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NIGHTWISH/TRISTANIA - Trier

28.03.2005 | 11:16

24.02.2005, Arena

Trotz der ungünstigen Wetterprognosen (an den Vortagen drohte nahezu ganz Deutschland im Schnee zu ersticken) blieb mir eine Reise nach Trier nicht erspart, da NIGHTWISH zur Audienz geladen hatten. Die Anfahrt gestaltete sich dann dennoch weniger strapaziös, was man von der dreistündigen Heimfahrt, mit Tempo 60 im dichten Schneetreiben, nicht behaupten kann.

TRISTANIA

Um 20 Uhr beginnen TRISTANIA mit ihrem dreiviertelstündigen Set und die Arena zu Trier ist zu diesem Zeitpunkt bereits beachtlich gefüllt. Die Norweger sind mittlerweile zu siebt auf der Bühne aktiv und haben mit "Ashes" ein taufrisches Album im Gepäck. Etwas verwirrend ist die Konstellation mit drei SängerInnen: Die männlichen Parts teilen sich Kjetil Ingebrethsen und Østen Bergøym, während Frontelfe Vibeke Stene die Trällerparts übernimmt. Leider begnügt sie sich weitestgehend damit, mit ihren Flügeln, pardon, Armen zu flattern und kreisen wie ein junger, gerade flügge gewordener Vogel. Eines vorweg, abgehoben ist sie nicht. Auch wenn die meisten der Anwesenden nicht gerade mit dem Material der Band vertraut sind - leider auch der Verfasser dieser Zeilen - so wird jedoch zumeist dem Dargebotenen artig gelauscht, wobei hin und wieder gar ein Höflichkeitsapplaus dem Publikum zu entlocken ist. Mehr ist halt auch an diesem Abend nicht drin, was wohl auch an dem stellenweise nicht berauschenden Sound liegt. Meiner Meinung nach sind TRISTANIA nicht unbedingt Arenentauglich und das Dargebotene dürfte sich in der heimischen Atmosphäre eines Clubs besser entfalten.

NIGHTWISH

Während der Umbaupause schlendere ich mal durch die Reihen und halte Ausschau nach dem gemeinen NIGHTWISH-Fan. Wie sieht er wohl aus? Anzug und Krawatte vom Äußeren schon nach Kommerz schreiend oder doch mit Kutte bzw. Metalshirt ausgestattet? Eine klare Ausrichtung gibt es an diesem Abend nicht. NIGHTWISH sprechen, dank des zahlreichen Airplays und den TV-Sendezeiten, mittlerweile eine breite Masse an, so dass das Publikum bunt gemischt ist.

Doch kommen wir zum wesentlichen des Abends, der Musik. Das eingeleitete Intro wird von einem mächtigen Donnerschlag der explodierenden Pyros beendet und das mächtige "Once"-Backdrop erscheint im Hintergrund. Der Jubel will gar nicht abreißen, als Tarja und Co. die Bühne betreten und mit 'Dark Chest Of Wonders' die Show beginnen. Die Band strotzt nur so vor Spielfreude und gerade Bassist Marco Hietala ist ein echter Gewinn für die Band. Einerseits ist er als männlicher Gesangsgegenpart zu Tarja wesentlich stärker als seinerzeit Keyboarder Tuomas, andererseits ist seine Bühnenpräsenz sehr dominant und verleitet die übrigen Bandmitglieder und die Zuschauer dazu, mitzuziehen. Immer wieder stachelt er die Anwesenden und Mitmusiker mit seinen Ansagen an.

Auch Tarja wirkt erstaunlich locker, man merkt ihr auch an, dass nicht mehr die ganze Last des Gesanges auf ihren Schultern allein liegt. Die neuen Stücke entlasten die attraktive Frontfrau doch schon mehr, zusätzlich bedient man sich moderner Hilfsmittel und scheut sich auch nicht vor Bandeinspielungen zurück, was der Performance ebenfalls zu Gute kommt. Wo wir gerade beim Thema neue Stücke sind: Wie bereits von mir im Vorfeld befürchtet, werden die Songs der letzten Scheibe standesgemäß frenetisch abgefeiert, während jedoch einige ältere Nummern wie etwa 'Come Cover Me' oder 'The Kinslayer' nur brav beklatscht werden. Das Hauptaugenmerk im Set liegt natürlich auf den letzten beiden Outputs "Once" und "Century Child", wobei Scheiben älteren Datums wie etwa "Oceanborn" lediglich mit 'Sleeping Sun' nur wenig bzw. gar keine Berücksichtigung im Programm finden, was ich persönlich sehr schade finde.

Vielleicht hätte man die Spielzeit von 90 Minuten noch auf 120 Minuten ausdehnen können und die größtenteils noch neue Fanschar mit dem zweifelsohne auch starken alten Material erwärmen können. Wenn und aber, egal. Die Show der Finnen kann sich sehen lassen und immer wieder gehen zahlreiche Pyros und Feuerfontänen hoch. Auch der von der "Century Child"-Tour bereits bekannte Regenvorhang, der sich aus dem Fronttrassenbereich im Fotograben ergießt, ist mit im Gepäck und wird effektvoll eingesetzt. Von der imposanten Lichtshow mal ganz abgesehen. Insgesamt ist das Spektakel im obersten Drittel der Metal-Liga anzusiedeln. Trotz allem Brimborium lässt man natürlich auch musikalisch nichts anbrennen.

Nachdem Tarja all ihre Sangeskünste bei 'Phantom Of The Opera' unter Bewies stellen durfte, schickt Marco die Sängerin für eine kleine Verschnaufpause hinter die Bühne. Schließlich singt sie ja nahezu jeden verdammten NIGHTWISH-Song, jetzt will er auch einmal ran und zeigt sein Können bei der PINK FLOYD-Covernummer 'High Hopes'. Die kleine Verschnaufpause wurde von Tarja mal wieder für einen Kleiderwechsel genutzt, was sich bestimmt noch vier- oder fünfmal an diesem Abend wiederholen sollte. Für Modeinteressierte: Der farbliche Schwerpunkt bei der Kostümwahl liegt eindeutig bei rot.

Auch Tarja kommt am heutigen Abend zu ihrem Soloauftritt und gibt nur mit Unterstützung von Keyboarder Tuomas am E-Piano das in der Muttersprache verfasste Stück 'Kuolema Tekee Taiteilijan' zum Besten. Nach dieser kurzen Regenerierungsphase neigt sich der Abend dem Ende zu und NIGHTWISH läuten das Finale mit den Chartbreakern 'Nemo', 'Sleeping Sun' und 'I Wish I Had An Angel' ein, was der Band noch einmal frenetischen Applaus einbringt und den Fans die letzten Kraftreserven raubt. Alles in Allem ein gelungener Abend, auch wenn ich die Band gerne mehr als nur 90 Minuten gesehen hätte.

Setliste NIGHTWISH:

Dark Chest Of Wonders
Planet Hell
Come Cover Me
The Kinslayer
The Siren
Phantom Of The Opera
High Hopes (PINK FLOYD-Cover)
Bless The Child
Wishmaster
Kuolema Tekee Taiteilijan
Slaying The Dreamer
Nemo
Sleeping Sun
Ghost Love Score
Wish I Had An Angel

Redakteur:
Frank Hameister

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