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KREATOR - Langen

04.03.2005 | 03:51

21.02.2005, Stadthalle

KREATOR live gleich um die Ecke und fast die komplette Frankfurter POWERMETAL.de-Mannschaft im Schlepptau, kann das was werden? Naja, es war bereits vorher klar, dass ich wahrscheinlich nicht mehr geradeaus denkend aus der Halle kommen würde. Von da aus war und bin ich richtig froh, dass ich am nächsten Tag meinen Nachtwachenzyklus von sieben Nächten beginnen durfte. Unter diesen Bedingungen geht es um 19.00 Uhr in die Langener Stadthalle, und einen Kapu-Kauf und drei Bier später lärmt es mir zum ersten Mal Ohren betäubend entgegen...(Alex)


HATESPHERE

Pünktlich wie die (Metal-)Maurer legen HATESPHERE um Punkt 19.30 los. Leider verpasse ich die ersten fünf Minuten, da ich meinen Schreibblock im Auto vergessen habe. Zaghaft trauen sich die ersten Besucher dieses Spektakels in die Nähe der Bühne. Die meisten der anwesenden Metaljünger verweilen lieber noch etwas länger an den drei Theken in der Langener Stadthalle. Das Quintett aus Dänemark legt eine gute Show hin, vor allem der Sänger, der mit seiner an der Seite seiner Baseballcap herausquillenden Lockenpracht lustig aussieht, hat das Publikum auf seiner Seite. Das liegt vor allem an seinen Deutschkenntnissen ("Geile Titten!"), die nicht nur bei mir für Erheiterung sorgen. Die Death/Thrash-Melange kann zumindest die vorderen Reihen zum Bangen animieren. Das Propellerbangen eines langhaarigen Bombenlegers unterstützt die ohnehin schon gut funktionierende Klimaanlage. Mit Titeln wie 'Only The Strong', das der Sänger seinem Soundmischer gewidmet hat und 'You´re The Enemy' kann nicht viel schief gehen. Pünktlich zur Tagesschau, um 20 Uhr, verlässt die Band die Bühne - die Nackenmuskeln sind schon gut warm, doch wie schauts z.B. mit den Waden aus? (Tolga)

Die waren nicht annähernd so warm wie die platt gefönte Fleischmütze, die mein Schädeldach ziert. HATESPHERE kamen, sahen und siegten. Ein Thrashinferno, das von Hyperblast bis in moshpitvernichtendste Midtempo-Detonationen alles in sich vereinte. Wenn die sympathischen Dänen so weiter machen, dürften sie auf der nächsten Tour etwas weiter nach vorne im Billing rutschen. Flankiert durch die sehr coolen Ansagen ("...ein Lied über 'Insanity'...es heißt 'Insanity Rise'..."), pflügten HATESPHERE die Langer Stadthalle ordentlich um, was das schon ziemlich zahlreich anwesende Publikum dankbar honorierte. Gerade mal dreißig Minuten später hatten die Dänen einen mehr als ordentlichen Eindruck hinterlassen und machten Platz für EKTOMORF, die sich wirklich verdammt anstrengen mussten, um diese beachtliche Leistung zu toppen. (Alex)


EKTOMORF

Dafür kommt aber sowieso keine andere Band als EKTOMORF in Frage, die auf unserer NIGHT OF POWER die Halle zum kochen gebracht haben! Und wie ist der Zwischenstand in Langen, würde man in einer Konferenzschaltung á la Premiere fragen: Nun, nicht so euphorisch wie auf der NOP, aber trotzdem wurden ein paar Kohlen nachgelegt, zumindest was HATESPHERE angeht. Nach einer unglaublich kurzen Umbaupause von sage und schreibe zehn Minuten legt das ungarische Quartett mit 'I Know Them' los. Einen besseren Opener kann man sich als Band nicht wünschen. Vor allem dann nicht, wenn die halbe Stadthalle "They cannot take my life, they cannot stop me! They cannot take my right!" mitgrölt. Mit dem Titeltrack des gleichnamigen letzen Albums 'Destroy' und 'Gypsy' geht’s Schlag auf Schlag weiter. Dabei gönnt sich die Band kaum eine Pause. Die einzige Ausnahme sind indisch angehauchte Soundcollagen, welche die "Lücken" zwischen den Songpausen ausfüllen. Des Weiteren sollte noch angemerkt werden, dass die Stücke meiner Meinung nach live besser rüberkommen als auf CD. Vom neuen Album werden 'Show Your Fist', was auch auf dem aktuellen RockHard-Sampler vertreten ist, und 'Fuck You All' zum Besten gegeben. Das vordere Drittel geht richtig gut ab, wohingegen in den hinteren Reihen anerkennendes Kopfnicken und Fußschütteln zu vernehmen ist. Auch hier ist (leider) nach dreißig Minuten Sense, doch zumindest brennen die Waden ein bisschen, was bei den "Jump! Jump!"-Animationen des Sängers auch kein Wunder ist. Trotzdem wirkt die Band zu keiner Sekunde abgehoben und bedankt sich während dem Set tausend Mal beim Publikum - sehr sympathisch!
So, Nacken ist warm, die Waden glühen! Jetzt ist es Zeit für "anspruchsvollere" Mucke! Da kommen DARK TRANQUILLITY gerade recht! (Tolga)

EKTOMORF haben sowieso den Ruf einer alles plättenden Walze. Ich war trotzdem sehr gespannt und heiß auf die Jungens, da ich bislang nicht in den Genuss einer ihrer Gigs kam. Doch schon nach 'I Know Them' wusste ich, dass das ein Fehler war. Spielfreude pur und Charisma ohne Ende zeichnen die Band aus. Doch am wertvollsten sind die megatighten Groovemonster, welche die Kerlchen scheinbar locker aus ihren Ärmeln schütteln. Apropos Ärmelschütteln: der EKTOMORF-Schlagwerker haut dermaßen heftig die Snare zu Matsch, dass es mir als Drummer vor Mitleid den Magen umdreht. Der Kerl ist ein Killer, ein Snarial Killer! Die Band hat das Publikum sehr gut im Griff und die Hütte tickt im vorderen Bereich ordentlich aus. Das scheint die große Stärke von EKTOMORF zu sein. Denn auch mir geht es wie Tolga, auch ich muss sagen, dass die Mucke live um einiges knackiger rüberkommt als auf Halde. Also beginnt mein Nacken langsam zu schmerzen und sich vor dem zu ängstigen, was da noch kommen soll...(Alex)


DARK TRANQUILLITY

Die fünf Schweden haben zu Beginn alle Sympathien auf ihrer Seite, woran Sänger Mikael Stanne nicht unschuldig ist, zählt er doch zu den charismatischsten Sängern seines Metiers. Er ist nicht auf Showeffekte und Hampeleien angewiesen. Seine Präsenz allein reicht um die Die-Hard-Fans der Truppe auf seine Seite zu ziehen. Das ist aber auch nötig, da für die meisten Besucher der Sound des Quintetts zu "anspruchsvoll" ist. Kann aber auch daran liegen, dass sich die Die-Hard-Thrasher bei den Orgien von HATESPHERE und KREATOR zu sehr ausgepowert haben. Da ich jedoch nicht so viele Songs der Truppe kenne, überlasse ich die nähere Analyse meinen beiden Kollegen. (Tolga)

Man muss schon sagen, dass DARK TRANQUILLITY eine sehr geile Liveband sind, die timingsicher bis ins i-Tüpfelchen agiert, was bei ihr gar nicht so unprogressiven Rhythmusarbeit nicht eben mal locker aus der Hüfte gehen dürfte. Allerdings fand auch ich die Schweden in diesem Billing eher deplaziert, weil sie einen musikalischen Bruch in der straight nach vorne schreddernden Ausrichtung der Bands darstellten. Nichtsdestotrotz legten sie einen musikalisch einwandfreien und hochemotionalen Gig aufs Parkett, der zumindest in den ersten Reihen für Begeisterungsstürme sorgte. Stanne hechtete von Ecke zu Ecke, gestikulierte, dramatisierte und führte sein Gefolge durch sämtliche Phasen der Bandhistorie. Besondernd begeisternd fielen dabei 'The Wonders At Your Feet', 'Monochromatic Stains' und 'Lost To Apathy' von der neuen Scheiblette aus, die im kompletten Rund dankbar abgefeiert wurden. Was mir allerdings fehlte, war die "Projector"-Hymne 'ThereIn'. Oder war ich zu der Zeit auf Toi, oder schon so besoffen, dass ich es heute schon nicht mehr weiß? Aber diese Nummer muss doch eigentlich kommen? Ansonsten überzeugte mich vor allem das sehr tighte Spiel der kompletten Band, allen voran Drummer Anders, bei dem man eigentlich gar nicht sehen konnte, dass er sich überhaupt bewegt. Effizientes Spiel nenn ich so was!
Summa summarum ein geiler Gig zur falschen Zeit. Schade, dass man so was schreiben muss, aber überall anders wäre es headlinerwürdig gewesen. An diesem Abend war es leider der Hänger! (Alex)

Frechheit, hier solche Sachen über DARK TRANQUILLITY lesen zu müssen, insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Truppe mit dem neuen Werk "Character" auf dem absoluten Zenit ihres wunderbaren Schaffens angelangt ist. Aber leider, leider muss ich Kollege Alex Recht geben - die Ikealänder waren tatsächlich in dem eher brachial denn filigran ausgerichteten Billing an der falschen Stelle. Blöd nur, dass man bei der letzten Tour ein ähnliches Problem hatte. In Zukunft dann bitte wieder kleinere Touren als Headliner, ja? Danke.
Dank der Tatsache, dass ich noch bis kurz nach Neun Uhr arbeiten musste, erwischte ich nur die letzten zweieinhalb Songs von Stanne und Co., aber selbst die reichten schon aus, um mich persönlich in Glückseligkeit zu baden. Insbesondere das abschließende 'Final Resistance' war der Oberhammer! Naja, das nächste Mal. Kollegen suchen und Bier bestellen war jetzt an der Reihe. Und schau mal da, wer hinter mir in der Reihe am Tresen steht ... (Rouven)


KREATOR

Das Intro vom Band ('Choir Of The Damned' vom "Pleasure To Kill"-Album) hätte nicht passender sein können und machte gleich zu Beginn klar, dass alle Schaffensperioden des Quartetts Berücksichtigung finden würden. Mit dem Doppelhammer 'Enemy Of God/Impossible Brutality' wurde die Stadthalle in Schutt und Asche gelegt, die Publikumsreaktionen zeigten sofort, dass die neue CD den Klassikern in nichts nachsteht. Der Faden vom Intro wird dem Oberkultigen 'Pleasure To Kill' wieder aufgenommen, geil! Die Band spielt so tight wie eh und je, sei es Ventor, bei dem man befürchten muss, dass er im nächsten Moment sein Drumkit zerlegt, oder Mille, bei dem ich mich frage, warum der Kerl noch keinen Bandscheibenvorfall hatte, so gebückt wie er immer vor dem Mikro steht. Sowohl Leadgitarrist Sami, der das brutale Thrash-Gewitter mit seinen erfrischend melodischen Soli garniert, als auch Speesy, der fast schon in stoischer Ruhe seine Bassparts spielt, agieren im Hintergrund und bilden einen ausgewogenen Kontrast zu Mille, der den aktivsten Part, trotz Doppelbelastung, darstellt. Ich hatte das Vergnügen die Band bisher nur einmal zu sehen, was auch schon zwei Jahre her ist, und auf dem WFF nicht unbedingt den richtigen Rahmen dargestellt hat, um in den vollen Genuss einer KREATOR-Show zu kommen. Aber bei so einem Backkatalog hätte die Band heute Abend auch vier Stunden spielen können, ohne dass es langweilig geworden wäre. Sei es 'Violent Revolution' (geil), 'Extreme Aggressions' (obergeil) (Mille: "Ich will jetzt den größten Moshpit in Langen sehen!"), 'People Of The Lie' (was für ´ne Drumeinlage, was für ein Solo! Ich wird nimmer!) und dann auch noch 'Riot Of Violence' (Ventor übernimmt den Vocalpart. Kann mich einer mal kurz wiederbeleben? Danke!), die Band ist so gut eingespielt, dass sich selbst SLAYER warm anziehen müssen! Das Publikum tut das Seinige um aus den Musikern den letzten Rest zu kitzeln: Seien es die "KREATOR"-Chöre in den Songpausen, das pausenlose Gebange während der Songs oder das Schmettern der Chöre, jede/r hat seinen Teil für diesen unvergesslichen Abend beigetragen.
Gegen Ende des regulären Sets mobilisiert Mille noch mal alle Reserven indem er das Publikum lobt ("Normalerweise ist es Montag langweilig zu spielen, da die Meisten morgen früh raus müssen. Aber heute ist es echt gut. Mal sehen was noch geht!"), um dann 'Betrayer' anzustimmen. Das ist es aber noch nicht gewesen, denn, wie hats Rouven formuliert: "Die haben noch nicht 'Flag Of Hate' gespielt. Das spielen die immer!"
Und dein Wille geschehe! Neben besagtem 'Flag Of Hate' kommen noch 'Love Us Or Hate Us', 'Terror Zone' und 'Tooooorrrrrrrrmentor' zu Ehren. Danach ist Schicht im Schacht! Ohne Mullen und Knullen schleicht sich die Menge mit einem fetten Grinsen auf den Lippen in die kühle, eisige Nacht. Und wer weiß, manch einer "verarbeitet" bestimmt noch das hier gesehene in seinem Traum. Was auch das Resümee des heutigen Abends darstellt: Eine Ganzkörpergänsehaut war nicht die Ausnahme, sondern die Regel! Eines der Konzerthighlights des noch jungen Jahres! (Tolga)

Was kann ich dem noch beisteuern? Recht hat er, der Tolga! Diesen Abend werde ich nicht so schnell vergessen. Mille hatte bereits im Interview mit mir angekündigt, dass die Band annähernd hundert Minuten auf die Bretter will, was ja bei einer technisch und rhythmisch anspruchsvollen Band wie KREATOR zu richtiger Arbeit ausarten würde. Und diese Arbeit ging direkt auf das Publikum über, das von Ton Nummer Eins an kein Halten mehr kannte. 'Enemy Of God' und 'Impossible Brutallity' schlugen ein wie eine Bombe und können bereits jetzt in einem Atemzug mit den Bandklassikern genannt werden. Dann bereits die erste Überraschung: 'Pleasure To Kill' soweit vorne in der Setlist! Mir hat es fast den Kopf abmontiert, vor allem weil Rouvens Propellerbirne immer näher kam. Haare, Haare, Haare!
Diese Einstellung sollte sich bis Gigende nicht mehr ändern. Denn auch wenn KREATOR zwischendurch mal den Fuß von Gas nahmen (das emotionale 'Renewal' zum Beispiel), spalten sie innerhalb dieser Momente immer noch locker jedes Atom.
Sidekick Sami wurde meiner Meinung einmal mehr zum wichtigsten Mann des Abends, da er die mitreißende Performance der Ruhrthrasher auf Weltniveau hebt. Seit er dabei ist, ist die sowieso schon disziplinierte Professionalität der Altenessener noch einmal immens gesteigert worden. Und so schaukelt sich die Band selber hoch. Soliert, ja duelliert sogar und treibt sich durch die halsbrecherischen Breaks, als wäre es ein Tanz auf dem Wiener Opernball.
Gefehlt hat mir eigentlich nichts so richtig. 'Phobia' hat gekillt, weil das Publikum aus einer Kehle gesungen hat, was wirklich fast die Mauern zum Einsturz brachte. Vielleicht 'Golden Age', was ich immer noch für eine der geilsten KREATOR-Nummern halte. Ich will aber nicht maulen, da es die Setlist wirklich in sich hatte und absolut value for money bot. Nach 'Reconquering The Throne' und 'Betrayer' war ich bereits so angeschlagen, dass ich mich nur noch widerwillig auf den Beinen halten konnte. Die schossen mir Mille und Co. dann völlig erbarmungslos ins Nirwana, als sie den megabrutalen Zugabenblock in die Menge feuerten.
KREATOR untermauerten an diesem Abend wieder einmal eines: Wer von deutschem Thrash von Weltformat spricht, spricht über KREATOR. In dieser Form dominieren die Jungs einfach alles. Ein wirklich unvergesslicher Abend. (Alex)

Ähm ja, dem brauche auch ich nicht mehr viel hinzuzufügen. Wie einig sich die drei Kollegen waren, alleine dies spricht schon mehr als deutlich für die Jungs von KREATOR - fast ganze zwei Stunden Dresch auf allerhöchstem Niveau, das sollten sich echt mal die leise tönenden Lahmärsche von SLAYER anschauen. Meine absoluten Faves waren neben den alten, enorm mächtig tötenden Schinken ganz besonders 'Phobia' und der Oberknaller 'Suicide Terrorist' - da jammerten die Nackenwirbel gar ganz schnell.
Alleine schon die Begeisterung der Kollegen Alex und Tolga (beide mit kurzen oder gar keinen Haaren gesegnete Zeitgenossen ;-)) war den nicht vorhandenen Eintritt wert, hähä!
Ganz große Klasse, was KREATOR da als unglaubliche Einheit zeigten! (Rouven)

Setlist:
Enemy Of God
Impossible Brutality
Pleasure To Kill
Phobia
Violent Revolution
World Anarchy
Renewal
Suicide Terrorist
Extreme Aggresssions
People Of The Lie
Voices Of The Dead
All Of The Same Blood
Gitarrensolo (Mille)
Riot Of Violence
Terror Zone
Reconquering The Throne
Betrayer
Zugaben
Terror Zone
Love Us Or Hate Us
Flag Of Hate
Tormentor

Übrigens verlief meine Heimfahrt etwas anders als geplant. Als mich mein Kumpel vor meiner Haustür ablieferte, wollte ich tatsächlich ins Nachbarhaus einsteigen. Erst als er mich freundlich darauf hinwies, dass ich volle Sau doch gefälligst ein Haus weiter links unter Straka aufschließen soll, konnte ich mich der Bannkraft KREATORs lösen. Ob die mein Bier verzaubert haben? (Alex)

Ich hatte auch ein Erlebnis der dritten Art, in meinem Fall lags nicht am Bier, sondern am Schlamm: Rouvens Auto steckte fest, und als Dank dafür, dass ich es befreit hatte, gabs ne kostenlose Schlammdusche! Na ja, außer dass mein Pulli nun die "Masern" hat, ist nix passiert! (Tolga)

Was lernen wir daraus? Nicht in Matschpfützen parken, wenn es im Laufe der Nacht noch friert! (Rouven)

Redakteur:
Tolga Karabagli

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