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Korpiklaani - Berlin

02.04.2006 | 19:58

30.03.2006, K17

Eine merkwürdige Mischung bekommen die Besucher des K17 an diesem Abend präsentiert: Thrash, Power und Folk Metal geben sich die Hand, Berliner Lokal-Kolorit mischt sich mit finnischem Humppa-Humor. Egal - Spaß machen eigentlich alle drei Combos, und das ist schließlich die Hauptsache.
[Elke Huber]

Den Anfang macht die Berliner Melo-Thrash-Combo FIRST AID. Der Fünfer klappert in und um die Hauptstadt schon seit einigen Jährchen die Clubs ab und beweist immer wieder eindrucksvolles Handwerk. Was im Falle von FIRST AID soviel heißt wie bei jedem Song immer volles Rohr auf die Fresse.
Die große Halle vom K17 ist schon gut gefüllt, da legen die Jungs mit 'Survivor' gleich zu Beginn einen Klassiker der Debütscheibe "Prisoner Of Hell" hin. In den ersten Reihen ist schon durchaus großer Zuspruch zu verzeichnen. Über die gesamte Spielzeit von 45 Minuten hinweg kann man leider nicht wirklich jeden Gast im Raum erreichen, was aber wohl eher am schlechten Sound und am niedrigeren Bekanntheitsgrat liegen muss als an fehlendem Talent.
Die Gitarrenfraktion, bestehend aus Benjamin Zibell und Johannes Scheffler, beweist durchweg kachelndes Stakkatoriffing in einem wirklich faszinierendem Tempo. An dieser Stelle nur ein kleiner Tipp: Legt euch mal 'nen etwas fetteren Leadkanal zu, da hat man gleich dreimal mehr Chancen, die Soli auch bei schlimmstem Hallensound noch gut rauszuhören. Frontmann Alex Stein gibt zu jeder Zeit mit seinem Dave-Mustaine-mäßigen Gesangsstil Vollgas. Mit Max Scheffler (dr.) und Sascha Habel (b.) wird das Gesamtbild auch in der Rhythmusecke solide abgerundet.
Der Songschwerpunkt liegt eher auf neueren Stücken, die laut Ansage im Herbst auch auf CD gebannt werden sollen. Vom Erstlingswerk "Prisoner Of Hell" waren mit 'Survivor' und 'Never For The Pain' auch nur zwei Songs vertreten. Obwohl gerade Songs wie 'Raped' und 'Poser Hunt' (inkl. coolem Cleanpart) auch ordentlich Dampf unter der Haube haben. Leute, deren Interesse nun geweckt wurde, sollten auf jeden Fall einmal einen Blick auf die offizielle Homepage (http://www.firstaid-metal.de) werfen und den Hörproben intensive Aufmerksamkeit widmen.
[Marc Wüstenhagen]

Setlist:
Survivor
Quite Alone
Witchery Of Fire
Face To The Wall
Never For The Pain
Hospital Brutality
The World's Next Chapter
Raped
Poser Hunt

Fast müsste man LOGAR'S DIARY eine Tapferkeitsmedaille verleihen, denn in der "Wir spielen alles, Hauptsache es ist schnell und böse"-Hauptstadt Berlin als Fantasy-Heavy-Metal-Band an den Start zu gehen, dazu gehört schon irgendwie Mut. Und siehe da, es funktioniert! Denn das Publikum feiert den Sechser, der gerade seinen zweiten Longplayer "Book 2: Parlainth - The Forgotten City" über Metal Fortress Entertainment herausgebracht hat (und während des Gigs natürlich fleißig die Werbetrommel rührt), ordentlich ab. Dabei sind einige Mitglieder parallel noch in anderen Combos aktiv. Sänger Hagen Hirschmann beispielsweise röhrt ebenfalls bei den Death/Thrashern DESILENCE ins Mikro, und umso bemerkenswerter ist es eigentlich, was für eine glänzende Gesangsleistung das Goldkehlchen hier an den Start legt. Dazu kommen eine äußerst energievolle Bühnenperformance sämtlicher LOGAR'S DIARY-Recken und natürlich mitreißende Songs. Etwas zwiespältig aufgenommen wird das Keyboard-Spiel von Michael Kwandt (Zitat von Kollege Marc Wüstenhagen: "Das klingt mir manchmal zu sehr nach Klingelton"), aber hin und wieder stehe ich auf solches leicht überdimensioniertes Geklimper - und bei den Berlinern passt es einfach super. Und obwohl das textliche Konzept eher im Fantasy-Rollenspiel-Metier angesiedelt ist, finden auch hier sozialkritische Untertöne Verwendung. Mit dem letzten Song am Ende einer äußerst unterhaltsamen Dreiviertelstunde richtet sich Hagen gegen die Rechtsradikalisierungstendenzen im Metal und verkündet, dass wir doch alle 'Under One Sky' leben würden. Saubere Ansage!
[Elke Huber]

Setlist:
The Restless Troll
Travelliong To The Bloodwoods
Séance - Rebirth
Lonely On The Serpent River
The Spells
Dark Destiny Of Parlainth
Home Of The Traders - Baterstown
King's Hall
Under One Sky

Schon gewusst, dass Finnisch und Ungarisch - trotz der fehlenden geographischen Nachbarschaft - von der gleichen Sprachfamilie abstammen? Vielleicht erklärt diese Tatsache, warum derzeit so viele Bands aus dem Land der Tausend Seen traurige Geigenklänge für sich entdecken. Neben TURISAS sind KORPIKLAANI die heißesten Anwärter auf den finnischen Folk-Metal-Thron, und es überrascht nicht wirklich, dass diese Musik am besten in kleinen, kuschligen Clubs funktioniert, wo die sechs Musiker auf der Bühne fast übereinander stolpern und sich auch vor der Bühne schnell jemand zum kollektiven Ringelrein findet. Auf dem letzten Summer Breeze war mir das Sextett - auch aufgrund der fehlenden Kriegsbemalung, die beispielsweise TURISAS in ihre Show integrieren - jedenfalls noch etwas zu lahm, aber hier im K17 geht es auf und vor der Bühne richtig zur Sache. Lediglich Bassist Jarkko und Geiger Hittavainen geben sich ziemlich ruhig und gentleman-like. Die Gesangsfraktion - allen voran Hauptsänger und Gitarrist Jonne, aber auch Akkordeon-Spieler Juho und Gitarrist Cane, die zusätzlich die Background-Vocals übernehmen - feiert hingegen eine zünftige Party, und das Publikum feiert mit. Auch wenn finnische Humppa-Bands bisher nicht wirklich den Weg in mein heimisches CD-Regal gefunden haben, so machen sie live - egal ob sie nun KORPIKLAANI, TURISAS oder FINNTROLL heißen - einfach Laune. Und nach den ersten, im Rahmen des Sets dargebotenen Hörproben des am 21. April erscheinenden dritten Streichs der SHAMAN-Nachfolgeband, "Tales Among This Road", wird sich daran bei KORPIKLAANI auch so schnell nichts ändern.
[Elke Huber]

Setlist:
Journey Man
Väkirauta
Happy Little Boozer
Korpiklaani
Pellonpekko
Spirit Of The Forest
Cottages and Saunas
Spring Dance
Wooden Pints
Tuli Kokko
Fiels In Flames
Juokse Sinä Humma
Hunting Song
Beer Beer
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Before The Morning Sun
Pine Woods

Redakteur:
Elke Huber

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