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LUCA TURILLIS RHAPSODY,FREEDOM CALL und ORDEN OGAN - München

15.12.2012 | 19:22

30.11.2012, Backstage

Die "Ascending To Infinity Cinematic World Tour" steht an und Powermetal.de ist bei diesem Festschmaus der Melodien dabei!

Dieses Luxuspaket bringt uns neben Luca Turillis Mammutprojekt auch die deutschen Partymetaller FREEDOM CALL und die Aufsteiger in Sachem kraftvollen Power Metal, ORDEN OGAN auf die europäischen Bühnen.

Die erste Vorband, VEXILLIUM habe ich leider wegen dem Interview mit Luca Turilli verpasst. Pünktlich zu ORDEN OGAN kann ich aber die Halle entern und springe auch gleich direkt vor die Bühne. ORDEN OGAN sind eine meiner Power-Metal- Neuentdeckungen diesen Jahres und haben mich mit ihrem neuen Album "To The End" nachhaltig beeindruckt. Und live werden diese guten Eindrücke umso mehr verstärkt. ORDEN OGAN sind schon vom Outfit her Metal bis zum Anschlag. Tattoos, Leder und metallische Gegenstände zieren die stattlichen Jungs und ich definiere jetzt einfach mal den über die Schulter von Sänger Seeb Levermann gespannten Autoreifen als Metal. Wichtiger jedoch ist die Musik und die kommt kraftvoll und lebendig aus den Boxen. ORDAN OGAN sind absolute Könner und zocken ihre gar nicht mal so simplen Power Metal Songs souverän runter. Spätestens live muss ich meine BLIND GUARDIAN-Vergleiche endgültig fallen lassen, denn im Vergleich zu den Krefeldern riffen ORDEN OGAN deutlich moderner und kraftvoller, und wo auf den CDs noch mächtige Chöre regieren, wird live alles von Seeb allein und natürlich vom dankbaren Publikum mitgesungen. Ich bin auch voll mit dabei, wenn beim Titelsong ein hundertkehliges 'Fate' in Richtung Bühne geschmettert wird. Und 'The Things We Believe In' war einfach nur noch mächtig! Toll!

Setlist ORDEN OGAN: To New Shores of Sadness, We Are Pirates, The Things We Believe In, Masks, To the End, Angels War


Dann kommen FREEDOM CALL, vor denen ich im Vorfeld etwas Angst habe, denn das aktuelle Album "Land Of The Crimson Dawn" find ich mit seinem biederen Schunkelmetal ziemlich abschreckend. Wie sehr man sich täuschen kann! Denn live machen  FREEDOM CALL einen enormen Spaß.  Die Hymne 'Freedom Call' macht am Anfang mächtig Dampf und erinnert mehr an selige Tage von HELLOWEEN als an Wies'n Metal-Ausschuss. Diese Musik hat jede Menge positive Energie und scheint für die Livesituation wie geschaffen zu sein. Aushängeschild von FREEDOM CALL ist Sänger und Entertainer Chris Bay, der seinen durchtrainierter Körper beinahe kleidungsfrei dem weiblichem Publikum präsentiert. Er fragt ins Publikum, wer denn hier noch Single sei und verlangt für die Mädels, die ihren Arm heben, Backstagepässe.  Generell schafft Chris Bay es, das Publikum zwischen den Songs zu unterhalten, ohne allzu sehr ins Prollige abzurutschen, was er vor allem seinem urfränkischen Akzent zu verdanken hat. Ja, ich amüsiere mich manchmal köstlich über die ein oder andere Schote. Dann kommt der Song 'Rockstars' und wer hier Texte und Musik ernst nimmt, ist ein Dummerle. FREEDOM CALL tun das auf jeden Fall nicht und haben eine Riesen-Gaudi, genauso wie alle Anwesenden in der mittlerweile prall gefüllten Halle. Auch die Biertrinker in der letzten Reihe brüllen 'Power & Glory' mit, als würde es niemals wieder eine Party geben. Schade nur, dass FREEDOM CALL am Ende mit 'Warriors' und 'Land Of Light' zwei Schunkelmetal-Songs wählen anstatt nochmal das Gaspedal durchzutreten wie am Beginn des Sets. Dennoch, ich bin erstaut, FREEDOM CALL sind geil!

Und nun LUCA TURILLIS RHAPSODY. Luca verspricht ja das ganz besondere cinematische Erlebnis für die "Ascending To Infinite Cinematic World Tour".  Wobei er auch sagt, dass für die Deutschland-Gigs aus finanziellen Gründen nicht das volle Programm ausgeschöpft werden kann.

Luca ist ein Fan großer Hollywood-Produktionen und inszeniert RHAPSODY in Zusammenarbeit mit Dream Day Media mit dem Bombast eines Fantasy-Blockbusters. Die Band wird während dem Intro 'Quantum X' wie Schauspieler im Film vorgestellt, und die Leinwandeffekte sind schon irgendwie beeindruckend. Nun bin ich jedoch überhaupt kein Kinomensch und sobald die Musiker die Bühne betreten, ist mir das Geschehen auf der Leinwand ziemlich egal. Leider kann Dominique Leurquin (Gitarre) nicht mit dabei sein, da er an einer Handverletzung leidet, weshalb Luca die Gitarrenarbeit alleine übernimmt und die orchestralen Chor-Passagen kommen vom Band. Das Hauptaugenmerk ist jedoch zunächst auf Alessandro Conti gerichtet, der seine erste Tour als Sänger einer Metalband absolviert. Sein musikalischer Background ist eher die klassische Musik, in der er ausgebildet wurde. Eins vorweg, stimmlich gibt es an Conti absolut gar nichts auszusetzen. Er agiert absolut professionell und auch in den höchsten Lagen sicher und souverän. Ein solcher Sänger ist selbst in der Metalszene, in der es viele gute Leute gibt, eine absolute Ausnahme und Lucas Jubelarien auf diesen Mann sind absolut gerechtfertigt.  RHAPSODY legen furios mit 'Riding The Winds Of Eternity' von "Symphony Of Enchanted Lands" los, was mich natürlich sofort in Ekstase versetzt. Sound toll, Gesang toll, Song toll, was will man mehr? Am Anfang gleich einen Track aus der Fabio Lione-Ära zu bringen zeugt obendrein von Mut und Selbstbewusstsein. Danach kommt gleich 'Clash Of The Titans' vom aktuellen Werk, fabulös gesungen. Luca Turilli fegt wie ein Derwisch über die Bühne und es gibt keinen Ort, an dem er sich länger als fünf Sekunden aufhält, es sei denn, er spielt seine Soli, die er mühelos runterzockt, als wäre es das einfachste der Welt. Mein Mund ist offen vor Staunen. Bei 'Tormento E Passione' - einem meiner Faves auf "Ascending To Infinity" kommt Sassy Bernert auf die Bühne und bei dem bezaubernden Duett verfestigt sich die Gänsehaut. Sie ist so schön, diese Sassy! Ich glaube, ich bin mittlerweile alt genug, um ohne Scham zugeben zu können, dass ich es zu schätzen weiss, wenn so ein bezauberndes Wesen auf der Bühne steht. Natürlich Kitsch pur, aber deswegen bin ich hier! Hach!
Danach bekomme ich eine Lektion, aus der ich lerne, dass ich noch lange nicht komplett mit den Diskographien von RHAPSODY und vor allem LUCA TURILLIS Solowerken bin, denn es kommen einige Songs, die ich nicht kenne, darunter auch Tracks vom Debüt "Legendary Tales" ('Forest Of Unicorns', 'Flames Of Revenge') und eben den Soloalben ('Demonheart', 'Warriors Pride', 'The Ancient Forest Of Elves'), die Alessandro Conti allesamt glänzend bewältigt. Vor allem bei den Balladen und epischen Parts kommt sein klassischer Tenor zum tragen, der einfach mal kraftvoller und lauter ist als bei vielen anderen Sängern dieser Art und die häufigen Duette mit Sassy sind allesamt mehr als erhellend. Hier hat sich ein Gesangs-Traumpaar gefunden. Dennoch merkt man, dass Alessandro Conti auf der Rockbühne noch etwas fremdelt. Manche Ansagen wirken gestelzt, das englisch ist unsicher und manchmal denkt man, er müsste bei der Interaktion mit den Publikum etwas vorspielen, was er gar nicht mag und kann. Ich bin mir hier gar nicht sicher, ob solche typischen Metalkonzert-Spielereien wie Vorsing-Nachsing-Spielchen überhaupt nötig sind. So einen Mann muss man nicht als Affen vorne hin stellen und ich wäre auch zufrieden, wenn er gar nichts sagt und einfach nur singt. Denn für die Show sorgen andere. Zum Beispiel die in ein leuchtendes Kleid mit Flügeln gehüllte Nadia Bellir, die zweimal eine Choreografie auf der Bühne darbietet oder aber Schlagzeuger Alex Landenburg. Sein kurzes, vom orchestralen Parts unterlegtes Solo zählt zu den besseren, die ich auf Konzerten erleben dürfte, wo man sich ja gerne mal ein Bier holt, während die Drummer abgehen. Auch ein kurzes Bass-Solo sorgt für angenehme Unterhaltung.  Absolute Topstars bei RHAPSODY sind aber die Songs und dass ich 'Dawn Of Victory' und 'Riding The Winds Of Eternity' einmal live erleben darf, hätte ich mir nicht zu träumen gewagt. Alle Fäuste gehen nach oben! Danke, Luca, Alessandro, Patrice, Alex, Sassy, Nikko und Nadia für den tollen Abend zu meinem 38. Geburtstag!

Setlist LUCA TURILLIS RHAPSODY: Quantum X, Riding The Winds Of Eternity, Clash Of The Titans, Tormento E Passione, Demonheart, The Village Of Dwarves, Excalibur, Forest Of Unicorns, Warrior's Pride, The Ancient Forest Of Elves, Son Of Pain, Dawn Of Victory, Dark Fate Of Atlantis, Emerald Sword, Warrior Of Ice

Text und Fotos: [Thomas Becker]

Redakteur:
Thomas Becker

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