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Keep It True V - Lauda-Königshofen

04.12.2005 | 19:49

05.11.2005, Tauber-Franken-Halle

Fünfte Auflage des renommierten True-Metal-Festivals im fränkischen Königshofen.

KEEP IT TRUE V am Samstag, 05. November 2005 in Königshofen

Nach Georgs doch recht durchwachsenen Eindrücken vom Warm-Up sind die Erwartungen hinsichtlich des Haupttages des Festivals natürlich umso größer, und die aufgebotenen Namen versprechen auch ein tolles Event, dem eigentlich nur noch ein schlechter Sound einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Doch bereits vom Opener an zeigt sich die Tonqualität weitestgehend hervorragend. Zur einzigen bedauerlichen Ausnahme werdet ihr später mehr lesen, doch nun erst mal der Reihe nach. Martin, du bist dran...

IGNITOR:
Auf die Band IGNITOR bin ich mehr oder weniger zufällig aufmerksam geworden, als mir das Demo "Take To The Sky" in die Hände gefallen ist. Und da mir die zwar traditionellen, aber deswegen keineswegs altbackenen Songs auf Anhieb sehr gut gefallen haben, habe ich mich natürlich sehr über die Verpflichtung von IGNITOR für das KEEP IT TRUE gefreut, und dementsprechend war ich auf die Band gespannt.
Fast pünktlich um kurz nach 12 Uhr kommen IGNITOR auf die Bühne, und nach einer kurzen Ansage von Sängerin Erika - teilweise sogar auf deutsch - und einem längeren Intro vom Band legen die Texaner auch schon los. Als Einstieg haben sie sich 'Demon Slayer' von ihrem Demo "Take To The Sky" ausgesucht, und überraschend viele Leute vor der Bühne scheinen mit diesem Song vertraut zu sein. Anders sieht es da schon mit den folgenden Stücken aus, 'Scarlet Enigma' und 'Road Of Bones', die beide nicht auf dem Demo vertreten sind und dementsprechend auch nicht bei den Fans bekannt sind. Trotzdem bleibt die Stimmung vor der Bühne ausgesprochen gut, so dass sich Erika zu der Aussage hinreißen lässt, dass die deutschen Metal-Fans sowieso die besten Fans auf der Welt wären. Das hört man natürlich gerne, und so werden die nächsten Songs gleich noch viel begeisterter aufgenommen. Auch das Mitgrölen klappt nun wieder besser, denn mit 'The Last King Tiger', 'Grey Ghost' und 'Execution' gibt es wieder Stücke vom Demo "Take To The Sky" zu hören. Als Opener haben IGNITOR natürlich nur eine begrenzte Spielzeit, und so müssen sie mit dem Titelsong ihres Demos auch schon zum Endspurt ansetzen. Ein As haben die Texaner anschließend aber dann noch im Ärmel: Nachdem Erika ein wenig über das deutsche Bier und das zugehörige Reinheitsgebot philosophiert hat, gibt es nämlich noch den gleichnamigen Song zu hören. Dieses Reinheitsgebot kann bei IGNITOR natürlich nur 'Metal Is The Law' heißen, und dementsprechend wird diese Nummer lautstark mitgegröhlt und abgefeiert. Erika und ihre Mitmusiker beschließen damit auf der einen Seite einen sehr guten Auftritt, und zum anderen geben sie die Parole für die folgenden Stunden aus. Ein wirklich toller Auftakt.

Setliste:
Demon Slayer
Scarlet Enigma
Road Of Bones
The Last King Tiger
Grey Ghost
Execution
Take To The Sky
Reinheitsgebot

[Martin Schaich]

FORSAKEN:
Mich alten Doomkopf freut es ja ungemein, dass Tarek und Oliver seit letztem Mal auch waschechte Doombands zum Keep It True einladen, weil - mal ganz ehrlich - wahrhaftigeren Metal als Doom kann man ja gar nicht spielen, oder? Beim KIT V halten die Malteser von FORSAKEN die Fahne des schweren Sounds hoch, und das machen sie nach allen Regeln der Kunst. Der unheimlich sympathisch rüberkommende schwarzgelockte Frontmann Leo Stivala scheint seine Musik zu leben wie kaum ein Zweiter und so passen seine Gestik und Mimik perfekt zu den zähen und eindringlichen Riffs und den episch-elegischen Stücken der Band. Den Einstieg in ihren hervorragenden Auftritt wählen die Jungs geschickt mit dem grandiosen Titelstück und 'Daylight Dies' vom neuen Album "Dominaeon", die hier in Königshofen quasi ihre Uraufführung erleben und sehr gut ankommen. Wir dürfen uns also auf die Scheibe freuen. Auf Leos Frage, ob wir denn alle die Erfinder des Doom Metal kennen würden, folgt das sehr gelungene BLACK SABBATH-Cover 'Symptom Of The Universe', welches das Publikum ordentlich in Bewegung bringt. Weiter geht es mit dem stark von CANDLEMASS beeinflussten 'All Is Accomplished' und dem mächtigen 'Carpe Diem', bei welchem der sichtlich vergnügte Leo das Publikum erfolgreich zum ausgiebigen Mitsingen einlädt, was bei diesem Song auch wirklich Sinn und Spaß macht. Danach bittet der agile Fronter den Stage-Manager höflich darum, noch eine Zugabe geben zu dürfen, was jener bewilligt. Wäre ja auch jammerschade, wenn wir wegen der Zeitvorgaben um den FORSAKEN-Song schlechthin gekommen wären: Das leidenschaftliche und wunderschön theatralisch inszenierte 'Via Crucis (The Way Of The Cross)' krönt einen genialen Auftritt der geographischen und musikalischen Exoten des heutigen Billings. Doom beim Keep It True? Immer wieder gerne! SOLITUDE AETURNUS stehen ja schon fürs KIT VI in den Startlöchern, und ich freu mich riesig darauf.

Setliste:
Dominaeon
Daylight Dies
Symptom Of The Universe (BLACK SABBATH-Cover)
All Is Accomplished
Carpe Diem
Via Crucis (The Way Of The Cross)

[Rüdiger Stehle]

STORMWARRIOR:
Nach den Doom-Metallern von FORSAKEN steht die am heutigen Tag einzige deutsche Band auf dem Programm, nämlich STORMWARRIOR, und so geht es entsprechend power-metallischer weiter - und das darf hier ruhig wörtlich genommen werden. Die Hamburger fackeln auch nicht lange herum und legen nach einem länglicheren Intro, mit Nebel untermalt, auch gleich mit 'Signe Of The Warlorde' von ihrem Debüt-Album "StormWarrior" richtig los. Sie sind von Beginn an mit sehr viel Engagement bei der Sache und gehen auf der Bühne ordentlich ab, was sich vor allem durch wildes Headbangen fast aller Bandmitglieder - Drummer Falko läuft hierbei wohl außer Konkurrenz - ausdrückt. Dass beim anschließenden 'Heavy Metal Fire' von der gleichnamigen EP dann natürlich der Titel Programm ist, versteht sich eigentlich von selbst, und so ist die Stimmung vor der Bühne keineswegs schlechter als auf der Bühne. Das Publikum geht begeistert mit, und die Fragen von Sänger Lars ("Habt ihr Spaß?", "Wollt ihr Metal hören?") sind logischerweise nur rhetorischer Natur. Nach dem folgenden 'The Axewielder' vom Debüt-Album "StormWarrior" stellt Lars die Frage zur Diskussion, ob denn nun ein weiteres Stück von dieser Scheibe gespielt werden soll, oder doch eher eines vom zweiten Album "Northern Rage". Zu einer einvernehmlichen Lösung kommt es (natürlich) nicht, und so gehen STORMWARRIOR eben den Mittelweg: Zunächst geben sie 'Thunderer' vom ersten Album zum Besten, bevor danach endlich auch "Northern Rage" zum Zug kommt. Von ihrem Zweitlingswerk spielen STORMWARRIOR dann nämlich erst einmal 'To Foreign Shores', dem sie das recht epische 'Lindisfarne' und anschließend auch noch das schwermetallische 'Odinn's Warriors' folgen lassen. Die Fans vor der Bühne haben auch bei diesen Stücken sichtlich Spaß, und so wurde gebangt, gemosht und lauthals mitgegröhlt, dass es nur so eine Freude war. Die Spielzeit geht auch bei diesem Auftritt sehr schnell vorbei, so dass die Band mit 'Iron Prayers' - wieder vom Debütalbum "StormWarrior" - auch schon zum Ende kommen muss. Das ist zwar ganz und gar nicht nach dem Geschmack des Publikums, das noch eine Zugabe hören möchte. Doch eine weitere Nummer gibt es dennoch nicht, denn schließlich muss der Zeitplan halbwegs eingehalten werden, und so verabschieden sich STORMWARRIOR nach einem energiegeladenen und insgesamt gelungenen Auftritt.

Setliste:
Signe Of The Warlorde
Heavy Metal Fire
The Axewielder
Thunderer
To Foreign Shores
Lindisfarne
Odinn's Warriors
Iron Prayers

[Martin Schaich]

SKULLVIEW:
Von SKULLVIEW habe ich zwar zwei Scheiben, bin aber mit deren Material nicht ganz so gut vertraut, so dass ich euch hier leider keine komplette Setliste liefern kann. Das hindert mich aber nicht daran, euch meine Eindrücke vom Gig dieser Band aus Indiana zu schildern, die den typischen US-Metal verkörpert wie kaum eine zweite auf diesem Billing. Der neue Sänger Eric Flowers, welcher vor einer Weile den berüchtigten Quimby Lewis abgelöst hat, macht eine ganz gute Figur, wobei mich sein meist recht hoher, sirenenhafter Gesang ein wenig an eine Mischung aus ATTACKERs Bob Mitchell und dem verstorbenen METAL CHURCH-Fronter David Wayne erinnert. Das ist an sich ziemlich cool, kann aber auf Dauer recht anstrengend sein, wenn man die Songs nicht so gut kennt. Zum Glück bringt er etwa bei 'Legions Of The Star Scroll', dem recht epischen Vorgeschmack auf das kommende Album "Privilege Of Suffering", oder der abgefeierten Bandhymne 'Skullview Warrior' auch ein wenig Abwechslung mit ein, so dass das Material insgesamt nicht zu eintönig wird. Dazu gesellen sich weitere neue Stücke wie das den Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 gewidmete 'The Bruise' und für die frühe Stunde bereits hervorragend aufgenommene Bandklassiker wie 'Watching Below From My Moonlight Throne' und 'Kings Of The Universe'. Die Musiker haben den ganzen Set hindurch sichtlich Spaß an dem Event und zeigen dies mit großer Spielfreude und enormem Bewegungsdrang. Während Basser Pete Clemens eher der ruhende Pol der Band ist, können Sänger Eric und Gitarrist Dean Tavernier gar nicht oft genug betonen, wie glücklich sie sind, vor diesem tollen Publikum in der alten Welt spielen zu dürfen. Drummer Joe Garavalia feuert einen Drumstick nach dem anderen ins Publikum, während Gitarrist Dave Hellegonds wie Rumpelstilzchen über die Bühne tobt und am Ende in einer Mischung aus Euphorie über den Gig und Wut über einige technische Macken seiner Gitarre selbiges Instrument in sämtliche Einzelteile zerlegt, um dann sein verdientes Bad in der Menge zu nehmen, die den aufgedrehten Crowdsurfer gar nicht mehr runter lassen will. Verdiente Zugabeforderungen quittiert Dean mit der rhetorischen Frage, ob das Publikum denn nicht sehen könne, dass der Band leider eine Gitarre abhanden gekommen sei. Der Gitarrenschott avanciert derweil neben den Drumsticks zum begehrten Souvenir. Dass auch Guitar-Shredder (im wahrsten Sinne des Wortes) Dave auf ganzer Linie seinen Spaß hat, belegt später die Tatsache, dass er bei so ziemlich allen folgenden Bands wild bangend auf der Tribüne gesichtet werden kann.

[Rüdiger Stehle]

SLOUGH FEG:
Wie SKULLVIEW, so kommen auch THE LORD WEIRD SLOUGH FEG, oder kurz gesagt SLOUGH FEG, aus den Vereinigten Staaten, doch mit dem "typischen" US-Metal haben die Jungs um Mike Scalzi nicht viel zu tun. Zu eigenwillig ist doch die Musik dieser Band, und deshalb scheiden sich an ihr die (Metal-)Geister - als Parallele kommen mir hierbei BROCAS HELM in den Sinn, die mit ihrem ebenfalls sehr eigenen Stil auch nicht nur auf Gegenliebe stoßen.
Wie auch immer, schon das Intro ist geprägt von obskuren Klängen und passt deshalb hervorragend zu einer Band wie SLOUGH FEG, und so werden die erwartungsvoll wartenden Leute vor der Bühne gleich richtig eingestimmt. Mit 'High Passage / Low Passage' von ihrem vorletzten Album "Traveller" legen SLOUGH FEG dann richtig los, und die Fans sind gleich von Beginn an gut bei der Sache. Mike Scalzi - wie üblich mit "Kriegsbemalung" - und seine Mitstreiter lassen daraufhin vom gleichen Album noch 'Asteroid Belts' und 'Professor's Theme' folgen, ehe sie einen Sprung zurück in der Diskografie machen und mit 'Psionic Illuminations' und 'Warriors Dawn' zwei Stücke vom "Down Among The Deadmen"-Output spielen. Vor allem diese älteren Songs kommen beim Publikum hervorragend an, so dass die Stimmung vor der Bühne ausgesprochen gut ist. Nach diesem guten Auftakt folgt eine kurze Begrüßung durch Mike Scalzi, der u.A. herauszufinden versucht, welche Nationalitäten beim KEEP IT TRUE vertreten sind. Danach geht es aber wieder musikalisch weiter, und da SLOUGH FEG im Frühjahr ein neues Album veröffentlicht haben, steht nun erst einmal "Atavism" im Mittelpunkt. Den Anfang machen die Jungs aus der Bay Area mit 'Eumaeus The Swineherd', und direkt anschließend folgen 'Curse Of Athena' und 'Agnostic Grunt'. Natürlich darf auch der jüngste 'High Season'-Teil nicht fehlen, und mit dem 'Starport Blues' beenden SLOUGH FEG diesen "Atavism"-Block, um sich wieder älteren Stücken zu widmen. Die Stimmung im Publikum ist auch bei den neuen Songs hervorragend, doch als die ersten Töne von 'Sky Chariots' erklingen, kennen die Fans fast kein Halten mehr. SLOUGH FEG nützen das natürlich aus und lassen sogar noch einen Song von ihrem zweiten Album "Twilight Of The Idols" folgen, nämlich 'The Wickerman', bevor mit 'Traders And Gunboats' ein weiterer "Down Among The Deadmen"-Klassiker auf offene Ohren stößt. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass diese Band so gut ankommt, da die Musik für durchschnittliche Ohren doch eher schwer zugänglich ist und gerade Mikes Gesang nicht Jedermanns Sache ist. Weil diese Band aber zu meinen absoluten Favoriten zählt, hat es mich natürlich sehr gefreut, dass sie auf so viel Begeisterung stößt. Leider geht aber auch SLOUGH FEGs Spielzeit viel zu schnell vorbei, und so müssen Mike Scalzi & Co. mit dem aktuellen 'Hiberno-Latin Invasion' sowie dem alten, vom Debüt-Album stammenden 'The Red Branch' zum Ende kommen. Damit sind die zahlreichen Fans - in dieser Stunde dürften wohl einige hinzugekommen sein - natürlich nicht einverstanden und fordern lautstark nach einer Zugabe. Das löst dann auch erstmal große Verwirrung auf der Bühne aus, denn die Musiker wissen nicht so recht, ob sie denn überhaupt noch dürfen. Nach ein paar Minuten der Planlosigkeit gibt es zur Freude (fast) aller dann aber doch noch 'Gene-o-cide' vom "Traveller"-Album zu hören, und damit schließt sich auch der Kreis.
Lange Rede, kurzer Sinn: Geile Band, geiler Auftritt - hoffentlich bald mal wieder!

Setliste:
High Passage / Low Passage
Asteroid Belts
Professor's Theme
Psionic Illuminations
Warriors Dawn
Eumaeus The Swineherd
Curse Of Athena
Agnostic Grunt
High Season V
Starport Blues
Sky Chariots
Wickerman
Traders And Gunboats
Hiberno-Latin Invasion
The Red Branch
---
Gene-o-cide

[Martin Schaich]

INTRUDER:
Neben dem Doom gehört auch der Thrash Metal als Farbtupfer ins wahrmetallische Weltbild des Keep It True, und so ist auch immer zumindest eine - mehr oder weniger thrashige - Band mit von der Partie. Dieses Mal sind es die Amerikaner von INTRUDER, die sich 2002 fast im Original-Line-up reformiert haben (Basser Chris Veach ist neu dabei) und nun mit ihrem schnellen, durchaus ziemlich melodischen Thrash Metal aufrocken und Rüben abmontieren dürfen. Die Jungs aus "Thrashville Tennesee" sind definitiv eine der mosh-kompatibelsten Bands der KIT-Geschichte und werden auch sehr gut aufgenommen. Ihr sehr schneller aber dennoch auch melodischer Thrash mit Speed-Elementen, der durchaus seine Parallelen zu den ganz frühen ANTHRAX oder den ebenso frühen ANNIHILATOR hat, versprüht einfach eine ungestüme Energie, welche die wild über die Bühne tobenden Musiker mit ihrem dynamischen Stageacting auch sehr authentisch verkörpern. Besonders Gitarrist Greg Messick gibt wirklich alles. Schön und markant ist vor allem der für diese Spielart überaus melodische und markante Gesang von James Hamilton sowie die Backing-Shouts der ganzen Mannschaft. Die Setlist enthält mit 'Victory In Disguise' zwar nur einen Song vom kultigen Debüt "Live To Die", dafür hat sie aber beim Genreklassiker "A Higher Form Of Killing" ebenso einen Schwerpunkt wie beim zwischenzeitlichen Abschiedsalbum "Psycho Savant". Meine Favoriten unter den Songs sind das etwas ruhiger eingeleitete 'Second Chance', das großartig gesungene 'Invisible' und der krachende Rausschmeißer 'Mr. Death'. Das heute live vorgestellte neue Stück 'Ether, The Evil' klingt im übrigen auch sehr vielversprechend und weckt große Vorfreude auf das 2006 anstehende Comeback-Album. In dieser Form und Spiellaune ist mit INTRUDER in jedem Fall auch in Zukunft zu rechnen und sie haben ihre Zunft beim KIT mehr als würdig vertreten.

Setliste:
The Martyr
Victory In Disguise
Second Chance
Killing Winds
Invisible
Geri's Lament (When)
Ether, The Evil
N.G.R.I.
Mr. Death

[Rüdiger Stehle]


RUFFIANS:
Nach dem überzeugenden Auftritt der Thrash-Metaller von INTRUDER geht es anschließend musikalisch etwas gemäßigter weiter, denn mit den RUFFIANS ist nun erstmal Melodic Heavy Metal angesagt. Den meisten Leuten dürfte diese Band bis vor eineinhalb Jahren nicht allzu viel gesagt haben, doch das hat sich vermutlich mit dem Auftritt beim letztjährigen BANG YOUR HEAD!!! schlagartig geändert. Die Band konnte nämlich in Balingen sehr gut überzeugen, und deswegen stand sie auch für das KEEP IT TRUE auf meiner "Muss ich unbedingt sehen"-Liste.
Über einen umfangreichen Backkatalog verfügen die RUFFIANS bekanntlich nicht - neben einigen Demos haben sie es im Jahr 1985 gerade mal zu einer EP gebracht. Doch bei dieser EP war kein Geringerer als der spätere VICIOUS RUMORS-Sänger Carl Albert beteiligt, und so erlangte sie im Nachhinein absoluten Kult-Charakter.
Nach einem Intro legen die RUFFIANS dann auch gleich mit einer Nummer von dieser Scheibe los, nämlich 'Fight For Your Life', und sie lassen absolut keinen Zweifel an ihrer Motivation aufkommen. Die Musiker gehen von Beginn an sehr engagiert zu Werke, und Sänger Rich Wilde lässt sich auch von einem nicht funktionierenden Mikrofon nicht aus der Ruhe bringen. Ganz im Gegenteil - der Frontmann wirbelt über die Bühne und zeigt sich körperlich wie auch gesanglich in Top-Form. Nach 'Running Blind' vom 1988er-Demo gibt es mit 'Wasteland' einen weiteren Song von der angesprochenen EP, die dem Großteil des Publikums doch vertraut zu sein scheint. Zumindest werden die Refrains lautstark mitgegrölt und die Stimmung vor der Bühne ist auch sonst sehr ausgelassen. Rich bedankt sich anschließend sogar extra für den herzlichen Empfang und weist darauf hin, dass dies das letzte Konzert ihrer kleinen Europa-Tour ist. Dann geht es aber wieder musikalisch weiter, und zwar mit 'Do Or Die' vom 1987er-Demo, doch richtig interessant wird es erst danach, denn die RUFFIANS haben sogar neue Songs im Gepäck, die - man höre und staune - auf dem nächsten Album zu finden sein werden. Die beiden vorgestellten Stücke 'I Believe' und erst recht 'Soldiers Fate' machen live auf jeden Fall einen richtig guten Eindruck, so dass man wirklich gespannt auf die angekündigte Scheibe sein darf. In der Folge gibt es dann aber wieder altes Material zu hören, und zwar zunächst vom 1988er-Demo ('Desert Of Tears', 'Darkest Of Light'). Danach ist wieder die EP aus dem Jahr 1985 an der Reihe, wobei 'Bad Boys Cut Loose' geradezu abgefeiert wird. Der Chorus wird lautstark mitgegröhlt, und so herrscht sowohl vor als auch auf der Bühne gute Laune vor. Rich, der während des gesamten Auftritts immer auch den Kontakt zum Publikum sucht, und seinen Mitstreitern sieht man den Spaß an der Sache deutlich an, und so nimmt man nur schweren Herzens zur Kenntnis, dass sich auch dieser Auftritt schon dem Ende zuneigt. Die RUFFIANS haben sich zum Abschluss aber noch zwei großartige Songs aufgehoben, die noch einmal richtig Bewegung in die Meute vor der Bühne bringen. Sowohl 'Run For Cover' als auch 'Eyes of Fire' werden regelrecht abgefeiert, und so findet ein großartiger Auftritt ein würdiges Ende. Das Publikum fordert zwar noch nach einer Zugabe, doch diese gibt es aus zeitplantechnischen Gründen - immerhin warten hinter der Bühne noch JAG PANZER, RAVEN und VIRGIN STEELE - leider nicht mehr.

Setliste:
Fight For Your Life
Running Blind
Wasteland
Do Or Die
I Believe
Soldiers Fate
Desert Of Tears
Darkest Of Light
Bad Boy's Cut Loose
Run For Cover
Eyes of Fire

[Martin Schaich]

JAG PANZER:
Oliver Weinsheimer hat uns ja vor kurzem im Interview angekündigt, dass JAG PANZER einen speziellen "Ample Destruction"-Set spielen würden, dabei aber das neuere Material nicht vernachlässigen würden. Nun, genau das machen die Colorado-Metaller nun auch wahr und teilen ihren Gig in zwei Hälften, von denen sich die erste dem Schaffen nach der Reunion mit Harry Conklin widmet und die zweite etliche Klassiker aus den Achtzigern enthält. Doch scheinbar hat die Ankündigung manche Fans hoffen lassen, dass die Band ihr Debüt komplett am Stück runterspielen würde, wie AGENT STEEL es im letzten Jahr mit "Sceptics Apocalypse" gemacht hatten. Einige dieser Zeitgenossen würden sich hernach bitterlich über die vermeintlich schwache Setliste beschweren. Nun, versteh das wer will! Sicher fehlen ein paar Klassiker, dafür sind aber andere mit von der Partie, die man in den letzten Jahren nur selten zu hören bekam. Mir persönlich ist eine ausgewogene Mischung aus alten und neuen Stücken ohnehin tausendmal lieber als ein reines Retro-Set. Aber ich muss zugeben, dass ich etwa 'Shadow Thief', 'Tyranny' oder 'Take This Pain Away' schon auch vermisst habe...
Aber JAG PANZER sind heute eben nicht der Headliner wie bei den anderen Aufritten dieser Kurztour durch Europa, und in 75 Minuten kann man eben nicht alles spielen, wonach die Meute lechzt. Schon gar nicht, wenn man JAG PANZER heißt und einen ganzen Stall voller Göttergaben hat.

Doch nun Stück für Stück der Reihe nach: Nach dem bewährten Shakespeare-Intro legt die Band mit dem bewährten Opener 'Fate's Triumph' los, bevor mit 'Iron Eagle' sofort das erste ganz große Highlight des Abends folgt, bei dem Harry wie gewohnt die Textzeilen theatralisch mit reichen Gesten illustriert. Stimmlich ist der sympathische Frontmann in bestechender Form, und dass seine Sidekicks Mark Briody und Chris Broderick eines der fabelhaftesten Gitarrenduos unserer Zeit sind, sollte sich inzwischen rumgesprochen haben. Während Marks Riffs bei neueren Hits wie 'Black', 'King At A Price' und 'Take To The Sky' messerscharfe Akzente setzen, darf uns Chris mit etlichen abenteuerlichen Leads und Soli verzaubern. Lediglich das Mikro für die Backing Vocals des Leadgitarristen ist ein wenig zu leise abgemischt, was aber das Gesamterlebnis kaum beeinträchtigt. Zur Überhymne 'Chain Of Command' berichten mir diverse Frontsoldaten aus den ersten Reihen, dass die Glückseligkeit in den Augen der Umstehenden ergreifend gewesen sein muss. Dass auch die Rhythmusgruppe mit Basser John Tetley und Ausnahmedrummer Rikard Stjernquist voll auf der Höhe ist, dürfte keinen überraschen und so wirkt das sehr progressive Material der aktuellen Scheibe, die mit 'Legion Immortal' und 'Battered & Bruised' vertreten ist, ultra-tight und schlicht beeindruckend. Großartige musikalische Leistung aller Beteiligten.

Dann schlägt die Klassikerstunde - und schon der Einstieg mit 'Battle Zones' könnte old-schooliger nicht sein. Nicht umsonst betont Harry, dass Mark, John und er den Song geschrieben haben, als sie noch zusammen in die Highschool gingen. Dann kommt der angekündigte spezielle "Ample Destruction"-Teil, der neben 'Licence To Kill', 'Warfare' und 'Symphony Of Terror' noch meine beiden persönlichen Lieblingsstücke von diesem Album enthält: Das ist zum einen das schnelle, aggressive 'Generally Hostile' mit den wie üblich aus hunderten Kehlen mitgesungenen "No Mercy"-Shouts, die nach dem Song gar nicht enden wollen, und zum anderen das größte Epos der Bandgeschichte: 'The Crucifix'. Als sich danach Chris Broderick vor Begeisterung mit einem mächtigen Stagediving ins Publikum verabschiedet, ist endgültig Schluss und ich kann eigentlich immer noch nicht verstehen, wie man sich angesichts dieses großartigen Konzertes noch über das Fehlen des einen oder anderen Songs aufregen kann. Aber wie bereits eingangs festgestellt: Allen kann man es nie recht machen. Der ganz überwiegende Teil des Publikums scheint mir jedenfalls ziemlich begeistert zu sein, und das ist es, was zählt. Für mich persönlich eines der großen Highlights des Festivals, und das nächste steht bereits in den Startlöchern...

Setliste:
Fate's Triumph
Iron Eagle
King At A Price
Black
Chain Of Command
Take To The Sky
Legion Immortal
Feast & Famine
Battle Zones
Generally Hostile
Licence To Kill
Warfare
Symphony Of Terror (?)
The Crucifix

[Rüdiger Stehle]

RAVEN:
Wenn es eine Band gibt, die live derart energisch, agil, witzig und mitreißend ist, dass sie die Stimmung im Publikum nach einem genialen Auftritt der Publikumslieblinge JAG PANZER nicht nur halten, sondern sogar noch weiter anheizen kann, dann ist es die ursprünglich aus dem nordenglischen Newcastle Upon Tyne stammende NWoBHM-Legende um die Gebrüder Gallagher und Trommelmeister Joe Hasselvander. Wie ihr vielleicht vor ein paar Monaten in unserem RAVEN-Interview gelesen habt, hatte Gitarrist Mark Gallagher vor einigen Jahren einen sehr schweren Unfall, der ihn vorübergehend an den Rollstuhl fesselte, was zu einer langen Zwangspause für RAVEN führte. Doch schon als er wieder an Krücken laufen konnte, zog es ihn zurück auf die Bühne und nun kann er endlich wieder richtig abrocken und auf der Bühne herumtoben, wie auch sein Bruder, Sänger und Bassist John Gallagher, der stets mit Headset singt, damit seine Bewegungsfreiheit nicht unnötig eingeschränkt ist. Kein Wunder also, dass die europäischen Fans nach so langer Zeit wieder richtig heiß auf die Raben sind und ihnen einen überschwänglichen Empfang bereiten, was die Band den Massen mit entsprechender Spielfreude und gewohnt abgedrehtem Stageacting dankt. Wer RAVEN jemals live gesehen hat, der weiß warum ihr Stil mitunter auch Atheletic Rock genannt wird. Das ständige Turnen, Rennen und Herumalbern ist eine definitiv schweißtreibende Angelegenheit und zwar nicht nur für die Band, sondern durchaus auch für das wunderbar mitgehende Publikum. Bangen, Klatschen, Hüpfen, ja sogar diverse kleine Mosh- und Pogo-Pits...wenn RAVEN ihre mit Klassikern vollgestopfte High-Energy-Setlist runterzocken, dann kann man einfach nur schwerlich stillhalten. Nach 'Seven Shades', dem Opener des noch aktuellen Albums "One For All", gibt es mit dem Klassiker 'Live At The Inferno' (hier kommt Johns Falsett-Sirene am markerschüttendsten rüber) und dem RAVEN-Überhit 'All For One' gleich mal die erste Vollbedienung. Darauf folgt der erste "Nothing Exceeds..."-Kracher 'Gimme A Break', bevor Mark mit den Worten "How about some old shit, John?" den Nostalgikern im Publikum ein seliges Strahlen ins Gesicht zaubert. Mit 'Hell Patrol' und dem mit grandios lässigen Bassläufen gespickten Titelstück wird das Debüt "Rock Until You Drop" bedacht, bevor Mark uns ein ekstatisches Gitarrensolo um die Lauscher knallt, das sich gewaschen hat. Dann wird's richtig gnadenlos: Mit den vom hymnischen 'Mind Over Metal' getrennten Speed-Metal-Monstern 'Speed Of The Reflex' (irrwitzig!) und 'Faster Than The Speed Of Light' (toll zum Mitsingen!) gibt es einen mächtigen Adrenalinstoß, der unsereins doch langsam aber sicher an die Erschöpfungsgrenze treibt. Der heavy stampfende Rocker 'The King' lässt uns dann wieder ein wenig durchatmen und bei der vom Publikum wunderbar mitgesungenen softeren Nummer 'On & On' entsteht eine richtig schön familiäre Verbundenheit in der Halle. Diese nutzt John Gallagher gleich im Anschluss für ein kurzes Mitsingspielchen bei 'I Don't Need Your Money'. Dass danach noch nicht Schluss sein kann und darf ist klar, denn der mittlerweile traditionelle Rausschmeißer eines RAVEN-Gigs fehlt ja noch. Als dann schließlich das erste Riff von 'Break The Chain' ertönt, gibt es für Publikum und Band kein Halten mehr. Ich habe die Leute beim KIT selten, wenn überhaupt, so ausgelassen und euphorisch den Refrain mitshouten hören wie bei diesem Song. Traumhaft. Wie üblich flechten die Herrschaften hier ein Medley mit uralten Rock-Klassikern ein, welches dieses Mal aus '20th Century Boy' (T-REX), 'Dog Eat Dog' (AC/DC) und 'Symptom Of The Universe' (BLACK SABBATH, und ja, das hatten FORSAKEN heute auch schon) besteht, bevor die Reprise von 'Break The Chain' dem Auftritt den Garaus macht. Danach sind Publikum und Band sichtlich erschöpft aber glücklich. Vor allem den drei Musikern merkt man deutlich an, wie viel Spaß sie hatten und wie gerne sie hier für uns ALLES gegeben haben, als sie zu dritt an den Bühnenrand kommen, um sich für die Unterstützung und den riesigen Applaus zu bedanken. Für mich klar und eindeutig das ganz große Highlight des fünften KIT, und so sehr ich den Headliner VIRGIN STEELE auch schätze, mir ist nach RAVEN unmissverständlich klar, dass es David DeFeis & Co. enorm schwer haben würden, die Stimmung im Publikum mit ihrem Auftritt auch nur annähernd zu halten. Ob sie es vielleicht doch schaffen würden, wird euch Martin berichten...

Setliste:
Seven Shades
Live At The Inferno
All For One
Gimme A Break
Hell Patrol
Rock Until You Drop
Guitar Solo
Speed Of The Reflex
Mind Over Metal
Faster Than The Speed Of Light
The King
The Inquisitor
On & On
Don't Need Your Money
Break The Chain (inkl. Cover-Medley)

[Rüdiger Stehle]

VIRGIN STEELE:

VIRGIN STEELE waren ursprünglich für das diesjährige BANG YOUR HEAD!!! vorgesehen, doch aus gesundheitlichen Gründen musste David DeFeis diesen Auftritt absagen. Damit die deutschen Fans 2005 aber trotzdem in den Genuss eines VIRGIN STEELE-Gigs kommen, haben Oliver und Tarek blitzschnell reagiert und die Band für das 5. KEEP IT TRUE als Headliner verpflichtet. Ob sie dieser Rolle aber auch gerecht werden würden, mussten David DeFeis & Co. erst einmal beweisen, denn JAG PANZER und RAVEN - Rüdiger hat es bereits angedeutet - haben die Messlatte sehr hoch gehängt...
Die Umbaupause zieht sich ein wenig in die Länge - okay, es mussten ja zwei riesige Schwerter aufgestellt werden, und auch sonst musste die Bühne noch ein wenig auf Vordermann gebracht werden -, aber um kurz vor 0 Uhr ertönt dann doch das Intro ('And In The Red Sea') vom Band, das den VIRGIN STEELE standesgemäß einläutet. Als die Band schließlich auf die Bühne kommt, hält sich David DeFeis eine schwarzweiße Maske vor das Gesicht, die er gerade noch rechtzeitig zur Seite legen kann, um mit 'Kingdom Of The Fearless ' vom "The House Of Atreus - Act I"-Album loszulegen. Und obwohl dieses Stück eigentlich zu meinen VIRGIN STEELE-Faves gehört, ist es alles andere als ein Hörgenuss, denn die Sound-Qualität lässt doch sehr zu wünschen übrig, und Erinnerungen an den Auftritt von HALLOW'S EVE werden wach. Wie letztes Jahr Skully & Co., so haben auch VIRGIN STEELE ihren eigenen Sound-"Spezialisten" dabei, der mit den Rahmenbedingungen und der zur Verfügung stehenden Technik hörbar überfordert zu sein scheint. So kann man das anschließende 'The Voice As Weapon' vom immer noch aktuellen Album "The House Of Atreus - Act II" fast nur erahnen, und auch das "Invictus"-Tripel ('Invictus', 'Vow Of Honour', 'Defiance') bereitet wenig Freude. Das sehen und hören nicht wenige KEEP IT TRUE-Besucher ähnlich, und so verzieht sich ein Teil von ihnen auf die Tribüne oder in den hinteren Hallenbereich, und ein anderer Teil tritt bereits die Heimreise an. Die Letztgenannten bekommen dann auch gar nicht mehr mit, dass sich die Sound-Qualität im Laufe des Auftritts stabilisiert und halbwegs erträglich wird - der nun gespielte Song 'From Chaos To Creation' passt da eigentlich ganz gut ins Programm. VIRGIN STEELE lassen noch einen weiteren Song von "The Marriage Of Heaven And Hell - Part II" folgen, nämlich 'Twilight Of The Gods', bevor Edward Pursino sein Können an der Gitarre demonstrieren darf. Zum Ende dieses Solos kommt David mit einem brennenden Schwert auf die Bühne, und so ist eigentlich klar, dass es nun mit 'Great Sword Of Flame' weitergeht. Es hat sich wohl bis zu VIRGIN STEELE herumgesprochen, dass die endlosen Sinnloslabereien von Joey DeMaio bei vielen Fans nicht besonders gut ankommen, und so hält sich David an diesem Abend mit Ansagen sehr stark zurück. Insbesondere spielen sie die nächsten acht Stücke (fast) komplett am Stück und zeigen, dass sie sich in hervorragender Verfassung befinden. Den Anfang dieses "Medleys" macht das großartige 'A Symphony Of Steele', gefolgt von 'The Wine Of Violence', 'In Triumph Or Tragedy' und 'Return Of The King'. Nach einer kurzen Ansage gibt es 'Noble Savage' zu hören, bei dem die Stimmung vor der Bühne endlich etwas besser wird, denn bislang waren die Reaktionen des Publikums relativ verhalten - vor allem im Vergleich zu denen bei JAG PANZER und RAVEN. Dieses Stimmungshoch können VIRGIN STEELE auch zu 'Mind, Body, Spirit' hinüberretten, und so wird hier erneut lautstark mitgegrölt, doch mit 'Dominion Day' und 'Rising Unchained' geht die Begeisterungsbereitschaft des Publikums auch schon wieder zurück. Daran kann nach einer kurzen Verschnaufpause auch 'Life Among The Ruins' nichts ändern, doch rechtzeitig zur "Noble Savage"-Hymne 'The Angel Of Light' sind plötzlich alle Besucher wieder wach und gehen bei dieser großartigen Nummer relativ begeistert mit. Leider machen VIRGIN STEELE dann den Fehler, dass sie nicht einen ähnlich starken Song nachschieben, sondern nach dem mir unbekannten 'Arabesque' folgt ein Schlagzeug-Solo, das insbesondere zu dieser vorgerückten Stunde absolut überflüssig ist. Das zeigt sich auch daran, dass sich die Anzahl der Fans vor der Bühne immer weiter reduziert, so dass VIRGIN STEELE schon fast in einer leeren Halle spielen müssen. An sich haben die US-Amerikaner zu diesem Zeitpunkt ihre eigentliche Spielzeit bereits überschritten, doch davon lassen sie sich nicht beirren und geben 'Pyre Of Kings' vom "Noble Savage"-Output sowie das noch immer aktuelle 'A Token Of My Hatred' zum Besten. Als kurzes Intermezzo folgt anschließend das 'Theme From "The Marriage ..."', das - wie auch auf dem Album - in das überragende 'Veni, Vidi, Vici' übergeht. Die verbliebene Schar vor der Bühne feiert dieses Stück noch einmal ziemlich ab und grölt nach Kräften mit, aber trotzdem stellt dieses Epos nach knapp zwei Stunden Spielzeit den Schlusspunkt dar. Die Fans sind wie die Band bereits am Ende ihrer Kräfte - 14 Stunden Heavy Metal vom Feinsten muss man ja auch erstmal wegstecken -, aber trotzdem fordern sie noch eine Zugabe. Diese gibt es schließlich auch noch, und zwar in Form des superben 'The Burning Of Rome', das auch noch einmal begeistert aufgenommen wird, bevor dann endgültig Schluss ist.
Insgesamt bot dieser Auftritt von VIRGIN STEELE also Licht und Schatten: Die Setlist ging im Grunde in Ordnung - okay, der Schwerpunkt lag auf den neueren Scheiben, aber ansonsten gab es eigentlich nichts auszusetzen -, und die Vorstellung der Band war sogar ziemlich gut. Leider machte aber die vor allem zu Beginn sehr miese Sound-Qualität sehr viel kaputt, und dies schlug sich natürlich auch auf die Stimmung vor der Bühne nieder, denn nur vereinzelt war richtige Begeisterung bei den Fans zu spüren. Hinzu kam, dass die vorhergehenden Auftritte, insbesondere von den RUFFIANS, JAG PANZER und RAVEN, sehr viel Kraft gekostet haben, und auch aufgrund von kontinuierlicher Bierzufuhr mussten viele Besucher ihrem Körper Tribut zollen. Dass die meisten Keyboard-Passagen vom Band kamen, war zwar auch nicht optimal, lässt sich aber wohl nicht wirklich vermeiden, da David sich ja auch noch auf seinen Gesang konzentrieren muss, und das tat er an diesem Abend sehr erfolgreich.

Setliste:
Intro (And In The Red Sea)
Kingdom Of The Fearless
The Voice As Weapon
Invictus
Vow Of Honour
Defiance
From Chaos To Creation
Twilight Of The Gods
Great Sword Of Flame
A Symphony Of Steele
The Wine Of Violence
In Triumph Or Tragedy
Return Of The King
Noble Savage
Mind, Body, Spirit
Dominion Day
Rising Unchained
Life Among The Ruins
The Angel Of Light
Arabesque (?)
Pyre Of Kings
A Token Of My Hatred
Theme From "The Marriage ..."
Veni, Vidi, Vici
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The Burning Of Rome (Cry For Pompeii)

[Martin Schaich]

Fazit:

So bot uns auch das fünfte Keep It True ein im Prinzip rundum gelungenes Festival, dem lediglich am Schluss zur Headliner-Stunde ein wenig die Puste ausging. Daran war vor allem der Sound schuld, aber auch die Erschöpfung der Fans nach so vielen Hochkarätern. Vielleicht lernen die künftigen KIT-Headliner ja daraus, lassen die Festival-Crew das Mischen übernehmen und verzichten auf den eigenen Soundmann. So ließen sich dann vielleicht auch leichter die letzten Reserven aus dem Auditorium mobilisieren. Wie auch immer: Das Keep It True war wieder die Reise wert, ohne Wenn und Aber. Unser Dank geht an Oli, Tarek, die Bands und alle Helfer. Es war wieder schön bei euch, und wir freuen uns schon aufs nächste Jahr mit RIOT, EXCITER, ROSS THE BOSS, SOLITUDE AETURNUS und vielen mehr...

Redakteur:
Rüdiger Stehle

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