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Helion Festival III - München

13.11.2010 | 09:34

23.10.2010, Backstage

Einmal herbstliches Birneabschrauben mit EQUILIBRIUM, GOD DETRHONED, ENDSTILLE, THULCANDRA und vielen weiteren Marken made in Metal.

Das Helion-Festival in München hat sich seit dem ersten Mal 2008 zu einer echten Bank entwickelt. Natürlich kommen Jahr für Jahr Touren mit großen Namen in der Landeshauptstadt vorbei, doch es ist einfach etwas Anderes, wenn die Heimat selbst etwas Derartiges veranstaltet. Der Name verrät es: Die Helion Studios, eine renommierte, medienübergreifende Produktionsstätte in München, veranstalten das frohe Treiben in der Blüte des Oktobers. An die 1000 Fans treibt es so in das Backstage, vorbei an einem kleinen Metalmarkt, vorbei am POWERMETAL.de-Stand, an dem es dieses Jahr wieder T-Shirts zu kaufen und Autogramme zu ergattern gibt, hin zur Hauptbühne des Abends im sogenannten Werk. Neben der großen Bühne steht auch die Halle abwechselnd für Konzerte zur Verfügung, was einen wahren Marathon der guten, harten Musik auslöst.

Begonnen wird er von den jungen Regensburgern von BURDEN OF LIFE. 2002 gegründet, stehen sie acht Jahre später als Voting-Gewinner auf der Hauptbühne des Backstage-Werks. Leider sind noch viel zu wenig Zuschauer anwesend, richtig verloren wirkt die Meute vor der Bühne. Das lässt die Band jedoch nicht weniger aktiv und freudig erscheinen, und so werden zumindest die zwei Reihen vor der Bühne von dem rauschenden Melodic-Death-Metal-Express der BURDENer abgeholt und mitgerissen. Ein wenig statisch steht die Band zwar auf der Bühne, was aber mit Sicherheit auf die Doppelbelastung des Sängers und Gitarristen Christian Kötterl zurückzuführen ist.

Mit Songs der veröffentlichten Alben (immerhin zwei an der Zahl!) und der aktuellen EP haben die Jungs eine gute Auswahl zusammengestellt. "Ashes Of Existence", das 2008er Werk, stellt mit den tollen Songs 'Of Father And Son' und 'The Endless March' die Highlights. Zwei- bis dreistimmige Duelle zwischen den Gitarren und dem Keyboard runden einen gelungenen Gig ab, der aber definitiv mehr Zuschauer verdient hätte. Doch nun geht es in die andere Halle, wo grimmiger Black Metal auf die Jünger harter Musik wartet.
[Julian Rohrer]

Das Durchschnittsalter des Publikums liegt wohl um die 17, als ASPHAGOR mit fiesem Intro, fiesem Make-up und später mit fiesem Tiroler Akzent bei den Ansagen die Bühne betreten. Während des ersten, angenehm schleppenden Songs füllt sich die Halle allerdings dann doch noch, und somit kann das Quintett seinen mal rasenden, mal groovenden Black Metal einer recht ordentlichen Menge darbieten.

Leider verbessert sich der Sound, der schon zu Beginn durch einen zu lauten Bass und matschige Gitarren auffällt, während des Gigs kaum, so dass man den wohl besten Teil des Konzerts mit dem mit schönen Melodien aufwartenden Song 'Oblivion' kaum würdigen kann. Dies hält sowohl den Sänger als auch den Bassisten allerdings nicht davon ab, alle klassischen Black-Metal-Posen durchzuprobieren und öfter mal die Abbath-Gedächtniszunge zu zeigen, so dass der gut gemachte, aber doch meist eher nichtssagende Black Metal ASPHAGORs beim Publikum doch ziemlich gut ankommt.
[Benedikt Sepp]

Aus dem unterfränkischen Schweinfurt sind die Jungs von KROMLEK nach München angereist, um nach dem Opener BURDEN OF LIFE und den in der gegenüberliegenden Halle spielenden Blackies von ASPHAGOR als zweite Band die große Bühne im Backstage-Werk zu erklimmen und das Publikum in der Landeshauptstadt mit ihrem folkloristisch geprägten Black Metal zu unterhalten. Das gelingt der Truppe um den zurückgekehrten Frontmann Alphavarg auch ziemlich gut, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass der Mischer im Werk mit KROMLEKs Sound weit besser zurechtkommt, als dies leider bei etlichen anderen Truppen der Fall ist. So kann der dynamisch nach vorne losgehende und rundum eingängige Stil der Band mit den sehr prägenden Keyboards und tanzbaren Rhythmen für ordentlich Bewegung vor der Bühne sorgen.

Die Songauswahl legt den Schwerpunkt mit Epen wie 'Strandhaggll' und 'Herjan' zwar klar auf das zweite Album, doch es gibt auch einen Ausblick auf das nächste Album "Finis Terrae" und mit der Bandhymne zum Schluss auch noch ein ganz altes Stück vom Debüt, so dass die recht zahlreich anwesenden Fans der Band sehr zufrieden sein können.

Nachdem mich vor einigen Jahren das Debütalbum der Münchener Death-Metal-Band COMMANDER bereits ziemlich überzeugen konnte, habe ich die Band leider recht bald auch wieder aus den Augen verloren. Richten mussten es somit wieder einige Liveauftritte, deren erster vor einigen Monaten in einem Jugendclub in der bayerischen Hauptstadt stattfand. Da mich dort sowohl altes als auch neues Material vom zweiten Album "The Enemies We Create" auf ganzer Linie überzeugen konnten, habe ich mich sehr auf diesen größeren Auftritt des Quartetts im Rahmen des Helion-Festivals gefreut, und es bleibt nur zu konstatieren, dass die Band die positiven Eindrücke der Vergangenheit rundum bestätigt.

In der gut gefüllten Halle des Backstage präsentieren sich die vier Jungs tight, toll eingespielt und mit drückendem Sound, der die Matten der ersten paar Reihen ordentlich durcheinanderwirbelt. Ruckzuck gibt es einen sehr ansehnlichen Moshpit, die ersten Reihen bangen wild im Takt, und Frontmann Nick Colar hat mit seiner souveränen Bühnenpräsenz die Halle voll hinter sich. Auch seine drei Mitstreiter sind echte Aktivposten in Sachen Stageacting, und so wird der Auftritt ein guter Beweis, dass die alte Weisheit vom Propheten, der in der Heimat nichts gelte, nicht immer der Wahrheit entspricht.

Mit dynamischen, rhythmisch geprägten Death-Metal-Hymnen wie 'Modern Slavery', 'World's Destructive Domination', 'New Age Of Treason', 'Vengeful Angel' oder 'The Enemies We Create' muss man sich viel mehr wundern, warum die Band auf nationaler oder gar internationaler Ebene nicht deutlich bekannter ist. Jedenfalls werden beide bisherigen Studioalben bedacht, und es ist auch noch Platz für einen Ausblick auf das kommende Album in Gestalt der starken neuen Nummern 'New Slave Democracy' und 'Chaos Awakening'. Es bleibt also zu hoffen, dass die Beliebtheit in der Heimatstadt schon bald weite Kreise zieht und dass die Band durch Auftrittsmöglichkeiten vor allem in einem weiteren Umkreis auch die Chance bekommt, andernorts durch ihre tollen Konzerte neue Fans zu erreichen.
[Rüdiger Stehle]

Nebel, kaltes Licht, drei schemenhaft zu erkennende und kaum zu unterscheidende Gestalten auf der Bühne - der von der Menge anscheinend fieberhaft erwartete Debütgig von THULCANDRA hat beste Startvoraussetzungen. Die Band um OBSCURA-Mastermind Steffen Kummerer steigt dann auch standesgemäß mit einem beeindruckenden Schlagzeugsolo ein, das so lange toll ist, bis dem Publikum dämmert, dass das Solo nur dadurch zum Solo wird, weil sämtliche
Saiteninstrumente nicht zu hören sind. Leider bleibt dies über die Häfte des Auftritts so, so dass man sich nur in den wenigen Momenten, in denen es möglich ist, etwas von der Musik zu erhaschen, davon überzeugen kann, was für eine technisch und kompositorisch beeindruckende Band da auf der Bühne steht.

Dennoch läuft das Material der DISSECTION-Tribute-Band den Anwesenden gut rein, und auch die Band zeigt Einsatz, scheint ihren Spaß zu haben und bedankt sich artig bei der Organisationscrew des Festivals.

Mit der Ankündigung "Wer den nächsten Song nicht kennt, verdient a G'nackwatschn" wird das schon vom Debütalbum bekannte DISSECTION-Cover "The Somberlain" eingeläutet, das diesen bis auf den Sound geglückten Auftritt würdig beschließt.
[Benedikt Sepp]

Der deutsche Black Metal, der lange Zeit für mich eher ein Schattendasein fristete, erfreut sich national wie international steigender Beliebtheit, und so bin ich gespannt, was die Herren von MINAS MORGUL so vom Stapel lassen würden. Als Schildfront-Genossen der in jüngerer Vergangenheit öfters kritisch beäugten Band VARG und als Träger schwarz-weißer Insignien und Runen rufen natürlich auch die Brandenburger das eine oder andere politisch motivierte Fragezeichen hervor, doch meine ich aus den Texten und Artworks nichts "Schlimmeres" herauszulesen als dick aufgetragenes germanophiles Schlachtenpathos. So dürfte es auch der Veranstalter des Helion-Festivals sehen, der sicher nicht im Verdacht steht, fragwürdige Bands zu buchen, und auch in der wahrhaft herbeiströmenden Meute vor der Bühne fallen mir keine zwielichtigen Aktionen und Gestalten auf.

So können wir uns also endlich unbeschwert dem Konzert des Quintetts widmen, das an sich keine Wünsche offen lässt. Dicht gedrängt stehen die Leute in der Halle, und nur wenige haben genug Raum zum ausschweifenden Headbangen. Leider finden offenbar nicht mehr alle in der Halle Platz - die Popularität MINAS MORGULs mag unterschätzt worden sein, haben doch im größeren Werk etliche Truppen vor spärlicher besetzten Rängen spielen müssen. Denjenigen, welchen es gelungen ist, in die Halle zu kommen, merkt man jedoch zu jeder Zeit an, dass sie den Gig sehr intensiv miterleben. Der hymnische Black Metal mit seinen nicht allzu komplexen, aber doch geschickt mit Tempowechseln spielenden Songstrukturen lädt dazu aber auch ein.

Die rein optisch von einer wirklich starken Corporate Identity getragene Band mit ihrem sehr aktiven und beweglichen Frontmann Rico nutzt die Chance, das Publikum im Sturm zu nehmen. Ganz gleich, ob dem 'Eisengott' gehuldigt, 'Der Sonne entgegen' gestrebt oder der 'Todesschwadron Ost' beigetreten wird - die Fans feiern die Brandenburger auf ganzer Linie ab, so dass es nicht allzu wichtig erscheint, dass MINAS MORGUL natürlich das Rad nicht neu erfinden und keineswegs als bahnbrechend originelle Black-Metal-Band durchgehen. Dennoch schinden sie auch beim Verfasser dieser Zeilen so viel Eindruck, dass er sich am Merchandise-Stand umgehend mit sämtlichen erhältlichen CDs der Jungs eindeckt - und das passiert auch nicht mehr alle Tage.
[Rüdiger Stehle]

Ein neuer Gitarrist, ein neues Album, eine neue Chance. Die Chance, erneut auf ganzer Länge zu überzeugen, denn GOD DETHRONED aus den Niederlanden sind mit Sicherheit eine der spannendsten gegenwärtigen Death-Metal-Formationen. Das 2009er Album "Passiondale" landete direkt in den Gehörgängen und brannte sich als eine breiten musikalische Vollbedienung fest. Auch live ist die Band eine echte Bank, bringt sie die genialen Hassbatzen doch ähnlich stark wie auf dem Album auf die Bühnen dieser Welt.

2010 ist das Jahr, das einen neuen Gitarristen präsentiert, nachdem Susan Gerl ausgestiegen wurde. Oder so. Seit der Bandgründung ist das der fünfte Besetzungswechsel an dieser Position. Es ist also spannend, wie sich die Band an diesem Samstag präsentieren würde. Tja, unglaublich stark ist wohl die passende Umschreibung. Ausgestattet mit dem besten Sound des Abends – was wohl daran liegt, dass hier der eigene Mischer mitgebracht wurde, der einfach alles richtig macht – startet der Auftritt fulminant. Wie soll es anders sein?

Anscheinend hat auch die Band selbst einen guten Tag, was den Auftritt zu einem echten Blitzkrieg mit Spiel, Satz und Sieg macht. Henri Sattler präsentiert sich sowohl gesanglich als auch an der Gitarre auf höchstem Niveau, zwischen krassem Highspeed und bösartigstem Groove wird feiner Death Metal geboten. Die Fans freut sicherlich, dass auch das kommende Album "Under The Sign Of The Iron Cross" bedacht wird. Ansonsten treiben Perlen wie 'Soul Sweeper' oder 'Sigma Enigma' blutrote, fein ätzende Tränen in die Augen, eine Vollbedienung, wie sie im Buche steht.

Nach dem Auftritt ist man sich einig: Das war vorerst das Beste, was der Abend zu Tage brachte, und das trotz des zweifelsfrei hohen Niveaus der bisherigen Bands. Genial.
[Julian Rohrer]

Meine durch den Bandnamen, das düster-klischeehafte Sprachintro und das Erscheinungsbild der in klassische Gothic-Klamotten gehüllten Bandmitglieder aufgebaute Erwartungshaltung gegenüber SCHWARZER ENGEL wird zunächst einmal angenehm zerstört, als sich die ersten Takte der Band als verhältnismäßig heftiges Metal-Brett entpuppen. Das mit Sessionmusikern verstärkte Soloprojekt des Sängers Dave Jason kann mit seinem Mix aus NDH-Gitarren, Black-Metal-Anleihen und Grufti-Synthesizern somit in punkto Härte auch auf dem Helion-Festival mithalten und füllt die Halle des Backstage daher auch annehmbar.

Leider entblößt der angenehm klare, differenzierte Sound die gelegentlichen gesanglichen Schwächen des Fronters insbesondere beim Clean-Gesang, andererseits ermöglicht dies den nicht so ganz in der Szene verhafteten Zuhörern, sich sehr über die tief in der Klischeekiste wühlenden Songtexte zu amüsieren. Den Großteil des Publikums stört dies allerdings nicht, die Stimmung ist nicht zuletzt aufgrund der permanenten Anfeuerungsrufe des Sängers, der engagierten Performance aller Bandmitglieder und der stark auf Live-Effekt getrimmten Songs recht gut, und somit kann man auch den Auftritt von SCHWARZER ENGEL als Erfolg verbuchen.
[Benedikt Sepp]

Die Holsteiner gehören in Sachen Popularität sicher zu den zugkräftigsten Bands auf dem heurigen Helion-Billing, und so verwundert es nicht, dass das ENDSTILLE-Bandlogo eines derer ist, die am häufigsten auf den T-Shirts der Anwesenden zu sehen sind. Doch wo es viele Anhänger gibt, da gibt es auch viel Neid und Spott, und so ist die Truppe sicherlich auch eine der in der Szene umstrittenen Attraktionen. Dabei konnte ich das nie so recht nachvollziehen, denn der gnadenlose Highspeed-Black-Metal ist sicher nicht von schlechten Eltern, und auch was das martialische Auftreten angeht, ist das zur Musik passendes Beiwerk, das in sich stimmig ist und keineswegs peinlicher herüberkommt als etwa bei MARDUK. Und so gibt sich die Band auch heute keine Blöße und erscheint mit tonnenweise Corpsepaint, AK47-bewehrtem Pentagram als Backdrop und der - wie immer - mit Echolot und dem infernalischen 'Dominanz' eröffneten, grimmigen Show.

Per Wochenschau-Nachricht wird einmal mehr die Erkenntnis "... Hitler is dead ..." eingeblendet, um anständig auf 'Frühlingserwachen' einzustimmen. Bizarr wird das Ganze dann, wenn das Publikum zu 'Depressive/Abstract/Banished/Despised' spontan keinen Moshpit und keine Wall of Death, sondern eine waschechte Polonaise anzettelt, die sich den kompletten Song über durch das Werk schlängelt. Da fragt sich der Rezensent dann schmunzelnd, ob das wohl im Sinne des Erfinders war. Doch ganz egal, das Publikum hat seinen unseligen Spaß, und die Band kann mit besser werdendem Sound zunehmend punkten. Klar, noch immer haben nicht alle Anhänger Iblis' Abgang verwunden, und so hat Zingultus als Nachfolger noch immer einen schweren Stand, doch er macht seine Sache gut und findet zunehmend Anerkennung im Publikum. Auch der Gastauftritt des KILT-Sängers Björn bei 'Unburied In The Sun' findet wohlwollenden Applaus, und in Sachen Setlist gibt es nichts zu meckern, nachdem die Norddeutschen mit 'Navigator' und 'Bastard' zwei essentielle Klassiker ans Ende ihres knapp einstündigen Auftritts stellen.

Wo bei ENDSTILLE der Blizzard tobt, da ruht bei AHAB zwar nicht unbedingt gleich die See, doch auch wenn sie aufgewühlt sein mag, so schlagen die Wogen doch langsam und bedrohlich gegen den Bug. Der Funeral Doom der einheimischen Nautiker könnte einen krasseren Kontrast nicht bilden, doch gerade das macht ja den Reiz des Festivals aus. Extremer Metal in all seinen Schattierungen wird präsentiert, und da setzen AHAB nicht nur in Sachen Langsamkeit das Glanzlicht, sondern auch in Sachen Schwere. Dabei ist der Sound der Band nicht abweisend und kalt, sondern warm und fesselnd. Als würde man es genießen, in einen Sog gezogen zu werden und in den Tiefen der See zu versinken.

Da die Epen der Band selten weniger als zehn Minuten in Anspruch nehmen, ist in der Dreiviertelstunde kein Platz für allzu viele Titel, und so muss die Setlist eben mit vier Stücken auskommen, welche gerecht auf beide Alben verteilt werden. Vom aktuellen Album wird uns der Einstieg mit 'O Father Sea' und später das großartige Titelstück geboten, während das in meinen Ohren noch stärkere Debüt mit 'Old Thunder' und dem gigantischen Finale 'The Hunt' bedacht wird. Dass der dunkle, eindringliche und basslastige Sound vom Mischer weit besser in Szene gesetzt werden kann als das Geschrote anderer auftretender Bands, tut ein Übriges, den AHAB-Gig als eines der Highlights des Festivals im Gedächtnis zu verankern, und auch das ob der später werdenden Stunde nicht mehr ganz so zahlreiche Publikum verabschiedet die Münchner mit anständigem Applaus in die Nacht.
[Rüdiger Stehle]

Was, schon 22.00 Uhr? Dann ist es mal wieder Zeit für epische Melodien, trunkene Gesänge und brachiale Schlachten. Genau, EQUILIBRIUM, der Headliner des Abends gibt sich die Ehre. Mit dem jüngst veröffentlichten Album "ReKreatur" im Gepäck und nicht mehr ganz so neuen Mannen an Mikro und Drumset präsentiert sich eine verdammt gut eingespielte Band, die auch neun Jahre nach ihrer Gründung immer noch so viel Spaß und Freude an dem hat, was sie da tut, dass sich andere Bands eine dicke Scheibe abschneiden dürfen.

Doch klar, heute tritt man nach einer längeren Tour und einem durchweg erfolgreichen Jahr das letzte Mal auf, erst 2011 wird es wieder auf die Bühne gehen. Das bedeutet, dass alle alles geben, und damit stehen sie ihrem Publikum in nichts nach. Die Mischung aus aktuellen Songs und alten Klassikern trifft die Fans genau da, wo sie es gerne haben, und so gibt es im vollen Werk kein Halten mehr. Eine tolle Lichtshow und ein durchaus annehmbarer Sound runden das Helion-Highlight ab. Klasse!

Nun, irgendwie fehlt mir persönlich etwas. Nach drei Jahren, in denen ich das Helion-Festival in Folge begleitet habe, hatte ich gehofft, EQUILIBRIUM würden noch etwas mehr aus ihrer tollen Position herausholen, direkt mit dem Veranstalter verbunden zu sein. Deswegen hier also in aller offiziellen Offenheit: Bitte, bitte, nächstes Jahr muss es einfach ein Schmankerl geben. Hier ein paar Ideen: "EQUILIBRIUM mit Orchester", "EQUILIBRIUM mit speziellem Akustikset", "EQUILIBRIUM bringen ihre schönsten Instrumentalstücke auf die Bühne", "EQUILIBRIUM mit zehn verschiedenen Gastsängern", "EQUILIBRIUM goes Porn" oder, oder, oder. Wäre das was? So war HEIDEVOLKs Silvas im Hasenkostüm zwar eine witzige Showeinlage, aber auch nicht mehr als der Hinweis darauf, dass es in Zukunft noch ein bisschen mehr sein darf.
[Julian Rohrer]

Nachdem mich der Werksheadliner EQUILIBRIUM nur marginal interessiert hat, bin ich gespannt, ob denn das Festival mit THE VISION BLEAK noch was für mich zu bieten haben sollte, hatte ich die Bandmitglieder und ihr musikalisches Schaffen doch bereits seit dem zweiten EMPYRIUM-Demo aus den Ohren verloren. Da aber das aktuelle Werk "Set Sail To Mystery" vor einigen Monden meine Aufmerksamkeit und sogar gesteigertes Interesse wecken konnte, war die Spannung noch ein gutes Stück größer. Was soll ich lange drum herumreden: Die blassen Visionäre schaffen es mit ihrem unkonventionellen Auftreten und den eingängigen, aber kein Stück weit flachen Liedern aus dem Stand heraus, zu meinem persönlichen Festival-Highlight zu avancieren. Wäre ich nicht schon tierisch müde, dann würde ich das Gebotene noch viel mehr genießen, so bleibt aber echtes Erstaunen und ehrliche Begeisterung über so viel Klasse und ein derart untrügliches Geschick, sich tief ins Hirn grabende Göttersongs mit einem bizarren Gothic-Flair und pechschwarzen, doomigen Metalparts zu verbinden, ohne dabei auch nur einen Millimeter zu weit ins Kitschnäpfchen zu treten.

Songs wie 'Carpathia', das zur ausgiebigen Publikumskommunikation genutzte 'Kutulu' oder das dynamische 'Wolfmoon' sind einfach unfassbar gut und werden durch das schön skurrile Outfit des unter anderem um Drummer Thelemnar (SECRETS OF THE MOON) verstärkten Duos perfekt optisch unterstützt. Letzterer bringt sich im Übrigen nicht nur als perfekter Taktgeber ein, sondern trägt auch durch sein positives Mitwirken an den zurückhaltenden, aber doch sehr passenden Show-Komponenten zum Gelingen des Abends bei. Für mich ist jedenfalls am Ende des Konzerts unmissverständlich klar, dass ich meine noch bestehenden Bildungslücken in Sachen THE VISION BLEAK schleunigst zu schließen habe, denn diese Band kann man heute wirklich nur mit einem Wort umschreiben: toll!
[Rüdiger Stehle]

Tja und dann? Dann war es das auch schon wieder. Wahnsinn, wie schnell doch die Zeit vergeht. Doch um mich Rüdiger anzuschließen: Es war toll. Eine breite Auswahl an Bands, eine Menge drum herum und wir mittendrin – ja, geht es denn noch besser? Deswegen sei an dieser Stelle wiederum ein riesige Lob an Seref Badir und sein Helion-Team ausgesprochen, die es geschafft haben, aus dem nichts heraus eine echte Marke in München zu erzeugen. Wir hoffen, dass es auch nächstes Jahr weitergeht und freuen uns auf genauso viele tolle Gespräche, nette Begegnungen und schweißtreibende Arbeitseinsätze wie in diesem Jahr.

Redakteur:
Julian Rohrer

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