SUBWAY TO SALLY: "Himmelfahrt" Tour - Goslar

29.04.2023 | 22:04

14.04.2023, Miner's Rock

SUBWAY TO SALLY und das Miner's Rock haben schon einmal hervorragend funktioniert, somit liegt auch im Rahmen der aktuellen Tour zum starken neuen Album "Himmelfahrt" Goslar auf dem Tourplan. Grund genug für einen Harzer endlich mal wieder ein Konzert in der Heimat zu besuchen.

Sind wir mal ganz ehrlich. Abgesehen vom ROCKHARZ OPEN AIR ist im Harz konzerttechnisch der Hund erfroren. Ganz selten halten mal einzelne Bands in der näheren Umgebung (Göttingen etc.), aber direkt im schönsten Mittelgebirge Deutschlands finden kaum Live-Events statt. Das liegt aber nicht nur an der ländlichen Struktur oder ignoranten Veranstaltern, sondern auch an der Tatsache, dass es kaum entsprechende Locations gibt, wo denn Künstler, egal welcher Colour, auftreten konnten. Eine fast schon glorreiche Ausnahme bildet da das Miner's Rock in Goslar. In der alten Schlosserei auf dem Gelände des Weltkulturerbes "Besucherbergwerk Rammelsberg" fanden seit einigen Jahren verstärkt Konzerte statt, welche auch für Freunde der härteren Gangart immer interessanter wurden. Parallel wurde auch noch das MINER'S ROCK OPEN AIR etabliert, welches im Sommer für ausgelassene Stimmung sorgt. Während bei der Open Air-Veranstaltung am 20.08.2023 BEYOND THE BLACK nun die Weichen für eine positive Zukunft des Festivals stellt, neigen sich die Indoor-Konzerte schon wieder dem Ende entgegen. Die Veranstalter haben aus privaten Gründen sich entschieden kürzer zu treten und den Fokus auf das Freiluftgeschehen zu lenken. Somit endet nach 20 Schichten (so nennen sich offiziell die Veranstaltungen) auch schon wieder eine der spannendsten Konzert-Venues der letzten Jahre.

Während die letzte Schicht, krankheitsbedingt verschoben, am 02.12.2023 durch ASP begleitet wird (ursprünglich am Tag nach SUBWAY geplant), ist es aufgrund der finalen Runde ein doppelter Anreiz für mich an der 19. Schicht teilzunehmen und zusammen mit SUBWAY TO SALLY einen gebührenden Abschluss zu feiern. Diese Band kann live und hat mit "Himmelfahrt" ein beeindruckend starkes neues Werk in der Hinterhand. Doch bevor wir uns mit der Band aus Potsdam beschäftigen, gibt es nicht nur mit BLITZ UNION aus Tschechien einen entsprechenden Tour-Support, sondern auch, wie es sich zu Beginn einer echten, traditionellen Schicht gehört, das 'Steigerlied' zu hören. Hierzu kommt ein angemessen im Bergmannsoutfit gekleideter Mitarbeiter des Rammelsbergs auf die Bühne und intoniert a cappella das bekannte Liedgut mit dem Wunsch gekoppelt, dass doch auch bitte alle Gäste mitsingen mögen. Ihr kennt dieses Liedchen gar nicht? Kein Problem - das geht auch einigen Gästen am heutigen Abend so, jedoch kann der Veranstalter einer möglichen peinlichen Stille vorbeugen, indem kleine Zettel mit den entsprechenden Liedzeilen vorab an alle Gäste verteilt werden. Und somit tun auch viele Gäste dem Bergmann auf der Bühne den Gefallen und erschaffen somit einen wunderbaren Chor, der sicherlich für die ein oder andere Gänsepelle an dem Abend sorgt. Ungewöhnlich, aber passend und eine Besonderheit, welche dem Abend nochmal eine gewisse Atmosphäre schenkt.

Mitten in diese angespannte Stimmung schlägt dann der Blitz ein. Nur leider lässt er alle Wucht und Energie vermissen, die ich mit diesem Naturereignis konnektiere. Ja, ich sage es frei raus - BLITZ UNION ist eine Enttäuschung heute Abend. Der moderne und sehr plumpe Dark Metal meets EDM der Jungs klingt auch auf Platte schon sehr bieder und funktioniert live noch viel weniger. Der Bass und die jeweiligen Konservenbeats sind so plakativ in den Vordergrund gestellt, dass die Band fast hilflos dagegen auf der Bühne ankämpft und kaum Akzente setzen kann. Da hilft es dann auch kaum, dass die Band den Song 'Plastic' für diese Tour in einer deutschsprachigen Version performt (bei den Lyrics keine gute Idee) oder in der ersten Reihe Pappmasken verteilt. Das wirkt alles sehr gezwungen anbiedernd und passt halt auch nicht wirklich zum Sound der Hauptband. Einzig beim A-HA-Cover 'The Sun Always Shines On T.V.' kommt so etwas wie richtige Stimmung auf und sorgt auch abseits der in den ersten drei Reihen dahinschmachtenden Teenies für größere Resonanz beim Publikum. Überhaupt nicht meine Baustelle und das merke ich nach diesen 40 Minuten schmerzlich.

Doch bereits nach den ersten Takten von SUBWAY TO SALLY ist diese Stimmungsdelle hinweggefegt. Der Einstieg mit 'Was ihr wollt' und 'Leinen los' ist zwar erwartbar, aber eben auch genauso stark. Die Band ist nach ein paar leichten Soundkorrekturen sofort im Fluss und die beiden neuen Knaller sitzen direkt wie ein Maßanzug. Wobei dieser Vergleich für tatsächliche alle Songs von "Himmelfahrt" zutrifft, von dem insgesamt sieben Nummern es in die aktuelle Setlist schaffen. Insbesondere das emotionale 'Auf dem Hügel' und das von Ally überraschenderweise direkt am Mischpult performte Instrumental 'Autumn' stellen die absoluten Highlights dar. Aber auch das cineastische 'Gott sprich', welches kongenial vom a cappella vorgetragenen 'Sanctus' (vom 1997er Album "Bannkreis") eingeleitet wird, ist eine Augen- und Ohrenweide. Ansonsten rockt und groovt sich die Band quer durch die eigene Historie und gibt fast jedem Album mit einem Song die Möglichkeit zu strahlen. Dabei stehen All-Time-Faves wie 'Henkersbraut' gleichberechtigt neben neuerem Material wie 'Grausame Schwester' und 'Alles was das Herz will'. Somit kommt das Ende des regulären Sets leider viel zu früh in Form des Jahrhundertsongs 'Kleid aus Rosen', welcher zusammen mit der Gothic-Hymne 'Eisblumen' sicherlich die stärksten Publikumsemotionen hervorruft. Man könnte theoretisch schon jetzt glücklich den Heimweg antreten - tun wir aber natürlich nicht.

Und das ist eine gute Idee, denn die Zugabe hat es massiv in sich. Zuerst taucht nun Gründungsmitglied und Gitarrist Ingo Hampf beim FoH auf und beginnt mit einem geschmackvollen Gitarrensolo, aus dessen Verlauf sich langsam der STS-Evergreen 'Maria' entwickelt und vom Publikum textsicher vollendet wird. Das soll aber nicht die einzige Überraschung bleiben, denn mit dem folgenden 'Island' hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Der beste Song von "Hey" ist aber natürlich willkommen. Dann gehts auf Nummer sicher und es gibt die volle Hit-Batterie in den Berg gemeißelt. Da hätte auch Ritter Ramm seine Freude gehabt. Ob nun 'Sieben', 'Tanz auf dem Vulkan' oder das abschließende 'Veitstanz' - das ist halt so starkes Ausgangsmaterial, dass die Band es nur souverän auf die Bretter bringen muss. Aber ich zumindest habe heute das Gefühl, dass der musikalische Jungbrunnen "Himmelfahrt" der Band auch live wieder einen neuen Kick gibt und neue Spielfreude entfacht. So stark hatte ich SUBWAY TO SALLY das letzte Mal zur "Bastard"-Tour in Erinnerung. Hossa!

Aber auch der "Herzblut"-Klassiker ist nicht der Schlusspunkt. Diesmal taucht Eric himself am Soundpult auf und lässt die Sackpfeife erklingen. Somit ist klar, was folgt und schon Sekunden später (eigentlich sogar schon während der kurzen Bandabstinenz) erklingt der wohlbekannte Chorus "Blut, Blut, Räuber saufen Blut..." und das Miner's Rock steht Kopf. Auch bei einer lyrisch so anspruchsvollen Band siegt am Ende der stumpfe Singalong. Egal, das Ding ist so dermaßen Kult, das Kritik schon im Ansatz verpufft.

Nach diesen wunderbaren zwei Stunden muss sich ASP für die letzte Schicht schon gewaltig anstrengen um nochmal so ein Ausrufezeichen setzen zu können. Wir jedenfalls sind mehr als zufrieden Teil dieser vorletzten Schicht gewesen zu sein und behalten SUBWAY TO SALLY und das Miner's Rock in wunderbarer Erinnerung.

Setliste: Was Ihr wollt; Leinen los; Alles was das Herz will; Eisblumen; Weit ist das Meer; Auf dem Hügel; Böses Erwachen; Autumn; Sanctus; Gott spricht; Grausame Schwester; Henkersbraut; Falscher Heiland; Das Rätsel II; Ihr kriegt uns nie; Besser du rennst; Kleid aus Rosen; Zugabe: Maria; Island; Sieben; Tanz auf dem Vulkan; Veitstanz; Julia und die Räuber

Vielleicht haben die Veranstalter in einigen Jahren wieder Lust und Laune den Stollen für Metalheads zu öffnen. Ich denke, ich wäre wieder mit dabei. Bis dahin klingt auf dem Weg zum Auto im Kopf folgende Melodie und etwas Wehmut kommt auf:

"Glückauf, Glückauf; der Steiger kommt; und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
und er hat sein helles Licht bei der Nacht; schon angezünd't, schon angezünd't."

Redakteur:
Stefan Rosenthal

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