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Napalm Death - Lindau

21.12.2000 | 08:08

01.12.2000, Club Vaudeville

Das erste was einem sofort ins Auge fiel als man den Blick Richtung „Bretter, die die Welt bedeuten“ wandte, waren 3 Drum-Sets, die unterschiedlicher nicht hätten sein können: Mini-Spar-Set der Marke “Monstermagnet” auf der rechten Seite, links davon ein Kit, das durchaus Ähnlichkeiten mit \'ner fliegenden Untertasse aufwies (o.k. entfernt vielleicht, aber genauso „High-Tech-Überladen“), während dahinter, hocherhoben auf dem Podest, ein gutes altes Metal-Schlagzeug stand ohne jegliche Kinkerlitzchen. Ähnlich bunt wie die Drum-Landschaft waren dann auch die unterschiedlichen Darbietungen der Musikerschaft.
Los ging\'s mit BRUTAL DELUXE, einem Trio aus London, das ganz und gar nicht ins heutige Package passen wollte. Optisch, wie auch musikalisch unterschied man sich doch erheblich vom Rest der auftretenden Bands. So war es dann auch kein Wunder, daß das Lindauer Publikum die äußerst sympathischen Engländer mit Nicht-Beachtung strafte. Lediglich ein äußerst angestochener Zeitgenosse, der mittels extrem verunglückter Stagediveaktionen wohl versuchte wieder nüchtern zu werden, sowie 3 abmoshende Ich-Hab-Auch-Schon-Einen-Im-Tee Grazien, schienen Spaß am Treiben auf der Bühne zu haben. Jedenfalls ließen sich BRUTAL DELUXE von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen und zogen so ihren halbstündigen Set in professioneller Manier durch. Zwei Fragen sind aber noch offen, gelle!? Wieso optisch und musikalischer Unterschied? Optisch deshalb, weil die Jungs im All-Over-Tribal-Tattoo-Outfit bzw. mit schwarzem Body-Paintig die Bühne enterten, das sie nach eigenen Angaben bei jedem Gig anlegen (egal wann, wie und wo). Schlechte Erfahrungen hätten sie damit nur in England bis jetzt gemacht, da es dort angeblich an Duschmöglichkeiten nach den jeweiligen Gigs mangelt. Tja, life\'s hart! Und was den Sound angeht, so würde ich den Briten-Dreier als eine Mixtur aus FEAR FACTORY / TREPONEM PAL / FAITH NO MORE bezeichnen. Somit dürften auch diese beiden Fragen geklärt sein.
Was dann folgte, ist eigentlich ziemlich schnell gesagt ... was gemütlich mit \'nem Bier-Und-Nüsschen-Abend-Vor-Der-Glotze begann, fand seine Fortsetzung in einer Hausdurchsuchung durch ein SEK der Polizei. So ähnlich würde ich jedenfalls den Gig von NASUM beschreiben. Das Schweden Trio knüppelte in 30 Minuten alles überfallartig nieder, was nicht niet- und nagelfest war. Ohne großes Geplänkel rotzte man im Raumschiff Enterprise-Tempo Song für Song daher, an denen auch Zaungast Shane Embury, erklärter Fan der IKEA-Knaben, sichtlich seine Freude hatte. Einziger Wermutstropfen bei der Geschichte war der etwas zu \"rauhe Sound\", um nicht sogar zu sagen, der schlechte Sound. Anyway, NASUM - die ultimative highspeed Unterhaltung!
Als die Lichter an diesem Freitag Abend dann zum dritten Mal erloschen, hieß es \"Bühne frei\" für die ultimativen Könige des Grindcore / Death Metal Zirkus - NAPALM DEATH. Diese ließen sich auch nicht lange betteln und holzten los was das Zeug hielt. 70 Minuten durch sämtliche Epochen NAPALM tötender Schöpfung mit Klassikern wie „Scum“, „Suffer The Children“, „The World Keeps Turning“ und und und ... jedenfalls hatten die Gekommenen Ihren Spaß und feierten „Birminghams Finest“ mächtig ab. Lustig dabei war, für den Betroffenen wohl weniger, mit anzusehen, wie sich Klampfer Mitch Harris während des gesamten Sets, auf einem Barhocker sitzend, sich die Rübe von der Birne bangte - der Knabe hatte nämlich \'nen Gipsfuß. Das die Jungs nach einigen Wochen Tourstrapazen doch ziemlich ausgebrannt waren, merkte man ihnen kaum an. Lediglich Jesse Pintado wirkte äußerst hüftsteif und bewegungsunfreudig - ob\'s wohl die harte Tour war oder doch der sich mühsam erarbeitet Bierspoiler ... who knows!?
Nichtsdestotrotz ich hatte an dem Abend mächtig Spaß, sei es nun weil ich die Bedeutung des Spruches „Fehl am Platz sein“ mitbekommen habe, \'nen kleinen Ausflug mit Captain Kirk und seiner Crew machen durfte und anschließend mit der Erkenntnis entlassen wurde, daß Bierspoiler im Winter vielleicht warm halten, aber trotzdem mehr als unästhetisch sind. In diesem Sinne - Cheers!

Redakteur:
Oliver Kast

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