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Harmony Dies - Berlin

05.11.2007 | 11:40

03.11.2007, K17

Wenn Metal-Fans ihren Geburtstag feiern, kann es laut und dreckig zugehen. Die Größe der Party potenziert sich, wenn der Jubilar noch selber Musiker ist. So wie an diesem 3. November in Berlin. Der Gratulant ist Mario, Bassist von HARMONY DIES und LOGAR'S DIARY. Um zu feiern, hat er neben seinen beiden Bands noch drei andere Hauptstadtvereine in den K17-Club geholt. Schon ab 18 Uhr wird die Hütte zerlegt, die erste Band beginnt kurz vor 20 Uhr. Für chronische Zu-Spät-Kommer keine gute Zeit - weswegen der Fantasy Power Metal von LOGAR'S DIARY an dieser Stelle nicht gewürdigt werden kann.

Erst bei AKRIVAL geht's also los. Und wie. Das Potsdamer-Berliner Black-Metal-Konglomerat drischt gleich von Beginn an ordentlich derbe Kost aus den Boxen. Das können sie gut. Ihre alten Fans hören sogar ein paar neue Sachen der aktuellen "Vitriolic"-Promo-Scheibe, deren Auszüge auf der bandeigenen Homepage schon vielversprechend zerstörerisch klingen. Einzig bei dieser überzeugenden Show verwundert so nur die Optik: Extreme Spandex-Liebhaberei und Black Metal sind eben eine nicht ganz alltägliche Mischung - vor allem dann, wenn die engen Hosen fast noch zu glitzern scheinen ...

Bis dann SINNERS BLEED auf die Bühne kommen, dauert es. Inzwischen drängt sich das Publikum draußen vor der Tür oder drinnen an der Bar. Rund 500 Leute sind zu dem Konzert gekommen - eigentlich unfassbar für ein Underground-Konzert. Auch das K17 hat offenbar nicht mit so einer Masse an Leuten gerechnet. Denn die beiden Bars - draußen und drinnen - sind chronisch unterbesetzt, das Personal ächzt ob des Durstes der Massen. Derweil sind SINNERS BLEED fertig. Und bretzeln von Beginn an los, fetter und spielfreudiger klingt keine andere technische Death-Metal-Band in der Hauptstadt. Das Publikum tickt aus, der Moshpit in den ersten Reihen wird zum brutalen Erlebnis der Extraklasse. Für die Berliner ist es ein besonderer Auftritt: Der äußerst agile Frontmann Jan Steigert hat seinen letzten Bühnenauftritt, danach verlässt er die Band in aller Freundschaft. Seinen Ersatz stellt er zur Mitte des Auftritts vor: Es ist ein Mädchen, Priscila Serrano ihr Name, sie stammt aus Südamerika. Und sie kann brüllen wie ein Mann, dazu auch kreischen. Einzig die Bühnen-Ausstrahlung von Maniac Jan geht ihr noch etwas ab, ein wenig zurückhaltend wirkt sie neben ihm. Doch was nicht ist, das kann noch werden. An diesem Abend zumindest stört sich niemand im Publikum an der neuen Stimme, die Massen feiern solche Songs wie 'Demons' oder 'Injected Lies', ob mit Priscila oder Jan am Mikro. Dazu kommt mit 'Beyond The Veil' noch ein neuer Song, der viel Lust auf das nun hoffentlich bald erscheinende zweite Album von SINNERS BLEED macht.

Hernach herrscht einmal mehr Wartezeit. Auch ORTH brauchen ganz schön lange Zeit für ihren Umbau. Das ist aber nicht weiter schlimm, wird doch die Luft im K17 wegen der vielen Besucher immer dichter. Doch als ORTH beginnen, sind alle wieder da, frisch mit Sauerstoff versorgt. Die Berliner gehören zu den ältesten deutschen Death-Metal-Bands, die es immer noch gibt. Seit der Gründung 1989 hat sich an ihrem Stil nur die verbesserte Qualität geändert. Der Sound an sich ist aber ähnlich geblieben, straighter Old-School-Death-Metal eben, der ordentlich hackt und groovt. So fällt es leicht, Songs wie 'Digital Dominator' oder 'Punishment' gebührend abzufeiern, die gleich in Serie von der Bühne herab geschossen werden. Dazu hat Sänger Hannes zwischen den Krachern immer noch einen netten Spruch auf den Lippen, was dem Publikum auch zeigt, dass ORTH auch das nötige Quäntchen Eigenhumor besitzen. Sehr sympathisch und für so eine süffige Geburtstagsfeier genau die richtige Wahl.

Noch brachialer räumen allerdings HARMONY DIES ab, bei denen der Name einmal mehr Programm ist. Auch diese Hauptstädter gibt es nun schon 15 Jahre, ein Jubiläum, das Frontgrunzer Christoph lautstark verkündet. Er selber ist zu diesem Zeitpunkt schon ordentlich gut dabei, in trunkener Feierlaune leert er während des Gigs gleich noch eine Flasche Whiskey. Das tut seiner Stimme hörbar gut: Er grunzt in einer Tieflage, die Angst macht. Hits wie 'Execution' oder 'I'll Be Your Master' gehören zu seinem Programm und werden von den Massen dankbar aufgenommen. Wie schon bei SINNERS BLEED ist auch hier die Crowdsurfer-Dichte herausragend. Um die Stimmung weiter anzuheizen, werfen HARMONY DIES zudem ohne Unterlass CDs ihres aktuellen "Impact"-Albums ins Publikum. Und Geburtstagskind Mario hat bald auch einen hübschen roten Damen-BH an seinem Instrument hängen. Es ist ein brachiales Vergnügen, das die Jungs entfachen, frei von Melodien, mit geilen Riffs nur so gespickt, immer auf den Punkt gedroschen. Dann noch der 'Schmerz' - und alles ist gut. Abschließend kommen noch einmal alle Bands für ein Gruppenfoto auf der Bühne zusammen - ein Moment, der den Zusammenhalt in der Berliner Death-Metal-Szene besonders gut zeigt. Hoffentlich haben noch viele dieser Jungs und Mädels solche Geburtstagsfeiern in Planung.

Redakteur:
Henri Kramer

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