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KAMELOT / AT VANCE - Aschaffenburg

18.06.2003 | 08:01

03.06.2003, Colossaal

Wann hat man schon mal das Glück an einem Abend drei der besten Metalsänger mit ihren Bands auf einer Bühne zu erleben. Der gut gefüllte und gemütliche Konzert-Schuppen Colossaal gab dafür an dem Dienstag auch die besten Voraussetzungen.
Den Anfang, so um 20.15 Uhr, durfte der schwäbische Kandidat Andy B. Franck mit seinen Freunden von SYMPHORCE machen. Er ist ja kein Unbekannter in der Szene, nachdem er schon für IVANHOE und derzeit auch mit BRAINSTORM sein Können unter Beweis stellen konnte bzw. kann. Mit einer unbändigen Spielfreude rockten die Jungs ihre 45-minütige Spielzeit derart runter, dass sie trotz der Opener-Position die beste Publikumsresonanz des Abends bekamen. Diese war zwar bei den anderen Bands auch gut, aber bei SYMPHORCE waren ständig die Hände oben und die Haare in der Luft. Ohne irgendwelchen Schnickschnack ging es pausenlos zur Sache. Die Gitarristen rissen ihre Riffs und Soli auf ihren ESP-7-Saitern runter und Andy sang und schrie in gekonnter Manier dazu. Keyboards oder irgendwelche Einspielungen vom Band waren hier Fehlanzeige. Unterbrochen wurde das Ganze nur ab und zu durch ein paar Sprüche des sehr sympathischen Fronters. Als er dann auch noch speziell zu meiner Freude auch noch den 80iger Hit der US-Powermetal-Combo POWERMAD ‘Nice Dreams‘ ankündigte, hatten SYMPHORCE einfach gewonnen. Besser hätten POWERMAD diesen Song wohl auch nicht präsentieren können. So war es einfach schön die ‘Eye Of Tiger‘-mäßige Rhythmus-Begleitung, die zweistimmigen Leads und den Drive dieses Songs mal live zu erleben. Musikalisch gab´s nix zu motzen. Der Sound war wie bei den anderen Bands auch etwas übersteuert, so dass es zwar ordentlich gerumpelt hat, aber dafür nicht so super differenziert war. Auch wenn mir persönlich die andere Band von Andy B. Franck, BRAINSTORM, besser reingeht, muss man SYMPHORCE hervorragende Live-Qualitäten attestieren und sollte bei der nächsten Tour live mit ihnen feiern.

SYMPHORCE-Setlist
1. Speak My Mind
2. Unbroken
3. Drifted
4. Touched And Infected
5. Until The Last
6. Reveal The Secrets
7. Nice Dreams (POWERMAD)
8. Slowdown

Nach unserem Interview mit Tomas Youngblood waren AT VANCE schon am Werk. Der erste Eindruck im Vergleich zu SYMPHORCE war, dass die Band sparsamer mit Bewegungen agiert und nicht die Spontanität an den Tag legen konnte, da die teilweise prägenden Keyboards vom Band kamen. Bei so vielen starken Songs und Alben, die AT VANCE mittlerweile herausgebracht haben, war es für sie allerdings nicht schwer das Publikum im Handumdrehen für sich zu gewinnen. Hits wie z.B. ‘Only Human’ sprechen halt für sich. Die technisch perfekten Gitarrensoli vom Mastermind Olaf Lenk sorgten bei so manchen Gitarrenschülern für offene Münder. Trotzdem bevorzuge ich Lead-Aufteilung auf beide Äxte, weil das die Soli interessanter hält, auch wenn der eine technisch besser ist als der andere, eben wie bei JUDAS PRIEST. Nachdem der langjährige AT VANCE-Sänger Oliver Hartmann, der mit seiner tollen Röhre zu den besten Sängern des AVANTASIA-Outputs gehörte, vor der aktuellen Scheibe ausgestiegen war, konnte man nicht vermuten, dass Olaf gleichwertigen Ersatz finden würde. Aber das hat er in Mats Leven, der vorher schon u.a. bei TREAT und MALMSTEEN in Diensten stand. Dieser überzeugt auch durch eine rotzige Röhre, er bekommt aber auch die Höhen ohne Probleme. Die alten Songs sind durch ihn also keinen Deut schlechter als zuvor, eher im Gegenteil. Mit seiner Röhre kommt er sogar an Jorn Lande heran. MALMSTEEN kann sich eben noch immer die besten leisten, obwohl Mats mit ihm nur die letzte Live-Platte veröffentlicht hat. Glück und Bestätigung für AT VANCE, die endlich mal die Lorbeeren ihrer langjährigen Arbeit einfahren dürften. Als dann zum Schluss noch der SABBATH-Klassiker ’Children Of The Grave’ angestimmt wurde, war klar, dass sie diesen Abend als vollen Erfolg verbuchen konnten.

AT VANCE-Setlist
1. Take Me Away
2. Only Human
3. The Evil In You
4. Fallen Angel
5. Can You Break My Heart ?
6. Heart Of Steel
7. Right Or Wrong
8. The Curtain Will Fall
9. Children Of The Grave

Um 20 vor 10 war es dann soweit für die Headliner des Abends: KAMELOT. Nach dem Intro vom Band ging es dann gleich zur Sache mit dem Opener der aktuellen CD “Epica“. Überraschend war hier für mich, dass KAMELOT für diese Tour nicht Günter Werno von VANDEN PLAS oder Miro, sondern Mats Olausson verpflichtet haben. Dieser war einer der langjährigsten Mitstreiter von Yngwer MALMSTEIN. Gegen Ende des Sets durfte er dann auch ein Solo zocken. Dies war allerdings nicht grad das Gelbe vom Ei, weil er hier versuchte mit nackigem Klaviersound moderner Klassik, die nicht gerade als eingängig zu bezeichnen ist, nachzueifern. Leider war dann auch nicht mal alles sauber. Na ja, wenigstens für Abwechslung hat´s gesorgt.
Die Songauswahl ging auch in Ordnung, obwohl ich die obligatorischen Stücke der ersten Scheiben vermisst habe, wie z.B. ’Call Of The Sea’. Das tolle ’The Fourth Legacy’ hatte auch ursprünglich in der Setlist gestanden, wurde dann aber rausgestrichen. Den Grund dafür konnte man erahnen, wenn man die gesangliche Leistung Khans mal etwas genauer unter die Lupe nahm und der Tatsache ins Auge sieht, dass das folgende KAMELOT-Konzert in Hamburg aufgrund Erkrankung Khans gecancelt werden musste. Für mich ist Khan nach wie vor einer der besten, auch wenn mir ein paar Kollegen versichern wollten, dass er zu den schlechtesten Live-Sängern gehört, da er an die Leistung der Platte überhaupt nicht drankommt. Diesen Vorwurf kann ich nach diesem Konzert nachvollziehen, da Khan zwar die tiefen und mittleren Lagen überzeugend gebracht hatte, jedoch die häufigen hohen Passagen mit schmerzverzerrtem Gesicht nicht erreichte. Schade, gerade wenn man bedenkt, dass er noch zu CONCEPTION-Zeiten trotz starker Erkältung, live wie ein junger Gott gesungen und die hohen Passagen sogar noch locker getopt hatte (zu hören z.B. auf den Power Of Metal-Live-CDs). Vielleicht schont er seine Stimmbänder nicht genug oder raucht zu viel. Gute Besserung wünschen wir ihm auf alle Fälle von dieser Stelle.
Musikalisch gab´s ansonsten nix zu mäkeln, alles kam ziemlich professionell rüber. KAMELOT ist nun keine Band, bei der man live durchdreht, sondern eher versucht, die gute Musik zu genießen. Einige Einspielungen vom Band unterstützten die Band. So z.B. beim Intro zu ’Nights Of Arabia’ und bei dessen hohen Backings im Chorus. Bei der letzten Tour klang es an dieser Stelle nämlich etwas leer. Auch wenn ich kein Fan von so was bin, war das wohl nicht die schlechteste Entscheidung.
Wie im zuvor geführten Interview mit Tom Youngblood erfahren, hatte seine Frau bei dieser Tour auch ein paar Gastauftritte als Sängerin, so z.B. bei ’Nights Of Arabia’ verkleidet im knappen weißen orientalischen Gewand. Sie machte ihre Sache sehr gut, zumindest an diesem Abend sogar besser als der Hauptsänger. Bei der tollen Ballade ’Don´t You Cry’ packte Tom seine akustische aus, um mit Mats und Khan dieses Stück stimmungsvoll zu präsentieren. Mit dem zweiten Stück der aktuellen Scheibe mit dem passenden Namen ’Farewell’ wurden dann die Fans auf den Nachhauseweg geschickt.

KAMELOT-Setlist
1. Intro
2. Center Of The Universe
3. Until Kingdom Come
4. Edge Of Paradise
5. Sitar Part in C-Moll
6. Desert Reign
7. Nights Of Arabia
8. The Spell
9. Wander
10. The Mourning After (Carry On)
11. Keyboard Solo
12. Wings Of Despair
13. Don´t You Cry
14. Forever
15. Fall From Grace

16. Lost & Damned

17. Karma
18. Farewell

Redakteur:
Tilmann Ruby

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