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Heavy Metal - Nix Im Scheddel...? Nr.30 - Leipzig

27.11.2002 | 10:40

22.11.2002, Tonellis

Beim "Heavy Metal - Nix im Scheddel" gibt es ja allmonatlich knüppelnde Härtnerkapellen, und da besonders viel Death und Thrash Metal zu hören. Aber einmal im Jahr gibt es eine Veranstaltung, bei der dem guten alten Hard Rock gefrönt wird. Dieser Termin war nun (endlich) erreicht und so gab es mit WEISS HEIM und der beinahe schon legendären AC/DC-Covertruppe JAILBREAKERS zwei lupenreine Rockbands zu hören. Das Publikum war entsprechend gemischt, sogar viele Mitt- und Endvierziger, die sonst ihre Freitagabendbeschäftigung eigentlich nicht zum Scheddel führt, hatten sich eingefunden.

Bei WEISS HEIM gab es traditionell angehauchten Hard Rock mit weiblichem Gesang zu hören, der mich zwar anfangs noch nicht so begeistern konnte, was sich aber im Laufe des Konzertes noch ändern sollte. Am Besten kam die ganze Sache herüber, wenn die Sängerin richtig kraftvoll losschrie. Das schien ihr besonders zu liegen und bekam den Songs dann auch ziemlich gut. Bemerkenswert waren auch die ziemlich geilen Gitarrensolos, die aber perfekt in die Songs eingebunden waren und nicht wie überflüssige Griffbrettwichsereien wirkten. Bei den Songs an sich gab es einige wirklich starke Nummern zu hören, allerdings waren auch nicht alle von solch erstklassigem Kaliber. Während WEISS HEIM musikalisch aber alles in allem durchaus ansprechende Kost servierten, hätte man (+ Frau) doch einen Tick weniger zurückhaltend auf der Bühne agieren können. Aber das auch nur als Randnotiz.
Ja, wie gesagt, nach meiner Anfangsskepsis konnte mich die Band dann doch noch überzeugen, was wohl hauptsächlich an der nicht gerade alltäglich klingenden Mischung lag und daran, dass sie besonders im zweiten Teil doch ein ums andere Mal richtig losrockten. Ein insgesamt sehr okayer Auftritt. ;-)

Bevor ich das Highlight des Abends schildere, gleich mal zwei Sachen bezüglich der JAILBREAKERS vorweg. Erstens, die Jungs haben ausschließlich Songs aus der Bon Scott-Phase, also bis zur "Highway To Hell"-Scheibe (1979), in ihrem Repertoire. Und zwotens, die Band ist die mit Abstand beste Coverband der Australier, die ich kenne. Entsprechend heiß waren einige Anwesenden unmittelbar vor dem Auftritt auf die Band (es wurden schon fleißig AC/DC-Songs gegröhlt), die mit "Problem Child" gleich einen sehr gelungenen Einstieg wählte. Nach dem anschließenden "Shot Down In Flames" gab es dann die erste Überraschung in Form eines Cover-Covers. Das megageniale "School Days" wurde zu meiner großen Freude zum Besten gegeben, welches nicht mal auf einer regulären AC/DC-Platte hier in Europa stand, sondern lediglich auf dem nur in Australien veröffentlichten Zweitling "TNT" (das Album erschien in Europa in etwas anderer Form unter dem Namen "High Voltage"). Das Original stammt hierbei von CHUCK BERRY, übrigens neben "Baby Please Don't Go" von BIG JOE WILLIAMS der einzige Coversong in der langen Laufbahn AC/DC's (wenn man mal noch von dem schottischen Classic "Loch Lomond" absieht, der als "Bonny" bzw. "Fling Thing" neu gewandet wurde).
Doch zurück zu den JAILBREAKERS. Bei denen konnte vor allem der Angus Young-Imitator voll überzeugen. Was der Junge ablieferte, war mehr als nur beeindruckend. Nicht nur, dass er wie sein Vorbild einfach den Rock'n'Roll im Blut hat, besonders was er mit seiner Klampfe veranstaltete, war der helle Wahnsinn. Bei den z.T. sehr anspruchsvollen Original-Solos traf er wirklich jeden Ton fehlerfrei und haargenau wie Angus selbst. Auch das Stageacting war diesem mehr als würdig, wobei er ein unglaubliches Pensum abspulte (allerdings ist er ja auch deutlich jünger als der mittlerweile in die Jahre gekommene Angus). Bei "Let There Be Rock" gniedelte er seine Solos heraus, während er kreuz und quer durch das Publikum rannte und dabei auch den Angus-Walk zeigte. Und bei "Bad Boy Boogie" spielte er auch zunächst ein fantastisches, minutenlanges Solo, um sich danach stilecht zu entkleiden und den berühmten Angus-Strip hinzulegen, bei dem alle Frauen im Publikum wie auf Kommando Giraffenhälse ausfuhren und Teleskopaugen machten. Ja, er bot zweifellos eine ganze Menge, für Ohren und Augen gleichermaßen. Und wenn wir schon bei den Personalien sind - im Gegensatz dazu fiel mir der Bon Scott-Ersatz (der stimmlich seine Sache aber gut machte) als etwas zu reserviert auf, er wirkte ziemlich professionell und abgeklärt, was nicht so richtig zu den Spaßvögeln von AC/DC passt.
Nachdem das reguläre Programm (Setlist siehe unten) mit den beiden vielleicht berühmtesten AC/DC-Hymnen "Highway To Hell" und "TNT" abgeschlossen wurde, mussten einfach noch zwei Zugabeblöcke folgen. Hier spielte man mit "Girls Got Rhythm", "Rocker", "Hell Ain't A Bad Place To Be" und "Sin City" vier Songs, die von AC/DC selbst nur sehr sporadisch aus der Mottenkiste geholt werden, was mir doch einige Freudentränen ins Äuglein trieb. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die JAILBREAKERS manchmal schon beängstigend nah an die Originalsongs herankamen und auch sonst eine perfekte Unterhaltung boten. Mir zumindest hat es eine Menge Spaß gemacht, zu den alten und unsterblichen Schinken das Haupthaar zu schütteln.

Setlist THE JAILBREAKERS:
Problem Child
Shot Down In Flames
School Days (CHUCK BERRY)
Touch Too Much
Dirty Deeds Done Dirt Cheap
Jailbreak
Whole Lotta Rosie
Bad Boy Boogie
Dog Eat Dog
High Voltage
The Jack
Let There Be Rock
Highway To Hell
TNT
---
Girls Got Rhythm
Rocker
---
Hell Ain't A Bad Place To Be
Sin City

Redakteur:
Stephan Voigtländer

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