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Keep It True IV - Lauda-Königshofen

22.05.2005 | 07:56

02.04.2005, Tauberfrankenhalle

Am Samstag, den 2. April fand dann das eigentliche KEEP IT TRUE IV unter dem Banner "Masters Of Metal" statt, und auch dieses Mal konnten wieder sehr viele Besucher angelockt werden. Ob die Veranstaltung komplett ausverkauft war, entzieht sich meiner Kenntnis, aber mit weit über 1.100 Leuten war die Tauberfrankenhalle in Lauda-Königshofen allemal wieder sehr gut gefüllt. Normalerweise wird diese Halle wohl für Sport-Events verwendet, aber auch für eine Veranstaltung wie das KEEP IT TRUE hat sie sich wieder einmal ganz gut bewährt.

Um dem Publikum auch dieses Mal wieder ein kleines Rahmenprogramm zu bieten, wurde bereits vor dem eigentlichen Konzert ein Metal-Markt auf die Beine gestellt. Dieser war im Vergleich zu den letzten Malen noch etwas größer ausgefallen und dementsprechend hatten die Besucher genügend Möglichkeiten, ihr mühsam Erspartes in Platten, CDs oder diverse Merchandising-Artikel umzusetzen. Positiv anzumerken ist dabei auch, dass die meisten Stände auch dieses Mal wieder erst sehr am Abend abgebaut wurden und deshalb während der ersten Bands noch ausreichend Gelegenheit bestand, das Angebot genauer zu inspizieren.

Selbstverständlich sollte auch das leibliche Wohl nicht auf der Strecke bleiben, und so konnte man sich in der Halle sowohl in fester als auch in flüssiger Form bestens verpflegen. Über die Preise konnte man dabei auch gar nicht meckern: Das Bier sollte wieder 2 Euro kosten, und für eine recht ordentliche Steaksemmel musste man beispielsweise 3 Euro bezahlen.

Ganz ohne Kritik kommen wir aber auch dieses Mal leider nicht aus, denn Oliver und Tarek hatten zwar angekündigt, dass sie sich dem Problem "Sound" eingehend widmen würden, doch wirklich gut waren die Sound-Verhältnisse in der Halle auch dieses Mal nicht. Schade eigentlich, denn die hochkarätigen Bands, die auch dieses Mal wieder in Lauda-Königshofen auf die Bühne stiegen, hätten einen exzellenten Sound mehr als verdient gehabt. Und davon war man - trotz einer Steigerung im Vergleich zum KEEP IT TRUE III - noch meilenweit entfernt.

Somit sind wir aber auch schon bei der Musik, und die stand natürlich wieder im Vordergrund des Festivals. Wie auch schon in der Vergangenheit hatten Oliver und Tarek erneut großartige Bands verpflichtet, doch lest einfach selbst, wie Rüdiger und ich sie gesehen haben...


INSANE

Dass Tarek und Oliver sich nicht darauf versteifen, alte Legenden zu reanimieren und Denkmäler zu entstauben, beweist auch heuer, wie bisher jedes Mal, der junge Opener, welcher dieses Mal aus Italien stammt und auf den Namen INSANE hört. Nachdem sich die Wahl von REPENT im letzten Jahr sehr gut bewährt hatte, gibt es also auch beim KEEP IT TRUE IV eine Nachwuchshoffnung aus dem Bereich des Thrash Metal zu bestaunen, die vom Publikum für diese frühe Stunde bereits sehr gut aufgenommen wird. Die drei jungen Italiener haben sich musikalisch ganz dem Stil verschrieben, für den SLAYER zu Zeiten ihres Debüts "Show No Mercy" standen. Nachdem die Kalifornier selbst schon lange völlig anders klingen, viele Fans aber immer noch darauf abfahren, erweist sich diese Wahl dann auch alles andere als schlecht. Zwar ist das alles nicht sonderlich originell, aber es gefällt und macht Laune. Outfit-technisch erinnert besonders Drummer Matt Montironi mit Kayal und Haarspray an die SLAYER der Früh-Achtziger, wohingegen die eigenwillige Kopfbedeckung von Sänger Dan Montironi ein wenig schräg aussieht. Der Auftritt wirkt ein wenig schüchtern, erst nach dem dritten Song nimmt der Sänger das erste Mal Kontakt zum Publikum auf, um sich artig zu bedanken. Angesichts der Tatsache, dass dies sicher der bisher mit Abstand größte Auftritt der Band ist, kann man das aber gut nachvollziehen. Sie haben ja noch viel Zeit, auch in punkto Bühnen-Performance aus sich herauszugehen und zu wachsen. Die Jungs zocken sich sehr gefällig durch ihr Debütalbum "Wait And Pray", und können musikalisch überzeugen. Dabei beweist Luke Perozzi, dass er auch mit nur einer Leadgitarre ordentlich quietschende Soli abliefern kann, die natürlich nicht ganz so wahnwitzig sind wie die der Herren King und Hannemann. Besonders positiv fällt der gut hörbare, manchmal sogar dominante Bass auf, der einen Song wie 'Death By Command' auch ein klein wenig in Richtung SODOM drückt, was der bisweilen etwas rumpelige Sound unterstreicht. Ansonsten sind Titel wie 'Four Magicians', 'Evil Is At Hand' oder das tolle Doppel mit 'Die In Hell / Metal Torment' und 'Wait And Pray' zum Schluss hervorragendes Kraftfutter für SLAYER-Fans der ersten Stunde. Ein guter Einstieg ins Festival und sicher eine Band mit Zukunft.
[Rüdiger Stehle]


PARAGON

Auf PARAGON bin ich schon vor einigen Jahren aufmerksam geworden, da ein Bekannter in den Anfangstagen dort Gitarre spielte, und so habe ich den Werdegang dieser Band auch mehr oder weniger aufmerksam verfolgt. Den großen Durchbruch haben die Hamburger zwar nie wirklich geschafft, aber mit guten bis sehr guten Alben konnten sie sich in den letzten Jahren doch eine größere Fan-Gemeinde erarbeiten. - In Anbetracht der Tatsache, dass für das KEEP IT TRUE IV wieder einmal sehr viele Bands verpflichtet wurden, die man bislang selten bis gar nicht in Deutschland sehen konnte, müssen PARAGON bereits als zweite Band auf die Bühne - im Vergleich zu den folgenden THUNDER RIDER oder auch DEADLY BLESSING sind die Hamburger halt doch zu "alltäglich". Der Motivation der Band hat das aber keineswegs geschadet, denn PARAGON präsentieren sich bestens gelaunt und legen mit dem Opener und Quasi-Titeltrack ihrer letzten Scheibe, 'The Legacy', auch gleich sehr ordentlich los. Weiter geht es mit 'Deathsquad' (incl. kraftvollem mehrstimmigem Chorus) und 'Abducted', und schon bei letztgenanntem Song werden die Hamburger begeistert abgefeiert. Die recht ansehnliche Meute vor der Bühne gröhlt lautstark mit, und so haben Band und Publikum gleichermaßen Spaß an diesem Auftritt. Das Einzige, was dieses Vergnügen etwas beeinträchtigt, ist der Sound, denn im Gegensatz zu den anderen Bands - AGENT STEEL lassen wir mal außen vor - haben PARAGON damit nicht viel Glück. Die Hamburger machen dieses Manko jedoch mit einem guten Auftritt wett und präsentieren sich in blendender Verfassung. Vor allem Sänger Andreas ist immer in Bewegung und sucht sowohl während als auch zwischen den Songs den Kontakt zum Publikum. Dieses macht es ihm aber auch nicht besonders schwer, denn alle Songs werden begeistert aufgenommen und abgefeiert. PARAGON versuchen dabei einen guten Querschnitt ihres bisherigen Schaffens zu geben, und so gibt es auch noch 'Across The Wastelands', 'Reign Of Fear', 'Armies Of The Tyrant' sowie das schon recht alte, aber immer noch großartige 'Dragon's Flight' zu hören. Da die Hamburger aber auch eine nagelneue Scheibe im Gepäck haben, nämlich "Revenge", lassen sie es sich natürlich nicht nehmen und geben auch hiervon schon zwei Stücke zum Besten: 'Impaler' und 'Traitor'. Diese beiden Kostproben wissen sehr zu gefallen und machen Lust auf das neue Album, und dementsprechend gut ist auch die Stimmung bei diesen Songs. Danach ist die Zeit für PARAGON aber auch schon abgelaufen, und obwohl die Forderungen nach einer Zugabe laut werden, gibt es keinen Nachschlag von Andreas & Co. - Unter dem Strich bleibt ein sehr guter Auftritt von PARAGON, der Oliver und Tarek in ihrer Philosophie bestärken soll, auch weiterhin die eine oder andere Band aus deutschen Landen zu verpflichten. Ganz egal, ob nun WIZARD beim KEEP IT TRUE II, METAL INQUISITOR beim KEEP IT TRUE III oder dieses Mal PARAGON - Metal "made in Germany" ist immer eine willkommene Abwechslung.
[Martin Schaich]

Setlist:
The Legacy
Deathsquad
Abducted
Impaler
Across The Wastelands
Reign Of Fear
Armies Of The Tyrant
Dragon's Flight
Traitor


THUNDER RIDER

Als die vier Kanadier die Bühne in Königshofen betreten, beginnt für mich das erste ganz große Highlight des Festivals. Die stilvoll in schwarz gekleidete Truppe um den sehr ausdrucksstarken Frontmann John Blackwing, der ein schwarzes Sakko mit dem Logo der Band am Revers trägt, macht vom starken Beginn mit 'Satan's Wrath' an klar, dass sie in punkto Epik sicher unübertroffen bleiben werden. Die meist eher langsamen, ausladenden Kompositionen der beiden "Tales Of Darkness And Light"-Alben, Blackwings tiefer, erhabener Gesang und die christliche Message der Band passen hervorragend zusammen und dürften einigen Zuschauern definitiv wohlige Schauer über den Rücken jagen. Dabei haben es die Ahornblätter gar nicht nötig, eine große Bühnenshow zu machen. Sie wirken allein durch ihre Präsenz und ihre musikalische Klasse schon außergewöhnlich und eindrucksvoll. Die Setlist enthält dabei zunächst vier aktuelle Titel, auf die ein Block mit drei Songs vom legendären Debütalbum folgt. Zum Abschluss gibt's dann zwei weitere Stücke von der aktuellen Scheibe, die allerdings den Klassikern in keiner Weise nachstehen. Die Publikumsreaktionen sind zwar bei 'Death To Death' und 'For Christ's Sake' noch besser als bei manchen neuen Titeln, da sie den Leuten einfach schon bekannter sind, doch auch 'Heavy Metal Wizzard' oder 'Thy Kingdom Come' werden aus zahlreichen Kehlen mitgesungen. Die Band hat das Glück mit dem im bisherigen Billing besten Sound gesegnet zu sein, wobei die Keyboards allerdings vom Band eingespielt werden. Das ist zwar schade, wirft aber dennoch keinen Schatten auf einen riesigen Auftritt, der seinen überwältigenden Höhepunkt in 'Blackwing' findet, bei dem John Blackwing in bester Ian Anderson- oder Buddy Lackey-Manier einen sehr schönen Part mit der Querflöte einbringt. Besonderes Lob gebührt auch dem wirklich exzellenten Lead-Gitarristen Bruce Corian. Nach neun epischen Perlen der Extraklasse bereitet 'Evil Slayer' einem der denkwürdigsten KEEP-IT-TRUE-Momente ein angemessenes Finale.
[Rüdiger Stehle]

Setlist:
Satan's Wrath
New Born
Death Angel
Thy Kingdom Come
For Christ's Sake
Death To Death
Blackwing
Heavy Metal Wizzard
Evil Slayer


TORCH

Wow, was ist das denn? Frontzwerg Dan Dark mit kurzem, wasserstoffblondem Lockenschopf, in einen hautengen, knallroten Lackanzug gezwängt, dazu ein schwer tätowierter Basser, die ganze Band eher kurz- denn langhaarig... Sind die Schweden auf den Punk 'n' Roll-Trend aus ihrer Heimat aufgesprungen? Nein, das sind sie nicht, aber dennoch liefern sie optisch wie auch musikalisch das volle Kontrastprogramm zu THUNDER RIDER. Die Herrschaften haben mit anmutigem epischem Metal nämlich gleich mal gar nichts am Hut und schreddern sich durch eine Rock 'n' Roll-Party der dreckigen Art, zu der sie ihre gleichermaßen kaputt gekleideten Anhänger gleich aus Skandinavien mitgebracht haben. Die Fans aus Schweden stürmen samt ihrer Nationalflagge die erste Reihe und gehen dort ordentlich ab, was sich irgendwie auch auf den Rest des Publikums überträgt. Enthusiasmus, der ansteckend ist. Doch daran sind nicht nur die schwedischen Fans, sondern vor allem die vier Herren auf der Bühne schuld. Mann, was für ein Trip! Dan Dark macht gleich zu Beginn klar, dass neben einer gehörig rotzigen Schlagseite gen AC/DC und vor allem ROSE TATTOO, der musikalische Haupteinfluss der Band aus Deutschland kommt: "My favourite band is ACCEPT... They rock!" Und genau das tun die Schweden auch. Wer diese Band gesehen hat, der weiß, was es heißt, richtig Stimmung zu machen und dabei auch körperlich alles zu geben. Dan Dark & Co. rocken sich den Allerwertesten ab und zocken dabei Songs von allen ihren Releases, derer es bisher leider nur drei gibt. Das ist ein phänomenales Best-of-Programm, bei dem mich alle Stücke bedingungslos überzeugen, allerdings die Frage aufwerfen, wie taub die Metalszene der Mitt-Achtziger eigentlich gewesen sein muss, um diese Band niemals wirklich ernst zu nehmen. Doch zurück zur Show: Songs wie 'Warlock', 'Sweet Desire' oder 'Electrikiss' gehen ohne Umwege direkt in Ohr und Beine. Da kann man mitgehen, ohne die Songs vorher auswendig zu kennen, und wenn man sieht, wie Dan Dark dazu rumtobt, sich auf die Bühne wirft, Bier spuckt, post wie ein junger Gott und sich letztlich auch noch als Oberkörper-Stripper betätigt, dann kann man eigentlich nicht anders, als entweder mit einem breiten Grinsen zuzuschauen, oder gleichermaßen abzurocken wie die Band selbst. Wer einen Song wie 'Thunderstruck' als Stück vom neuesten Album ankündigt (das immerhin schlappe 20 Jahre auf dem Buckel hat), oder mit 'Fire Raiser' "zum Schluss was ganz vom Anfang" bringt, der hat die Sympathiepunkte auf seiner Seite und beweist, dass beinharter Rock 'n' Roll mit Augenzwinkern auch auf dem KEEP IT TRUE seine Daseinsberechtigung hat. Gerade das abschließende Doppel mit 'Bad Girls' und eben 'Fire Raiser' reißt mich noch mal richtig vom Hocker und lässt mir nur die Feststellung, dass auch TORCH ein ganz großes Highlight des KEEP IT TRUE IV sind, der in punkto Energie von keiner der folgenden Bands mehr übertroffen werden. Der kleine, dreckige, rote Farbtupfer hat das Billing des vierten KEEP-IT-TRUE-Festivals jedenfalls für mich unheimlich aufgelockert und somit auch stark aufgewertet.
[Rüdiger Stehle]


OVERLORDE

Die Heimkehr eines Würzburgers nach Franken? Nun, Bobby Lucas mag zwar hier geboren sein, aber mit OVERLORDE hatte er vorher jedenfalls noch nie das Vergnügen auf deutschen Bühnen zu stehen, und die Band lässt heute abend keinen Zweifel daran, dass sie es genießt für ihre europäischen Fans spielen zu dürfen. Allen voran der schwergewichtige Basser John 'Kong' Bunucci ließ es sich schon im Vorfeld nicht nehmen, mit der fetten Zigarre im Mund den Kontakt zum Publikum zu suchen. Während des Gigs verzichtet er zwar auf die Zigarre, kommt aber mit Tarnanzug und der coolen Sonnenbrille verdammt lässig rüber. Er erweist sich dann auch zusammen mit Gitarrist Mark Edwards und natürlich Bobby Lucas als wahrer Aktivposten der Truppe, die fast das komplette Album "Return Of The Snow Giant" mit Bravour zum Besten gibt. Nach dem Intro und dem genialen Einstieg mit dem Klassiker schlechthin, namentlich 'Snow Giant' nimmt sich Bobby erst mal die Zeit, die komplette Band vorzustellen, bevor es mit dem etwas MAIDEN-lastigen 'Hell Hath No Fury' ebenso genial weitergeht. Ein langsames, stimmungsvolles Intro mit epischem Gesang kündigt 'When He Comes' an. Alsbald folgen mit 'Mark Of The Wolf' und vor allem 'Metallic Madness' weitere Publikumsfavoriten und auch "aktuelle" Songs wie etwa 'Blackness' vom 2000er Demo der Band, das auch auf dem neuen Release vertreten ist. Die Band scheint vom Publikumszuspruch derart begeistert, dass sie sich wiederholt bei allen bedankt, vor allem jedoch bei ihrem Label Sonic Age Records, das ihren Auftritt erst ermöglicht habe. Zum Abschluss einer großartigen Show kommen die drei Songs zum Zuge, die auch auf dem Album am Ende stehen, wobei den absoluten Höhepunkt natürlich die finale Bandhymne 'Overlorde' darstellt, zu der Bobby Lucas mit der Bandflagge einem Infanteristen gleich die Bühne stürmt. Abschließend bleibt zu sagen, dass OVERLORDE in dieser Form, und mit diesem hervorragenden Sänger und Frontmann sicher zur Speerspitze des US-Metal-Undergrounds zu zählen sind und sich hoffentlich von nichts und niemandem davon abbringen lassen werden, auf die aktuellen Erfolge aufzubauen. Um zu meinen absoluten KEEP-IT-TRUE-Highlights zu zählen, ist die Band vielleicht nicht ausgefallen genug, aber trotzdem wüsste ich nichts, was man an diesem Auftritt aussetzen könnte.
[Rüdiger Stehle]

Setlist:
And The Battle Begins
Snow Giant
Hell Hath No Fury
When He Comes
Starcastle
Mark Of The Wolf

Metallic Madness
Blackness
Ogre Wizard
Trapped By Magic
Colossus
Overlorde

Redakteur:
Martin Schaich

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