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SCORPIONS, BEYOND THE BLACK - Stuttgart

21.03.2016 | 16:52

14.03.2016, Hanns-Martin-Schleyer-Halle

Wenn sich die großen alten Rocker auf ihrer 50-Jahre-Tour um die größten aktuellen Newcomer verstärken, treffen sich junge und alte Frische.

Das Rockurgestein aus Hannover gibt sich mal wieder die Ehre. Nachdem die größte deutsche Rockband vor einigen Jahren mit der Ankündigung schockierte, sich aus dem Karussell des Geschäftes zurückziehen zu wollen und dem Trott des Zirkels aus Albumveröffentlichung und Tour entfliehen zu wollen, hat sie doch mit schöner Regelmäßigkeit neue Alben und erneute Tourneen durchgezogen. Und so ist auch 2016 eine neue Tour zum aktuellen Album "Return To Forever" unterwegs.

Der erste Stopp ist Stuttgart, die Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Als ich eintreffe, spielt die Vorband BEYOND THE BLACK bereits. Die Band hat ein Major-Label im Rücken und wird von diesem optimal unterstützt, der Openingslot auf der aktuellen SCORPIONS-Tour ist da nur die Kirsche auf dem Support-Kuchen. Aber eine große selbige, denn die Halle ist sehr gut gefüllt. BEYOND THE BLACK und vor allem Aushängeschild und Frontfrau Jennifer Haben spielen einen Querschnitt aus ihren beiden Alben, vor allem für das Doppel der beiden Titellieder heimsen sie lautstark Applaus ein. Ich bin sicher, man hat heute weitere Fans dazugewonnen, auch wenn das Publikum durchaus älter ist als die allgemeine Zielgruppe der Band. Leider ist die Spielzeit nicht allzu reichlich bemessen, um 20:30 Uhr ist Schluss, obwohl sie durchaus noch einige echte Pfeile im Köcher gehabt hätten. Aber immerhin, man hat sich wieder einem großen Publikum präsentiert und dürfte weiterhin auf dem Weg in den Rockolymp sein.
Setliste: In the Shadows, Written in Blood, Love Me Forever (Motörhead cover), Lost In Forever, Songs of Love and Death, Running to the Edge

Der Vorteil daraus ist, dass die SCORPIONS bereits im 21:00 Uhr auf die Bühne treten. Mit 'Going Out With A Bang' startet die Show dieser veritablen Rocklegende, die sich nicht, wie bereits angesprochen, rar macht. Es ist wohl nicht so einfach, nach beinahe fünf Jahrzehnten einfach das Rocken abzulegen. Ich habe das Gefühl, dass die Ankündigung ruhiger zu treten, den Musikern eine Atmosphäre der Befreiung beschert hat, die ihnen einen neuen kreativen Schub gegeben hat. Die aktuellen Alben sind alle stark, wirken zwanglos und kommen mit schöner Regelmäßigkeit. So auch das letzte, "Return To Forever". Man muss nichts mehr beweisen, und als solches genieße ich die Musik der Hannoveraner als das, was sie ist: handgemachte, ehrliche Rockmusik ohne Hintergedanken, einfach das, was den älteren Herren Spaß macht. Und mir.

Und genau das transportiert die Band auch von der Bühne herunter. Klaus Meine ist etwas zurückhaltender, zwischendurch wird auch mal ein Instrumental gespielt, was ihm Gelegenheit gibt ein wenig auszuruhen, aber trotzdem ist er ein sympathischer Frontmann wie eh und jeh. Dazu Rockerboy Rudolf Schenker und Leadgitarrist Mathias Jabs, und eine beinahe endlose Reihe an Klassikern. Die Auswahl derer ist dann auch das Interessanteste am Abend, denn dass die SCORPIONS die Erwartungen erfüllen würden, stand für mich außer Frage. Die Jungs sind Profis und dürften selbst an einem ganz schlechten Abend nicht enttäuschen. Doch die angesprochene neu gewonnene Spielfreude spiegelt sich auch in der heutigen Setliste wieder. Normalerweise könnte man eine solche für die Norddeutschen ziemlich einfach zusammenstellen. Man nehme die 16 größten Hits und am Ende des Abends gehen alle Fans euphorisch nach Hause. Aber das wäre zu einfach. Wer das möchte, muss sich die SCORPIONS auf einem Festival ansehen. Wenn sie auf Tour kommen, wird variiert, und genau das macht den heutigen Abend spannend. Im Mittelpunkt steht ganz deutlich das aktuelle Album, von dem nicht weniger als vier Songs, verteilt über den gesamten Auftritt, gespielt werden. Herausragend hierbei das stadiontaugliche 'Built This House On A Rock', das für Begeisterung sorgt. Aber entscheidender ist die Auswahl an Klassikern, die eingestreut werden. Schon ganz zu Beginn überrascht mich 'Make It Real', gefolgt von einem der absolut größten Songs der Band, 'The Zoo'. Und danach 'Coast To Coast'. Und wie um überraschte Blicke zu provozieren, geht es danach sogar noch weiter zurück und ein Medley aus Liedern der Siebziger zeigt, dass der Ruhm nicht von ungefähr kommt. Hierfür nimmt sich die Band wirklich Zeit, was mir besonders gefällt.

Erhöht im zweiten Stock der Bühne tobt sich dazu Drummer Kottak aus, der seine riesige Tättowierung "Rock And Roll Forever" weidlich zur Schau stellt und den Wilden heraushängen lässt. Das geht so weit, dass wir auch ein Drumsolo erleben dürfen. Oder müssen, da ich kein großer Fan solcher Einlagen bin und die Zeit gerne lieber für ein, zwei weitere Songs genutzt gesehen hätte. Andererseits zollt die Band dem Alter der Musiker Tribut. Bereits erwähnte Erholungspausen für Sänger Meine sind nicht das Einzige, auch Schenker bekommt einmal sein Break und während der akustischen Darbietung von 'Send me An Angel' und 'Winds Of Change' darf Kottak ausruhen. Aber das Ganze ist so perfekt integriert, dass man es nur bemerkt, wenn man wirklich darauf achtet.

Natürlich dürfen einige Klassiker, vor allem des "Love At First Sting"-Albums, nicht fehlen. Die größten Hits werden auch am lautesten mitgesungen und gefeiert. Das ist der Teil der Show, der zu erwarten gewesen war und ohne den ein solcher Gig undenkbar wäre. Diese Erwartungen werden vor allem in der zweiten Hälfte erfüllt, zu eine Zeitpunkt, zu dem ich bereits mehr Abwechslung bekommen habe als ich zu hoffen gewagt hatte. Interessant ist noch, dass es im Set noch ein zweites Medley gibt, was ich für eine ausgezeichnete Idee halte. Dann folgen einige Klassiker und 'Big City Nights' beschließt das reguläre Set, doch für 'Still Loving You' und 'Rock Your Like A Hurricane' kehren die SCORPIONS noch einmal zurück, um sich im Glanze der großen Rockhymnen feiern zu lassen. Nach etwas mehr als 90 Minuten ist Schluss. Ich sehe zufriedene Gesichter, obwohl zugegebenerweise die Stimmung während der Klassiker naturgemäß euphorischer war. Aber diese ungewöhnliche Setliste bedeutet, dass es auch wieder Spaß machen wird, die nächste Tour der hannoveraner Stacheltiere zu besuchen, von der ich sicher bin, dass sie nicht allzu lange auf sich warten lassen wird. Einmal Rocker, immer Rocker.
Setliste: Going Out With a Bang, Make It Real, The Zoo, Coast to Coast, Top of the Bill / Steamrock Fever / Speedy's Coming / Catch Your Train, We Built This House, Delicate Dance, Always Somewhere / Eye of the Storm / Send Me an Angel, Wind of Change, Rock 'n' Roll Band, Dynamite, In the Line of Fire, Drumsolo, Blackout, Big City Nights, Zugabe: Still Loving You, Rock You Like a Hurricane

Redakteur:
Frank Jaeger
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