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KREATOR/GRAVE DIGGER - Köln

15.12.2004 | 08:51

09.12.2004, Underground

KREATOR vor 150 Leuten, und dann auch noch mit GRAVE DIGGER als Vorband – nanu, was ist das denn? Schreiben wir bereits das Jahr 2017 und der Metal ist tot? Mitnichten, denn die beiden Urgesteine des deutschen Heavy Metals haben im Kölner Underground ein ganz besonderes Konzert auf die Beine gestellt, welches darüber hinaus vom Westdeutschen Rundfunk für eine Sendung des WDR Rockpalastes mitgeschnitten wurde.
Kein Wunder also, dass das Underground schon Wochen im Voraus restlos ausverkauft war und manche enttäuschte Fans vor Ort direkt wieder die Heimreise antreten mussten. Und genau diese Fans dürfen sich gleich doppelt in den Arsch beißen, weil die beiden Gigs an diesem Abend wirklich vom Allerfeinsten waren...

GRAVE DIGGER
Es dauerte eine kurze Zeit, bis man sich an das komische Bild, GRAVE DIGGER auf einer Bühne zu sehen, die gerade mal Raum genug für alle Mitglieder und Instrumente bot, gewöhnt hatte. Zumal die Band vor gerade mal vier Monaten auf dem Wacken Open Air vor Zehntausenden begeisterter Fans spielte, aber geil war es dann doch. Chris Boltendahl ließ sich jedenfalls kein bisschen davon abhalten, trotzdem hin und her zu wandern und die Fans immer wieder mit gereckter Faust und breitem Grinsen zum Mitsingen zu bewegen, und die schätzungsweise 150 Anwesenden ließen sich auch nicht lange bitten und grölten vom Opener 'Rheingold' bis zum traditionellen Rausschmeißer 'Heavy Metal Breakdown' alles mit. Wie gehabt boten GRAVE DIGGER einen Querschnitt aus den letzten Alben, wobei jede Scheibe ab "Tunes Of War" mit jeweils zwei Stücken bedacht wurde.
Höhepunkt einer jeden GRAVE DIGGER-Show ist natürlich 'Rebellion', bei dem Boltendahl nur die Strophen übernehmen musste; der Rest wurde vom Publikum souverän geleistet. Spätestens hier ließ sich auch Manni Schmidt, der sich zunächst im Hintergrund aufgehalten hatte, zu ersten Grinseattacken hinreißen. Leider war nach genau einer Stunde auch wieder Schicht und nachdem der eben schon erwähnte Abschluss-Track 'Heavy Metal Breakdown' die Show langsam aber sicher beendete, schallten laute GRAVE DIGGER-Rufe durch den kleinen Club, jedoch wurde die geforderte Zugabe aus Zeitgründen verwehrt. Wahnsinn, wie geil die Fans an diesem Abend mitgingen, da konnte man sich kaum vorstellen, dass KREATOR da überhaupt noch etwas würden erwidern können ...

Setlist GRAVE DIGGER:
Rheingold
The Dark Of The Sun
Knights Of The Cross
Excalibur
Headbanging Man
Morgane LeFay
Valhalla
Rebellion
Heavy Metal Breakdown
(ohne Gewähr)

KREATOR
Eine halbe Stunde später war es dann für KREATOR an der Zeit, die wartende Meute mit einer satten germanischen Thrash-Keule wegzuknüppeln. Schon nach den ersten Noten von 'Violent Revolution' ging in den ersten Reihen (sofern es solche in diesem kleinen Schuppen überhaupt gegeben hat) ordentlich die Post ab. Es wurde gemosht, gebangt, gehüpft und mitgesungen. Mille Petrozza, dessen Gesicht langsam aber sicher die ersten Spuren des fortschreitenden Alters verraten, war sichtlich überrascht von den frenetischen Reaktionen und ließ sich schon relativ früh ein erstes Lächeln entlocken. Doch trotz der guten Stimmung merkte man, dass die Anspannung beim KREATOR-Bandchef recht groß war, denn irgendwie fehlte der gesamten Mannschaft die Lockerheit, mit der sie auf der letzten Tour noch geglänzt hatte. Lediglich Gitarrist Sami, der endlich auch mal die Matte kreisen ließ, fiel als Aktivposten auf; die übrigen Leute waren bemüht, eine möglichst professionelle Darbietung abzuliefern.
Natürlich war die musikalische Seite des Gigs in aller bester Ordnung, die Fans hatten also Gründe genug, den Club zum Kochen zu bringen. Bei Songs wie 'All Of The Same Blood', 'Extreme Aggressions', 'Renewal' oder 'Terrible Certainity' bebte das Underground auch dementsprechend, aber trotzdem schlich sich der Eindruck ein, die Band würde ihr Ding zwar gut aber doch eine Spur zu routiniert durchziehen. Dafür sprach zusätzlich noch, dass die Setlist bis auf 'Betrayer' die üblichen Standards der vergangenen Tour beinhaltete und lediglich mit dem neuen Video-Track 'Impossible Brutality' Abwechslung einkehrte.
Bevor wir uns hier falsch verstehen, KREATOR hatten die Menge jederzeit im Griff, das Konzert war wirklich verdammt stark und auch ich habe mich permanent beim Bangen ertappt, aber ich bin mir sicher, dass die Brigade aus Altenessen das noch ein Stückchen besser kann. Es ist möglich, dass dies daran liegt, dass ich KREATOR auf der letzten Tour ganze sieben Male gesehen habe, aber da die Show für das WDR aufgezeichnet wurde, hätte man schon etwas mehr erwarten können.
Sei's drum, ich nehme die positiven Eindrücke dieses Abends mit nach Hause, und davon gab es trotz routinierter Show eine ganze Menge (allen voran der Moment, in dem sich alle Anwesenden beim abschließenden 'Tormentor' in Bewegung setzten) und freue mich auf die anstehende Tour mit DARK TRANQUILLITY bzw. die Fernsehausstrahlung der heutigen Show am 14. Februar.

Kurze Anmerkung: Zu gerne hätte ich an diesem Abend auch Fotos gemacht, aber da es keinen Fotograben gab und es wegen des wilden Treibens in den vordersten Reihen gar nicht möglich war, in Ruhe zu fotografieren, ohne dass die Kamera in Mitleidenschaft gezogen worden wäre, ist die visuelle Dokumentation leider auf der Strecke geblieben.

Redakteur:
Björn Backes

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