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KISSIN' DYNAMITE - Siegburg

24.10.2015 | 15:26

16.10.2015, Kubana

Der "Steel Of Swabia" erobert Siegburg.

KISSIN' DYNAMITE hat in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg innerhalb der deutschen Metal-Szene hingelegt. Mit ihrem Haarspray-Look und den offensichtlichen Referenzen an den Hard Rock der Achtziger trafen die Schwaben 2007 den Nerv der Zeit. Was folgte war ein gigantischer Hype um das junge Quintett, vier Studioalben und Auftritte auf den größten deutschen Metal-Festivals. Dabei haben die Jungs inzwischen das fast comichafte Achtziger-Image abgelegt und sich zu einer ernstzunehmenden Größe in der deutschen Hardrock-Szene entwickelt, die auf eine treue Fangemeinde zählen kann. Zum Auftakt der Club-Saison haben die Schwaben dabei an diesem Freitagabend im Siegburger Liveclub Kubana zum Tanz auf dem "Maniac Ball" geladen.

Eröffnet wird der Abend aber um Punkt 21:00 Uhr vom heutigen Anheizer THE BULLETMONKS. Der Beginn wirkt dabei etwas unbeholfen, denn das Quintett aus Nürnberg betritt erstmal die Bühne und checkt in Seelenruhe seine Instrumente. Dieser etwas unsichere Eindruck wird aber schon mit den ersten Tönen des Openers 'No More Warnings' korrigiert, denn hier steht eine absolut sichere und perfekt eingespielte Band auf der Bühne. Die Franken servieren dabei eine mitreißende Mischung aus Punk, Southern Rock und Metal, welche es bereits in den ersten Minuten der Show schafft, die ersten Reihen zum Mitmachen zu animieren. Starke Songs wie 'No Pain Just Gain', 'Frontline Sunshine' oder 'Gotta Feel It' tun dann ihr übriges dazu, um die Stimmung im bisher nur halb gefüllten Kubana anzuheizen. Ganz besonders sticht dabei die Leistung von Gitarrist Shark Shooster heraus, der mit seinen bluesigen Lead- und Slide-Gitarren die tolle Leistung der gesamten Band veredelt. Sympathieträger auf der Bühne ist allerdings ganz klar Frontmann Tyler Voxx, der mit seinen lockeren Ansagen das Publikum bei Laune hält. Ein ganz besonderes Schmankerl ist sein Monolog zur Glaubensausrichtung der Band, der mich kurz daran glauben lässt, dass wir hier einer bayerischen Bekehrungsmission gegenüber stehen. Glücklicherweise ruft Tyler aber den Barkeeper zum Gott des heutigen Abends aus und leitet damit den mitsingtauglichen Blues 'Don't Mess With The Barkeeper' ein, der insbesondere in den ersten Reihen großen Applaus erntet. Das groovende 'Hell's Loose' beendet dann nach gut 45 Minuten eine rundum gelungene Show der Nürnberger, wobei in den ersten Reihen sogar ein kleiner Moshpit ensteht. Das Quintett braucht aus meiner Sicht dringend ein größeres Label, denn mit ihrer Musik können die Franken definitiv in der ersten Liga innerhalb der deutschen Rock-Szene mitspielen. Mich haben sie auf jeden Fall auf ganzer Linie überzeugt, und so ist es auch kein Wunder, dass ich mich kurz nach der Show am Merchandise wiederfinde, um mir die ersten beiden Alben der Jungs für die heimische CD-Sammlung zu sichern.

Mit dem gut angeheizten Publikum hat KISSIN' DYNAMITE anschließend leichtes Spiel. Die Schwaben entern nach kurzem Umbau mit 'DNA' die Bühnenbretter und haben sofort das Publikum auf ihrer Seite. Zwar ist das Kubana noch immer nur gut zur Hälfe gefüllt, die Anwesenden machen diese Tatsache mit ihrer blendenden Stimmung aber schnell vergessen. Auch der Band merkt man an, dass sie sich nach dem Festival-Sommer auf den Auftakt der Club-Saison gefreut hat. Hannes Braun animiert das Publikum wie gewohnt mit großer Gestik, während die beiden Gitarristen Ande Braun und Jim Müller nicht nur mit tollen Soli überzeugen, sondern zwischendrin auch immer wieder Zeit finden, um Schabernack auf der Bühne zu treiben. So ist es dann auch kein Wunder, dass bereits nach dem dritten Song 'VIP In Hell' die ersten "Kissin' Dynamite"-Sprechchöre durch den Saal tönen.

Die Songauswahl bestreiten die fünf Schwaben dabei heute großteils mit Material aus dem aktuellen Album "Megalomania" und dem Vorgänger "Money, Sex And Power", wobei hier vor allem Hits der Marke 'God In You', 'She's A Killer' oder 'Maniac Ball' zum Zuge kommen. Erst mit 'Addicted To Metal' und 'Love Me, Hate Me' kommt dann auch älteres Material zum Zuge, was gerade in den ersten Reihen nochmal frenetischen Jubel auslöst. Zur Mitte des Auftritts hin wird es dann fast beschaulich, als Jim und Ande mit akustischen Gitarren vor dem Schlagzeug Platz nehmen, um mit Hannes zusammen das getragene 'Fireflies' vorzutragen. In den hinteren Reihen zücken hier einige Leute sogar Feuerzeuge oder Smartphones, während die übrigen Anwesenden lautstark den Refrain mitsingen. So ganz wohl fühlt sich das Quintett in den ruhigen Gefilden aber nicht, die Mannen aus Rottenburg sind einfach mehr auf Vollgas-Hardrock gepolt. Daher steigern sie anschließend das Tempo wieder und beschließen mit einem Dreierpack aus 'Hysteria', 'Steel Of Swabia' und 'Ticket To Paradise' nach 80 Minuten das reguläre Set. Das Publikum ist damit natürlich noch nicht zufrieden und so liefern die Schwaben mit 'I Will Be King', das Hannes mit Zepter und in einen königlichen Mantel gehüllt bestreitet, und 'Operation Supernova' nochmal zwei absolute Highlights zum Abschluss. Zu letztgenanntem Song schnappt sich Hannes dann auch noch einen Fan aus den ersten Reihen und zerrt ihn kurzerhand auf die Bühne, der etwas verdutzte junge Mann darf anschließend mit dem Frontmann zusammen den Refrain schmettern. Nach insgesamt 90 Minuten ist dann endgültig Schluss und das Quintett entlässt ein glückliches Publikum in den kalten Abend.

Setlist KISSIN' DYNAMITE: DNA; Running Free; VIP In Hell; She's A Killer; Money, Sex And Power; Maniac Ball; God In You; Addicted To Metal; Love Me, Hate Me; Six Feet Under; Fireflies; Sex Is War; Hysteria; Steel Of Swabia; Ticket To Paradise; I Will Be King; Operation Supernova

Abschließend muss ich gestehen, dass ich KISSIN' DYNAMITE bisher immer etwas skeptisch gegenüber stand. Zu Beginn hat mich vor allem das übertriebene Auftreten der Schwaben gestört, aber seit die Band weniger auf Haarspray-Optik setzt, wird immer offensichtlicher, dass die Jungs einfach grandiose Songwriter sind und einen Hit nach dem Anderen aus dem Ärmel schütteln. Auch auf der Bühne ist das Quintett inzwischen nicht nur eine astreine Liveband, die Jungs punkten auch  einfach mit ihrer sympathischen Art. So haben es die Fünf heute Abend dann auch geschafft, mir die letzten verbliebenen Zweifel auszutreiben. Nimmt man die hervorragenden THE BULLETMONKS hinzu, dann bleibt am Ende ein toller Konzertabend, der deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

Redakteur:
Tobias Dahs

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