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Rock Hard Festival 2006 - Gelsenkirchen

07.07.2006 | 00:25

02.06.2006, Amphitheater

Freitag, 02.06.

Ja, schön wieder hier zu sein, nech? Nachdem ich im letzten Jahr meine RHF-Premiere feiern durfte, war es absolut keine Frage, dass das schnieke Fetzival in Gelsenkirchen wieder eines der Highlights der Saison werden würde. Spülklos! Deutlich weniger als 10.000 Leute! Amphitheater! Und passend dazu auch noch gutes Wetter - dieses mal friert man sich nachts nicht den Arsch ab, weil Pfingsten anno 2006 wieder im Juni gefeiert wird. Und wie!
[Rouven Dorn]

ENGEL

Die schwedischen Newcomer dürfen als Demo-Gewinner-Band das Festival auf der kleinen Bühne eröffnen. Dank Mitwirkung von Ex-GARDENIAN-Klampfer Niclas Engelin (jetzt dürfte jeder wissen, woher der Name der Band kommt ;-)) ein absoluter Pflichttermin für mich, zumal die Single 'Walk The Wounded' schon ein kleiner Hammer ist. Als die Jungs die Bühne betreten, fühle ich mich jedoch irgendwie an KATATONIA erinnert, zumindest schaut Fronter Mangan in seinem Military-Style-Look ein bisschen nach den Mützenträgern aus. Klingen tut's dann doch ganz anders - und kann zu Beginn nicht wirklich überzeugend. Gerade Mangan hat anfangs einige Probleme, wirkt nicht souverän. Mit jeder weiteren gespielten Minute dreht sich die Skepsis jedoch in ein wohliges Gefühl um, die Füße wippen, der Kopf nickt, das Hirn denkt sich: Jawollja!
Die Jungs machen irgendwie Spaß. Vielleicht sind es die frechen, teils schon dancebeat-artigen Rhythmen der Truppe, vielleicht auch das ordentlich feiernde Publikum. Denn geht man mal rein analytisch an das Schaffen von ENGEL ran, so kann man schnell viel modernisierte GARDENIAN und auch 'ne gute Portion SOILWORK rauspicken. Erinnert manchmal an SCAR SYMMETRY. Aber: es rockt. Die ansehnliche Menge vor der Bühne dankt's der Truppe, und eine sehr unterhaltsame Dreiviertelstunde ist schon vorbei. Fein!
[Rouven Dorn]

CUSTARD

War klar, von den Kollegen hatte mal wieder niemand Lust und deshalb durfte ich die sauerländische HELLOWEEN-Kopie CUSTARD besprechen...und es war fürchterlich. Und außerdem alles gar nicht wahr. CUSTARD kommen aus Herne, haben mit HELLOWEEN nur ihre Vorliebe für melodischen Heavy Metal gemeinsam und sind ansonsten eine wohltuende Alternative zu all dem Mist, der einem sonst als Metal verkauft wird. Die Instrumentalfraktion gab ordentlich Gas, vor allem die dreifache Gitarrenfront konnte einiges, einen Keyboarder suchte man vergeblich und Sänger Guido hievte die eh schon okaye Show nochmal ein Level höher. Der Mann konnte nicht nur verdammt gut singen, sondern war sowohl kommunikativ wie bewegungstechnisch einfach mal super. Und da man ihm, wie auch dem Rest der Band, ansah, wieviel Spaß die Jungs auf der Bühne hatten, war das summa summarum ein gelungener Gig. Endgültig gewonnen hatte die Band dann mit dem starken OVERKILL-Cover 'In Union We Stand', das vom Publikum fleißig mitgesungen wurde. Logische Folge des Ganzen: massive Zugaberufe, die die Band zurück auf die Bühne riefen. Nach 'I Know You' war dann aber endgültig Schluss. Gute Band, gute Show, da gabs mal nichts zu meckern.
[Herbert Chwalek]

MERCENARY

Nach neun Stunden Zugfahrt und einigen Bierchen aus dem Speisewagen ist das, was uns jetzt erwartet eine Wohltat, denn einen besseren Auftakt für das Rock Hard Festival hätte man nicht finden können! Der Doppel-Headbang-Anschlag MERCENARY und MORGANA LEFAY wärmt die Nackenmuskulatur gut auf und verursacht auch bei einigen Kollegen akuten Stimmverlust durch Mitgrölen. MERCENARY sind eben eine Macht, und auch René, der neue Mann am Bass und Gesang, hat mittlerweile seinen festen Platz in den Reihen der Dänen gefunden. Schnell hat sich die Fangemeinde vor der Bühne versammelt und die gute Stimmung steigert sich von Song zu Song, was beim intensiven Mitsingen von Klassikern wie 'Firesoul' beginnt und mit einer Crowdsurfer-Überflutung endet. Selbst die Bühne verwandelt sich in eine Partymeile denn jeder, der von der Menge hier hinaufbefördert wird, bleibt gerne ein bisschen dort oben und feiert mit MERCENARY, die sich sichtlich über so viel Zuspruch freuen und keine Anstalten machen, die Headbanger wieder zu verjagen. Mikkel setzt sogar den knallorangenen Hut auf, den ein Fan auf die Bühne wirft und singt zum Spaß aller Anwesenden einen Song mit dem lustigen Kopfschmuck, der in weiterer Folge an andere Bandmitglieder weitergereicht wird. Musikalisch gibts natürlich nur allerfeinste Kost und sogar einen neuen Song, 'Soul Decision', der mit seiner Mischung aus brachialen Rhythmen und sanften Gesangslinien überzeugt und die Vorfreude aufs neue MERCENARY-Album steigert. Als dann die ersten Takte von 'Loneliness' ertönen gibt es kein Halten mehr in der Menge, auf den Song hatten alle gewartet (und auch die Redaktion bangt eifrig mit und singt Arm in Arm, Schunkelalarm). Immer mehr Crowdsurfer landen auf der Bühne und feiern mit MERCENARY gemeinsam den letzten Song '11 Dreams'. Die sympathischen Dänen schaffen es immer wieder mit ihrer Fannähe und ihrem Talent zu begeistern und beweisen auch einen guten Musikgeschmack. Immerhin sieht man die Jungs an allen Festivaltagen bei Bands wie NEVERMORE, GOJIRA oder FATES WARNING im Publikum ;-)
[Caroline Traitler]

MORGANA LEFAY

Hell yeah! Nach den überraschend starken ENGEL, einer Bierpause bei CUSTARD und den dieses Mal schon fast göttlichen MERCENARY geht sogar noch mehr: Die Bollnäs-Barden von MORGANA LEFAY dürfen den ersten Festivaltag auf der kleinen Bühne abschließen. Eigentlich ein Punkt zum Mosern, da ich die Jungs nur allzu gerne auf der großen Bühne gesehen hätte, aber auf der anderen Seite kann man bei 'ner Spielzeit von einer Stunde auch nicht groß meckern.
Schon der Andrang vor der Bühne ist heftig: Fast kommt es einem vor, als wäre dies der erste Reunion-Gig von LEFAY, derart viele Besucher drängen vor die Bühne. Daraus resultieren auch wieder massenweise Crowdsurfer, aber glücklicherweise bleibt alles noch einigermaßen gemütlich.
Singen kann man im Ruhrpott anscheinend auch richtig gut, und so finde ich mich gleich beim Opener 'My Funeral Is Calling' von trällernden und grölenden Menschen umgeben - klar, dass solch eine Stimmung ansteckend wirkt. Man kann aber auch einfach nicht anders: 'Source Of Pain', 'Master Of The Masquerade' oder 'In The Court Of The Crimson King', hier kommen die Klassiker zum Zuge, die man jedes mal von der Band livehaftig intoniert wissen will. Dazu dann noch das Über-Triple von der aktuellen "Grand Materia" (bestehend aus 'Hollow', 'I Roam' und 'Angel's Deceit') und der Abend kann nicht mehr besser werden. Leider ist der Sound etwas matschig und teils zu undifferenziert geraten, was mir aber ausnahmsweise mal nicht den Spaß an der Sache nimmt - zu geil ist das hier unten im Publikum, zu groß die Party und zu wunderbar sind die schwedischen Kompositionen. Am Ende fehlt eigentlich nur noch der Stampfer 'To Isengard', aber auch ohne die LotR-Schlachthymne lässt es sich mit einem sehr breiten Grinsen auf den Backen abtreten. Diese Jungs muss man einfach lieben!
[Rouven Dorn]

Redakteur:
Rouven Dorn

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