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Krisiun/Rotting Christ - Berlin

16.09.2007 | 12:14

14.09.2007, K17

Die Arbeit frisst auf. Und so kann es passieren, dass Mann oder Frau zu spät zu einem Konzert kommt. An diesem Freitag ist mir das passiert: Und schon sind im Berliner K17 INCANTATION und CRIONICS nur noch Geschichten. Coole Geschichten: Weil die Polen von CRIONICS ordentlich Todesblei polnischer Machart geblasen haben sollen - und INCANTATION einfach mal fucking alte Schule Death Metal sind. Aber eben ohne mich. Der hechelnde Schreiber kommt erst, als ROTTING CHRIST gerade auf der Bühne stehen. Für eine Bekannte im Saal sind sie "einfach nur hübsch" - und für sichtlich viele Zuschauer einfach eine der coolsten Black-Metal-Bands der Welt. Langlebig sind sie vor allem: Vor zwanzig Jahren haben sich die Griechen gegründet. Dementsprechend groß ist auch die Auswahl an Klassikern, die die vier Jungs in Berlin zocken: 'King Of A Stellar War' ist einer davon, aber auch 'Non Serviam'. Und natürlich lässt sich auch wieder 'The Sign Of Evil Existence' ganz hautnah erleben, der druckvolle und klare Sound hilft dabei. Und so sehen und hören die begeisterten Zuschauer im K17 eine rundum eingespielte und packende Band, deren charismatischer Sänger Sakis immer noch so eine böse-krächzende Stimme besitzt wie zu Zeiten von "Triarchy Of The Lost Lovers" im Jahr 1996 - damit nämlich kam die Band ganz groß heraus. Doch auch Klassiker der Neuzeit spielen sie: 'Athanatoi Este' ist ein solches Beispiel, das mit seinem unglaublich peitschendem Titelriff zeigt, dass auch eine ältere Band wie ROTTING CHRIST immer noch in der Lage ist, ihren Sound in die Moderne zu retten.

Auch KRISIUN haben als brasilianisches Death-Metal-Flaggschiff schon einige Jahre auf dem Buckel, entstammen sie doch ebenfalls den frühen 90er Jahren. Dass sie ihr Alter nicht stumpf gemacht hat, können sie in Berlin eindrucksvoll beweisen. Sie kennen die Stadt, ruft Frontmann und Gitarrist Alex Carmago während der Show: "Wir haben hier schon unser Album "Apocalyptic Revelations" produziert." Deswegen sei ihm die deutsche Hauptstadt einer der liebsten Orte für ihre Auftritte - auch wegen ihrer Fans, natürlich. Die Menge vor der Bühne - geschätzte 150 Leute sind gekommen - jubelt überschwänglich und headbangt gnadenlos, als sich ein fulminantes 'Apocalyptic Victory' anschließt. Damit und wegen all der anderen Songs haben sich die Brasilianer solche Wertschätzung auch verdient: Denn der Druck, den sie nur mit einer Gitarre, einem Schlagzeug und einem Bass erzeugen, ist bestialisch fett, Songs wie 'Servant Of Emptiness' sind wahre Brecher fanatisch gespielten Todesbleis. Dazu kommt das coole Auftreten des Trios an sich: Haare, Haare, Haare, überall nur schwarze südamerikanische Lockenpracht. Der Höhepunkt kommt kurz vor dem Ende des Konzerts: Für den göttlichen VENOM-Klassiker 'In League With Satan' holen KRISIUN die CRIONICS-Jungs auf die Bühne und entfesseln so ein schickes Party-Chaos mit Doublebass-Begleitung und viel Bier. Und noch etwas bleibt im Kopf hängen, ein kurze Zwischenansage. In der ruft Frontgrunzer Carmago dem Publikum zu: "We make this only for you!" Und: "We’re all in Metal." Genau so hört sich Herzblut an.

Redakteur:
Henri Kramer

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