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ROCKHARD-Festival - Gelsenkirchen

18.06.2003 | 09:01

06.06.2003, Amphiteater

2. Tag, Sonntag, 07.06.2003

So konnten wir dann nach einer guten Nachtruhe und einem reichhaltigen Frühstück uns glücklicherweise sorglos, nachdem wir ja wieder komplett waren, auf den Marsch zum 2. Teil des Festivals begeben.

13:00 – 13:45 DARKANE
DARKANE aus Schweden waren die ersten am Sonntag, die die noch müden Metaller aufwecken durfte. Das gelang ihnen auch gut mit ihrem teils atmosphärischem teils melodischem mit Grind-Passagen gespicktem Death Metal. Die Bass-Drum und die Gitarren kamen derart heavy rüber wie bei fast keiner anderen Band des Tages. Die Keyboards kamen vom Band und der Sänger hielt es nur an wenigen Stellen für erforderlich Melodien einzubauen. DARKANE waren bestimmt nicht jedermanns Sache, was aber nur am Geschmack des einzelnen hing. An dieser Stelle waren sie jedoch ganz gut gewählt.

14:00 – 14:15 THRESHOLD
Kaum wurden THRESHOLD als einziger Progressive-Act angekündigt, ließ Petrus starken Wind blasen, wahrscheinlich um die schon drohenden dunklen Wolken auf das folgende Gussgewitter vorzubereiten. THRESHOLD spielten noch ihren Opener ’Phenomenon’ unbeeindruckt professionell durch. Jedoch im dritten Song mussten sie die Segel streichen und sich gegen das Wetter geschlagen geben. Daraus kann man schließen, dass Petrus kein großer Progressive-Fan ist; zumal der Regen solange anhielt, dass es für THRESHOLD nicht mehr möglich war, noch ein paar Songs zu spielen, um das Auftreten der weiteren Bands nicht zu gefährden. An die Zuschauer wurden unterdessen Regenkebs verteilt, die jedoch nicht ganz ausreichten. Daher waren alle überdachten Stellen überaus begehrt. Als der Regen wieder etwas nachgelassen hatte, bewiesen die Rockhardler, dass sie in der Lage sind, auch mit solchen Situationen gut umzugehen. Ein neuer Zeitplan wurde schnellstens aufgestellt, bei dem die folgenden Bands nur unwesentliche Zeiteinbußen hatten und lediglich THRESHOLD bzw. deren Fans, wie erwähnt, die Verlierer waren.

16:00 – 16:40 ARCH ENEMY
Nach der langen Pause mussten ARCH ENEMY die Leute wieder warm spielen. Dies gelang ihnen mit ihrer Extrem-Mucke auch ganz gut. Ihr großer Vorteil war natürlich, dass sie eine hervorragend aussehende „Sängerin“ in ihren Reihen haben. Das hat natürlich auch viele Fans veranlasst, sich die Band von nahem zu betrachten. Somit war dann auch das Halbrund vor der Bühne ziemlich schnell wieder gut gefüllt. Ursprünglich sollten an ihrer Stelle eigentlich DEATH ANGEL spielen, über die ich mich noch etwas mehr gefreut hätte. DEATH ANGEL mussten aber kurzfristig absagen. Zu meckern gab es an ARCH ENEMY aber nix, da die Band nix anbrennen ließ.

17:05 – 17:50 SOILWORK
SOILWORK aus Schweden sind am ehesten vergleichbar mit ihren Freunden von IN FLAMES, die etwas später an der Reihe waren. So legen auch sie viel Wert auf geile Riffs und zweistimmige Gitarrenleads. Der Gesang ist allerdings etwas abwechslungsreicher als bei IN FLAMES, da hier noch öfter – an vielen Stellen auch schon erfolgreich – auf Melodien gesetzt wird. Auch wenn sie IN FLAMES´ Klasse nicht ganz erreichen, so machten sie ihre Sache sehr gut und hinterließen wohl keine unzufriedenen Fans. Im Programm waren u.a. ’As We Speak’ ’Rejection Lead’ oder so ähnlich.

18:20 – 19:20 CANDLEMASS
Seit dem genialen Comeback der Doomgötter im letzten Jahr darf man CANDLEMASS wieder auf deutschen Bühnen bewundern. Da sie schon auf dem letztjährigen Bang-Your-Head-Festival verdientermaßen extrem gut angekommen sind, konnten sie beim Rockhard-Festival schon siegesgewiss auflaufen. Eigens für dieses Festival hat die DoomSquad, ein lustiger Verein mit Doom-Anhängern, ein professionelles T-Shirt in limitierter Auflage fertigen lassen mit dem genialen Rückenaufdruck “Ich bin ein Doomkopf” zusammen mit dem CANDLEMASS-Symbol, das so aussieht, als wäre es eins von CANDLEMASS. Mit dem Aushängeschild Messiah und so einer treuen Fangemeinde doomten sich CANDLEMASS völlig locker durch ihren Set. Nach ihrem Trauermarsch-Intro legten sie auch gleich los mit ‘Well Of Souls‘. Nicht nur Messiah war in Bestform, wie schon letztes Jahr, sondern diesmal war die Band um einiges agiler, selbstsicherer und bewegungsfreudiger als auf dem Bang-Your-Head-Festival. Als dann noch Sachen wie ‘Bearer Of Pain‘, ‘Bewitched‘, ‘Mirror Mirror‘, ‘The Sorcerer‘ oder das geniale ‘Solitude‘ vom “Epicus...“-Output gespielt wurden, war die Stimmung einfach gigantisch: Haare in der Luft, hochgereckte Fäuste und einige beim Doom-Dancen, den Messiah mit seiner einzigartigen Figur in seiner obligatorischen Mönchskutte vormachte. Auf dem Bang-Your-Head hatte er hierfür durch den langen Laufsteg letztes Jahr mehr Platz, aber trotzdem verfehlte sein Auftreten nicht seine Wirkung. Messiah´s gut verständliche grammatikalisch nicht immer ganz korrekten deutschen Ansagen sind einfach Kult und machen ihn super sympathisch (“Ich hoffe, sie sind gut drauf“, “Das nächste Song ist ...“, “Ich bin ein Doomkopf“ usw.). Abgeschlossen wurde der Set dann mit ‘At The Gallow´s Pole‘.

19:45 – 20:30 SODOM
SODOM hatten etwas darunter zu leiden, dass das Billing des Festivals sehr hochkarätig war. So nahm sich so mancher Zuschauer bei ihnen eine kleine Auszeit. Dies hatte zur Folge, dass bei SODOM der Zuspruch nicht ganz so groß wie bei den anderen Acts war. Bei BOLT THROWER wäre das wohl anders gewesen. Dies hängt aber eher mit der Tatsache zusammen, dass man in nächster Zeit leichter in den Genuss eines SODOM-Konzerts kommt als in eines von sonst irgendeiner anderen derart bekannten Band aus dem Ausland. Petrus ließ auch wieder etwas Wasser ab, dass die überdachten Plätze wiederum begehrt waren. So bekam auch nicht viel von dem Gig mit, um darüber objektiv was zu berichten. SODOM-Klassiker wie ‘Wachturm’ oder ‘Outbreak Of Evil’ konnte ich ausmachen, ansonsten gab es keine großen Überraschungen. Aber dies hätte auch stark gewundert, da Tom Angelripper ja sehr kurzfristig zusagen musste. Die SODOM-Fans waren jedoch bestimmt nicht enttäuscht.

21:00 – 22:15 IN FLAMES
Ganz in weiß hatten sich die Freunde von SOILWORK für dieses Jubiläum geschmissen und nebenbei eine Show dabei gehabt, wie sie notorische Pyromanen auch nicht besser hinbekommen hätten. So ballerten sie ihre an den Lichttraversen installierten Pyro-Böller derart im Rhythmus der Musik ab (z.B. bei ‘System‘), wie ich es als ehemaliger RUNNING WILD-Fan noch nicht zuvor erlebt hatte. Vor der Band und zwischen Drumkit und den Gitarristen gab es an den passenden Stellen Sprühfontänen, die ziemlich oft zum Einsatz kamen. Am Ende des Sets wurden dann noch die hinter dem Schlagzeug hochgehievten IN FLAMES-Initialien in Brand gesetzt. Damit boten IN FLAMES die beste Show von beiden Tagen und machten ihrem Namen mehr als alle Ehre.
Angehen ließen IN FLAMES die Show mit Synthie-Klängen vom Band, die zu einem der besten Songs ihres neuen Albums gehören, nämlich ‘Cloud Connected‘. Synthies vom Band kamen wirklich nur dann, wenn sie unbedingt erforderlich waren, ansonsten setzten IN FLAMES voll auf ihre rohe unbändige Live-Power mit den genialen zweistimmigen Riffs und Melodien. Der Gesang ist und bleibt Geschmackssache. Meiner ist es jedenfalls nicht. Da fehlt einfach die Abwechslung. Aber live ließen wir und die restlichen Fans, uns nicht daran stören. IN FLAMES waren mit dieser Show eines der, wenn nicht sogar das Highlight des Festivals.
IN FLAMES-Setlist:
1. Cloud Connected
2. Clayman
3. Starforsaken?
4. Episode 666
5. System
6. Minus
7. Bullet Ride
8. Reroute to Remain
9. Gyroscope
10. Only For The Weak
11. Drifter
12. Trigger
13. Behind Space
14. Clad In Shadows
15. Pinball Map
16. Black & White
17. Colony

22:40 – 22:55 DORO
Der angekündigte Überraschungsgast des Abends war also DORO, die schon seit mittags für Autogramme zur Verfügung stand. Diese Wahl war sicherlich nicht zur Freude aller. Zumal gerade die THRESHOLD-Fans etwas angepisst gewesen sein dürften, dass ihre Band nicht noch mal spielen durfte, dafür aber ein eingesprungener Gast noch ein paar Songs zugestanden bekam. Trotzdem ist DORO ein Live-Garant, die es versteht besonders mit ihren alten Songs, ihre Fans mitzureißen. Der Überraschungsgig war extrem kurz und beinhaltete demzufolge nur drei WARLOCK-Pflichtnummern. DORO war wie man sie kennt, u.a. vom letzten Bang-Your-Head-Festival.
DORO-Setlist:
1. Burning The Witches
2. Für Immer
3. All We Are

23:15 – 01:15 SAXON
SAXON kamen direkt eingeflogen vom Gods Of Metal aus Italien, auf dem sie nachmittags gespielt hatten und rockten sich kurz darauf zum 20-jährigen Jubiläum wie immer professionell und unterhaltsam durch ihr Set. SAXON sind nun mal Standard und gehören immer noch mit zu den besten Live-Bands. So wurden auch an diesem Abend die Songs spontan vom Fronter Biff ausgewählt. Überraschend ist allerdings damit nur die Songreihenfolge, da SAXON einfach zu viele Klassiker hat, die sie bei einem knapp zweistündigen Programm alle irgendwie unterbringen muss. Wie erwartet kamen sie bei der Menge gut an und Biff hatte mit seiner sympathischen Art leichtes Spiel. In dem Amphitheater hatte man aus erhöhter Position auch mal die Möglichkeit den Drummer genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch wenn es für den einen oder anderen Gepose ist, so macht es einfach Spaß, Fritz Randow beim dauernden Stöckchendrehen zu beobachten. Das setzt er auch so ziemlich bei jedem Ausholen ein.
Der Adler durfte bei diesem Festival natürlich auch nicht fehlen und wurde bei ’The Eagle Has Landed’ in leuchtender Größe zum Vorschein gebracht. SAXON ist eine von denen Bands, die man live einfach mal gesehen haben sollte. Das dürfte wohl für die meisten Festivalbesucher in letzter Zeit auch nicht weiter schwer gefallen sein – ob sie es wollten oder nicht – da SAXON auf jedem zweiten größeren Festival mit von der Partie waren. Verdient haben sie es alle mal.

SAXON-Setlist:
1. Heavy Metal Thunder
2. Motorcycle Man
3. Solid Ball Of Rock
4. Court Of The Crimson King
5. 20.000 Feet
6. Dragon´s Lair
7. 747 (Strangers In The Night)
8. Battle Cry
9. Drum Solo (Warrior)
10. The Eagle Has Landed
11. Crusader
12. Dogs Of War
13. Forever Free oder Power & The Glory (weiß ich nicht mehr genau)
14. Princess Of The Night

15. Guitar Solo
16. Wheels Of Steel
17. Metalhead
18. Denim & Leather


FAZIT

Meine Freunde und ich würden begrüßen, wenn das Rockhard dieses Festival zu einer Dauereinrichtung in dieser Location machen würde. Natürlich wäre es schön, wenn dann die CD-Börse über zwei Tage gehen würde und es auch Camping-Möglichkeiten in der Nähe gäbe. Aber zumindest letzteres wird wohl nicht möglich sein. Trotzdem wären wir bei einem ähnlich ansprechenden Billing im nächsten Jahr auf alle Fälle wieder mit dabei.

Redakteur:
Tilmann Ruby

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