Dampf und 'sieht dabei auch noch gut aus' wie ein weiblicher Fan bemerkt. ;-) Es folgt ein Medley, dass "Handful Of Rain", "Dead Winter Dead", "Wake Of Magellan" und "Edge Of Thorns" beinhaltet, ehe den 80ern mit "24 Hrs. Ago", "Beyond The Doors Of The Dark" (wo sich Daman einmal mehr in Höchstform präsentiert), "Sirens" und "Strange Wings" Tribut gezollt wird. Die Fans sind komplett aus dem Häuschen, der Typ neben mir springt mir diverse Male auf den Fuß und meinem Nacken geht es damit auch nicht wirklich besser. Aber bei "Man In The Mirror" kann man sich dann kurz erholen, denn die aktuelle Scheibe überzeugt wohl nicht nur mich nicht 100%ig. "All That I Bleed" ist dann so was wie die Nagelprobe für Damond, der den Criss Oliva gewidmeten Song so perfekt intoniert, dass man glauben könnte, dass Zak da am Micro steht. Da war mir dann klar, warum Jon die Beiden mit geschlossenen Augen manchmal nicht unterscheiden könnte. Spätestens da sollte wirklich jeder Zweifler davon überzeugt gewesen sein, dass Damond ein richtig guter Frontmann ist. Natürlich singt derzeit Jon noch eine ganze Menge und dieses Jobsharing lässt Damond manchmal etwas unnütz wirken, aber... die Songs, die er dann singt, singt er verdammt geil. Und ich bin sicher, dass er bei der nächsten Tour vollends aus Zak's Schatten heraustreten wird.
"Morphine's Child" ist ohne frage DAS Highlight auf "Poets And Madmen" und wird auch live zum euphorisch gefeierten Knaller. Die vierte Stimme wird mittlerweile von Jack gesungen, der sich bei den ersten Shows noch nicht so recht ans Mikro wagen wollte. Stellenweise teilt er sie sich gar mit Johnny, der als Anti-Sänger der Band gilt. Sachen gibt’s. Was dann folgt, hätte ich nicht mal zu träumen gewagt. Daman geht von der Bühne, ein Kinderchor, die ersten Takte von "Streets" und nach zwei Riffs der nahtlose Übergang in "Jesus Saves". Doch dabei soll es nicht bleiben. "Tonight He Grins Again" ist ja noch ein bisschen zu erwarten, aber "Agony & Ecstasy" wurde das letzte Mal vor 10 Jahren auf der "Streets"-Tour gespielt und wird von Jon fast so aggressiv gesungen wie auf dem Silberling. Und als der Meister dann "Believe" anstimmt, ist alles zu spät. Das ist und bleibt die beste Ballade, die es je gegeben hat. Gänsehaut beim 1.500stimmigen Chor, (Freuden-)Tränen beim Text. Diese Nummer vereint mehr Gefühl in fünf Minuten als es andere Bands in ihrer ganzen Karriere hinkriegen. Ganz groß.
Nach "Temptation Revelation" läutet dann "Gutter Ballett" das Ende der Show ein. Zu diesem Song noch Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Die Fans rasten aus, die Band freut sich einen Ast, verbeugt sich artig und verlässt nach 115 schweißtreibenden Minuten die Bühne. Logisch, dass auf der Stelle laute 'Zugabe'-Rufe erklingen. Und da noch zwei Standards fehlen, kommt als erstes natürlich "Chance" zum Zuge, wie immer mit erstklassigen vierstimmigen Vocals. Aber das kann es natürlich noch nicht gewesen sein, denn noch fehlt der "Mountain King", den die Fans auch lauthals verlangen. Und gerade dieser Track zeigt, was Daman alles drauf hat. Oliva-Screams, raue Vocals und wenn er dann in den tiefsten Tiefen seiner Stimme wühlt und "Madness Reigns" raunt, ist alles gewonnen. Geil. Geil. Geil. Tja, was soll ich sagen? Mein Nacken ist hinüber. Egal. Danke, SAVATAGE.

Redakteur:
Peter Kubaschk

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