top banner 156
side banner 157

Keep It True IX - Dittigheim

27.11.2007 | 13:49

03.11.2007, Sporthalle

Das KIT geht in die neunte Runde, und auch wir aus dem Hause POWERMETAL.de sind zum neunten Mal mit dabei, um für euch von der wahrhaft metallischen Front zu berichten. Gottlob zu zweit, denn Agent PM001 wird sich aus vereinsbedingten Gründen nach der ersten Hälfte absentieren müssen und an Agent PM002 abgeben, so dass ihr heute mal den Bericht nicht in gewohnter Weise von den Schreibern abwechselnd, sondern mehr oder weniger im Block serviert bekommt. Soll aber nicht schaden, denke ich, so dass wir gleich mal loslegen wollen:

Den Anfang machen die noch sehr jungen Schweden von ENFORCER, die mit ihrem recht flotten und energischen Metal amerikanischer oder gar kanadischer Prägung keine schlechte Figur abgeben. Das Gebotene ist definitiv gut und unterhaltsam, aber ich muss irgendwie auch zugeben, dass ich zur Zeit kein großer Fan des Stils bin. Irgendwie ist die Szene mit gutklassigen Metal-Bands mit US-Schlagseite ein wenig übersättigt. Dennoch macht mir der Auftritt - nicht nur wegen des lässig raus gehauenen IRON MAIDEN-Covers 'Purgatory' - ordentlich Spaß, und wird mich ein paar Minuten nach dem Ende des Auftritts auch prompt dazu verleiten, mir die Single und bisher einzige offizielle Veröffentlichung der Jungs zu angeln. Logischerweise werden die beiden darauf enthaltenen, durchaus guten Stücke 'Evil Attacker' und zum Schluss 'Mistress From Hell' nebst etlichen anderen, den meisten Zuhörern noch völlig unbekannten Stücken, auch dargeboten. Die Band kommt insgesamt ganz gut an, aber das KIT hatte schon stärkere und fesselndere Opener, was meinem Eindruck nach nicht nur der Rezensent, sondern auch weite Teile des Auditoriums so sehen. Es folgt eine wilde Horde schwedischer MERCYFUL FATE-Anbeter, für die ich kurzfristig mal an Kollege Martin abgeben darf.
[Rüdiger Stehle]

Die etwa 500 KEEP IT TRUE-Festivalbesucher bescheren PORTRAIT einen überaus warmen Empfang. Insbesondere im ersten Drittel des Publikums huldigen Fans der Band geradezu. In nahezu perfekter Art und Weise intonieren PORTRAIT Eigengewächse wie 'Into The Nothingness', 'Black Hole Of Doom', 'Welcome To My Funeral' oder 'His Glowing Eyes', die durch und durch den Spirit der alten MERCYFUL FATE atmen. Leider ist der Gesang von Phillip Svennefelt viel zu leise abgemischt. Zumindest in den vorderen Reihen ist der Frontmann kaum zu hören. PORTRAIT zeigen sich spielfreudig und sehr motiviert. Was das Outfit von Bassist Richard Lagergren anbetrifft, so kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Trägt der Mann doch neben einem langen schwarzen Umhang eine Knochenkette um den Hals (waren das Hähnchenknochen?). Alles in Allem haben PORTRAIT eine tadellose Performance auf's Parkett gelegt. Jetzt fehlt nur noch ein vollständiges Studioalbum der angenehm retro-lastigen Schweden.
[Martin Loga]

Mit STEEL ASSASSIN bin ich schon nicht über die Maßen warm geworden, als ich mich vor ein paar Jahren mit deren Album "From The Vaults" beschäftigt habe. Also sind auch heute meine Erwartungen nicht allzu hoch. Klar, vom Prinzip her ist auch das ein Stil, den ich gerne habe, aber mit ein paar wenigen Ausnahmen haben mir bei diesen Amerikanern immer die ganz großen Songs gefehlt. Na ja, ich bin auf jeden Fall gewillt, der Band eine Chance zu geben, auch mit Blickrichtung darauf, ob es sich denn lohnen würde, die sehr fairen Merchandise-Preise hernach durch einen anerkennenden Kauf zu würdigen. Dass es dazu dann doch nicht kommt, liegt ein Stück weit am Sound, den ich wirklich ziemlich problematisch finde und vielleicht auch am augenscheinlich etwas jüngeren neuen Sänger, der zwar ordentlich was vom Stapel lässt, aber seine Stärken vor allem im aggressiven Bereich hat, was zu den älteren Songs nur bedingt passt. Der Funke will einfach nicht so recht überspringen. Gefällig, mitunter auch mit coolem, schnellem Drive; aber mir fehlt es am charismatischen Gesang und an den zwingenden Hooks (vor allem bei einem recht vorhersehbaren Stück wie 'Falling Steel'). Trotz allem ist STEEL ASSASSIN eine sehr passable Band; aber wenn ich daran denke, was manch andere Gruppe in dem Genre so zelebriert, dann sind wir hier eben doch - so leid es mir tut - in der zweiten Liga. Ein Lob geht an die Truppe aber für das Bühnenauftreten, das ich sympathisch und engagiert finde. Als Glanzlichter der Songauswahl gehen 'Attila The Hun', das neue 'War Of The Eight Saints' und der tolle Rausschmeißer 'Executioner' durch.

Nach bei aller Liebe doch etwas durchwachsenen Eindrücken zu den ersten Bands kommt nun doch noch die uneingeschränkte Lobpreisung, und zwar für die coolen alten Briten von PAGAN ALTAR. Genau das ist eine Band, wie ich sie beim KIT haben will. Eben nicht nur old-school und "true as steel", sondern auch und vor allem originell ohne Ende. Der Gig war trotz anfänglicher Soundproblemchen und der schnoddrigen Art samt beinahe unverständlichen Nuschel-Ansagen von Frontmann Terry Jones magisch. Und zwar von Alpha bis Omega magisch. Genau deswegen bin ich jedes Mal beim KIT dabei. Nicht in erster Linie wegen der vielen unterhaltsamen bis guten True-Metal-Bands, sondern wegen der auch hier raren, aber doch so ziemlich jedes Mal in vollem Glanz erstrahlenden magischen Momente.

Da ist natürlich in erster Linie Fronthexer Terry Jones mit seiner s e h r eigenen Art und völlig unverkennbaren Stimme, aber auch der Rest der Truppe hat mächtig Eindruck geschunden. Das Gitarrenspiel und die wirklich alles überragenden Soli sind schlicht nicht von dieser Welt, und die mystischen Doomsongs der Band fesseln das zahlreich anwesende Publikum wie keine Band zuvor und wie dem Vernehmen nach auch keine mehr danach. Wie euphorisch das Publikum bei dieser - im Endeffekt trotz allem immer noch sehr "unbekannten" Band - mitgegangen ist, hinterlässt schon einen besonderen Eindruck. Doch ist die Begeisterung kaum verwunderlich, haben die Briten ihre Setlist doch ausschließlich mit den größten Perlen der Bandgeschichte gespickt und dabei alle drei Studioalben angemessen berücksichtigt. Daran zeigt sich eindrucksvoll, dass in knapp dreißig Jahren Bandgeschichte so ziemlich alles große Klasse war, was PAGAN ALTAR so vom Stapel gelassen hat, wobei meine persönlichen Highlights vor allem die Stücke von der "Lords Of Hypocrisy" sind.

Setlist:
Pagan Altar
Demons Of The Night
Lords Of Hypocrisy
Sentinels Of Hate
Judgement Of The Dead
Cry Of The Banshee
In The Wake Of Armadeus
Dance Of The Druids
The Black Mass
Armageddon
---
The Witches Pathway
March Of The Dead

Doch nun ist es Zeit für Agent PM001, das Feld zu räumen, und endgültig an Agent PM002 abzugeben, der euch durch den Rest des Abends führen wird.
[Rüdiger Stehle]

Lange hat es gedauert. Am 03.11.2007 ist es hier auf dem KEEP IT TRUE endlich so weit. SACRED OATH, eine lange Zeit von der Bildfläche verschwundene US-Metal-Kapelle, spielt am heutigen Abend ihren allerersten Auftritt auf dem alten Kontinent. Und was für einen! Auch wenn von der Originalbesetzung "nur noch" Bandchef Rob "Thorne" Volpintesta mit von der Partie ist, so klingen SACRED OATH im Jahre 2007 immer noch ganz grob wie eine coole Mischung aus den besten musikalischen Markenzeichen von IRON MAIDEN mit einer kleineren Prise alter MERCYFUL FATE. Nachhören kann man das Ganze auf dem rundum gelungenen Comeback-Album "Darkness Visible", das Ende April 2007 erschien. Die US-Amerikaner aus Bethel (Connecitcut) machen von Anfang an ordentlich Druck und dürften so manchen Metaller, der SACRED OATH noch nicht kannte, ziemlich verblüfft haben.

Hochkarätige Tracks wie das Schädel spaltende 'The Omen' werden von Rob Thorne zwar nicht mehr ganz so hoch wie vor zwanzig Jahren, aber dennoch mit sehr viel Power gesungen und kongenial spielerisch an seiner Klampfe umgesetzt. Auch der recht junge Gitarrist Bill Smith beherrscht sein Handwerk hevorragend, ebenso Bassist Scott Waite. Recht schnell setzen frenetische "Sacred Oath!"-Rufe in den ersten Reihen ein. Die Band besticht durch hohe Spielfreude und man spürt, dass es die Bandmitglieder sichtlich genießen, vor frenetischen Metalheads in Germany ihre Musik zu zelebrieren. Rob Thorne zeigt sich als cooler Frontmann, der das Publikum schnell in seinen Bann zieht. Das anfangs balladeske 'Queen Of The Night' erinnert stark an IRON MAIDEN und avanciert zu einem Highlight im Set von SACRED OATH. Aber auch neue Tracks wie das ruhige 'Prophecy' oder das altgediente 'Magick Son' sorgen für Gänsehaut-Feeling und besonders letzteres für manische Mosh-Attacken. Bei 'Battle Cry' ist die Stimmung wohl wohl auf dem Höhepunkt angelangt. Feinster US-Metal - ohne Schnörkel und ohne Keyboard! Mit dem coolen 'Rising From The Grave' beendet die Band ihren Set. Das Publikum spart nicht mit Applaus. In bester Rockstar-Manier zertrümmert Rob Thorne dann noch seine eigens für dieses Stück herausgekramte weiße Gitarre auf dem Bühnenboden. Die ins Publikum geworfenen Einzelteile wollen sich etliche Headbanger unter den Nagel reißen. So kommt es, dass mein Bekannter irgendwie seine Finger zwischen den Saiten einklemmt und andere Spezialisten eben an diesem Gitarrenstück wie die Bluthunde herumziehen. Was soll der Blödsinn? Geht's noch?

SACRED OATH haben mich jedenfalls restlos begeistert und meine hohen Erwartungen sogar noch übertroffen. Definitiv einer der stärksten Auftritte des neunten KEEP IT TRUE-Festivals. Hoffentlich kommen Rob Thorne und seine Mannen in absehbarer Zeit wieder nach Europa! Derweil sollten sich US-Metal-Fans, die die Band noch nicht kennen, den Namen SACRED OATH sehr gut einprägen.
[Martin Loga]

Setlist:
Two Powers
The Omen
Darkness Visible
A Crystal Vision
Queen Of The Night
Magick Son
Prophecy
Words Upon The Stone
The Ferryman's Lair
Battle Cry
Rising From The Grave

Die US-Thrasher HIRAX haben wahrhaftig keine Mühen und Kosten gescheut, um auf dem neunten KEEP IT TRUE-Festival zu spielen -siehe hierzu auch das Interview mit Katon W. De Pena vom 03.11.2007. Recht kurzfristig springt die Band ein, um die Position der Dänen EVIL zu übernehmen. EVIL mussten den Auftritt leider absagen, da sich deren Drummer Freddie Wolf das Handgelenk verletzt hatte. Ich hatte ja schon so einiges an positiven Aussagen über HIRAX-Liveshows gehört. Umso gespannter ich auf diese Performance.

Leck mich fett! HIRAX bretterten wie ein Orkan los: Shouter Katon W. De. Pena fegt über die Bühne wie ein entfesselter Derwisch, während die Klampfenfraktion um die Gebrüder Harrison (Lance am Bass und der kleinere Steve an der Gitarre) sowie der zweite Gitarrist Tim Thomas abgehen wie Schmidts Katze. Sehr schnell erklingen laute "Hirax! Hirax"-Rufe. Donnernde neuere Tracks wie das brachiale 'Lucifer's Inferno' (Keule!) oder 'The New Age Of Terror' kommen dabei genauso hervorragend an wie alte Klassiker vom Schlage 'Bombs Of Death' oder 'Hate, Fear And Power'. Die kleine Sporthalle in Dittigheim kocht, und im ersten Drittel der Halle herrscht schon ab dem zweiten oder dritten Lied tatsächlich "Lucifer's Inferno". In der Geschichte des KEEP IT TRUE gibt es ein echtes Novum zu verbuchen: Stagediver! Und zwar in rauen Mengen! Beinahe im Minutentakt werden Fans auf die Bühne gehievt, die dann den Flug ins Publikum antreten. Manche Tiefflieger springen ganz schön rabiat in den Menge. Es gibt sogar einige Freaks, die mit dem Rücken voran (!) den Abflug antreten. Als im Publikum beim dritten oder vierten Track plötzlich vor den Augen von Katon eine Rangelei nahe der Bühne zu eskalieren scheint, unterbricht die Band den Song. Sänger Katon macht den Streithälsen klar, dass er keine Schlägerei tolerieren wird und dass es so etwas nicht bei HIRAX-Konzerten gebe. Dafür erhält er klatschend breite Zustimmung vom Publikum. Und weiter geht die entfesselte Mosh-Party. Der Sound ist kristallklar und HIRAX sind hochmotiviert. Katon grinst diabolisch und macht zwischendrin sogar Abstecher ins Publikum, das ihn, während er manche Lieder singt(!), wie ein Crowdsurfer bis zu fünf Meter über die Hände der Fans ins Publikum durchreicht. Doch damit nicht genug: Katon reicht Fans die Hand und hilft ihnen auf die Bühne, er hängt sie an den Schultern ein und feiert mit dem Publikum eine wilde Thrash-Party, in deren Verlauf HIRAX Vollgas geben. Mit 'Assassins Of War' und 'Unleash The Dogs Of War' schließt die Band einen Auftritt, der an Intensität nicht mehr zu überbieten ist. Die Publikumsreaktionen sind überwältigend.

Fazit: 70 Minuten brutaler Thrash von einer hungrigen Band namens HIRAX, die einen der wohl charismatischsten und coolsten Sänger der Thrash-Szene in ihren Reihen hat. Ein Hammer-Auftritt!
[Martin Loga]

Setlist:
100.000 Strong
Lucifer's Inferno
Blind Faith
The New Age Of Terror
Chaos And Brutality
Hate, Fear And Power
Hostile Territory
Destroy
Broken Neck
Demons Evil Forces
El Diablo Negro
Barrage Of Noise
Walk With Death
The Plague
Mouth Sewn Shut
Intro/Bombs Of Death
Assassins Of War
Unleash The Dogs Of War

Der Auftritt von LEATHERWOLF scheint nach dem HIRAX-Inferno unter keinem guten Stern zu stehen. Denn die US-Metal-Band sieht sich bereits beim ersten Titel 'Too Much' mit massiven Soundproblemen konfrontiert, der Auftritt muss unterbrochen werden. Nach etlichen Minuten hektischen Treibens verändert man noch spontan die ursprüngliche Setlist, um das Publikum bei Laune zu halten. LEATHERWOLF, die beim KEEP IT TRUE übrigens in Originalbesetzung mit Sänger Michael Olivieri auftreten, erhalten trotz der schwierigen Ausgangslage gute Publikumsreaktionen. Im Verleich zu den zuvor holzenden HIRAX wirken LEATHERWOLF allerdings wesentlich zahmer und bewegungsmäßig ausgesprochen statisch. Daran ändert auch die Power der "Triple-Axe-Attack" relativ wenig. Bandklassiker wie 'Spiter', 'Seaons Of The Witch' oder 'The Calling' kommen erwartungsgemäß gut an, während das KIT-Publikum mit Liedern der aktuellen Scheibe "World Asylum" (2006) noch nicht so richtig vertraut zu sein scheint. Die Meinungen des Publikums zum LEATHERWOLF-Auftritt waren übrigens recht gespalten. Hätten zuvor HIRAX nicht einen solche exzellenten Aufritt hingelegt, so wäre die Gesamtwirkung des Auftritts von LEATHERWOLF sicherlich eindrucksvoller gewesen. Dennoch kann man der Band attestieren, dass der Auftritt spielerisch nahzu makellos war und die Klassiker des Schaffens der Lederwölfe wirklich gut umgesetzt wurden. LEATHERWOLF wollen übrigens 2008 einige Auftritte in Deutschland spielen.
[Martin Loga]

Setlist (ursprünglich geplante Abfolge):
Too Much
Street Ready
Behind The Gun
Derailed
Rule The Night
Gypsies And Thieves
Hideaway
I Am The Law
Black Knight
Thunder
Season Of The Witch
Kill And Kill Again
Wicked Ways
The Calling
Spiter

Unter dem Strich ist festzuhalten, dass auch die neunte Auflage des KEEP IT TRUE-Festivals als voller Erfolg gewertet werden kann. An und für sich alle Bands konnten spielerisch aus meiner Sicht überzeugen. Als absolutes Highlight würde ich den rundum gelungenen und extrem energiegeladenen Auftritt von HIRAX werden. Stilistisch dürfte für jeden Metaller etwas dabei gewesen sein - angefangen beim tief in den Siebzigern verwurzelten Sound von PAGAN ALTAR, über den klassischen Achtziger-Power-Metal von LEATHERWOLF bis hin zu Thrash-Attacken mit Hardcore-Flair, die HIRAX ablieferten. Das große Jubiläums-Festival des KEEP IT TRUE (zehnte Auflage) am 4. und 5. April 2007 bietet mit Bands wie HEATHEN, JAG PANZER, MANILLA ROAD, DOOMSWORD und vielen mehr ein Billing der Extraklasse. Das Festival ist bekanntermaßen schon lange ausverkauft. Die Bands für das elfte KEEP IT TRUE-Festival am 15.11.2008, das erstmals im Soundpark Ost in Würzburg stattfinden wird, stehen übrigens auch schon fest. Der Vorverkauf beginnt am 01.01.2008. Be quick or be dead!
[Martin Loga]

Redakteur:
Rüdiger Stehle

Login

Neu registrieren