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Rage, Nightwish - Ludwigsburg

28.10.2000 | 08:28

12.12.1999, Rockfabrik

War das aktuelle EUROPE-Album "Secret Society" schon selbst für einen Fan der Band wie mich DIE Überraschung in 2006, so durfte ein Besuch der folgenden Tour natürlich nicht fehlen. Ganz in schwarz gekleidet und mit eben jenem bärenstarken neuen Album sowie unzähliger alter Granaten im Gepäck betraten die ehemaligen Superstars der Achtziger die Bühne der kultigen und geschichtsträchtigen Fabrik in Hamburg. Das die Band in allen Belangen "erwachsener" geworden ist kommt sowohl im optischen Erscheinungsbild als auch und vor allem im neuen Songmaterial deutlich zu Tage. Das Erfreuliche an der so genannten Reunion der Schweden ist jedoch nicht nur aus meiner Sicht aber auch die Tatsache, dass Tempest, Norum und Co. ihre Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt leugnen, was sowohl phasenweise in den neueren Songs als auch in den Setlisten jüngster Auftritte allzu deutlich wird. Alte Gassenhauer sind reich gesät und werden auch entsprechend vom Publikum gefordert und gefeiert. Aber auch das (berechtigte!) Ansinnen der Band neues Material zu promoten bzw. zu spielen ist lobenswert und wurde auch entsprechend begeistert aufgenommen.

Der Einstieg stand mit den düster daherkommenden und von vergleichsweise tief gestimmten Gitarren dominierten neuen Stücken 'Love Is Not The Enemy' und 'Always The Pretenders' ganz im Zeichen des neuen Albums. Aber schnell wurde mit dem genialen 'Superstitious' ein großer Hit und die erste wirkliche Mitsing-Nummer nachgeschoben. Es folgte mit 'Seven Doors Hotel' ein Stück des allerersten Albums, welches die Mannen um Joey Tempest (voc.) aber auch schon auf der letzten Tour gespielt haben. Hier wäre ein wenig Abwechslung schon nett gewesen. Mit 'Let The Children Play' und 'The Getaway Plan' folgten zwei weitere Highlights von "Secret Society", die teilweise mit speziell abgestimmter Lightshow und dezent verzerrten Vocals unterstützt werden. Die vorab in Interviews getroffene Aussage, dass man beim Songwriting und Aufnehmen darauf geachtet hat, dass alle Songs auch live funktionieren, wird beeindruckend demonstriert. Als nächstes rahmten ein eher unspektakuläres Bass-Solo von John Leven und ein Keyboard-Solo von Mic Michaeli, welches schließlich in 'Sign Of The Times' übergeht, den starken Song 'Flames' vom so genannten Comeback-Album "Start From The Dark" (2004) ein. Leider fehlten die Songs vom grandiosen "Wings Of Tomorrow"-Album völlig, aber irgendetwas ist ja immer. Nach der bereits von der letzten Tour bekannten, aber immer wieder beeindruckenden Akustik-Version von 'Carrie' und dem Titelstück des aktuellen Albums kam dann die vielleicht erste Überraschung in Form eines improvisierten Blues-Stückes, welches sich an das obligatorische und saustarke Gitarren-Solo von John Norum anschloss. Bevor es dann für die fünf Schweden kurz von der Bühne ging, folgten noch das unter Umständen vermeidbare 'Girl From Lebanon', das obermelodische Titelsong von "Start From The Dark" und eine energische Version von 'Yesterdays News' sowie der Hit 'Rock The Night'. Als Zugabe gab es 'Got To Have Faith', 'Cherokee' und natürlich dem finalen Countdown stürmisch geforderte Nummern, ohne die das Hamburger Publikum die Schweden wohl nicht lebend von der Bühne gelassen hätte.

Ein Wort zum Publikum: Ein Vater mit seinem Sohn, die ganz in meiner Nähe standen, drücken ziemlich perfekt die Mischung zwischen jung und alt, die an jenem Dienstag die mit gut 800 Rockfans sehr gut gefüllte Fabrik bevölkerten, aus. Während der Vater mit einem AEROSMITH-Shirt glänzen konnte, trug Filius wie selbstverständlich ein BULLET FOR MY VALENTINE-Shirt und beide feierten alte und neue Songs der Schweden ab, als wäre es das Normalste von der Welt. Nach diesem Gig ist wohl niemand enttäuscht nachhause gegangen und EUROPE haben mal wieder ihre Ausnahme-Stellung bewiesen.

Die absolut unverschämten (!) Merchandise-Preise (simple T-Shirts mit dem Albumcover auf der Front und ohne Rückendruck für 34 Euro!!) und die für eine Truppe mit einer derartigen History recht kurze Spielzeit (weit unter neunzig Minuten bei nicht vorhandener Vorband!!!) sollten und dürfen natürlich nicht unerwähnt bleiben. Da allerdings niemand gezwungen wird diesen Preiswahnsinn mitzumachen und die dargebotene Leistung mehr als erste Sahne war – wenn auch bis auf Joey die Band etwas routiniert wenn nicht sogar teilweise leicht unbeteiligt wirkte – so kann das Fazit nur heißen: EUROPE sind nach wie vor eine erstklassige Liveband und haben einen beispiellosen Backkatalog, den sie sehr zur Freude des begeisterten Publikums gekonnt in Szene setzen. EUROPE rocks!

Setlist:

Love Is Not The Enemy
Always The Pretenders
Superstitious
Seven Doors Hotel
Let The Children Play
The Getaway Plan
Bass Solo John Leven
Flames
Keyboard-Solo Mic Michaeli
Sign Of The Times
Carrie (Akkustk)
Secret Society
Gitarren-Solo John Norum / Band-Instrumental
Girl From Lebanon
Start From The Dark
Yesterdays News
Rock The Night
--------------------------------------------
Got To Have Faith
Cherokee
The Final Countdown

Redakteur:
Martin Stark

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