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PARKWAY DRIVE + Support - Hamburg

22.11.2012 | 10:03

19.11.2012, Große Freiheit 36

Das volle Metalcore-Brett gibt es heute Abend mit PARK WAY DRIVE, die kräftige Unterstützung von STRUC/TURES, THE WORD ALIVE und EMMURE bekommen. Let the party begin!

Die Große Freiheit 36 auf dem Hamburger Kiez ist bereits mächtig gefüllt, als die Jungspunde STRUC/TURES die Bretter betreten. Ihr vertrackter Sound mit massiven Breakdowns und irrwitzigen Strukturen sind keine leichte Kost, doch genau das ist heute Abend erwünscht. Die Kanadier spielen fast ihr komplettes Debut-Album "Divided By" (2011) und hinterlassen viele offene Münder. Auch wenn alle Bands heute einen gewissen technischen Anspruch haben, sind STRUC/TURES deutlich verkopfter und unberechenbarer als ihre Kollegen. Der Stimmung schadet das überhaupt nicht, was auf Platte gut funktioniert, setzt live eine unglaubliche Energie frei. STRUC/TURES fegen mit 'At Las[t]', 'Hydroplaning' oder dem djentigen 'Encounter' die Gehörgänge frei, dazu kommt der glasklare und transparente Sound, der die Leistung des Quintetts noch mal unterstreicht. Für mich und viele andere ein ganz klarer Favorit des Abends, so einen Spielwitz soll mir heute nicht mehr unterkommen! Schade nur, dass (mal wieder) die Band viel zu früh angefangen hat, das nimmt mittlerweile heftige Ausmaße an.

THE WORD ALIVE (Foto rechts) aus Phoenix/Arizona habe ich zuletzt vor ungefähr einem Jahr auf der "Never Say Die!"-Tour gesehen. Ihr Zweitwerk "Life Cycles" ist im Sommer 2012 erschienen und konnte das bereits starke Debut "Deceiver" (2010) sogar noch toppen. Auch live haben die Amis einiges dazu gelernt und können auch hier mehr überzeugen als zuvor. Tyler Smith ist zum Beispiel richtig gut bei Stimme und kann die cleanen Gesangspassagen gut rüberbringen. Der Publikumszuspruch hat sich noch mal um einiges erhöht - die Band hat sich mittlerweile definitiv einen Namen gemacht. THE WORD ALIVE sind außerdem krasse Stimmungsbomben, selbst der Letzte wird zum Mitsingen, Mitspringen oder Luftboxen animiert. '2012' oder das neue 'Entirety' werden entsprechend heftig abgefeiert. Sowieso ist die Stimmung heute Abend durchgehend sehr gut, doch der Höhepunkt ist noch längst nicht erreicht. Eine tolle Show, doch ich bin trotzdem froh, dass nach etwa 30 Minuten Schluss ist, da der Sound auf Dauer doch stereotyp klingt.

Auf Platte eher ambivalent, live ein Erlebnis: EMMURE. Das amerikanische Quintett fegt wie heftiger Orkan durch die Große Freiheit 36, im Vergleich waren THE WORD ALIVE ein laues Lüftchen. Shouter Frank Palmeri hat sich der Hansestadt angemessen mit Regenjacke bekleidet und muss sich wohl ordentlich einen abschwitzen. Er lässt sich aber nichts anmerken und hüpft und tanzt - ab und zu auch im Roboter-Stil - wie angestachelt über Bühne. Fette Grooves, interessantes Songwriting und etliche Bassbomben holen alles aus den Fans raus, nach dem Motto: "You say Hardcore, I say Party!". Die Band spielt sehr gut zusammen, jede Viertelnote sitzt und drückt sich metertief ins Gesicht ein. Live immer wieder gerne!

Dann ist es Zeit für PARKWAY DRIVE! Die Location wird noch mal voller, obwohl sie vorher schon voll war. Die Hölle bricht nun endgültig los, die ganze Halle flippt aus! Sofort fällt positiv auf, dass die Australier die erste Band mit einer anständigen Lichtshow und sich veränderndem Bühenhintergrund sind. Fronter Winston McCall lobt das Publikum mit "Fucking mental!" und er hat recht: Es ist wirklich unfassbar, was PARKWAY DRIVE für ein Brett abliefern und wie sehr das überwiegend junge Publikum die Band abfeiert. Nach einem Sonnenaufgang zu den Tönen von 'Sparks' legt die Band mit 'Old Ghosts - New Regrets' vom neuen Album "Atlas" richtig los. Die Band kredenzt im weiteren Verlauf eine gutes Programm ihrer bisherigen Schaffensphase, aber eigentlich ist es egal, welcher Song gespielt wird, jeder wird enthusiastisch aufgesogen und abgetanzt. Selbst die melodiösen Licks werden à la IRON MAIDEN mitgegröhlt ('Wild Eyes'). McCall erkennt richtig: "After this show I'm gonna be destroyed!". Die Atombombenexplosion auf der Leinwand gibt die passende Untermalung zur Musik. Die Band besteht im Laufe der Show aus einem einzigen Grinsen und bedankt sich mit Worten wie: "Holy Shit!". Das Publikum darf nun zwischen einem neuen und einem alten Song wählen, da sich die Fans aber nicht entscheiden können, gibt es erst 'Swing' und dann 'Idols And Anchors' (2007). Zum Abschluss wird das obligatorische 'Carrion' auf die Meute losgelassen, da für die Band wohl nicht genug Mitgesungen wurde, starten sie den Song nach den ersten Takten noch mal von vorne, nun mit einem mehr als präsenten Publikum. Um einen Fan zu zitieren: "Definitiv eine geile Live-Band!" Stimmt!

Setlist PARKWAY DRIVE:

Sparks
Old Ghosts-New Regrets
Sleepwalker
Karma
Wild Eyes
Boneyards
Romance Is Dead
Deliver Me/Dark Days
Dead Man's Chest
Swing
Idols and Anchors
Blue and the Grey
Home Is for the Heartless
Carrion

Texte und Fotos von [Jakob Ehmke]

Redakteur:
Jakob Ehmke

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