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Haggard - Frankfurt am Main

11.04.2011 | 07:00

03.04.2011, Batschkapp

Ohne technische Probleme, dafür mit guter Soundqualität, haben die kammerkonzertanten Death-Metaller um Asis Nasseri das Frankfurter Publikum überdurchschnittliche zwei Stunden in Schwung gehalten.

Am ersten April-Wochenende geben sich die Münchner Barock-Death-Metaller von HAGGARD in der Frankfurter Batschkapp die Ehre. Auf der "Dark-Symphony"-Tour, die passend zum 20-jährigen Bandjubiläum stattfindet, haben Asis und seine Truppe zwei Supportbands mit dabei. Pünktlich um 20 Uhr besetzen CROW 7 rund eine Dreiviertelstunde die Bühne und laden mit ihrer Mischung aus Power-Metal-Ansätzen und hardrockbeladenem Altmetall nicht gerade zu aufgewecktem Mitmachen ein. Eigentlich langweilen Sie eher und veranlassen lediglich im vorderen Teil der Location einige Fans zum Mitklatschen. Warum man diese reizlose Truppe ins Vorprogramm von HAGGARD gesetzt hat, erschließt sich nicht.

Zum Glück ändert sich das nach einer überschaubaren Umbaupause mit dem Auftreten von CORONATUS. Angekündigt als Gothic-Metal-Band mit weiblichen Gesangsparts und symphonischen Anteilen, gelingt es der Stuttgarter Combo innerhalb von wenigen Minuten mit den ersten beiden Songs, das Publikum für sich zu gewinnen. Zwar wird schnell deutlich, dass CORONATUS das musikalische Rad ihres Genres nicht neu erfinden, ihre sehr eingängigen, schwungvollen, zuweilen bombastischen Songs gehen jedoch sofort in die Beine und fordern zum Mitbangen auf.

Hervorzuheben ist, dass der größte Anteil an diesem  temperamentvollen Abend aber den beiden Sängerinnen und hier insbesondere Frontfrau Mareike Makosch zu verdanken ist, die mit ihrer fröhlich mitreißenden Art, pfiffigen Ansagen und einer knackigen Performance das Publikum sofort auf ihre Seite reißt. Ihre rockige Altstimme ergänzt den klaren Sopran ihrer Gesangspartnerin erfrischend und die Kombination aus zwei weiblichen Stimmlagen hebt sich wohltuend vom gängigen einstimmigen Klischee des female fronted Gothic Metal ab. CORONATUS, die nach fast 50 Minuten mit deutschen, englischsprachigen und lateinischen Texten in der Batschkapp hartnäckige Zugabechöre hervorlocken, sollte man auf jeden Fall im Auge behalten.

Und dann ist endlich Zeit für HAGGARD. Pünktlich um 22 Uhr ist das kleine Kammerorchester bestehend aus einer attraktiven Damenriege mit Violine, Viola, Querflöte, Oboe, Cello und Keyboard auf seinen Plätzen, dazu der Contrabass, die Stromsaiteninstrumente und zu Drummer und Tenor natürlich die unübertroffene Sopranistin Frau Su.

Eröffnet wird die Show mit dem rein klassischen 'In des Königs Hallen', bevor Mastermind Asis die Fans sodann mit auf die rockig-barocke Reise durch die vergangenen CDs nimmt. Das Publikum, noch gut aufgeheizt von CORONATUS, lässt sich nicht lange bitten, sondern ist auch hier schnell dabei, die Band gut gestimmt abzufeiern. Mit 'Eppur Si Muove' macht Asis nochmals auf seine bekannte Verehrung Galileo Galileis aufmerksam. Der Song bietet Sopranistin Su erstmals an diesem Abend eine geeignete Bühne für ihre bemerkenswerte Stimme, mit der sie in scheinbar unüberwindlichen Höhen herumturnt, ohne dabei an Volumen zu verlieren.

Mit der Ankündigung von HAGGARDs erstem Cover-Song erntet Asis im weiteren Verlauf zunächst Proteste. "Ihr wisst ja gar nicht, was wir covern werden", empört er sich und stimmt gemeinsam mit Gitarrist Claudio, der mit etwas Phantasie wie ein junger Tom Araya aussieht, SLAYER-Riffs an. Kommt fett, aber leider ist das dann doch nicht die ausgewählte Cover-Nummer. Tatsächlich geht es um 'Herr Mannelig', einen ursprünglich aus dem Schwedischen stammenden Titel, den nicht allein HAGGARD bereits gecovert haben, wenn auch ihre Version mit dem starken Anteil der Streichinstrumente sicher zu einer der interessantesten gehört. Und so räumt Asis einschließlich Gitarrist und E-Bassist das Feld, um den Akustik-Instrumentalisten mehr Platz auf der vorderen Bühne zu gewähren. Wie immer ergeht sich dabei Sängerin Su nicht nur in ausgeprägter Stimmakrobatik, sondern zeigt auch ihre Fähigkeiten im Headbanging.

HAGGARD spielen sich in rund zwei Stunden durch ihre Alben der vergangenen Jahre. Astrologie-Fan Asis lässt dabei wissen, dass für Herbst 2011 die Aufnahmen einer neuen Scheibe geplant sind, die das Werk der Gebrüder Grimm zum Gegenstand haben wird. Solcherlei erfreuliche Aussichten motivieren die Anwesenden wohl einmal mehr zum Mitmachen. In diesem Sinne bildet sich beim Refrain von 'The Final Victory' ein stimmkräftiger Chor, an den sich Asis beim nächsten Südamerika-Gig getrost erinnern darf. Um Mitternacht ist der reguläre Teil der Show beendet, die dieses Mal ohne irgendwelche technischen Probleme ausgekommen ist. Obwohl zu diesem Zeitpunkt das viel geliebte 'Awaking The Centuries' schon zu Gehör gebracht wurde, lassen es sich HAGGARD nicht nehmen, noch eine zwanzigminütige Zugabe zu spielen.

Insgesamt war das ein lohnender Abend. Mit ihrer immer noch bemerkenswerten Mischung aus kammerorchestraler Musik und Death Metal konnten HAGGARD in der Frankfurter Batschkapp auch auf der Jubiläumstour voll begeistern. Su Ehlers hat sich mit ihrer eindrücklichen Stimme einmal mehr als die beste hohe Sopranistin in den Sparten Gothic und Metal erwiesen.

Redakteur:
Erika Becker

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