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SLAYER - Hamburg

15.06.2010 | 19:12

07.06.2010, Docks

Im brechend vollen Docks untermauern SLAYER ihren Status als Thrash-Metal-Legende.

SLAYER zusammen mit THE HAUNTED im Docks! Kein Wunder, dass es trotz der frühen Spielzeit der schwedischen Thrash-Metaller schon ziemlich voll ist und sich an den Bierständen Warteschlangen bilden. Die hartgesottenen SLAYER-Fans kümmern sich allerdings nicht großartig um den Support-Act und trinken ihr Bier lieber in Erinnerungen schwelgend draußen im Regen. Dabei verpassen sie den starken Auftritt einer Combo, die es noch weit nach oben schaffen kann.

SLAYER sind bekannt dafür, wirklich nur starke Bands mit auf Tour zu nehmen, und auch bei THE HAUNTED beweisen sie ein gutes Händchen. Die Schweden heizen den Saal schon mal an, und zum Glück ist auch der Sound einwandfrei abgemischt. Schon jetzt sind alle Regler bis zum Anschlag nach rechts gedreht, das große Schlagzeug dürfen THE HAUNTED allerdings nicht benutzen.

Auf der Bühne ist dennoch genug Platz, und Peter Dolving läuft wie wild von links nach rechts. Die beiden Gitarreros Patrik Jensen und Jonas Björler werfen sich die Riffs gegenseitig zu und lassen kräftig die Haare kreisen. Die gute Stimmung und die energiegeladene Show übertragen sich leider nicht vollends auf das Publikum: Zwar wippen alle kräftig mit, die Haarrotoren bleiben aber vorerst aus.

Das ändert sich schlagartig, als die ersten Töne des Titeltracks von "World Painted Blood" erklingen und SLAYER unter Sprechchören die in rotes Licht getauchte Bühne entern. Die ersten Reihen bangen, als ginge es um ihr Leben, hinter ihnen bricht der erste Pogo aus, und alle singen mit. Das neue Album ist eingeschlagen wie eine Bombe, und so stört es auch niemanden, dass SLAYER mit 'Hate Worldwide' den nächsten neuen Track bringen, bevor es mit 'Cult' weitergeht. Nach jedem Lied gehen die Arme fast aller Anwesenden nach oben, und laute "SLAYER!"-Rufe schallen gen Bühne.

In einer kleinen Pause bedankt sich Tom Araya gerührt und sagt, dass ihm der Zuspruch der Fans bei der Genesung helfe. Dass er noch leicht angeschlagen ist, ist nicht zu übersehen: Nicht ein Mal lässt er sich zum Headbangen hinreißen, dabei wippt sein Kopf immer leicht nach vorne und hinten. Allen vier Musikern ist anzusehen, dass sie es genießen, endlich wieder auf der Bühne zu stehen. Sie bewegen sich zwar nicht viel, aber das brauchen sie auch nicht, ihre Energie und Spielfreude sind unübersehbar.

Jeff Hannemann und Kerry King werfen sich die Soli nur so zu, immer wieder drehen sie sich auch zu Schlagwerker Dave Lombardo um. Vor allem King trainiert seinen Stiernacken, die SLAYER-Gefolgschaft im Innenraum tut es ihm gleich. Es ist wirklich sagenhaft, wie die beiden Männer Gitarre spielen. Das Auge kann den Fingern gar nicht mehr folgen.

Da Wärme bekanntlich nach oben strömt, kommt mir auf der Treppe zum Innenbalkon eine Hitzewelle entgegen, nachdem ich mich durch den prall gefüllten Innenraum gekämpft habe. Hier bleibt heute kein SLAYER-Shirt trocken. Selbst oben singen die Fans jedes Lied mit, auch wenn nur die vordere Reihe die Haare schwingen lässt.

Während der Pogo tobt, lassen sich die ersten Stagediver in den Fotograben tragen. Schade ist allerdings, dass einige das Konzert mit ihrer Digitalkamera filmen. Hat man so eigentlich Spaß daran?

Ab der Mitte des Sets lösen sich Hannemann und King von ihren Plätzen, tauschen mal oder beackern gemeinsam eine Seite der Bühne. Araya überlässt den Fans zwischenzeitlich komplett das Singen und bedankt sich anschließend erneut dafür, dass sie die Band nicht aufgegeben haben und heute zum Konzert erschienen sind.

Nach 'Angel Of Death' gehen um kurz vor 22.00 Uhr schon wieder die Lichter an. Eine Zugabe gibt es nicht. Weil sich das Docks in einem Wohngebiet befindet, müssen die Verstärker spätestens um zehn Uhr abends aus sein, damit die Kiezbewohner schlafen können. So kommt es, dass es draußen sogar noch hell ist, was ein bisschen befremdet. War ich nicht gerade noch auf einem SLAYER-Konzert? Ja. Und auf was für einem.

Setlist:
World Painted Blood
Hate Worldwide
Cult
Disciple
Expendable Youth
War Ensemble
Jihad
Payback
Beauty Through Order
Seasons In The Abyss
Hell Awaits
Mandatory Suicide
Chemical Warfare
Raining Blood
Aggressive Perfector
South Of Heaven
Silent Scream
Angel Of Death

Redakteur:
Pia-Kim Schaper
2 Mitglieder mögen diesen Konzertbericht.

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