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Party.San 2015 - Schlotheim

09.09.2015 | 19:23

06.08.2015, Flugplatz Obermehler

POWERMETAL.de präsentiert: Das Party.San 2015. Wieder drei Tage extremster Metal voll auf die Zwölf, absolut sympathisch organisiert ohne unnötigen Schnickschnack.

It's Grind-time, folks!! Traditionell versammeln sich am Freitagmittag allerlei schräg gekleidete Gestalten im Circle Pit, um dort den lästigen Alltagsfrust loszuwerden und ihre durchaus einfallsreichen Kostüme zu zeigen. Dieses Jahr bei knackig heißen Temperaturen dabei: Leutchen in Küchenschaben- und Batman-Kostümen, mit Gasmasken, mit Fliegenklatschen, Klobürsten, Lauchstangen, Wasserpistolen (mehr davon!) und was weiß der Kuckuck noch alles. Dazu: massig Konfetti, Papierschlangen und Seifenblasen sowie schmissige Grooves und Mosh-Mucke von den Niederländern CLITEATER. Fertig ist eine schräge Party sondersgleichen, bei der man nicht so recht weiß, wo man hinsehen soll. Eher die Freaks im Pit beobachten oder auf die Bühne schielen? Den Vogel schießt dabei ein Fan ab, der sich einen Helm aus einer Wassermelone (!) geschnitzt hat, den er bis zur Nase über seine Birne gezogen hat! Sachen gibt's...! CLITEATER jedenfalls versetzen die geschätzt 2.000 vor der Bühne stehenden Partysanen in perfekte Circle-Pit-Stimmung mit Tracks wie 'Camel Fuckers, 'Cock And Love' oder auch 'Porn Of The Dead', beim dem Shouter Silvrants ein ordentliches Propeller-Banging vom Stapel lässt. Gegen Ende des Auftritts lässt sich Joost übrigens als Crowdsurfer bei einem Song komplett durch die Menge reichen, während er auf dem Rücken liegend weiter ins Mikro röhrt. Noch nie gesehen, so was. Insgesamt bot CLITEATER einen sehr unterhaltsamen Start in den Freitag. Wenn doch bloß diese barbarische Affenhitze nicht wäre....!!!
[Martin Loga]

Nach den niederländischen Stimmungskanonen von CLITEATER und bei der Hitze auf die Bühne zu müssen, ist für VANHELGD eine echte Herkules-Aufgabe. Bin gepannt, wie sich die vier Jungens aus Mjölby/Sverige aus der Affäre ziehen. Geboten wird traditioneller Schweden-Death-Metal, das heißt mit schön runtergestimmten Gitarren und griffigen Melodien. Das klingt auf dem Papier ganz gut, ist aber leider von jeder Ausstrahlung befreit. Weder hat man sich spektakuläre Outfits überlegt, noch animiert man die Fans zum derbe Abgehen. Wie die Ölgötzen stehen die Jungs da vorne auf den Brettern, die die Welt bedeuten. So lockt man die Katze nicht hinterm Ofen vor. Dementsprechend leer sieht es nach zwei, drei Liedern auch vor der Bühne aus. Man sucht sich lieber ein kühles Getränk und ein schattiges Plätzchen und lauscht aus der Ferne. Drei LPs hat VANHELGD immerhin schon rausgebracht, mit durchweg positivem Feedback von der Fachpresse. Eine Band, der man auf Scheibe sicher noch einmal Gehör verleihen sollte. Auf dem PSOA waren sie jedenfalls überhaupt nicht mein Ding.
[Thorsten Seyfried]

Mag sein, dass die Mucke der Schweden GEHENNAH auf Albumlänge abnutzungsanfällig ist. In einer Live-Situation allerdings passt die primitive - oder sagen wir es freundlicher – aufs Wesentliche reduzierte Mixtur wie Arsch auf Eimer. Die Rasselbande ist hier und heute jedenfalls Garant für eine dreiviertel Stunde feinsten Thrash'n'Roll mit latentem Punk-Feeling und bestem Unterhaltungswert. Dank des noch vorhandenen Schattenwurfes vonseiten der Bühne kommen die Fans auf den ersten fünf Metern nach der Bühnenabsperrung in den Genuss des segensreichen Schattens, der bei weit über 30 Grad natürlich eine Wohltat ist. Keine Ahnung, ob Sänger Stefan Mitander alias Mr. Violence eine Frostbeule ist, oder ob er heuer einige Pilschen zu viel inhaliert hat. Jedenfalls schafft er es, den gesamten Auftritt von 45 Minuten seinen weitgehend zugezogenen Kapuzenpulli inklusive T-Shirt anzubehalten. Und das bei 30 Grad im Schatten. Ich wäre krepiert! Seine gesangliche Darbietung hat allerdings Eier und Biss. Auch die Schlagzeugarbeit von Micke "Hellcop" Birgersson hat ordentlich Punch und sorgt für Druck. Im Gepäck haben die Schweden einen Strauß bunter Trinkmelodien in flottem Tempo. Alle Alben der Band werden gleichermaßen berücksichtigt. Gleichgültig, ob altbewährtes wie 'Sixpack Queen', 'Decibel Rebel' oder 'Under The Table Again' oder auch Stücke des neuen Albums "Metal Police" gezockt werden: Die Stimmung im Publikum ist prima! Diverse Spielfehler von Gitarrist Rob Stringburner (Wie kann man sich eigentlich bei so einfachen Songs verspielen??!), ein vollkommen verkorkster Einsatz von '666, Drunks And Rock'N'Roll')? Schwamm drüber. Ergänzt wird das Set übrigens um ein Cover des verstorbenen Psychpathen GG ALLIN: 'Drink, Fight And Fuck'. Unter dem Strich eine coole Performance von GEHENNAH, trotz des einen oder anderen spielerischen Patzers.
[Martin Loga]

"Dutch Death Metal" gibt's heute zunächst von Jungs von SOULBURN, deren Ähnlichkeit zu ASPHYX nicht zu überhören ist. Das ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass 50 Prozent von SOULBURN einen längeren Zeitraum bei ASPHYX waren (generell ein Merkmal holländischer Death-Metal-Bands). Auf Platte ist mir SOULBURN nie aufgefallen, doch live kann das eingängige Material durchaus überzeugen. 'Under The Rise Of A Red Moon' und 'In Suffocating Darkness' sind gradlinige Soundattacken, die in der schier unerträglichen Mittagshitze wie der Soundtrack zur Apokalypse klingen. Der treffenden Ansage von Sänger Twan van Gell, "our soul is going to burn", bleibt also nichts hinzuzufügen. Das Highlight 'Hellish Entrapment' erkläre ich deshalb passender Weise zum Motto eines durchweg starken Auftritts.
[Christ Gaum]

Welches Festival, wenn nicht das Party.San ist für DESERTED FEAR wie gemacht? Eben. Die Thüringer sind vielleicht die deutsche Death-Metal-Band der Stunde und ziehen am Nachmittag wirklich extrem viele Leute vor die Bühne – klar, Heimspiel. Die vier jungen Herren haben allerdings auch jede Aufmerksamkeit verdient, da sie musikalisch schlichtweg auf ganzer Linie überzeugen. Death Metal der ganzen alten Schule (irgendwo zwischen Holland und Schweden) wurde lange nicht mehr so geil und frisch umgesetzt. Besonders fasziniert mich dabei, wie DESERTED FEAR es schafft, auch ohne sich überschlagende Härtegrade tolle Akzente zu setzen und Passagen ohne viel Gedudel einfach mal wirken zu lassen. Da ist ein großes Gespür für Songs und Stimmungen vorhanden. "Habt ihr Bock auf Death Metal?" wird die Menge heiser grölend befragt. Die Antwort erübrigt sich. Songs beider Alben ("My Empire" sowie "Kingdom Of Worms") geben einem gut auf die Glocke, so dass zum Ende des Auftritts klar wird: DESERTED FEAR ist eine richtige Hausnummer, die sich vor keiner etablierten Band mehr zu verstecken braucht. Diese Band kann man nur unterstützen und sich währenddessen auf das freuen, was da noch alles kommen mag. Stark!
[Oliver Paßgang]

Brutz und Brakel auf der Bühne und was kann man da erwarten? Na logisch: Es gibt ''Paar inne Fresse''. POSTMORTEM aus Berlin lässt keine Wünsche offen und ballert uns ein Death-Thrash-Brett der aller ersten Güte um die Ohren. Das 2008 nach fast 10-jähriger Schaffenspause erschienene ''Constant Hate''-Album bildet dabei auch heute den Dreh- und Angelpunkt eines starken Auftritts. Obwohl mir der Sound bei den ersten paar Nummern etwas zu matschig ist, hat dieser Gig zwei große Pluspunkte: Die Temperatur steigt endlich nicht mehr weiter an und Songs wie 'Lobotomy' oder 'Hate, Kill, Destroy' sind auch live einfach verdammt geil. Bei POSTMORTEM zeigt sich wieder, dass das Party.San-Publikum wirklich eine umfassende musikalische Bildung hat. Und so wird nicht nur der Rausschmeißer 'Revolution' begeistert mitgesungen.
[Chris Gaum]

Die Israelis MELECHESH verquicken gekonnt orientalische Themen mit folkigem Death/Black Metal, gehen dabei aber im Gegensatz zu ihren Landsmännern ORPHANED LAND voll auf die Zwölf. So finden sich zahlreiche Haareschüttler im Publikum ein, um den Blastbeats des neuen Albums "Enki" zu huldigen. Teilweise ist der Sound, wie bei einigen anderen Bands auch, vom Winde verweht, wodurch gerade die filigraneren Parts nur zwischen Bühne und Mischpult richtig gut rüber kommen. Songs wie 'Grand Gathas Of Baal Sin' verblassen so gegenüber dem Überhit 'Rebirth Of The Nemesis: Enuma Elish Rewritten', der das Finale dieses großartigen Gigs bildet, an dem es sonst nichts auszusetzen gibt. Vor allem Frontmann Ashmedi sticht mit seiner sympathischen, charismatischen und energetischen Art aus dem Kollektiv heraus und macht mit seiner fauchenden Stimme alles noch ein Stückchen besser.
[Martin Storf / Adrian Wagner]

Mit sträflich früher Spielzeit überrascht AGALLOCH schon bereits am recht frühen Nachmittag. Auch wenn zunächst stark von allen beteiligten vermutet wird, dass die so freudig erwartete Atmosphäre unter dem Mangel an ansprechender Dunkelheit leiden würde, bleibt dies glücklicherweise unbestätigt. Wer direkt mit dem Crowd-Favorite 'Hallways Of Enchanted Ebony' vom Debütklassiker „Pale Folklore“ einsteigt, kann eigentlich nur noch als stark gewertet werden. Aber nicht nur Fans mit dem nötigen Know-how zum Katalog der Band kommen hier auf ihre Kosten. Ja ja, keine Sorge: Auch "Ashes Against The Grain" hat seine Momente. Starke, wenn auch für Black Metal vielleicht etwas zu freundliche Gitarrenriffs, entspanntes und immer passendes Schlagzeug und ein butterweicher Bass zum Abrunden: An der Musik lässt sich auch live wenig meckern. AGALLOCH weiß bei diesem Auftritt mit melodiösem, tragendem Black Metal zu begeistern, der irgendwie viel zu schnell vorbei geht. Fast erschreckend endet das Set und reißt die Zuhörer merkwürdig forsch aus ihrer Trance. Auch wenn die Spielzeit dieselbe ist wie bei anderen, weiß die Combo, wie man dies nicht so wirken lässt. Auch die Musiker haben sichtlich Spaß und scheinen von der überraschenden Anfangszeit wenig irritiert. Glücklicherweise spielt hier auch der Sound mit, der die Stimmung tragen muss. Größere Patzer gibt es nicht und generell gibt es hier weder zu weinen noch zu wehklagen. Einfach ein sehr starker Auftritt für Fans des Genres und für solche, die es noch werden wollen.
[Johannes Lietz]

Martin van Drunen und das Party.San, das passt einfach zusammen. Während Veranstalter Mieze auch gern mal mit ASPHYX-Kutte durch die Gegend spaziert, erklärt die niederländische Frontsau im vorab geführten POWERMETAL.de-Videointerview augenzwinkernd: "Ich würde am liebsten noch eine Band gründen, um wirklich jedes Jahr auf meinem Lieblingsfestival spielen zu können." Mit HAIL OF BULLETS sowie GRAND SUPREM BLOOD COURT war er schließlich auch schon in Schlotheim, nun wird es nach 2010 noch auf dem alten Gelände auch mal wieder Zeit für ASPHYX: Mit 'Vermin' legt das Todesblei-Quartett amtlich los und schiebt sogleich 'Scorbutics' nach, um erst gar keine Zweifel aufkommen zu lassen. Hier wird Oldschool Death Metal in Reinkultur geboten, versehen mit einer Prise holländischem Spaßfaktor. Die Setlist kann man auf dem extra gedruckten T-Shirt des Vordermanns nachlesen, bis auf eine kleine Änderung: "Wir dachten uns, wir spielen ja kaum was von der letzten Scheibe", merkt Martin an, um das sogleich spontan zu ändern. 'Into The Timewastes' brettert ohne Umschweife aus den Boxen, gefolgt vom kollektiv mitgegrölten Titelsong der aktuellen Langrille "Deathhammer". Während sich vor der Bühne reihenweise Moshpits bilden, ist Vollbartträger Martin wie immer gut drauf und weiß die Fans im nahezu akzentfreien Deutsch zu unterhalten: "Ich brauch erst mal einen Schluck Bier!" "Gut genug? Laut genug? Metal genug?" "Lasst mal Hörnchen sehen!" Oder einfach nur ein schlichtes, breit grinsend und provokativ geblöktes "Was?!?", wenn er einen Refrain lautstark von der Anhängerschaft hören will. Nachdem der Niederländer mit der grauen Mähne es sich nicht nehmen lässt, jedes Bandmitglied namentlich vorzustellen und die gesamte Crew beklatschen zu lassen, darf auch mal Gitarrist Paul ins Mikrofon grunzen. Und zum Abschluss wird dessen Gitarrengepose mit Basser Alvin von Herrn van Drunen kurzerhand zu einem flotten Dreier umfunktioniert. Kurzum: Einen ASPHYX-Gig ohne perfekte Symbiose aus Oldschool Death und Spaß wird es wohl nie geben. Schon gar nicht auf Martins Lieblingsfestival!
[Carsten Praeg]

Die Death-Metal-Supergroup BLOODBATH zählt mit ihrem Auftritt am Death-Metal-Abend - ASPHYX, BLOODBATH und CANNIBAL CORPSE - des diesjährigen Party.San Openairs sicherlich zu einem der Highlights dieser Edition des Festivals. Denn allen bösen Zungen zum Trotz überzeugen die Schweden mit ihrem neuem Frontmann Nick Holmes (PARADISE LOST) UND einer atemberaubenden Show, welche alle Zweifel über den Neuzugang am Mikro auslöscht. Verständlicher als viele Power-Metal-Sänger und doch mit deftigen Death-Metal-Guturals in petto, passt Holmes, wie schon von seinen Bandkameraden angekündigt, perfekt zu BLOODBATH. Überzeugt hat auch die klare Wall of Sound, mit der das Publikum begrüßt wird und die großzügige Setlist, welche das "Grand Morbid Funeral"-Material mit den zwei absoluten Klassikern der Band, nämlich 'I’m Fire' und 'Eaten', abrundet.
[Scott Kutting]

Ganz ehrlich: ENSIFERUM ist als Co-Headliner auf dem Party.San nicht unbedingt der Knaller. Gar nicht mal unbedingt der Qualität, sondern eher der Ausrichtung wegen; aber als erfolgreiche Metal-Band kann man die Finnen nicht weiter nach unten im Billing setzen – muss man vor allem auch nicht. Denn während sich das trve Volk den Sack kratzt und sich die Todesspezialisten an der Theke für die Kannibalen stärken, verschlägt es doch nicht wenige zur Bühne, um sich eine ordentliche Portion humpaigen Folk/Viking Metal zu geben. Die Band ist sicher ihrer gar nicht mal so einfachen Aufgabe offensichtlich gar nicht bewusst und gibt einfach wie gewohnt Vollgas, Sprit ist dabei vor allem die aktuelle Platte "One Man Army". Auch wenn 'Axe Of Judgement' gleich gut in die Vollen geht, ist das Klangbild etwas befremdlich. Es wird nicht bewusst auf viel Keyboard gesetzt, aber die Gitarren, obwohl gut zu hören, haben einfach einen wahnsinnig dünnen Sound. Wie eine Tütensuppe mit der dreifachen Menge des geforderten Wassers. Das ist schade, denn ansonsten würde noch deutlich mehr M-E-T-A-L durch den etwas leisen Gesamtsound dringen. Sei's drum, ENSIFERUM funktioniert auch ohne massive Äxte, wie man anhand von 'Twilight Tavern' bestens erleben kann. Anschließend kommt ohne jeden Zweifel das Highlight des Sets: 'Treacherous Gods' vom Debüt. Herr im Himmel, diese Band war mal mehr als gut; sie war extrem gut. Schade, dass nicht mehr aus dieser Zeit kommt, aber 'Lai Lai Hei' und 'Athi' können zumindest ein wenig entschädigen. Überhaupt gibt sich ENSIFERUM eine Menge Mühe, die Party ans Laufen zu bringen/in Gang zu halten, was sich insbesondere Basser Sami Hinkka zur Lebensaufgabe gemacht zu haben scheint. Fronter Petri Lindroos miemt den kühlen Finnen, agiert aber tadellos und Gitarrist Markus Toivonen liefert eine solide Leistung, während Keyboarderin Emmi Silvennoinen grazil im Hintergrund die Tasten bearbeitet. Den Mann an den Kesseln sieht man irgendwie nicht. Das Publikum geht bei den Interaktionen ordentlich mit. Dass der Fünfer auf anderen Festivals jedoch noch ganz anders abräumen kann, ist selbsterklärend. Zum Abschluss hätte ich mir eher etwas anderes als das neue, sehr augenzwinkernde und tanzbare 'Two Of Spades' gewünscht - egal. Trotz dieser aus meiner Sicht durchwachsenen Setlist hat ENSIFERUM hier unterm Strich eine wirklich ordentliche Show geboten, die auch auf dem Party.San funktioniert und erstaunlich gut unterhalten hat
[Oliver Paßgang]

Der Freitags-Headliner CANNIBAL CORPSE hätte an und für sich um kurz vor Mitternacht seinen Set eröffnen sollen, doch Pustekuchen. Obwohl im Verlauf des Tages größere Verzögerungen in der Running Order durch geringfügig verkürzte Spielzeiten der einzelnen Bands wieder hereingeholt wurden, begannen Alex Webster, George Corspegrinder und Co. ihren Set erst um Punkt 0:40 Uhr. Grund hierfür ist eine schier endlos erscheinende Umbaupause, bei der rein gar nicht voranzugehen scheint. Endlose "Check, check!"-Mikro-Tests beispielsweise. Man kennt das ja. Bizarres Highlight: Drummer Paul Mazurkiewicz beäugt die Vorbereitung seine Drumkits mit Argusaugen hinter dem Kit stehend, während er nur darauf zu lauern scheint, dass der Schlagzeug-Techniker irgendeinen Fehler begeht. Selbst greift er jedoch nicht ein. Na ja. Als der Todesblei-Sturm der Kannibalen losbricht, ist der Unmut über die lange Trödelei jedoch vergessen, denn der heutige Auftritt ist wieder einmal eine Lehrstunde, wie man technisch hochklassigen Death Metal in Perfektion umsetzt - zumindest, was den spielerischen Aspekt anbelangt. 'Scourge Of Iron' macht den Anfang, dicht gefolgt von 'Demented Aggression'. Die Band wirkt hochkonzentriert. Der Sound ist geradezu perfekt: Transparent und druckvoll gibt es hier einen vor den Latz. Besonders das Schlagzeug von Paul drischt unerbittlich, aber klanglich sehr geil auf die Trommelfelle. George Corpsegrinder, der Mann ohne Hals, zeigt einmal mehr das unwirklichste Extrem-Propeller-Banging dieses Planeten, während die übrigen Bandmitglieder an den Klampfen den Aktionsradius Null praktisch nie verlassen. Lediglich Alex Webster am Bass und Gitarrist Rob Barrett zeigen gelegentliches Headbanging. Die Setlist bietet eine tolle Mischung starker CC-Stücke und Klassiker wie 'I Cum Blood' und 'Stripped Raped And Strangled', aber leider keinerlei Überraschungen. Schade eigentlich. Denn die Routiniers könnten ihren Set doch auch mal variieren. Wie gerne würden die Fans mal ein Stück wie 'Gutted', 'Covered With Sores' oder 'Perverse Suffering' hören! Zugute halten muss man den Kannibalen, dass die Band immer und überall Arsch tritt und ihren Stiefel in beeindruckender Art und Weise herunterspielt. Leider sind ihre Auftritte halt sehr vorhersehbar. Das scheint das schon recht müde wirkende PSOA-Publikum heute Nacht allerdings nicht zu stören. Der Applaus ist jedenfalls tosend. Gegen Ende des Sets schlägt die Band insbesondere mit 'Make Them Suffer' erbarmungslos zu, bevor bei 'Hammer Smashed Face' Tausende abhotten wie Schmidts Katze. Gegen 1:35 Uhr verschwindet die Band, um nach einiger Zeit mit 'Devoured By Vermin' eine letzte Zugabe in den nächtlichen Himmel zu blasen. Wie bereits gesagt: Die Performance von CANNIBAL CORPSE war spielerisch sehr gut, der Sound 1A, aber Abwechslung in der Setlist wäre eine feine Sache.
[Thorsten Seyfried]

Setlist: Scourge Of Iron, Demented Aggression, Evisceration Plague, Stripped, Raped and Strangled, Disposal Of The Body, Sentenced To Burn, Kill Or Become, Sadistic Embodiment, Unleashing The Bloodthirsty, I Cum Blood, Make Them Suffer, A Skull Full of Maggots, Hammer Smashed Face, Devoured by Vermin

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Redakteur:
Carsten Praeg

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