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Heavy Metal - nix im Scheddel...? Nr. 46 - Leipzig

25.09.2004 | 06:40

11.09.2004, Moritzbastei

Sie geht wieder los, die Scheddel-Zeit. Dieses Mal in der neuen Location namens Moritzbastei, dem Leipziger Studentenclub überhaupt. Und das neue Areal hat es in sich, das bekommen die Zuschauer sofort bei AD NOCTUM zu spüren. Das Trio spielt mit einem dermaßen fetten Sound, dass erst einmal ein paar Ohren nahe am Blutsturz entlangschlittern - nix gewohnt mehr nach den Sommerfestivals, die armen Ohrmuscheln. Aber vor der Bühne bleiben die Fans trotzdem stehen, denn AD NOCTUM spielen eine feine Mischung aus 70 Prozent Black Metal und 30 Prozent Todesbleim, je nach Variationsgrad klingen sie mal mehr nach ZYKLON oder mehr nach SATYRICON. Diese skandinavische Schlagseite sorgt schon für erste zufriedene Grinser. Einem Typen im Publikum - er ist angetrunken - gefallen die Jungs besonders gut: Erst setzt sich Meister Langhaar an die Seite der Bühne, dann mosht er mindestens zwei Songs lang mit den Musikern zusammen im Takt. Ein weiteres Qualitätsmerkmal der Show steht am Mikro und hat dunkelblond-gelockte Haare: Der Sänger klingt schön extrem. Außerdem fühlt man schon bei diesen Anheizern den Bassdruck am Herz. Bange Frage: Wie soll das erst bei TOTENMOND werden? Antwort folgt später, zuvor müssen AD NOCTUM erstmal unter einem donnernden Applaus von der Bühne geschickt werden. Feiner Auftritt!
(Henri Kramer)

Vollste Zustimmung, AD NOCTUM mit ihrem Gebräu auf blackmetallischer Basis machen schon echt was her. Obwohl die Band einen puren, rohen Sound pflegt, hat sie richtig gelungene Songs am Start, die im stetig auf- und niederwippernden Kopf hängen bleiben. Krachend, infernalisch, böse - Metallerherz, was willst du mehr?!
MY DARKEST HATE walzen dann mit ihrer Death-Metal-Attacke alles platt. Sie sind definitiv eine der der aggressivsten und heftigsten Todesblei-Kapellen made in Germany, ohne Unterlass wird eine Granate nach der anderen abgeschossen. Mittlerweile hat man drei Alben in der Hinterhand und der aktuelle Output "At War" ist eine echte Wuchtbrumme vor dem Herrn. Das Beste der Bandgeschichte in Form von 'Bleed For Me', 'God Am I' und vielen weiteren Hämmern wird der Audienz heute um die Ohren geknallt. Bei derart intensivem Death Metal kann man fast nicht glauben, dass in dieser Band Leute am Start sind, die sich schon bei treumetallischen Bands wie PRIMAL FEAR und SACRED STEEL musikalisch betätigten.
(Stephan Voigtländer)

Mit einem ähnlich tosenden Klangapparat wie schon AD NOCTUM sind auch MY DARKEST HATE ausgestattet. Was hier alles geht! So brechen sich tödliche Midtempo-Walzen die Bahn in die Gehörgänge, Songs wie 'Eye For An Eye' (kein SOULFLY-Cover!!) brennen mit ihren kurzen Speed-Death-Ausflügen große Löcher ins Trommelfell. Fünf Leute stehen auf der Bühne, fünf Mannen im Banne ihrer musikalischen Brutalität. Sänger Chris und seine dunklen Haare sind dabei am dauermoshen. Klar, bei Songs wie 'Blood Pounding Black' geht das auch denkbar einfach, verstehen sich MY DARKEST HATE doch zu recht in der Tradition von Bands wie BOLT THROWER oder VADER. Und auch der Typ, der schon bei AD NOCTUM mitmoshen musste, schafft es wieder taumelnd auf die Bühne - und springt auf putzige Weise wieder herunter. Peng. Noch ist der Abend nicht zu Ende. Denn einen Gig wie den von TOTENMOND muss man schon einmal erlebt haben. Der Bass drückt brutal in den Magen, malmt, das Schlagzeug tritt langsam nach. Blaues Licht, grelles Stroboskop-Gewitter. Sonst ist auf der Bühne außer Nebel nicht viel zu erkennen, die drei Musiker sind kaum zu sehen. Dafür machen sie sich umso lauter bemerkbar, entweder extrem doomig oder extrem punkig-schnell. TOTENMOND kennen kaum Zwischentöne, alles muss in einer Richtung das Äußerste ausreizen. Vielleicht ist das die Faszination, die bei den Fans vor der Bühne für willenloses Moshen sorgt? Ein Song heißt "Panzerdampf" vom "Reich in Rost"-Album. Da zuckt es durch den malträtierten Hirnstamm: TOTENMOND sind im Prinzip wie MARDUK, nur langsam!?! Oder?! Keine Ahnung. Geil ist's trotzdem.
(Henri Kramer)

Genau, TOTENMOND gleichen der vertonten Apokalypse. Brachial-kalt tönt das Gewitter des Trios aus Backnang, ein jeder Song malträtiert unbarmherzig den ganzen Körper mit seiner kraftvollen Intensität. TOTENMOND sind immer noch eine sehr sehens- und hörenswerte Kapelle, die eine verdammt energiegeladene Show bietet. Gnadenlos, wild und voll auf die Zwölf.
(Stephan Voigtländer)


Scheddel-Infos und bisherige Berichte gibt es hier:
http://www.powermetal.de/tour/festival.php?id=787

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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