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Heavy Metal - Nix Im Scheddel...? Nr. 24 - Leipzig

03.06.2002 | 07:33

31.05.2002, Tonellis

Nach der glorreichen Geburtstagsfete beim letzten Mal hielt nun wieder der Alltag Einzug beim "H.M.N.I.S.". Am Start waren mit MURDER PERSONS und FLESHLESS gleich zwei Nachbarn aus Tschechien, dazu kamen die DORMITORY's aus Norddeutschland.

Als erstes an der Reihe waren MURDER PERSONS (wat ein cooler Bandname!) und die erteilten eine sauschnelle Abfuhr in Sachen Death Metal. Außerdem war diese Band ein weiteres Beispiel dafür, dass bei einer Brachial-Combo genauso gut eine Frau die Vocals übernehmen kann. Besagte Frontlady gab die ganze Zeit unnatürliche, rüde Grunzlaute von sich, die eigentlich eher der Spezies männlicher Grizzlybär zuzurechnen wären als einer lieblichen Chanteuse. Und ich denke, man muss nicht bei jedem weiblichen Brüllwürfel gleich Sabina Classen von HOLY MOSES als Referenz bemühen, denn es gibt genügend tolle Leadsängerinnen auf dem Knüppel-Sektor, die mit ihrem räudigen Gebläke viele ihrer männlichen Kollegen ziemlich alt aussehen lassen. Auch die Engelszunge der MURDER PERSONS darf sich getrost zu dieser Schar dazu zählen lassen. Nett war auch, dass sie sich auf Ansagen mit sanfter, zarter Stimme verlegte, bevor sie dann röchelte: "Hier ist ein Song namens grümpfl kroinks röhrrr rabäääh". Zu erwähnen wäre noch, dass die Band live ohne Schlagzeuger aufspielte und somit die Schießbude im Hintergrund (noch) ziemlich nutzlos dastand.

Als nächstes gab es "pure f***ing Thrash Metal" aus Osnabrück zu hören - in Gestalt von DORMITORY. Die hatten z.T. richtig geniale Songs in petto und waren zweifelsohne die anspruchsvollste Band des Abends (jaja, ich weiß, nur laut und schnell muss es sein). Folglich erfreute sich der Vierer hoher Bangerresonanz und konnte eindrucksvoll untermauern, was für geiler Stoff auf dem latest Output "Inhuman Conditions" steht und das ein Kauf dessen wirklich lohnenswert ist. Allerdings gab es einfach zu viel Gelaber zwischen den Songs, das sollte die Band unbedingt noch abstellen. Das nahm schon irgendwie den Pep aus den Angriffsaktionen und war wenig förderlich für den Spielfluss. DORMITORY konnten aber trotzdem zu Recht begeistern, da man zu ihren Songs einfach die Rübe schütteln musste, ob man nun wollte oder nicht. Insgesamt waren die Norddeutschen schon ein lustiger Haufen, der sich allerdings live etwas mehr auf die Musik konzentrieren sollte. Somit hatten sie sich natürlich auch die ein oder andere Zugabe verdient. Zwischen zwei dieser Zugaben schob dann Ringo mal eben die "Veranstaltungstipps" ein und sprach u.a. mit Tränen in den Augen vom ersten "Scheddel Open Air", welches im nächsten Jahr über uns hereinbrechen soll.

Bleibt noch der Auftritt von FLESHLESS. Nachdem die vor 3 Monaten auf Grund eines Autounfalles nicht spielen konnten, fanden sie nun doch noch den Weg nach Leipzig. Und das war auch gut so, denn somit konnte zum ersten Mal in der Geschichte des Scheddels eine Band der Kategorie "brutal Death Metal" zum Tanz aufspielen. Also ging man, wie sollte es auch anders sein, härtetechnisch kompromisslos zu Werke und bolzte den vorderen, sich erfreut im Takt wiegenden, Anwesenden die Ohren zu Klump. Allerdings sei hier nicht verschwiegen, dass FLESHLESS (deren aktuelle Scheibe übrigens auf den schönen Namen "Nice To Eat You" hört) bei allem Geknüppel auch schon mal die cleane Gitarre erklingen ließen. Highlights der durchdringenden Knüppelattacke waren übrigens die Songs "Noise Part 1", "Noise Part 2" und "Noise Part 3", welche jeweils kurze Knaller von vielleicht 10 Sekunden Länge waren, aber trotzdem euphorisch beklatscht wurden
Als FLESHLESS mit dem Auftritt eigentlich schon abgeschlossen hatten, erschlich sich Ringo eine Zugabe nach der anderen, indem er das Publikum in beinahe widerwärtiger Weise anstachelte, die Band noch einmal herauszubrüllen (als fadenscheinigen Grund gab er den ausgefallenen Auftritt an), anstelle, wie sich das gehört, im Backstage auf die Knie zu fallen und artig um eine Zugabe zu betteln. Somit musste die Band das gerade frisch geöffnete Bier ein ums andere Mal frisch geöffnetes Bier sein lassen und "noch einen letzten Song spielen". Der Lautstärkepegel des Publikums erreicht dabei eingedenk der Zuschauerzahl wirklich beachtliche Ausmaße.

Irgendwann war aber dann auch mit den Zugaben Schluss und man konnte zum angenehmen Teil des Abends übergehen und noch das eine oder andere Bier schlabbern. Allerdings wird die beschauliche Ruhe nicht von langer Dauer sein, denn in drei Wochen wartet bereits das nächste handliche Dreierpack beim Scheddel auf.

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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