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Hörnerfest 2010 - Brande-Hörnerkirchen

31.07.2010 | 10:47

09.07.2010, Festivalgelände

Das Hörnerfest besticht vor allem durch die Atmosphäre, doch auch das Gros der Bands weiß zu überzeugen.

Zur Mittagsstunde trauen sich nur wenige Besucher aus ihren Zelten, denn die Sonne knallt wieder kräftig. Einige feiern die sympathischen Holländer MYRKVAR (Foto) allerdings schon ab. Sänger Hrabnilaz spielt gleichzeitig Keyboard, weswegen kaum Bewegung auf der Bühne herrscht, die Musiker machen aber häufig kleine Späßchen miteinander und lockern so die Atmosphäre auf. MYRKVAR spielen Folk Metal mit den typischen Mittelaltermelodien. Leider wiederholen sie sich häufig, und so wird ihre Musik schnell langweilig.

SCHATTENWEBER sind typische Spielleute. Sie benutzen mittelalterliche Instrumente und verarbeiten in ihren Texten die Thematik aus alten Sagen. Das könnte so auch auf einem Mittelaltermarkt gespielt werden, und da gehört es auch eher hin. Der Musik fehlt einfach der nötige Druck für eine Festivalbühne, und der Unterhaltungswert reicht auch nicht an eine Band wie COPPELIUS heran. Ein paar Fans tanzen dennoch, die meisten schauen aber einfach nur zu.

Prominentestes Mitglied von ADIVARIUS ist Sänger Ranarion, zumindest bei Larpern bekannt durch seine Interpretation des Songs 'Die nackte Elfe' von HASENSCHEISSE. Doch auch die Berliner machen Spaß, wenn auch mehr wegen ihrer Show und ihres Witzes als ihrer Musik. Ranarion heizt die vielen Fans mit kecken Sprüchen immer wieder an, und bei einem Lied tanzt die Band mit dem Publikum vor, zurück, seitwärts und im Kreis. Die Zuschauer müssen die Bewegungen entsprechend nachmachen.

Der Spaßfaktor bei ADIVARIUS ist hoch, und so werden sie von allen abgefeiert und bejubelt. Am Ende dürfen sie sogar etwas überziehen. Kein Wunder bei so einer Show.

Ein anderes Bild zeigt sich bei BRAN BARR aus Frankreich. Wieder einmal verhindert die Sprache die einwandfreie Interaktion mit dem Publikum, aber die Musiker haben ein paar Fans dabei, die sie anfeuern. Ihre Musik nennen BRAN BARR Celtic War Metal. Vokalist Yoltar schreit und singt abwechselnd, wobei seine tiefe, kräftige Singstimme sagenhaft ist! Auf Geheiß klatschen die Zuschauer brav mit und jubeln der Band zu. Nach einer Truppe wie ADIVARIUS ist es allerdings schwer, die Massen zu begeistern. Schade, denn BRAN BARR legen keinen üblen Auftritt hin und bieten durch den Gesang mal etwas Neues im Folk/Pagan-Sektor.

Wie der Name vermuten lässt, ist der Folk-Punkrock von THE POKES von irischen Einflüssen durchzogen. Vor der Bühne ist zwar nicht so viel los, die Fans aber tanzen mal wieder, und auch die Band feiert auf der Bühne. Die Combo ist bunt gemischt: Sänger Ian kommt aus England, Banjo-Spieler Billy ist Schotte, Gitarrist Tobi lebt an der Ostsee, und die übrigen Bandmitglieder kommen aus Berlin. Die Mischung geht auf; die Musik macht einfach Spaß.

Bei CROMDALE wird es eng: Sieben Musiker müssen sich auf die Bühne quetschen; da bleibt nicht mehr viel Platz für Bewegung. Die Bielefelder sind aber bestens gelaunt und stecken damit ihre zahlreichen Fans an. In den Reihen zeigen sich zwar ein paar Lücken, aber vielerorts wird getanzt. Die Celtic-Folk-Rocker wecken müde Geister und kommen auch beim Publikum gut an.

Den Höhepunkt erreicht die Party allerdings bei FEUERSCHWANZ. Zur Animation des Publikums kommen häufig zwei Mädchen in Katzenkostüm auf die Bühne und machen Bewegungen vor. Zu Liedern wie 'Met und Miezen', 'Schnaps und Schnecken' und 'Metvernichter' kann man aber auch nur feiern.

Hauptmann Feuerschwanz' Sprüche sind ebenso anzüglich wie die Namen seiner Mitmusiker: Johanna von der Vögelweide, Sir Lanzeflott, Knappe Latte, Prinz Hodenherz und Hans der Aufrechte. Der Hauptmann lässt sich über die feiernde und jubelnde Menge tragen, und als Krönung holen Johanna und Prinz Hodenherz einen Mann und eine Frau aus dem Publikum und taufen sie mit Bier um. Fortan sind sie bekannt unter den Namen Bierbold und Horny Beast.

Nach einem weiteren langen Soundcheck beschließen EQUILIBRIUM das Festival. Dieser Soundcheck ist angesichts der Akustik des Auftritts allerdings eine Frechheit. Es ist viel zu leise, und die Instrumente sowie die Samples sind nicht aufeinander abgestimmt. Während der ersten paar Lieder höre ich mit Gehörschutz nur die Samples, den Gesang und das Schlagzeug, ohne Gehörschutz höre ich nur noch Gitarre und Bass. Noch dazu blenden die Lichter wie schon bei CULTUS FEROX enorm, so dass es kaum möglich ist, dem Treiben auf der Bühne zu folgen.

EQUILIBRIUM fahren wie gewohnt eine energiegeladene Show auf und bewegen sich sehr viel. Die beinharten Fans feiern die Band ab, und auch der neue Sänger Robert "Robse" Dahn wird gut angenommen. Eigentlich möchten hier jedoch alle die neuen Lieder live erleben. Durch den Sound wird dieses Erlebnis allerdings zunichtegemacht. Schade, aber so macht das Zuhören überhaupt keinen Spaß. Ein schaler Nachgeschmack nach einem ansonsten sehr gelungenen Festival.

Redakteur:
Pia-Kim Schaper

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