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OBITUARY, EXMORTUS & TRAITOR - Stuttgart

21.03.2018 | 19:13

12.03.2018, Universum

Death Metal am Montag.

Montag ist Schontag? Nicht in Stuttgart und nicht bei OBITUARY. Die Band hatte nach den ersten sieben Konzerten der Tour am Sonntag Reisetag von London nach Stuttgart und konnte so ausgeruht die Woche in Feinstaub-City beginnen. Auch die Stuttgarter hatten wohl Lust auf ein verlängertes Wochenende, so dass der Veranstalter schon im Vorfeld dazu aufrief den Vorverkauf zu nutzen, da es voll werden könnte.

Gegen 19.30 Uhr bilden sich in der U-Bahn-Station Charlottenplatz kleiner Gruppen langhaariger Gestalten mit Bier in der Hand. Das Universum liegt in eben jener U-Bahn-Station und hat schon die Türen geöffnet. Doch draußen wird es langsam Frühling und dort schmeckt das Bier besser und ist auch günstiger als die überzogenen Preise in der Lokalität. Auch OBITUARY scheint andere Vorstellungen zu haben, was für Merchandise fair ist und was überzogene Preise sind. Für 25€ für ein T-Shirt sollte man schon einen Arbeitsvertrag bei Daimler haben oder so betrunken sein, dass es einem egal ist.

Den Abend eröffnet TRAITOR aus Balingen mit ihrem Old School Thrash Metal. Das Quartett aus der Heimatstadt des Bang Your Head-Festivals existiert schon seit 2009 unter dem Namen und hat schon reichlich Bühnenerfahrung gesammelt, obwohl es erst zwei Alben veröffentlicht hat. Durch den Status des lokalen Helden wird TRAITOR von Beginn an abgefeiert, obwohl die Band zwei Songs braucht, um in den Set zu finden. Dann erst kommt die Musik wirklich druckvoll rüber. Vielleicht brauche ich auch etwas, um mich daran zu gewöhnen, dass ich nicht direkt angeschrien werde, sondern der Schlagzeuger den Gesang übernimmt und man ihn hinter den drei anderen Musikern schlecht sieht. Nebenbei übernehmen diese allerdings auch noch den Background-Gesang und die Gangshouts und einer der Gitarristen macht die Ansagen. Das ist stimmig und TRAITOR wärmt das Publikum gut auf.

Mit EXMORTUS sollte dann eigentlich ein anderes Kaliber auf der Bühne stehen, denn eigentlich haben die Kalifornier schon vier Alben veröffentlicht und blicken auf 16 Jahre Bandgeschichte zurück. Doch wie es so kommt, mussten sie zwei Wochen vor der Tour kurzfristig einen Ersatzschlagzeuger einarbeiten und auch immer wieder helfen Musiker bei WARBRINGER aus oder Gitarrist Chase Becker von WARBRINGER hilft bei EXMORTUS aus. Doch der verkopfte und vielleicht sogar leicht progressive Thrash Metal kommt im Vergleich nicht ganz so an. Allerdings gibt es auch genügend Leute, die das Cover des dritten Aktes der 'Mondschein Sonate' von Ludwig van Beethoven abfeiern. Die Stimmung ist jedenfalls nicht überschäumend, EXMORTUS sind aber auch nur Vorgruppe und passen musikalisch nun auch nicht unbedingt zum Headliner.

Dieser Headliner nennt sich OBITUARY, wird unter lautem Jubel um 21.50 Uhr auf der Bühne begrüßt und steigt auch gleich in 'Redneck Stomp' ein. Doch anstatt durchzuziehen, geht das Licht nach dem Intro wieder aus und nach endlosen Sekunden steigt die Band um die Tardy-Brüder in 'Sentence Day' vom aktuellen Album ein. Das Schauspiel soll sich an diesem Abend noch einige Male wiederholen, die Pausen zwischen den Songs sind viel zu lang und wirklich nach jedem Stück kühlt man das Publikum wieder runter. Der Mosh-Pit will nicht richtig durchdrehen und einen Crowdsurfer gibt es nur in der zweiten Hälfte der Show. Dabei spielt OBITUARY an diesem Abend gar nicht mal schlecht, es wirkt nur sehr routiniert, wenn nicht sogar etwas lustlos. Dass damit immer noch 50% der Death Metal Bands in Hochform an die Wand gespielt werden, reicht aber für die Band aus Florida nicht. Auch die Setliste lässt fast keine Wünsche offen und man schließt die Klammer von "Slowly we rot" bis zum aktuellen "Obituary" Album. Nach den 70 Minuten ist aber trotzdem keine Begeisterung aufgekommen, gemeckert wird aber auch nicht. Vielleicht sind Konzerte am Montag einfach so und man muss sich damit abfinden?

Redakteur:
Björn Gieseler

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