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Never Say Die Tour 2010 - Oberhausen

04.11.2010 | 12:36

29.10.2010, Turbinenhalle

Die alljährliche Never Say Die Tour rollt 2010 bereits zum vierten Mal durch Europa. Ähnlich wie zu Beginn 2007 sind PARKWAY DRIVE und COMEBACK KID Headliner. Mit dabei hat man die heißesten Bands der Breakdown-Szene.

Die Turbinenhalle in Oberhausen bietet Platz für 3500 Konzertbesucher. Eine ziemlich große Kapazität angesichts der Tatsache, dass die Never Say Die Tour bisher immer nur in Hallen für bis zu 1500 Leute gastierte. Doch mit 2500 Besuchern ist es heute gut gefüllt. Das liegt vielleicht daran, dass sich das Line-up von dem des Vorjahres unterscheidet. 2007 waren PARKWAY DRIVE Co-Headliner, 2008 Headliner über DESPISED ICON und den ARCHITECTS, und 2009 waren diese beiden Headliner. 2010 präsentiert man neue Bands, die Publikum anziehen und bis auf PARKWAY DRIVE nicht alle vier Monate irgendwo zu sehen sind.

Die erste Band des Abends ist WE CAME AS ROMANS. Die sechs Amerikaner bieten hippen und breakdown-lastigen Screamo, der beim minderjährigen Publikum recht gut ankommt. Zwar ist die Band noch nicht allzu bekannt - man veröffentlichte erst 2009 das Debüt "To Plant A Seed" -, ein paar Anhänger scheint man dennoch in Oberhausen zu haben.

Auf der Bühne gibt man sich recht beweglich mit gleich zwei Sängern. Vor allem der Bassist rockt ordentlich in bester MÖTLEY CRÜE-Manier über die Bühne. Leider ist das Songmaterial relativ durchschnittlich, kommt live aber besser rüber als auf Platte.

Wie es richtig geht, zeigen die Briten von YOUR DEMISE. Man legt nach einem old-schooligen Hip-Hop-Intro mit 'Miles Away' vom neuen Album "The Kids We Used To Be" los, und die Kids vor der Bühne eröffnen den ersten ernstzunehmenden Moshpit des Abends. Durch ihren neuen Sänger wirken YOUR DEMISE wesentlich agiler und lassen sich von dem frischen Wind tragen. Besser habe ich die Briten noch nicht gesehen. Die Tour mit THE DEVIL WEARS PRADA im Jahr 2009 war für dieses Line-up nur ein Aufwärmen vor dieser energiegeladenen Show. Den Fokus legt man allerdings auf die Songs des neuen Werks. Dennoch rasten die Fans bei 'Burnt Tongues' vom Vorgänger "Ignorance Never Dies" kollektiv aus. Neben COMEBACK KID ist dies die beste Show des Abends.

WAR FROM A HARLOTS MOUTH aus Berlin stehen als Nächste auf der großen Bühne der Turbinenhalle. Allerdings will der frickelige Mix aus Math- und Deathcore nicht so ganz zünden. Man weiß manchmal gar nicht, wann ein Song aufhört und ein neuer beginnt. Das Publikum steht stellenweise eher verwirrt herum und geht nur bei straighten Songs wie 'Crooks At Your Door' oder 'Up-Town Girl' wirklich mit. Dabei gibt sich die Berliner Band Mühe, dem Publikum einzuheizen, was ihnen im Verlauf des Sets immer mehr gelingt.

Jetzt könnte es peinlich werden. Denn auf der letztjährigen Beastfest-Tour waren EMMURE nicht gerade überzeugend, was auch am absolut intelligenzfreien Publikum lag. Heute hat man anscheinend einen besseren Tag erwischt, und der schleppende, selten das Midtempo verlassende und von Breakdowns durchzogene Metalcore der Band kommt ziemlich gut bei den anwesenden Karate-Kids an. Man hätte dennoch etwas mehr auf die Songs von "Goodbye To Gallows" und "The Respect Issue" setzen sollen, denn das "Felony"-Material wirkt durch seine B-Klasse-New-Metal-Zitate nicht mehr allzu gut. 'When Keeping It Real Goes Wrong' allerdings ist ein gelunger Abschluss des Gigs.

BLEEDING THROUGH sind da eine wesentlich bessere Partie. Es ist ebenfalls schön zu sehen, dass der Metalcore der Band auch zwischen den neueren Bands wie EMMURE, PARKWAY DRIVE oder YOUR DEMISE funktioniert, die anders an die Songs herangehen als die Black-Metal-beeinflussten BLEEDING THROUGH.

Man setzt auf die gleiche Setlist wie im Sommer auf den Festivals, also mehr auf Klassiker wie 'Revenge I Seek' oder 'For Love And Failing' als auf zu viele Songs des aktuellen, selbstbetitelten Albums, welches im Frühjahr 2010 erschien. Die Band ist trotz eines neuen Gitarristen mittlerweile eine eingespielte Mannschaft, die über jeden Zweifel erhaben ist. Das abschließende 'Kill To Believe' ist eh ganz großes Kino.

Doch die kanadischen COMEBACK KID überbieten diese Leistung noch einmal. Wie immer beginnt man mit 'False Idols Fall' und hat damit die Menge sofort auf seiner Seite. Ähnlich wie BLEEDING THROUGH setzt die kanadische Hardcore-Band viel auf alte Songs, streut allerdings ebenso neue Stücke wie 'Because Of All' oder 'Do Yourself A Favor' vom neuen Album "Symptoms + Curses". Es sind dennoch Songs wie das melodische 'Die Tonight', 'Our Distance', 'All In A Year', 'Broadcasting' oder natürlich die Bandhymne 'Wake The Dead', die zum kollektiven Mitsingen und Moshen einladen. COMEBACK KID, die sich im letzten Jahr rar gemacht haben, sind in Topform und animieren das Publikum zu immer mehr Bewegung. Ein Klasseauftritt.

PARKWAY DRIVE sind leider nicht mehr so gut wie früher, was allerdings nicht an den Songs liegt. Keine Frage, auf Platte kann man sich die Band immer wieder mal gerne anhören, nur live ist das alles leider zu ausgelutscht. Die Australier spielen eigentlich überall mehrmals im Jahr und wirken so zumindest auf mich etwas verbraucht. Der Großteil des Publikums feiert die Metalcore-Band dennoch euphorisch ab.

Viel geändert hat man nicht im Vergleich zur Setlist der Sommerfestivals, was das Ganze nicht gerade aufregender gestaltet. Songs wie 'Sleepwalker', 'Boneyards' oder natürlich 'Romance Is Dead' klingen trotzdem mehr als ordentlich und machen Spaß. Nur über die volle Distanz reizen PARKWAY DRIVE mich heute nicht. Auch sie sollten sich 2011 vielleicht seltener sehen lassen, so dass die Meute wieder hungrig werden kann. Ob dies die 2500 Leute genauso sehen, wage ich aber zu bezweifeln.

Dennoch war die diesjährige Never Say Die Tour vor allem dank YOUR DEMISE, COMEBACK KID und BLEEDING THROUGH ein voller Erfolg. Allein die Absperrung vor der Bühne störte und ließ kein hundertprozentiges Hardcore-Show-Feeling aufkommen.

Redakteur:
Sebastian Berning

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