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LIMP BIZKIT - Hamburg

05.10.2010 | 09:02

24.09.2010, Alsterdorfer Sporthalle

Die Amis beweisen, dass Nu Metal doch noch nicht tot ist.

Ein Freitagabend in Hamburg. Die S- und U-Bahnen sind überfüllt, aber nicht wie sonst mit Fans des Hamburger SV oder FC St. Pauli, sondern mit einer Meute junger Menschen in XXL-Shirts, Basecap und Baggyhose. Doch es findet auch kein Konzert eines angesagten Hip-Hoppers oder Rappers statt – zumindest nicht im klassischen Sinne. Die Nu-Metaller LIMP BIZKIT geben sich heute in der Alsterdorfer Sporthalle die Ehre; ihre Mischung aus Rap und Rock der härteren Gangart bescherte ihnen kurz nach der Jahrtausendwende große Erfolge in ihrer Heimat Amerika und auch bei uns in Europa. Zu meinen Teenagerzeiten begeisterte vor allem 'Rollin'' die Massen, die Ballade 'Behind Blue Eyes' schafft es sogar regelmäßig ins Radioprogramm für Mittvierziger.

Bevor allerdings Fred Durst und Co. die Bühne entern, dürfen THE BLACKOUT die nahezu ausverkaufte Halle anheizen. Der Innenraum ist voll mit Menschen, und auch auf den Rängen haben einige Fans Platz genommen, um das Schauspiel besser verfolgen zu können. Die Waliser Vorgruppe gräbt den Trend der vergangenen Jahre aus und versucht, mit Screamo/Emocore zu punkten. Die Truppe mag es klassisch und beschäftigt zwei Sänger – einen für die Screams und einen für den Klargesang. Wie es sich für Bands dieser Spielart gehört, stehen die Musiker scheinbar unter Strom und laufen wie wild auf der Bühne umher. Sie springen, klatschen und reißen sich den Allerwertesten auf, doch am meisten jubelt das Publikum, wenn es auf Geheiß des Sängerduos LIMP BIZKIT anfeuern soll.

Schade, denn THE BLACKOUT geben sich wirklich Mühe und packen mit 'Children Of The Night' schon früh in ihrem kurzen Set ihren Hit aus. Das BEASTIE BOYS-Cover 'Fight For Your Right' zündet zwar etwas mehr, aber richtig gefeiert wird hier nicht – zumindest nicht vor der Bühne. Die Waliser feiern sich selbst dafür umso mehr und lassen sich den Spaß an ihrem Auftritt nicht nehmen.

Wenig später ist es so weit; LIMP BIZKIT lassen sich von der jubelnden Halle in Empfang nehmen. Und als ob sie es nötig hätten, Sympathien einzuheimsen, ziert eine Deutschlandflagge das Schlagzeug. Kaum erklingen die ersten Töne, fängt die gesamte Halle an zu hüpfen. Ausnahmslos. Von der Tribüne aus gibt das ein imposantes Bild ab. In der Mitte ist die Fanschar durch einen Wellenbrecher getrennt, aber alle feiern gemeinsam. Vor der Absperrung entsteht schnell ein kleiner Pogo, der sich bald über den gesamten vorderen Abschnitt erstreckt. Die ersten Crowdsurfer starten ihren Ritt über die Menge, einige davon aber eher unfreiwillig – die Sanitäter müssen den einen oder anderen Verletzten versorgen.

Der vierzigjährige Fred Durst versteht es immer noch, die Fans anzuheizen: "Who's gonna rock the house tonight?", lautet seine klare Ansage. So langsam wird es dann auch Zeit für eine kleine Wall Of Death zu 'Don't Remember (No Control)', bei dem sich die Fans als sehr textsicher erweisen. Die Party scheint nahezu perfekt zu sein, das einzige Manko ist der nicht optimale Sound. Eine Sporthalle ist eben nicht hundertprozentig auf Konzerte ausgelegt, bei ausverkauftem Haus fällt das aber nicht so stark ins Gewicht.

Für Metalfans bietet der Auftritt von LIMP BIZKIT sogar etwas Neues: ein DJ-Solo von DJ Lethal. Interessant. Sänger Fred Durst bringt die Stimmung anschließend endgültig zum Kochen, als er sich zu 'Eat You Alive' direkt auf die Absperrung vor die Fans stellt und die Techniker auffordert, das Licht anzustellen, damit er das Publikum sehen kann. Er klatscht die erste Reihe ab und springt wieder auf die Bühne. Jetzt ist es am Publikum, der Band etwas Spektakuläres zu bieten. Der vordere Teil der Halle setzt sich auf den Boden, um auf ein Kommando zusammen hochzuspringen. Leider verpassen einige den Einsatz, trotzdem ist es ein spannendes Schauspiel.

Hamburg kommt in den Genuss einer richtigen Premiere: Zum ersten Mal kommt LIMP BIZKITs Manager auf die Bühne, begrüßt Deutschland und singt sogar 'My Way' mit. Doch damit nicht genug der Gäste. Fred lässt einen Fan auf die Bühne holen, drückt ihm die Gitarre von Wes Borland in die Hand und knipst ein paar Erinnerungsfotos. Der junge Mann hatte zuvor ein Schild hochgehalten; die Arbeit hat sich gelohnt. Auch THE BLACKOUT sollen noch ihren Jubel bekommen, denn Fred fordert das Publikum auf, sich noch einmal bei den Walisern zu bedanken. Die beiden Sänger kommen auf die Bühne und feiern mit LIMP BIZKIT zusammen.

Danach ist es Zeit für eine Verschnaufpause in Form der Ballade 'Behind Blue Eyes'. Es ist jedoch seltsam, dass die Akustikgitarre vom Band kommt – nur noch Fred und DJ Lethal stehen auf der Bühne. Nach ein paar Zeilen lassen sie die Fans auch noch alleine singen, dann gänzlich a cappella. LIMP BIZKIT applaudieren brav, aber bestimmt erleben sie solche Situationen häufiger. Der Spaß rückt wieder in den Vordergrund, und der Chickendance wird kurz angespielt.

'This Could Be The One' spielen die Amerikaner allein, danach holen sie sich wieder zwei Fans auf die Bühne, von denen einer Geburtstag hat. Einen ganzen Song lang dürfen sie mit LIMP BIZKIT feiern und dirigieren dabei sogar eine Wall Of Death. Schilder basteln lohnt sich hier wirklich. Ihren Hit 'Rollin'' packen Fred und seine Mitstreiter natürlich auch noch aus, und immer noch feiert die gesamte Halle. Danach geht der Abend langsam zu Ende, und die feierwütige Meute strömt der nächsten Party entgegen oder nach so einer Gaudi besser dem warmen Bett.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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