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REBELLIOUS SPIRIT - Siegburg

26.05.2016 | 21:14

21.05.2016, Kubana

Erste Headliner-Show der Hard-Rock-Newcomer aus Baden-Württemberg in einem der besten Live-Clubs der Region.

"Jugend forscht!", so lauten die ersten Worte der Ankündigung des heutigen Konzerts auf der Homepage des Kubana Liveclubs in Siegburg. Zum Teil ist diese Aussage auch durchaus berechtigt, denn die Hard-Rocker REBELLIOUS SPIRIT haben erst vor gerade einmal drei Jahren ihr Debüt "Gamble Shot" veröffentlicht und spielen hier in Siegburg heute erstmalig als Headliner auf. Unterschätzen sollte man die junge Truppe allerdings trotzdem auf keinen Fall, denn gerade seit dem Release ihres zweiten Langspielers "Obsession" waren die Jungs nahezu durchgehend auf Tour, haben dabei die Bühne mit Bands wie AXXIS oder BONFIRE geteilt und dabei jede Menge Erfahrung sammeln können. Leider haben sich die Jungs allerdings einen denkbar ungünstigen Abend für ihr Headliner-Debüt im Kubana ausgesucht, denn sie treten an diesem Samstagabend in direkte Konkurrenz zum DFB-Pokalfinale zwischen Bayern und Dortmund. Zwar versucht der Veranstalter den Fußball-Fans mit einem Konzertbeginn um 22:00 Uhr entgegen zukommen, leider finden heute aber trotzdem nicht annährend genug Fans ihren Weg in den gemütlichen Liveclub.

Dazu aber später mehr, denn der Abend beginnt erst einmal mit den Dortmundern MARKK 13, die mir vor dem heutigen Abend noch absolut kein Begriff waren. Optisch gibt mir die Truppe auch erst einmal einige Rätsel auf. Bassist Markkus würde optisch wohl am besten in eine Death-Metal-Kapelle passen, während Gitarrist Rocco mit seinem LED ZEPPELIN-Shirt ein wenig wie ein großer Anhänger der Siebziger und ihrer einzigartigen Musikszene wirkt. Sänger Markk komplettiert mit seinem leichten Punk-Appeal schlussendlich das verwirrende Bild, sodass ich mir erst einmal keine Vorstellung davon machen kann, was uns in den nächsten knapp 40 Minuten musikalisch erwarten wird.

Doch bereits die ersten Töne machen schnell klar, dass die Jungs bestens zum Headliner des heutigen Abends passen, denn auch sie brennen ein wahres Hard-Rock-Feuerwerk ab. Ein bisschen Blues, eine Prise RAMONES-Attitüde und die grandiosen Lead-Gitarren von Rocco formen gemeinsam eine tolle Mischung, die nicht nur mich, sondern auch alle anderen Anwesenden schnell in ihren Bann ziehen kann. Gleichzeitig haben die Dortmunder ein unheimlich gutes Gespür für geile Hooklines und fette Riffs, was Songs wie 'Bad Side Of The City', 'I Know U Know' oder 'Girls Gone Wild' zu echten Highlights macht. Zusätzlich ist die Truppe auch noch perfekt eingespielt und überzeugt mit einigen schicken Jam-Einlagen, womit sie sich am Ende des Sets dann auch einen Eintrag in meiner persönlichen Merkliste verdient haben.

Umso ärgerlicher ist es, dass die Jungs bisher noch kein Album produziert haben, denn ich hätte mir nach der Show zu gerne die genialen Songs des Quartetts auch für die heimische Sammlung gesichert.

Setlist MARK 13: Road To Redemption, Wild To The Bone, Girls Gone Wild, Fire Desire, I Know U Know, Bad Side Of The City, Daybreaker, Dead Widow

Es folgt die wohl kürzeste Umbaupause aller Zeiten, denn wir haben gerade einmal Zeit uns kurz zur Bar zu bewegen, bevor REBELLIOUS SPIRIT nach nur knappen zehn Minuten Pause die Bühnenbretter im Kubana entert. Voll geworden ist es trotz der späten Stunde aber leider immer noch nicht, was wieder einmal beweist, dass König Fußball eben doch auch die sonst so rebellische Metalszene regiert. Die vier Jungs aus Bisingen lassen sich davon allerdings keineswegs abschrecken, sondern legen direkt mit Vollgas los und reißen die Zuhörer bereits mit dem Opener 'Silent Scream' mit. Beim folgenden 'Look What I've Become' schlägt dann allerdings unglücklicherweise der Technik-Teufel zu, denn an der Gitarre von Fronter Jannick Fischer ist eine Seite oberhalb des Sattels gerissen, weshalb er direkt hier schon auf seine Ersatzgitarre umsteigen muss. Gleichzeitig demonstriert diese Episode aber auch, was für eine eingespielte Truppe die Jungs inzwischen geworden sind, denn anstatt die Show deshalb zu stoppen, schnappt sich Jannick einfach das Funkmikro und kümmert sich abseits der Bühne selbst um den Gitarrenwechsel, ohne dabei auch nur eine Note zu verhauen oder einen Gesangseinsatz zu verpassen.

Auch musikalisch haben die Newcomer inzwischen ihren Stil gefunden und zelebrieren heute Abend bei Tracks wie 'Breakout' oder 'Confidence Men' ihren modern angehauchten Achtziger-Hard Rock. Klar sind dabei auch jetzt noch die viel zitierten musikalischen Parallelen zu den quasi Nachbarn KISSIN' DYNAMITE zu hören, doch gerade bei den Tracks des Zweitwerks "Obsession" höre ich inzwischen mehr den Einfluss von SIXX:A.M. heraus, die auf ihren Scheiben ebenfalls eingängige Hooklines, klassischen Hard Rock und einige elektronische Spielereien miteinander verknüpfen. Das sympathische Auftreten der Jungs sorgt in Kombination mit ihren unbestrittenen musikalischen Qualitäten schlussendlich dafür, dass sie spätestens nach der Hälfte der Show auch die letzten Anwesenden vor die Bühne gelockt und begeistert haben. Da fällt es dann auch kaum auf, dass das Quartett heute mit einem Ersatz-Drummer angereist ist, denn Andi macht nicht nur bei seinem Drum-Solo eine gute Figur, sondern ist auch ansonsten extrem tight unterwegs. Einzig beim Cover-Medley bestehend aus 'It's My Life' von BON JOVI und der MARILYN MANSON-Version von 'Sweet Dreams' besteht noch Verbesserungsbedarf, denn beide Tracks wirken irgendwie etwas unausgegoren und recht spontan zusammengestückelt.

Doch spätestens beim starken 'Lights Out' vom Debüt "Gamble Shot" sind die Jungs zurück in der Spur und beenden schlussendlich nach gut etwas mehr als einer Stunde mit dem melodischen 'Together' das reguläre Set. Ihre beiden stärksten Songs haben sich die Baden-Würtemberger allerdings für die Zugaben aufgehoben, wo sie mit dem Titelsong des aktuellen Langspielers "Obsession" und dem grandiosen 'Lost' noch einmal alle Register ziehen und einen bärenstarken Auftritt beenden, der viel mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

Setlist REBELLIOUS SPIRIT: Silent Scream, Look What I've Become, Cry For You / Let's Bring Back / You're Not The Only One, Walls Of Lies, Forever And Ever, Between / It's My Life (BON JOVI-Cover) / Sweet Dreams (MARILYN MANSON-Cover), Breakout, Drum-Solo, In My Dreams, Confidence Men, Lights Out, Together, Lost, Obsession

Sympathisch ist auch, dass sich die Jungs nach der Show noch Zeit für Gespräche mit den Fans nehmen, wobei sich auch meine Assoziation mit SIXX:A.M. bestätigt, denn am Merch erzählt mir Fronter Jannick, dass die Jungs um den ehemaligen MÖTLEY CRÜE-Basser Nikki Sixx zu seinen absoluten Lieblingsbands gehören. Am Ende bleibt somit ein mehr als gelungener Konzertabend, bei dem REBELLIOUS SPIRIT dem eigenen Bandnamen alle Ehre gemacht hat, indem die Truppe heute Abend mutig König Fußball die Stirn geboten hat. Wer an diesem Abend zuhause geblieben ist, um sich das mehr als langweilige Pokalspiel und den Sieg der Bayern anzuschauen, der hat am Ende wirklich etwas verpasst, denn hier im Kubana wurde heute Abend wieder einmal tolle Livemusik von zwei wirklich starken Bands geboten!

Redakteur:
Tobias Dahs

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