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SERENITY, BEYOND THE BRIDGE und MIDRIFF - München

04.05.2014 | 09:57

11.04.2014, Backstage Club

Herrlicher Abend für Freunde der Melodie.

Immer wieder schön, diese familiären Konzerte im "kleinen" Backstage (Backstage Club). Dort ist man den Musikern so nahe, und auf dieser kleinen Bühne sind die Vorraussetzungen für jede Band gleich. Kein technischer Schnickschnack und keine aufwändige Show kann Mängel in Technik und Zusammenspiel vertuschen. Man erlebt wie die Bands wirklich sind. Nun arbeiten die knuffigen Tiroler SERENITY - zumindest auf der aktuellen CD "War Of Ages", mit so einigen Chören und orchestralen Arrangements und eine leichte Skepsis mag vielleicht schon aufkommen, ob die Mucke unter den oben geschilderten Voraussetzungen funktioniert. Doch nach dem Gig sind alle Zweifel wie weggespült und SERENITY rückt auf der Lieblingsband-Tabelle viele Plätze nach vorne.

Doch zunächst gibt es so einiges über die tollen Vorbands zu berichten. Das Powertrio MIDRIFF mit seinem kraftvoll-energetischen Rock und singendem Schlagzeuger (diesmal ohne Erkältung) durfte ich schon im Vorprogramm von KAMCHATKA erleben. Heute verpasse ich leider das meiste, doch die Eindrücke von den letzten zwei Songs sind wieder ziemlich stark und das schon jetzt recht zahlreiche Publikum quittiert dies mit Jubel.

Danach betritt eine für mich völlige Unbekannte die Bühne. Die deutsche Band BEYOND THE BRIDGE spielt theatralischen Prog Metal und schafft es tatsächlich, mich (und so einige andere) sofort in den Bann ihrer sehr versiert dargebotenen Musik zu ziehen. Man merkt gleich, dass hier absolute Vollprofis am Werk sind. Die kraftvolle, klare Stimme von Herbie Langhans gibt dem Hörer den nötigen Melodien-Anker, während die Rhythmusfraktion bisweilen doch ganz schön heftig proggelt. Was Gitarrist Peter Degenfeld-Schonburg spielt, ist bei Weitem nicht nur metallisch, manchmal schimmern auch rockige bis funkig-jazzige Einflüsse durch. So durchgeht die Musik ständige Wechsel und kann auch mal poppig-ohrwurmelig werden. Und dann wird sogar noch ein Joker gezogen: Eine neue Sängerin, Maggy Luyten, gibt in München ihre Bühnenpremiere. Ich bekomme nach dem Gig die Insider-Information, dass die gute Dame nur ein einziges Mal mit der Band geprobt haben soll. In dieser Hinsicht ist ihre Performance - auch im Duett mit Sänger Herbie - ziemlich beeindruckend. Ihre kraftvolle, leicht soulige, "schwarze" Stimme ist ein toller Kontrast zur den klaren männlichen Metal-Vocals und was die beiden da zusammen veranstalten, ist fast musical-würdig. PAIN OF SALVATION schimmert hierbei nicht nur einmal durch. Beide genießen sichtlich diese erste gemeinsame Bühnenerfahrung, auch wenn offenbar wird, dass die Bewegungen der beiden noch nicht ganz optimal abgestimmt sind. Sei's drum, die Mucke passt und BEYOND THE BRIDGE sollte man sich sehr dick auf den Merkzettel schreiben.

Nun aber zu SERENITY: Zahlreiche Fans aus ganz Europa haben sich hier eingefunden, um ihre Lieblinge live zu sehen oder gar auf der Tour zu begleiten. Diese werden während des Gigs dann auch persönlich begrüßt und sorgen durchweg für eine ganz tolle Stimmung. Die Band hat ein breites musikalisches Repertoire, das von eingängigem AOR/Melodic Rock bis zum symphonischen Power Metal reicht und alles dazwischen abdeckt. Schnell wird offenbar, dass die mehrstimmigen Arrangements live überhaupt kein Problem darstellen, denn fünf der sechs Bandmitglieder verfügen über tolle Singstimmen. Die Chor- und Harmoniepassagen geraten somit äußerst voluminös. Unterstützung gibt es obendrein vom Publikum, das von Beginn an - zumindest bei Refrains - jeden Ton mitsingt. An dieser Stelle muss ich leider zugeben, dass ich viele Songs nicht kenne ("War Of Ages" ist mein einziges SERENITY-Album) und als Nicht-Trällernder in den ersten Reihen fast sogar auffalle.

Dreh-und Angelpunkt der Show ist der charismatische Frontmann Georg Neuhauser. Der glatzköpfige Hingucker ist bestens aufgelegt und hat obendrein in paar lustige Ansagen im petto. So wird ein Song mit "Was heißt Neuhauser auf italienisch?" angekündigt. Auf etwas verwirrtes Murmeln folgt bald Jubel, denn die Die-Hard-Fans wissen, dass SERENITY einen Song über Giacomo Casanova gemacht hat: 'The Chevalier'. Ein toller Song, denn die Fans danken der Band nach dieser Denksportaufgabe mit großartiger gesanglicher Mitarbeit, die perfekten Backings tun ihr übriges. Ja, hier muss man einfach mitgerissen werden. Alles ist echt bei SERENITY und wenn ich auch noch einmal den Begriff "Plastik-Metal" im Zusammenhang mit den Tirolern hören sollte, werde ich böse. Solche Leute haben eben keinen Plan. Plan hat aber SERENITY und auch die Ösis haben wie BEYOND THE BRIDGE auch noch einen Joker im Ärmel, nämlich Sängerin Clementine Delauney. Als Frau und auch stimmlich ist sie so ziemlich das Gegenteil zum BEYOND THE BRIDGE-Hutzauber Maggy. Sie ist groß und fast unheimlich dünn, so dass ich hier erstmal an eine dunkelhaarige Barbie-Puppe denken muss (ich finde ja Barbie ein wenig ungesund, um ehrlich zu sein). Auch ihre Stimme ist eher zart und elfenhaft, ist aber genau die Klangfarbe, die in den Männerchören noch fehlt. Und sie hat immer wieder ihre Soloauftritte. Ganz besonders bei der taschentuchfüllenden Ballade 'Fairytales', die alle hier schwer berührt. Schnüff. Und alle singen mit. Fast. Ich singe lalalaaaa, so laut und falsch wie möglich, überlebe aber. Und auch mein Lieblings-Song 'Royal Pain' wird gespielt. Ich bin glücklich. Sehr glücklich! Eine super Band, diese SERENITY! Gerne bald wieder!
Setlist SERENITY: The Matricide, Coldness Kills, Velatum, Legacy of Tudors, The Chevalier, Fairytales, Reduced to Nothingness, Royal Pain, Heavenly Mission, Wings Of Madness, Age Of Glory, Serenade of Flames
[Thomas Becker]

Da ich mich der allgemein begeisterten Reaktion des Kollegen Becker vollauf anschließen kann, hier nur einige kurze Notizen zu Frankfurt: Der ein paar Tage zuvor in München verpasste MIDRIFF weiß in der Tat als energiegeladenes Powertrio zu überzeugen. Schlagzeuger und Sänger Paul Henzinger ist wirklich gut bei Stimme und kriegt die Koordination zwischen Stimme und Stöcken reibungsfrei hin, der Bass pumpt und die Gitarre rifft und soliert, wie sich das für Hard Rock (mit modernem Einschlag) gehört.

BEYOND THE BRIDGE stürzt mich dann doch in einen gewissen Zwiespalt. Einerseits macht es großen Spaß, der Band auf der Bühne zuzusehen, da alle vor Spielfreude nur so strotzen, alles voller Leben ist und trotz aller Virtuosität an diversen Stellen immer fehlerfrei dargeboten wird. Andererseits kann es gut sein, dass es sich hier um gerade die Sorte Prog Metal handelt, die zwar die komplette Ausdruckspalette in einem Song hat, dabei aber die wirklichen Höhepunkte vermissen lässt. Da es sich hier für mich aber um eine Erstbegegnung handelt, ist das auch nur ein Ersteindruck, für etwas darüber hinausgehendes ist die Musik - zugestandendermaßen - zu anspruchsvoll.

Tja, und SERENITY? Soviel Besonderes kann ich zum Headliner gar nicht sagen. Der ist mir schon länger bekannt, auch wenn ich ihn erst mit dem aktuellen Album (wieder) richtig ins Herz geschlossen habe. Ein Platz, der der Band in Zukunft sicher sein wird, besonders nach diesem großartigen Konzert. Die Setlist lässt wieder keine Wünsche offen und bleibt die gleiche wie oben, wobei heute vor 'Reduced To Nothingness' noch 'Journey's End' eingeschoben wird. Im Übrigen erfreut der Abned mit einem guten Sound, Spielfreude, technisch einwandfreier Darbietung aller Beteiligten und der sympathische Interaktion Georgs mit dem Publikum. Das honoriert das Publikum (das Nachtleben ist spätestens seit der zweiten Band proppenvoll) seinerseits mit aktivem Mitmachen und vor allem Mitsingen. Auch ich bin glücklich. Und Hang, die die Fotos gemacht hat, auch. Tolle Band, diese SERENITY.

[Christian Schwarzer]

Redakteur:
Thomas Becker

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