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Heavy Metal - nix im Scheddel...? Nr. 72 - Leipzig

28.02.2007 | 14:30

23.02.2000, Moritzbastei

Siebter Geburtstag und doch ein Abschied.

Zweiundsiebzig Mal Heavy Metal - nix im Scheddel. Nun also streben die Leipziger Macher im Karacho auf ihr Fünfundsiebzigstes zu. Jubiläen sollen ja auch gefeiert werden, wie sie purzeln, und so auch am 10. März 2007, wo der Siebente Geburtstag gefeiert wird. Dieses Mal war es aber auch schon ein Jubilee. Aber ein eigentliches Negativum, denn die Leipziger TOTHAMON haben sozusagen ihr Auflösungskonzert gegeben. Vorweg: Schade, schade. Damit ist eine Band nun aus dem Musik-Zirkus ausgeschieden, die sich auf sehr hohem Niveau bewegt und viele Fans hoffentlich nicht nur regional gesehen gesammelt hat.

Den Einstieg in den Abend bieten die fünf Mucker von MIMOSIS aus Leipzig. So ganz richtig ist das auch nicht, denn Sänger Witte hatte wohl eine nicht näher bezeichnete Krankheit dahinsinken lassen. Natürlich hiermit beste Besserung. Der Ersatz, recht groß, gelockt und reges Interesse an Zuspruch aus dem Publikum zeigend, röhrt sich durch das Gig, guckt böse und wurde per Fotobeweis als Maschine entlarvt. Großer Mann, Du hast ein Stahlskelett! Oder bist ein Vampir! Cleverer Ersatz, MIMOSIS. Das Publikum kommt so langsam ins Wippen, die Pausen zwischen den Darbietungen werden philosophisch überbrückt (Stahlmann) oder mit Gebrüll gefüllt, das aus behaarten Männerkehlen stammt. Auch der Dunkelheit zugewandte Damen haben sich eingefunden und beweisen mit gekonntem Tanz, dass das Death-Thrash-Gemisch der Beginner intensiv wahrgenommen ward.

Die nächste Band fängt auch mit "M" an, wobei das hier nix zur Sache tut. MOSHQUITO aus dem sächsischen Idyllflecken Lichtenstein haben schon etliche Jährlein auf den grauen Buckeln, hießen früher ARGUS und waren als NWoBHM-Coverband regional durchaus ein Begriff. Nach der Umbenennung in MOSHQUITO und Bandpause von 1990 bis 1996 hat sich der Fünfer ebenso auf ein Gemisch aus Thrash-Metal-Gulasch mit Death-Gewürzen geeinigt. Die Metaphern hinken hier, was wieder nix zur Sache beiträgt, aber der versierte Auftritt der Truppe weist einen hohen Grad an Erfahrung auf. Die Songs sind eingängig und teilweise mit dicken Schmetterlingen angefüllt, wobei Schmettern hier für dickes Riffing steht. Bildhaft gesprochen: Gut.

Dann betreten TOTHAMON die Bühne der Moritzbastei, deren Veranstaltungstonne - ja, so heißt der Ort des heutigen Dräuens - nunmehr wirklich ausgefüllt ist. Ich denke, dass die allermeisten Leipziger Langmähnen und Band-Shirt-Träger sich nun langsam eingefunden haben. Beisammen stehend wird geschwatzt und geplaudert, nächste Festivals versprochen und überstandene Gigs verteufelt, auch einen Diskurs, in dem Vor- und Nachteile des derzeit tobenden Discounter-Krieges zwischen "Lalldi" und "Lidla" erörtert werden, lässt sich nachverfolgen. Während der TOTHAMON-Präsenz kann auch die dauerzapfende Belegschaft mal eine rauchen. Der Scheddel-Besuch ist nahezu komplett vor der Bühne versammelt. Paradox ist an diesem Abend, dass die Band hier ihr neues Material vorstellt und gleichzeitig den letzten Gig vorführt. Vorerst zumindest. Bedingt durch höhere Weihen oder Umstände müssen zwei der fünf Jungs die Band verlassen. Deutsch - na ja - -sprachig bölkt sich Sängerlein Gax durch die Songs, oft kurz vor dem Atemnotstand saugt er sich neue Luft an, um sie gleich wieder heraus zu keifen. Von seinen angespannten Halsschlagadern aus könnte man Weidenpfeile abschießen, so sehr treten sie dem Publikum entgegen. Außerdem fallen mir vor allem die langsameren, eher doomigen bis sludgigen Elemente ins Ohr - ich hoffe, bald das Material in die Pfoten zu bekommen. Zu guter Letzt werden auch noch Wunderkerzchen gezückt, entzückt nimmt die Band diese Ehrerbietung wahr.

Aus Herborn dann die letzte Truppe des Abends, LAY DOWN ROTTEN. Nach längerem Soundcheck geht die Prügelorgie los. Sich körperlich und bewegungsintensiv völlig ungleiche Gitarristen fetten die Clubtonne mit borstigem Lärm ein. Der Rest der Kanonade, Sänger und Bassist sind dabei sehr wikingeresk, bringen von Anfang an die ganze Bühne in Bewegung. Immer wieder wird des Haarmeer vor der Band aufgewühlt und die Kreisköpfe füllen die ersten Reihen. Natürlich wirken einige der Besucher schon etwas mitgenommen, da die Heimspiele gerade absolviert worden sind. Jedoch erhalten LAY DOWN ROTTEN den hohen Grad an Beifall, den sie sich für die Schlagfertigkeit auch verdient haben, die Zweiundsiebzigste Scheddel-Aktion findet so einen würdigen Ausklang. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Redakteur:
Mathias Freiesleben

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