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Novembers Doom/Agalloch - München

30.11.2006 | 16:00

24.11.2006, Backstage

NOVEMBERS DOOM und AGALLOCH auf einer gemeinsamen Tour, das ist ein besonderer Leckerbissen für alle Doomster und Fans von anspruchsvollen düsteren Klängen. Leider scheinen diese nicht allzu verbreitet zu sein, denn der Backstage Club in München ist an diesem Abend trotz des fairen Eintrittspreises (gerade mal 15 Euro an der Abendkasse) nicht wirklich voll. Aber immerhin haben es sogar Fans aus Wien und Graz nach München geschafft, und so stehen die Bands zwar nicht vor einer Ausverkauften Hütte, dafür sind die Anwesenden aber einfach nur Fans und Genießer und zeigen bei jeder Band - und vor allem bei AGALLOCH - wahre Begeisterung.

THURISAZ aus Belgien haben die Ehre, den Doom-Abend zu eröffnen und das tun sie, nach anfänglichen Sound-Schwierigkeiten, gar nicht mal so schlecht. Auch wenn der erste Song in einem grauenhaften Soundmatsch untergeht und zu Beginn noch kaum jemand im Club drin ist, schlagen sich die Belgier gut und schaffen es nach und nach, immer mehr Fans auf ihre Seite zu ziehen. Die musikalisch ansprechende Mischung aus Doom, Dark Metal und groovigen Death-Metal-Parts mit leicht folkig angehauchten Keyboardmelodien wirkt stets spannend-abwechslungsreich und lässt dank der vielschichtigen Soundlandschaft nicht einmal einen Vergleich zu bekannten Bands zu. Ein überraschend guter Anfang für einen Abend, dessen Highlight erst folgen sollte:

In Form von AGALLOCH! Mit ihrem außergewöhnlich schönen neuen Album "Ashes Against The Grain" haben AGALLOCH wieder ihre Hand für tolle Melodien, unglaublich emotionale Klänge und epische Größe gezeigt, und genau diese Gefühle werden auch live umgesetzt. Schon beim Gedanken an diese Reise in eine einmalige musikalische Welt bekomme ich schon wieder Gänsehaut. Als die ersten Noten von 'Limbs' erklingen, stellt sich ein unbeschreibliches Gefühl zwischen Bewunderung, Begeisterung und tiefster Ergriffenheit ein, denn AGALLOCH sind nicht nur mitreißend, sondern auch extrem authentisch und leben sämtliche Gefühle, die ihre Musik vermittelt, auch aus. Und AGALLOCH sind sparsam in Gestik und Gesang, hier geht es vor allem um Emotionen, um verzaubernde Melodien und technische Feinheiten. Ja, das ist Musik auf hohem Niveau, die sich ohne gekünstelte Hypes direkt in die Herzen der Anwesenden brennt. Schon nach wenigen Minuten das Gefühl vermittelt, dass man hier einfach nur eins mit der Musik ist. Vor allem Gitarrist Don Anderson beeindruckt mit seiner gefühlsbetonten Spielweise und veredelt die neuen Songs sogar noch mit einer siebensaitigen Gitarre. Und auch die anderen Musiker sind voll und ganz in ihrem Element und präsentieren Songs wie 'Falling Snow' oder das "The Mantle"-Stück 'Odal'. Am Ende widmet Don noch einen Song einem Freund AGALLOCHs, Florian von der Berliner Band ESCAPE THE DAY, der sich das Leben nahm. Die emotionale Ansprache und kurze Geschichte dazu scheint ihn selber sehr mitzunehmen, und zumindest ich habe einen Kloß im Hals, als AGALLOCH nach dieser Ansage in ihre unsäglich traurigen Melodien einstimmen. Don kauert teilweise am Boden, die Gitarre fest umklammert. Fast könnte man meinen, der Mann würde gleich anfangen zu weinen, und man spürt, wie sehr ihn der Tod des Freundes mitgenommen haben muss. Am Ende liegt auch Sänger John auf der Bühne, Don reißt die Saiten von der Gitarre, wirkt wie in Trance, wie in einer anderen Welt, und man merkt immer mehr, woher all diese wunderbaren Melodien kommen. AGALLOCH entfachen pure Emotionen - und nach diese, Auftritt wäre eigentlich kaum eine Band im Stande, diese unglaublich intensive Atmosphäre noch zu toppen.


Das schaffen auch NOVEMBERS DOOM nicht, die zwar eine durchaus gute Leistung bringen und musikalisch nicht viel falsch machen, doch irgendwie springt der emotionale Funke zumindest bei mir nicht über. Zu sehr bin ich noch von den Klängen von AGALLOCH gefesselt, zu sehr hat mich dieser Auftritt mitgenommen, beeindruckt - und so sind NOVEMBERS DOOM heute nicht mehr als eine nette Zugabe. Vor allem die Songs des letzten Albums kommen aber ganz gut beim Publikum an, und der Start ist mit'The Pale Haunt Departure' wirklich gut gewählt. Sänger Paul, der nicht nur durch seine mehr als arschlangen Haare, sondern auch durch seinen tollen Gesang auffällt, hat sämtliche dramatisch-theatralischen Gesten drauf und spielt gerne mit seinen Händen. Die Gitarrenfraktion zeichnet sich durch stetes Headbangen und Action auf der Bühne aus und im Vergleich zu AGALLOCH, die wie schon erwähnt eher ruhig und bedächtig wirkten, sind NOVEMBERS DOOM sehr aktiv. Dem Publikum gefällt's, die Fans machen mit und zwei Mädels in der ersten Reihe halten sogar ein Plakat hoch, auf dem sie Gitarrist Larry danken (nee, wir sind aber nicht bei einem Boygroup-Konzert?). NOVEMBERS DOOM sind live um einiges härter als auf CD und so wirken die oft sanften Doom-Passagen in der Bühnen-Umsetzung teilweise sehr brutal, was sowohl Vorteile (die Fans gehen gut mit) als auch Nachteile (wenn man zum Beispiel nicht mehr aus der AGALLOCH-Trance erwachen will) hat. Immerhin gibt's mit 'Dark World Burden' sogar meinen Favoriten vom letzten Album, und auch wenn NOVEMBERS DOOM ihren Support nicht schlagen können, so hinterlassen sie doch einen guten Eindruck und kommen mit ihrem soliden Doom auf jeden Fall toll an. Als das doomige Geschehen zu Ende ist, wird man ruckzuck mit Reggae-Klängen aus der Halle verscheucht (seltsame Rausschmeißmucke...), nur die Belgier scheinen die sonnige Musik zu genießen und tanzen noch eine Runde albern rum. Egal, ich bin immer noch in der Gefühlswelt von AGALLOCH und hoffe, dass diese Band noch öfters ihre Magie über heimische Gefilde legt. Traumhaft schön!

Redakteur:
Caroline Traitler

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