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ROCKFELS 2015 - Loreley

11.08.2015 | 23:40

07.08.2015, Freilichtbühne

Noch ein weiteres Sommerfestival, das sich auch jährlich wiederholen soll. Auf der Loreley steigt in diesem Jahr erstmalig das Rockfels-Open-Air. Powermetal.de war dabei.

Samstag, 8. August 2015

Der Samstag beginnt, bei glänzendem Wetter und fast tropischen Temperaturen, mit ein wenig Verspätung. Eigentlich sollten die Senkrechtstarter BEYOND THE BLACK bereits um 13:00 Uhr die Bühne entern, doch erst einmal lässt sich eine nette Dame von der Rockfels-Crew blicken, um den anwesenden Fans die bereits beklannte Absage von MANTAR zu verkünden. Die Nachricht scheint allerdings die anwesenden Fans nicht besonders zu stören, wie der aufbrandende Applaus beweist. Überraschend ist dann jedoch die Ankündigung, dass die Mannheimer BEYOND THE BLACK nicht etwa später beginnen werden, sondern die frei gewordene Spielzeit mit einem einstündigen Set überbrücken werden. Damit hat die junge Symphonic Metal Truppe ganze dreißig Minuten mehr Zeit, um sich dem, für den Opener doch in stattlicher Zahl anwesenden, Publikum zu präsentieren. Lange lässt sich die Band um Frontfrau Jennifer Haben anschließend auch nicht bitten und eröffnet den zweiten Tag des Rockfels Festivals mit ihrer Hitsingle 'In The Shadows'. Bereits nach gut der Hälfte des Sets wird dann auch klar, warum in den letzten Monaten ein solcher Hype um die Mannheimer ausgebrochen ist. Die Jungs und ihre Frontfrau sind auf der Bühne unheimlich sympathisch und verstehen es, trotz ihrer bisher kurzen Karriere, das Publikum mitzureißen. Zusätzlich werden sie von den Technikern auf der Loreley mit einem glänzenden Sound ausgestattet, was ihnen erlaubt, ihre musikalischen Qualitäten voll auszuspielen. Einziges Manko bleiben an diesem Nachmittag die Growls von Gitarrist Christopher Hummels, diese sind doch etwas flach und kraftlos. Hier kann man sicher noch etwas nachbessern. Das Publikum lässt sich von dieser kleinen Schwäche allerdings nicht stören und bejubelt die Band durchgehend bis zum finalen 'Songs Of Love And Death'. Abschließend muss auch ich zugeben, dass, obwohl ich das Debütalbum doch eher durchschnittlich finde, mich BEYOND THE BLACK hier und heute wirklich überzeugen konnte. Extra Sympathiepunkte sammelt Sängerin Jennifer nach dem Konzert, indem sie sich an der Absperrung neben der Bühne sehr viel Zeit für Autogramme und Fotos mit den Fans nimmt. Wenn die junge Truppe so weiter macht, schafft sie es mit Sicherheit, sich auch langfristig in der deutschen Metalszene zu etablieren.

[Tobias Dahs]

BRAINSTORM folgt dem deutschen Senkrechtstarter nach. Wie auch gestern steht damit, bedingt auch durch den Ausfall von MANTAR, eine Band an zweiter Stelle des Billings, die eigentlich näher an einem Headlinerposten sein sollte denn am Eröffnungsslot. Das aktuelle, zehnte Album "Firesoul" bietet wieder den hochklassigen Power Metal, den man von den Schwaben gewohnt ist. Und so kann BRAINSTORM aus dem Vollen schöpfen, aber im Gegensatz zu HAMMERFALL gestern werden die Frühwerke ignoriert. Bis zum fünften, 2003 erschienenen, Album "Soul Temptation" geht es zurück, aber in diesem Fall sind tatsächlich die Alben ab "Metus Mortis" besser als die ersten Gehversuche, was sicher auch an Sänger Andy B. Franck liegt, der zu den Besten seiner Zunft gehört. Und was hat der die Fans im Griff! Er sorgt dafür, dass gefälligst jeder, der in der Nähe rumsitzt, mitmachen muss. Oder er kriegt auf gut schwäbisch sein Fett weg. Und wenn die vorderen Reihen nicht laut genug sind, hält er ihnen fernab des Mikrophons erstmal ordentlich eine feixende Standpauke! Alle Grinsen breit, singen lauthals mit und erfreuen sich der großartigen Songs, bei denen gleich an zweiter Stelle 'Worlds Are Coming Through' von meinem Lieblingsalbum "Liquid Monster" steht. BRAINSTORM weiß, schnelle Lieder mit effektiver Midtempo-Power zu kombinieren, und stellt daraus einen begeisternden Auftritt zusammen. Im Mittelteil des Gigs gibt es dann mit den beiden "Downburst"-Liedern 'Fire Walk With Me' und 'Falling Spiral Down' einen Doppelschlag, der nur schwer zu toppen ist. Es sei denn... ja, es sei denn, Andy lässt die Fans ein wenig singen. Die Melodie kennen die Anhänger der Süddeutschen natürlich, und da sie nicht wieder aufhören zu singen, fügt sich die Band. "Dann spielen wir es eben" brummelt Franck künstlich missmutig, und dann gibt es 'All Those Words'. Ein letztes Mal nimmt der Sänger dann noch Kontakt zum Publikum auf, noch einmal stellen sich die drei BRAINSTORM-Saitenhexer zusammen und braten ihre fetten Riffs ins Rund zu 'How Do You Feel', dann ist Schluss und alle Anwesenden dürften auf die Frage jetzt mit "gut, aber nass" antworten. Großartige Songauswahl, toller Auftritt und ganz sicher die sympatischste Band des Festivals, die sich nachher auch in einer Autogrammstunde, wie übrigens auch U.D.O., den Fans stellt und weiter Hände schüttelt, Autogrammkarten verteilt und mit den Metallern blödelt.

[Frank Jaeger]

Immer ordentlich, aber nie ganz den Durchbruch geschafft – das ist das Los der Karlsruher PINK CREAM 69. Auch schon mit fast einem Dutzend Studioalben im Gepäck legen die Süddeutschen gleich mit dem Hit 'Keep Your Eyes On The Twisted' los. Solche Übersongs haben die Herren leider nicht so häufig geschrieben, aber von schlechten Eltern ist der Rest des Programms auch nicht. Und was einige der Lieder an Originalität vermissen lassen, macht vor allem Frontmann David Readman durch vollen Einsatz wett. Da hat jemand sichtlich Spaß und animiert auch die Unentschlossenen in den ersten Rängen zum Mitmachen. So steigert sich der Auftritt tatsächlich trotz des Hiteinstandes noch. 'Hell’s Gone Crazy' und 'Special' folgen und den Höhepunkt erreicht der Gig dann mit 'Do You Like It Like That'. In aller Fairness muss man aber statieren, dass es weiter hinten durchaus auch einige Musikfreunde gibt, die erst einmal eine Pause einlegen müssen und sich dafür PINK CREAM 69 ausgesucht haben. Das ist zwar schade, aber bei einem Festival ein Los, dass so manche Band zu tragen hat. Heute ist es PINK CREAM 69. Dafür kann die Truppe zwar nicht viel, muss es aber akzeptieren. Immerhin tobt vorne eine durchaus beachtliche Meute und feiert mit, aber ich setze mich auch einmal etwas nach hinten ab und betrachte den Rest des guten Auftrittes aus der Entfernung.

[Frank Jaeger]

Gegen 17:00 Uhr ist die Sonne über der Loreley zwar noch lange nicht untergegangen, das hält die Finnen LORDI aber nicht davon ab, ihre Monsterparty zu starten. In seinen unglaublich detailreichen Kostümen schafft es das Quintett dann auch direkt mit dem eröffnenden Trio, bestehend aus 'Nailed By The Hammer Of Frankenstein', 'This Is Heavy Metal' und dem Siegersong des Eurovision Song Contests 'Hard Rock Hallelujah', die Zuschauer, welche sich in der Pause noch auf den Weg zum Getränkenachschub gemacht hatten, wieder vor die Bühne zu locken. Und natürlich kommt bei einer Band wie LORDI die Show nicht zu kurz: Egal ob Konfettikanone, elektrisch aufklappbare Flügel am Rücken von Mr. Lordi oder Nebelwerfer zu 'Who's Your Daddy?', die Monster aus dem Norden Europas ziehen heute Abend alle Register. Trotzdem sollte man die Jungs nicht nur auf ihre Show reduzieren, denn auch musikalisch müssen sie sich nicht vor den anderen Bands des Festivals verstecken, wie die Gassenhauer 'Scare Force One' oder 'Would You Love A Monsterman' beweisen. Einen weiteren Höhepunkt markiert das Cover von 'He's Back (The Man Behind The Mask)', im Original von ALICE COOPER, welches gerade in den vorderen Rängen frenetisch bejubelt wird. Ein wenig Kritik gibt es am ansonsten gelungenen Konzert aber doch, denn gerade die Umbaupausen, in denen die einzelnen Gimmicks der Show vorbereitet werden, dauern hin und wieder etwas zu lang. Das stört insgesamt den Fluss der Show etwas und sorgt dafür, dass die Finnen das Publikum immer wieder aufs neue animieren müssen. Trotzdem ist die Performance insgesamt mehr als Sehenswert und LORDI hat sich den Platz auf dem diesjährigen Festival verdient, was auch der ausgiebige Schlussapplaus der Anwesenden beweist.

[Tobias Dahs]

Die anschließende Umbaupause dauert aufgrund einiger technischer Schwierigkeiten etwas länger, sodass Udo Dirkschneider und seine Mitmusiker die Bühne erst mit zehnminütiger Verspätung entern können. Trotz der Verspätung hat der kleine, große Mann der deutschen Metalszene das Publikum bereits ab dem Opener 'Speeder' auf seiner Seite. Kein Wunder, finden sich heute doch auch eine große Anzahl U.D.O.-Fans im Halbrund des Amphitheaters. Und auch in der weiteren Folge beweist Herr Dirkschneider, dass man ihn nicht nur auf seine Vergangenheit bei ACCEPT reduzieren darf, denn inzwischen bietet auch seine Solokarriere mit 'Black Widow', 'Untouchable' oder 'Never Cross My Way' einige hervorragende Nummern. Umso überraschender ist die Ankündigung, dass dieser Abend den ersten Auftritt auf der Loreley für das Metal-Urgestein markiert. Diesem Anlass entsprechend zeigen sich sowohl der Frontmann als auch die Begleitband in bestechender Form, wobei insbesondere die beiden Gitarristen Anrey Smirnov und Kasperi Heikkinen die komplette Breite der Bühne nutzen und um die Wette posen. Trotzdem treten bei den Zuschauern im Laufe des Sets einige Ermüdungserscheinungen auf. Grund hierfür ist vor allem die Songauswahl von Herrn Dirkschneider, der den ganzen Abend über Songs im Midtempo serviert und damit der Show die Dynamik gänzlich raubt. So gehen zwar im Verlauf die ersten Reihen weiter begeistert mit, aber gerade im hinteren Teil des Amphitheaters treten mehr und mehr Leute den Weg zum Bierstand an. Erst das abschließende, unsterbliche 'Balls To The Wall' erreicht dann auch wieder die hinteren Ränge und sorgt auch dort für gen Himmel gereckte Fäuste. Gegen Ende des Klassikers entert überraschenderweise Mr. Lordi, noch immer in voller Kostümierung, erneut die Bühne und unterstützt Udo, sehr zur Freude der Fans, lautstark beim letzten Refrain So bleibt es am Ende eine solide Performance, der aber, gerade durch die schwache Songauswahl, der letzte Kick fehlt. [Ich finde, man sollte auch noch erwähnen, dass 'Metal Heart' gespielt und bejubelt wurde, allerdings das Gitarrensolo im Mittelteil deutlich mehr überflüssig als gut war. FJ]

[Tobias Dahs]

Das Thema Songauswahl dürfte bei der nächsten Truppe kein Problem darstellen, können die nun folgenden Engländer SAXON doch auf einen nahezu unerschöpflichen Fundus von Klassikern zugreifen. Und so landet der Adler dann auch um kurz nach 20:00 Uhr mit einer krachenden Version von 'Motorcycle Man' auf der Loreley. Passend zu ihrer letzten Show der "35th Anniversary Tour" in Deutschland präsentiert sich die Truppe um Biff Byford heute Abend in bester Form. Obwohl sie bereits um 3 Uhr Nachts in Finnland abreisen musste, um heute Abend hier auf der Bühne zu stehen, machen sich auch im Laufe der Show kaum Schwächen bemerkbar. So schafft es SAXON mit Klassikern wie 'Power And The Glory', 'Heavy Metal Thunder' oder 'And The Bands Played On' die sowieso bereits den ganzen Tag sehr gute Stimmung im Publikum nochmals anzukurbeln. Überraschenderweise hat sich dann mit dem Titelsong des neuen Albums "Battering Ram" auch ein brandneues Stück in die übliche Klassiker-Setlist für den Festivalsommer geschlichen. Ist der Song ein Indikator für die gesamte Qualität des neuen Materials, dann steht uns wieder einmal ein hervorragender Release der Engländer ins Haus. Heute Abend jedenfalls fügt sich der Song bestens zwischen den Klassikern ins Set ein. Gegen Ende des 70-minütigen Auftritts entlockt das Quintett mit dem überragenden '747 (Strangers In The Night)' und 'Princess Of The Night', den anwesenden Fans noch einmal die letzten Reserven. Kein Wunder also, dass anschließend lautstark eine Zugabe gefordert wird. In Form von 'Wheels Of Steel' und dem unvermeidlichen 'Denim And Leather' kommen die Engländer der Forderung gerne nach und beschließen damit eine hervorragende und energiegeladene Show. Ich bezweifle inzwischen, dass SAXON schlechte Konzerte abliefern können. Die Urgesteine der New Wave of British Heavy Metal liefern einfach immer eine großartige Performance ab und versorgen ihre Fans mit den gewünschten und geliebten Klassikern. So kann man sich nur auf die im Januar 2016 anstehende Tour als Headliner freuen, die Byford heute in einem Nebensatz ankündigte.

[Tobias Dahs]

Mit dem bereits bestens eingestimmten und aufgewärmten Publikum hat HELLOWEEN als Headliner des Samstags und letzte Band des diesjährigen Festivals dann leichtes Spiel. Insbesondere weil Frontmann Andi Deris bereits beim Opener 'Eagle Fly Free' voll da ist und das Publikum mit großen Gesten zum Mitmachen aninmiert. Ein Fakt, der selbst Bassist Markus Grosskopf überrascht, rechnet dieser doch nicht mit dem Blitzstart des Sängers und bekommt prompt einen von Deris Armen vor die Nase. Aufhalten lassen sich die Kürbisköpfe davon aber natürlich nicht, sondern greifen mit dem folgenden 'Dr. Stein' weiter in die Kiste der Klassiker, sehr zur Freude des Publikums. Bombastisch ist dabei nicht nur der grandiose Sound, den das hervorragende Technikerteam auf der Loreley den Hamburgen verpasst, sondern auch der bombastische Bühnenaufbau, den die Band im Gepäck hat. Neben verschiedensten Podesten und extra Lichtanlagen gibt es auch einen dreidimensionalen Nachbau des Covers der aktuellen Platte "My God-Given Right" zu bestaunen. Der Titelsong eben dieses Albums bildet dann auch den nächsten Punkt auf der Setlist. Mit ausgedehntem Mitsing-Part in der Mitte, der sympathischen Publikumsanimation von Deris und ihrem großartigen Refrain kann diese Nummer locker mit den anderen Songs im Repertoir des Fünfers mithalten. Auch im übrigen Set wirkt die Band unheimlich spielfreudig, beackert die gesamte Bühne und gerade Frontmann Deris ist nicht nur gut bei Stimme, sondern glänzt auch mit seinen gewohnt witzigen Ansagen. Teilweise hat man das Gefühl, die Show spiele sich ausschließlich auf dem Steg zu den Publikumsrängen ab, so sehr suchen die Hamburger den direkten Kontakt zu den Fans. Einen kleinen Schwachpunkt markiert dann aber das sehr früh ins Set eingebaute und etwas zu lange Drumsolo. Natürlich demonstriert Daniel Loeble hier hervorragendes Können, aber irgendwie bremst das Solo auch den Fluss der Show. Trotzdem gelingt es der Band im Anschluss mit dem ebenfalls neuen 'Lost In America' und vor allem dem abschließenden Medley aus 'Halloween', 'Sole Survivor', 'I Can', 'Are You Metal?' und dem grandiosen 'Keeper Of The Seven Keys', das, inzwischen doch ermüdete, Publikum nochmal zu letzten Höchstleistungen zu animieren. Ohne Zugabe werden die Hamburger natürlich nicht ziehen gelassen und so kredenzen sie mit 'Future World' und dem unsterblichen Klassiker 'I Want Out' ein perfektes Finale für das diesjährige Rockfels Festival.

Bestes Wetter, tolle Bands, eine hervorragende Leistung der Soundtechniker und ein absolut würdigen Headliner in Form von HELLOWEEN machen den Samstag zu einem nahezu perfekten Tag. Gerade in puncto Sound hat sich die Loreley heute von ihrer besten Seite gezeigt. Keine Selbstverständlichkeit auf einem Open Air, denn gerade auf dem Metalfest, das ja der direkte Vorgänger des Rockfels Festivals war, hat man in den vergangenen Jahren hier schon deutlich schwächere, um nicht zu sagen miserable Vorstellungen erlebt. Diese Probleme scheint die neue Organisation des Festivals aber vollends in den Griff bekommen zu haben, was dem Fans heute durchweg ein tolles Klangerlebnis beschert.

[Tobias Dahs]

Auch von mir kommen nur beste Noten für das Debüt dieses neuen Sommerfestivals, das laut Ansage vor HELLOWEEN 2016 wieder stattfinden soll. Damit war jetzt nicht unbedingt zu rechnen gewesen, wenn man die Besucherzahlen des Freitags zugrunde legt. Aber am Samstag, der ein stärkeres Billing und weniger tropische Temperaturen aufwies, war es dann doch ordentlich gefüllt. Aber bei einer Erstauflage darf man auch mal etwas Verbesserungswürdiges ansprechen. Die Preise für Speisen waren recht hoch, und auch wenn die Crew die vorderen Reihen am Freitag mit Wasser versorgte, wäre es wünschenswert, wenn bei zukünftigen Auflagen die Preise für Wasser niedriger ausfallen würden. Dann noch ein Wort zur Bandauswahl, die natürlich höchst subjektiv ist. Zwar ist es sehr lobenswert, dass das Festival eine klare, stilistische Linie fährt, aber bei der Neuauflage wäre ein wenig Mut zu Außergewöhnlichem wünschenswert. Die Hälfte der Bands stammte aus Deutschland, was bedeutet, dass man durchaus Gelegenheit hatte und hat, sie zu sehen. In der Zusammenstellung bedeutet ein solches Festival natürlich einen sehr hohen Gegenwert, zumal die Ticketpreise durchaus human waren, aber eventuell wären ein paar originellere Bands ein Zugpferd, um noch mehr Leute auf die Loreley zu locken. Und noch zwei Sachen möchte ich anmerken: Da ist zum ersten der Merchandisestand, der zwischendurch ziemlich armselig aussah, als sich drei einsame T-Shirts auf einer Wand verirrten. Und dass die ROCKFELS-Shirts tatsächlich am frühen Samstagnachmittag ausverkauft waren, ist auch erstaunlich. Zum anderen beklage ich, dass es auf dem Gelände außer von den RED HOT CHILILI PIPERS keine CDs der spielenden Bands zu kaufen gab. Ich wollte mir die neue HELLOWEEN holen, meine Tochter hätte mich zu BEYOND THE BLACK genötigt und einige, mit denen ich mich unterhalten habe, hätten nach der einen oder anderen Band, ich nenne stellvertretend mal BRAINSTORM, gerne das Geld für einen Tonträger ausgegeben. Außerdem mögen Metaller nichts lieber, als durch Stapel von CDs zu wühlen.

Aber ich möchte nicht meckern, sondern nur Verbesserungsvorschläge machen. Denn es überwiegen die positiven Aspekte bei weitem: Die großartige Freilichtbühne und vor allem der durchgehend brillante Sound, der tatsächlich jede einzelne Band klar und differenziert zu einem Genuss machte. Der Soundmann ist ein echter Könner - bitte unbedingt nächstes Jahr wieder engagieren! Die gesamte Stimmung war fantastisch, und auch die Bands schienen sich alle sehr wohl zu fühlen, denn die strahlten alle unheimlich viel Spaß aus. Schön waren die Autogrammstunden, auch wenn leider nur wenige Bands davon Gebrauch machten. Das wäre toll, wenn es ausgeweitet werden würde. Ach ja, und zu guter Letzt noch eines: Ich mag Festivals, die ein Ende finden. Zwei Tage reichen aus, und eine Bühne ist genug. Nennt mich altmodisch, aber so möchte ich mein Festival. Und wenn man eine Band spielt, die ich nicht mag, dann mache ich eben Pause. Ich habe schon viele Bands schätzen gelernt, von denen ich vor einem Gig nicht viel hielt.

Wir freuen uns auf die Neuauflage im kommenden Jahr. Wenn alles genauso bleibt wie 2015 ist das Festival eine Reise wert. Aber vielleicht gibt es ja sogar noch die eine oder andere Verbesserung und das ROCKFELS platziert sich fest zeitlich zwischen ROCK OF AGES und SUMMER BREEZE im Westen der Republik und auf dem Radarschirm der Musikfans!

Vielen Dank an Jule Dahs (SAXON) und Katharina Jaeger (GOTTHARD) für Fotos.

[Frank Jaeger]

Redakteur:
Frank Jaeger

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