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SENTENCED, LACUNA COIL - Frankfurt

29.11.2002 | 13:15

20.11.2002, Batschkapp

Für die Leser, die Zeit haben, geht´s hier los:
Hier ist mal wieder ein Bericht über einen ungeplanten und spontanen Konzertbesuch von mir. Diesmal hab ich von meinen internationalen Freunden (2 Türken, 1 Ecuadorianer, 1 Grieche, 1 Bulgarin und 1 Saarländerin) leider sehr spät erfahren, dass sie auf SENTENCED und LACUNA COIL in die Batschkapp fahren. Da gemeinsame Konzertbesuche in großer Gruppe immer sehr spaßig sind und ich alleine wohl nicht gefahren wäre, entschied ich mich spontan, mitzufahren ohne zu wissen, dass bereits ausverkauft war sowohl für Fans als auch für Pressefritzen - wenigstens die anderen sechs hatten ihre Karten schon länger vorher bestellt.
So mieteten wir schnell nen komfortablen Neunsitzer (Bahntickets kann sich heut ja keiner mehr leisten und heim kommen tut man auch erst am nächsten Morgen) und fuhren gemeinsam mit lauter Musik und babylonischem Sprachgewirr von Kaiserslautern aus gen Frankfurt.
Da wir irgendwo in Frankfurt eine falsche Ausfahrt genommen haben (der Grund ergibt sich aus vorangegangenem Satz) und die Wegbeschreibung demzufolge dann unbrauchbar war, sind wir erst um 20 vor 9 angekommen. Da war die Vorgruppe BLACKSHINE (wären ganz o.k. gewesen) schon fertig und unser Kartenproblem leider auch nicht gleich auf die Schnelle zu lösen. Besonders für die Südländer war überraschend und ungewohnt, dass vorm Eingang statt "fliegender Händler" nur Kartensucher standen.
Nachdem alle außer mir ihre Karten hatten, wären sie sogar bereit gewesen, diese herzugeben und was Trinken zu gehen (einer für alle ...). Die Security am Eingang blieb auch sehr hart und konsequent, als wir die Karten in Vorgruppe und Hauptact teilen wollten – aber schließlich ist dann doch durch irgendeinen glücklichen Umstand eine unverbrauchte Karte aufgetaucht, die uns dann zugesprochen wurde. Da wir noch keinen Bericht von der Tour hatten (na ja, mittlerweile gibt´s ja sogar zwei), will ich euch lieben Lesern diesen natürlich nicht vorenthalten.

Für die Leser die wenig Zeit haben, geht´s hier los:
Der ganze Abend war wirklich international, weil wir als Ausländer (s.o.) nach Hessen kamen, um uns Ausländer (Italiener und Finnen) anzusehen. Als wir uns dann in die vorderen Reihen vorgekämpft haben, sind wir noch auf eine Bayerin getroffen.
Aber nun schon zum Konzert:
LACUNA COIL legten mit ihrer Fünfer-Sturmkette energiegeladen los. Der Sound wurde im Verlauf vom Konzert immer besser, so dass die Gitarren bei den Powerparts der Italiener enorm gedrückt haben, die Bass-Drum entsprechend geknallt hat und man trotzdem noch die Gesänge gut hören konnte. LACUNA COIL zeigten sich ziemlich professionell, ließen nichts anbrennen und sind beim Publikum auch sehr gut angekommen, also beim Großteil mal. Meine Kumpels waren nämlich nicht unbedingt grad angetan, weil richtig neue unverbrauchte Ideen suchte man bei den Italienern vergebens und die ab und zu vom Band laufenden Samples (Drumloops u.ä.) konnten diese auch nicht wirklich überzeugen. Aber das kann LACUNA COIL egal sein, weil sie sich durch ihre von Mal zu Mal besser werdenden Outputs sowie ihrer tollen Frontfrau Cristina schon eine nicht zu unterschätzende Hörerschaft erspielt haben. Dem Gig zufolge haben sie auch noch genug Energie, um sowohl in der Kreativität als auch auf der Erfolgsleiter noch ein paar Schritte weiter zu gehen.

Setlist:
1. To Live Is To Hide
2. Swamped
3. Heaven's A Lie
4. Senzafine
5. Self Deception
6. Falling Again
7. When A Dead Man Walks
8. Tight Rope
9. Daylight Dancer


Auf die heißblütigen Italiener kamen dann die trinkwütigen Finnen von SENTENCED. Das verdeutlichte Sänger Ville gleich, in dem er obercool mit Wodka-Pulle auf die Bühne trabte.
Was dann im Publikum geschah, kann man eigentlich nur mit Extrem-Headbanging, Pogo, Stagediving aus 80er Konzerte vergleichen – toll, dass es sowas noch gibt (auch wenn ich für meinen Teil schon etwas darauf achte, dass mir nicht irgendwelche Springer den Hinterkopf zertrümmern).
Eigentlich war egal was SENTENCED spielten, denn abgegangen ist es bei fast jedem Song “wie die Sau“, dabei waren die häufigen Clean-Parts in den Songs der neuesten Platte eine willkommene Erholung.
Ville hat eine sehr coole aber sympathische Art mit dem Publikum umzugehen. So nahm es ihm niemand übel, dass er nach dem ersten Song schon den letzten ankündigte. Auch gab er für die vorderen Reihen was von seiner Wodka-Pulle ab. Ihm hat es sichtlich Spaß gemacht, sämtliche Klischees zu erfüllen und dabei auch noch so manche Frauen bis nach dem Konzert bei Laune zu halten (“Stay wet for me“). Überhaupt scheinen die Finnen ja ganz gut anzukommen bei den Frauen, wenn man sich so rumgehört hat. Das erklärt dann wahrscheinlich auch den etwas höheren Frauenanteil als bei anderen Konzerten. Auf die Aussage einer Mitfahrerin, dass sie den Sänger so liebt und an zweiter Stelle den Schlagzeuger, konnte ich nur kleinlaut bemerken, dass mich mehr interessiert, wie die Musik machen.
Zur Musik kann man bei SENTENCED positiv erwähnen, dass sie ihren Stil gefunden haben.
Also RUNNING WILD haben auch ihren Stil gefunden, was ja eigentlich auch was Positives ist.
Meiner Meinung nach klingen viele SENTENCED-Nummern aber zu ähnlich, haben fast immer den selben Aufbau plus Harmoniefolgen und Ville sorgt mit seiner gleichbleibenden geilen Röhre auch nicht grad für Abwechslung. Zu Amok-Zeiten waren die Songs noch etwas markanter und eckiger. Das merkte man, als der Klassiker “Nepenthe“ rausgekramt wurde und alle zum Saufen animiert wurden.
Als vor lauter Gehämmere dem Drummer das Fahrradpedal aus der Federung gesprungen ist und Ville den Klöppel gleich dem Publikum schenkte, bewies Sami Spontanität, in dem er nur mit seinem Bass und dem Publikum “Holy Diver“ von DIO anstimmte bis das Problem mit dem Pedal behoben war.
Ein absolutes Highlight gab´s dann noch zum Schluss mit der ehrwürdigen MAIDEN-Coverversion von “The Trooper“. Kam sehr gut an. Mir persönlich hat allerdings die geniale Umsetzung von der damaligen Maxi-CD etwas besser gefallen, weil noch schneller, brutaler und dadurch auch witziger. Vielleicht sollten SENTENCED auch mal Ihre Gitarren-Solo-Parts ein bisschen aufteilen, weil das auch schon mal für Abwechslung sorgen kann.
Aber selbst nach diesem wirklich allerletzten Song ließen die Batschkapp-Besucher die Finnen nicht gehen. Also packten sie ihre allerallerletzte Zugabe “Farewell“ aus und hinterließen fast nur glückliche und zufriedenen Zuschauer, die wohl auch auf das nächste Konzert der Finnen gehen würden.

Wir tranken dann noch ne Kleinigkeit in der Kneipe neben der Batschkapp und fuhren mit einer Bulgarin weniger gen Heimat. Diese wollte noch unbedingt alle Autogramme und dann mit dem Zug fahren. Ich hoffe, sie hat auch die von ihren Favoriten bekommen.

Setlist:
1. Intro (Konevitsan Kirkonkellot)
2. Cross My Heart And Hope To Die
3. Neverlasting
4. Sun Won´t Shine
5. Brief Is The Light
6. Aika Multaa Muistot
7. Noose
8. Broken
9. Noone There
10. Nepenthe
11. Suicider
12. Excuse Me While I Kill Myself

13. Bleed
14. The Trooper
15. Farewell

Redakteur:
Tilmann Ruby

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