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Heavy Metal - Nix Im Scheddel...? Nr.34 - Leipzig

02.04.2003 | 05:37

28.03.2003, Tonellis

Eines ist Fakt, beim H.M.N.I.S. regiert die Axt. Aber während man den Scheddelmachern bisher doch das eine oder andere Mal eine etwas eintönige musikalische Ausrichtung und Bandauswahl vorwerfen konnte, ließ man diesmal drei stilistisch absolut unterschiedliche Bands spielen, was, um es einmal vorwegzunehmen, vom Publikum leider nur teilweise angenommen wurde.
Als erstes war der Local Act FALLEN ANGEL‘S SYMPHONY dran, die Gothic Rock spielten und sich alle erdenkliche Mühe gaben. Aber trotz guter Ansätze gab es bei deren Auftritt sowohl Höhen als auch Tiefen. Man hatte richtig gut klingende Stücke am Start, aber manches war auch einfach ziemlich hausbacken. Immerhin ging man treibend und druckvoll zu Werke und gab dem Publikum immer wieder die Möglichkeit, das Haupthaar zu schütteln. Eine Sängerin gab es auch in den Reihen von FALLEN ANGEL‘S SYMPHONY, diese allerdings blieb doch ziemlich im Hintergrund. Man kann der Band auf jeden Fall eine recht solide Vorstellung bescheinigen, musikalisch müssen sie aber sicherlich noch an sich arbeiten, da ihre akustische Darbietung insgesamt lediglich durchschnittlich war.
Die einzige Knüppelband des Abend waren die Herren von DISASTER KFW (das KFW steht im übrigen für Klassischer Friedhof Weimar), einer Death/Grind-Combo aus dem schönen Thüringen, bei denen auch der ex-Drummer von DIE APOKALYPTISCHEN REITER zockt. Da man nun einmal für den ruppigen Teil des Abends zuständig war, ließ man sich auch nicht lange bitten und ging knallhart und kompromisslos zur Sache. Das war ganz nach dem Geschmack des Publikums und so wurde die Band an diesem Abend mit Abstand am meisten abgefeiert. Erfreulich war auch, dass die Jungs nicht nur stumpfsinnig vor sich hin prügelten, sondern ihr Geknüppel recht variabel gestalten konnten. Auch wenn DISASTER KFW nun nicht unbedingt überragend waren, eine ziemlich gute Show war es auf jeden Fall, bei der jeder Freund der härteren Gangart voll auf seine Kosten kam.
Den musikalischen Höhepunkt des Abends stellten ADORNED BROOD dar. Nun gab es mittelalterliche Klänge zu hören, aber die Metallkomponente kam dabei doch immer wurde druckvoll und krachend zum Tragen. Die Mischung stimmte und nebenbei sorgte die Querflötistin Ingeborg auch für ein schön abwechslungsreiches und einprägsames Element (mein Kumpel fühlte sich doch glatt an JETHRO TULL erinnert ;-) ). Die Songs warteten mit eingängigen Melodien und einer großen Portion Härte auf - so muss die Symbiose aus Mittelalter-Sounds und Heavy Metal klingen. Da auch die Performance der Band absolut in Ordnung war, kann man ohne Zweifel von einem gelungenen Auftritt sprechen. Eine anspruchsvoll verpackte und musikalisch reife Leistung, die allerdings etwas mehr Publikumsinteresse verdient hätte, denn während die Veranstalter bei diesem Mal auch über den (Knüppel-) Tellerrand hinausschauten, scheint das (noch) nicht jeder Scheddel-Gänger zu honorieren und so saßen, während ADORNED BROOD am Spielen waren, schon einige Leute beim Bier, nachdem die Krachmaten (is net bös gemeint) von DISASTER KFW ihre Attacke beendet hatten.
Auch wenn das Package bei dieser Auflage des H.M.N.I.S. von zumindest nicht unumschränktem Erfolg war, was die Publikumsreaktionen betrifft, hoffe ich doch auf Fortsetzung von solch stilübergreifenden Konzerten, da ich eine weniger einseitige Ausrichtung im Scheddel-Programm auf jeden Fall begrüßen würde. Und vielleicht kann ja auch der ein oder andere Brachial-Metaller bei Bands wie FALLEN ANGEL‘S SYMPHONY oder ADORNED BROOD seinen musikalischen Horizont ein wenig erweitern.

Scheddel-Infos und bisherige Berichte gibt es hier:
http://www.powermetal.de/tour/festival.php?id=787

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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