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Monster Magnet/Gluecifer - Berlin

10.06.2004 | 09:22

26.03.2004, Columbiahalle

Es gibt Abende, an denen verlässt man eine Konzerthalle mit einem solch absoluten Glücksgefühl; nass, Schmerzen am ganzen Körper, stinkend und der völligen Erfüllung so nahe, dass es fast etwas Religiöses hat, auf jeden Fall aber herkömmlichen Konzerten krass die Existenzberechtigung nimmt.

Das Kickass-Rock'n'Roll-Doppelpack GLUECIFER und MONSTER MAGNET fiel definitiv in diese Kategorie. Doch vor dem Aufstieg in die Ekstase des unterleibsaktiven Rocks hatten die Götter die Vorband gesetzt...

THE QUILL sind eine Band, bei der in erster Linie verwundert, warum sie als Opener auf einer Roggnroll-Veranstaltung spielen dürfen, oder eher müssen. Mit einer Midtempo-Mische aus Stoner Rock, Hard Rock und Power Metal waren sie einfach mal ganz und gar nicht kompatibel mit der Erwartung eines Publikums, das der Headliner wegen angereist war, und auch ich als in alle Richtungen offener Musikfreund muss sagen, dass der Sound von THE QUILL mich ganz und gar nicht vom Hocker haute.
Schade, da wäre ein Local Hero als Opener wesentlich besser besetzt gewesen, gute Rockbands gibt es in Berlin ja ohne Ende, von den Altmeistern von CHURCH OF CONFIDENCE bis hin zu den Frauen von LORENA & THE BOBBITS. Aber son Support ist ja nun mal für ne ganze Tour gebucht, also Bier holen und durch.

Dann aber, was für ein Wechsel im Tempo. GLUECIFER kamen, sahen und rockten. Mit einer Gretsch und einer Acryl-Klampfe waren links und rechts auf der Bühne zwei sechssaitige Ikonen des Rocks in Aktion zu bewundern und dazwischen wurde gerockt. Hier ging es nicht um Technik, nicht um Soli, hier ging es darum, straigt forward in den Arsch zu treten und das taten GLUECIFER gründlich.
Insbesondere das Stageacting von Sänger Biff Malibu muss hier betont werden - stilecht mit Sonnenbrille ('Cheap Sunglasses', ZZ TOP) wird gerannt, gepost, das gesamte Rock'n'Roll-Programm abgearbeitet und es stellt sich die Frage, wie der Kerl bei der Menge an verbrannter Energie pro Abend immer noch eine so imposante Wampe kultivieren kann.
Alles in allem ein Konzi, dass mich "das ist so geil, das ist so geil" vor mich hinbrabbelnd im Stadium totaler Paralysis zurückließ.
Doch das war nur der Anfang, denn wer glaubte, dass MONSTER MAGNET sich von Jungspunden wie GLUECIFER zeigen ließen, wie man im Jahr 2004 rockt, der lag einfach mal falsch.

Die Umbaupause nutzte ich dazu, Bier zu holen und einigermaßen durchzutrocknen, sowie um zu überprüfen, ob meine Fotografin noch in einem Stück und ohne Horde Kerle um sie herum war. Das mit dem Trocknen klappte leider nicht wirklich gut, da Berlin die Stadt mit den miesest belüftetesten Hallen in ganz Deutschland zu sein scheint. Nicht mal in Hamburger Kellerclubs habe ich so gelitten, wie man es in Berlin schon in den großen Hallen tut. Doch dann, endlich, Licht aus, Spot an....

...für MONSTER MAGNET! Entgegen aller Fragen im Vorfeld war ich tatsächlich wegen der Musik und nicht wegen der Tittenmädels da, so dass ich nicht enttäuscht war, dass die Bühne bis auf zwei Podeste im
Vordergrund leer war. Diese Podeste wurden auch sogleich gefüllt und zwar glücklicherweise nicht mit GoGos sondern mit Gitarristen! Yeah! Exponierte Positionen für rockige Posen, rhythmisches Arschgewackel und alles was sonst dazu gehört.
Die Frage, ob nicht der eigentliche Fronter untergeht, wenn er quasi herabgesetzt zwischen seinen Gitarristen steht, würde sich bei anderen Band zu recht stellen, aber wer Dave Wynford jemals live erleben durfte, dem sollte klar sein, dass es sich hier um ein Bühnentier erster Ordnung handelt, der Sex, Rock und Leidenschaft pur ausstrahlt.
Song um Song haben MONSTER MAGNET das Publikum im Griff, von Klassikern wie 'Powertrip' und 'Space Lord' bis hin zum Titelsong der aktuellen Scheibe 'Monolithic Baby'. Es fällt dabei auf, dass tatsächlich über die Songs aus allen Zeiten der Band hinweg kein Qualitätsunterschied auffällt, diese Band war schon immer geil und wird es noch lange bleiben. Mit solchen Musikern mache ich mir keine Sorgen um den Sex'n'Roll im neuen Jahrtausend.
Zu den Hammer-Songs kam natürlich noch das extreme Stageacting von Herrn Wynford. Ob er nun von Podest zu Podest springt, mit Luft- oder Elektrogitarre synchron mit den Kollegen post, sich am Boden wälzt (singenderweise!) oder mit zwei Handscheinwerfern der Lichtstärke "Flakhelfer" eine Zusatz-Lichtshow über dem Publikum abzieht, von eindeutig sexuellen Unterleibsbewegungen und Stöhneinlagen mal ganz abgesehen. Wahnsinn! Wahnsinn!
Zum Abschluss gab es dann noch eine total drogige Jamsession, die meiner Meinung nach an 'The End' von den DOORS angelegt war, was aber auch daran liegen mag, dass mit Hilfe des Abnehmerwahlschalters der Gitarren ein Knacksound im Hintergrund erzeugt wurde, der der Mischung aus Knacken und Musik komplett das Feeling der vorbeifliegenden Hubschrauber in der Eröffnungsszene von "Apocalypse Now" gab. Wahnsinnig geil, beklemmend, emotional, immer noch rockend wie Sau.

Noch während des Schluss-Jams, am Rande der Dehydrierung, auf dem Weg an die frische Luft befindlich, stellten wir dann fest, WIE sexuell die Mucke von MONSTER MAGNET tatsächlich war. Im Vorraum war ein jugendliches Pärchen gerade dabei, gründlich übereinander herzufallen.
Da beide offenbar betrunken waren, dauerte es nicht lange, bis vor, neben und an einer Säule liegend aus dem Küssen heraus seine Hände unter ihr Shirt und bald seine Lippen an ihrer Brüste wanderten. Dankbar nahm er von freundlichen Zuschauern (derer es viele gab) Bier an um es über ihrem Oberkörper zu verteilen und alsbald einzumassieren. Erst als sie nach sicher zehn Minuten kostenloser Peepshow versuchte seine Hose zu öffnen, um, nun ja, auch was zwischen die Zähne zu bekommen, verzog er sich mit ihr in Richtung der Toiletten...

Alles in allem eine Feier in Rock und Sex, die ihresgleichen sucht und an der teilzuhaben für alle Beteiligten einem Hochamt in der Kirche des Rocks gleichkam. Jederzeit wieder, ihr Magnete!

Ein besonderer Dank gebührt Juliane Kuhtz, die in der Stunde größter Not den Job als Fotografin übernahm.

Redakteur:
Philipp von dem Knesebeck

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