Heavy Metal - nix im Scheddel ...? Nr. 90 - Leipzig

10.05.2009 | 23:45

24.04.2009, Theaterfabrik

"Heavy Metal, nix im Scheddel ...?" ging am 24. April 2009 in die 90. Runde und fuhr dabei ein Package auf, das vor allem die Herzen der US-Death-Metal-Fans höher schlagen ließ und mit ORIGIN eine Ausnahmeband des Genres präsentieren konnte.

"Heavy Metal, nix im Scheddel ...?" ging am 24. April 2009 in die 90. Runde und fuhr dabei ein Package auf, das vor allem die Herzen der US-Death-Metal-Fans höher schlagen ließ und mit ORIGIN eine Ausnahmeband des Genres präsentieren konnte. Mit der Leipziger Theaterfabrik hatte sich das Scheddel-Team dabei auch eine richtig gute, mir bis dato unbekannte Location ausgesucht, die jedoch auch einen Nachteil hat: Mit nur einer Bar im Vorraum entstanden schnell lange Schlangen, so dass man entweder auf sein Getränk oder gleich einige Songs in der Konzerthalle verzichten musste.

Den Anfang machte das Harzer Todesblei-Gespann SEPTEMBER MURDER, das nun bereits seit 2004 im deutschen Underground umtriebig ist. Während ein beträchtlicher Teil der Anwesenden im gemütlichen, geräumigen Vorraum noch in Bier und Gespräche vertieft war, legte das Quartett bereits mit 'And The Entrails Fill The Sea' los. Das größtenteils vom aktuellen Album "Agony In Flesh" stammende Material dröhnte schnörkellos, doch fingerfertig aus den Boxen und sollte vor allem Freunden der US-Death-Metal-Schiene ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Das Material, das Parallelen zu DEICIDE, MORBID ANGEL oder IMMOLATION, aber ebenso beispielsweise zu KRISIUN aufwies, verlor sich nicht in langen Frickel- oder Soloorgien, sondern wurde von den Jungs tight auf den Punkt gebracht. Auch in Sachen Abwechslung wusste die Band zu überzeugen: So scheuen sich SEPTEMBER MURDER nicht, auch einmal Thrash-Zitate in ihre Songs einfließen zu lassen, und Fronter Olli überzeugt darüber hinaus mit einem durchaus variablen Organ. Auch wenn das Publikum noch einen obligatorischen Sicherheitsabstand von zwei Metern hielt, machte sich Wohlwollen in den Mienen der Konzertgänger breit, und erste Banger konnte man auch bereits im Zuschauerraum ausmachen. Mit dieser engagierten und sympathischen Performance haben SEPTEMBER MURDER sicherlich einige neue Freunde hinzugewinnen können und sich als feste Bank im Underground gezeigt, mit der in Zukunft zu rechnen ist.

Setlist:
And The Entrails Fill The Sea
Breathing Cadaver
After Every Setting Sun
Slavery Of Heartdisruption
Mask Of Despair
Agony In Flesh
Again, It Crossed My Way

Die folgenden INVOCATION hatten an diesem Abend Heimspiel und sattelten die Instrumente bereits vor einem wesentlich motivierteren und bewegungsfreudigeren Publikum. Im Mittelpunkt des Auftritts der Leipziger stand ganz klar das aktuelle Werk "Invocation Of The Fleshless", das den geneigten MORBID ANGEL-Hörer durchaus in Staunen sowie Verzückung zu versetzen weiß. Der Fünfer preschte dabei nicht allein aggressiv und kompromisslos vor, sondern zügelte das Tempo im richtigen Moment und überzeugte ebenso durch atmosphärische, langsamere Parts. Eine ganze Reihe von Nuancen und Details blieben jedoch leider aufgrund des Sounds auf der Strecke. Darüber hinaus wirkten die Jungs etwas steifer als die Harzer Death-Metal-Formation zuvor. Nichtsdestotrotz haben die Songs der Band viel Potenzial, allen voran die Gitarrenarbeit, so dass ich euch "Invocation Of The Fleshless" allemal ans Herz legen kann.

Setlist:
Intro
Petrified Scars
Consumptive Evocation
Honor Thy Gods
Strengthened
Conformation To Heretic
Towers In Static Streams
Awakening

Nach einer 45 Minuten oder noch länger dauernden Umbaupause gaben sich dann auch die bereits wieder tüchtig alkoholisierten Dänen ILLDISPOSED die Ehre. In den ersten Minuten versank das Quintett dabei komplett im Soundbrei, in dem man kaum Songsl, geschweige denn Details ausmachen konnte. Das blieb auch der Band nicht verborgen, so dass die Instrumente kurzerhand verstummten und sich eine längere Diskussion mit den Tontechnikern anbahnte. Unstimmigkeiten beim Gesang sowie eine nicht funktionierende Monitorbox waren dabei die Übeltäter, die vor allem Sechssaiter Jakob Batten die Zornesröte ins Gesicht steigen und nahezu handgreiflich werden ließen. Zahllose Minuten sowie eine Demonstration von Arroganz und Rockstartum später durfte dann aber gerockt werden, mit Songs des aktuellen Back-to-the-roots-Albums "The Prestige", "1-800 Vindication"-Nackenbrechern wie 'Dark' oder 'Throw Your Bolts' vom Vorgänger "Burn Me Wicked".

Zwischen den gewohnt groovigen, melodischen Death-Metal-Gassenhauern wartete Herr Summer einmal mehr mit allerlei Kalauern unter der Gürtellinie auf. Das Publikum schwang nichtsdestotrotz enthusiastisch das Haupthaar und störte sich auch wenig daran, dass die im Studio mit allerlei Computereffekten aufgemöbelten Songs wie das abschließende 'Now We're History' kaum überzeugen konnten. Für mich war der Auftritt der Skandinavier ein klarer Reinfall, bei dem auch die Zugaben, unter anderem das deutsche 'Ich bin verloren in Berlin', nicht mehr milde stimmen konnten.

Ganz anders hingegen ORIGIN. Die 1997 gegründete Death-Metal-Institution aus Topeka, Kansas, präsentierte sich bereits bei Tourauftakt in Hochform und spielte in Sachen Professionalität sowie Sound in einer ganz anderen Liga. Die Frickelmeister um Fronthühne James Lee eröffneten ihr Set dabei mit 'Disease Called Man', einem alten Stück ihres Debüts, und hatten an diesem Abend eine ausgewogene Setlist im Gepäck, die alle vier bisherigen Studioalben berücksichtigte. Neben "Echoes Of Decimation"-Material à la 'Reciprocal' oder 'Starring From The Abyss' und Frühwerken wie 'Lethal Manipulation' servierten die Amis natürlich viele Leckerbissen der letzten Langrille "Antithesis". Mit Saitenhexer Jeremy Turner zurück an Bord haben es die Jungs mit "Antithesis" geschafft, ihre übermenschlichen technischen Fähigkeiten mit richtig guten, fast schon eingängigen Songstrukturen zu verbinden, so dass es wohl kaum verwunderte, dass bei perfekt umgesetzten, unheimlich mächtigen Stücken wie 'The Aftermath' der halbe Saal die Mähnen kreisen ließ. Mit dem abschließenden 'The Portal von "Informis Infinitas Inhumanitas" zeigte die Band noch einmal ihre Klasse und ließ an diesem Abend wohl ausschließlich glückliche und zufriedene Konzertgänger zurück.

Setlist:
Disease Called Man
Implosion Of Eternity
Aftermath
Vomit You Out
Wrath Of Vishnu
Reciprocal
The Burner
Finite
Starring From The Abyss
The Beyond Within
Lethal Manipulation
Antithesis
Portal

Redakteur:
Alice Srugies

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