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Mila Mar - Ingolstadt

27.10.2003 | 10:32

24.10.2003, Ohrakel

Um mich herum wunderschön schwarz herausgeputzte Gestalten, ein leichter Patchuli-Duft umschmeichelt meine Nase, in meinen Ohren klingen betörende Melodien, die direkt der Welt der Feen und Elfen entsprungen zu sein scheinen, und die atemberaubend aussehende Blondine in ihrem engen, nur an wenigen (wichtigen) Stellen nicht durchsichtigen Kleid fordert mich auf, näher zu kommen. Nein, ich hab weder Drogen genommen noch bin ich jetzt endgültig der realen Welt entrückt, sondern ich erzähle vom MILA MAR-Konzert am Freitag, 24.10. im Ohrakel in Ingolstadt.

Wörtlich hat Anke Hachfeld gesagt: „Kommt doch etwas näher –wir sind nur wenige“. Welch großes Wort die MILA MAR-Sängerin da gelassen aushaucht! Das Ohrakel in Ingolstadt ist mit grob geschätzt 70 Leuten zwar halbwegs gut besucht. Aber es ist schon traurig, sich bewusst zu machen, dass das wohl alles ist, was eine Großstadt wie Ingolstadt an Szene zu bieten hat. Und wenn man sich dann noch überlegt, dass da auch Leute aus München angereist sind…Was hilft all das klagen. Ich wohne hier nun mal in einer Gothic-Wüste, und es ist schön, dass die vom Ohrakel regelmäßig angebotenen Konzerte wenigstens gelegentliche Highlights im oberbayerischen Land bieten.
Zwar musste Anke die Fans zweimal ermuntern, weiter nach vorne zu kommen, das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sie die Anwesenden mehr als fest im Griff hatte. Sie und ihr Mitstreiter Maaf Kirchner (Synthesizer, Percussion) werden auf Tour tatkräftig von den INCHTABOKATABLES-Streichern B.Deutung (Cello, Bass, Percussion) und Jan Klemm (Geige), sowie Drummer Lars Watermann (in diversen Bands tätig) unterstützt. Und in dieser Besetzung entführten sie auch das Ingolstädter Publikum ohne jegliche Gegenwehr in ihre dunkelromantische Traumwelt, der sich insbesondere live einfach keiner entziehen kann – selbst dann nicht, wenn man direkt von der harten Realität in Form einer leise „Raining Blood“ aus den Boxen düdelnden TORI AMOS hineingezogen wird, ohne von einer Vorband darauf vorbereit zu werden, da diese mit Abstinenz glänzte.

Zugegeben, mir war MILA MAR bis auf ein paar Sampler-Beiträge bislang unbekannt, aber ich gestehe ein, dass das ein schwerwiegender Fehler war. Die Band schaffte im Ohrakel eine Atmosphäre, die absolut jeden mitriss.
Das Klangkonzept ist wirklich faszinierend: Synthesizer und Streicher schaffen so etwas wie einen Soundregenbogen als Brücke in die Welt von MILA MAR, der es quasi vom ersten Takt an ermöglicht, problemlos der realen Welt zu entfliehen und die MILA MARs zu betreten, ohne sich groß auf die Musik einlassen oder gar konzentrieren zu müssen. Die Geschichten aus dieser Welt erzählt allein Ankes Stimme, mal verträumt, mal wütend laut, mal flehend, mal bestimmend – aber immer so klar und treffsicher, wie man es selten bei einem Live-Konzert geboten bekommt. Die Dame beherrscht von süßen Popmelodiechen über kräftige klare Rock-Vocals bis hin zum Schmettern eines voluminösen, einwandfreien (und vermutlich ausgebildeten) Klassikgesangs einfach alles. Und an diesem Abend überzeugte sie mit diesem Repertoire einfach jeden.

Das Publikum bedankte sich mit einem Applaus, der die leeren Plätze im Ohrakel vergessen ließ und die Band zu zwei Zugaberunden veranlasste. Keine Vorband, leere Plätze im Publikum – und dennoch verließen die Besucher das Ohrakel mit der einhelligen Meinung, ein wirklich tolles Konzert gesehen zu haben. Das muss der Band erstmal jemand nachmachen.

Ach ja! Die Sängerin...Und ich hatte keine funktionierende Kamera dabei - danke nochmals an Martin von Schwarzes München für's aushelfen! Siehe Fotos.

Redakteur:
Mathias Kempf

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