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HAMMERFALL / MASTERPLAN - Langen

11.02.2003 | 09:02

07.02.2003, Stadthalle

Wer seine Vorliebe für Heavy Metal und Live-Konzerte auch mal seiner Freundin oder der Großmutter schmackhaft machen will, der sollte diese flugs bei der Hand nehmen und noch ein Konzert dieser Tour besuchen. Von allen Bands werden da nämlich schöne Melodien in eingängigem Gewand und dazu noch auf spielerisch internationalem Niveau im glasklaren Sound durch die Boxen geblasen. Gegen Schluss wird dann sogar noch ein kleines Feuerwerk veranstaltet und Ballädchen fehlen natürlich auch nicht.

Bei diesem Konzert waren einige Vertreter dieses Magazins live anwesend, u.a. auch unser Chefredakteur Georg. Trotzdem wurde mir die Ehre zuteil, Euch davon berichten zu dürfen. So drückte mir Georg gleich zu Anfang vertrauensvoll eine Kamera in die Hand (ich hoffe die Fotos sind etwas geworden), damit er sich während des Konzerts rein auf die Präsentation von powermetal.de konzentrieren konnte. Dies sei ihm auch gegönnt, da er sonst immer die meiste Arbeit hat.
So hing in der Halle ein riesiges powermetal.de-Banner an der Seite und es gab einen eigenen Stand mit Jan Odium, der den kultverdächtige HM-Comic “Fire&Steel“ verfasst hat und an diesem Abend für 3 € feilbot.
Die Halle selbst bot auch so einiges, wie z.B. den Grundvoraussetzungen für einen optimalen Sound (alles in Holz). So gab es mehrere Getränkestände und sogar ein leckeres Buffet für die Hungrigen. Nebenan gab es noch eine Sauna und ein Schwimmbad, so dass man sich hier an diesem Abend eigentlich nur rund um wohl fühlen konnte. Das einzige Manko war, dass die Pforten erst kurz vor Konzertbeginn aufgingen, so dass eine beträchtliche Anzahl von Heavy Metal-Fans den paar Sauna- und Schwimmbad-Gästen im Weg standen (oder umgedreht), die mit dem Fahrrad nach Hause wollten. An dieser Stelle sollte vielleicht auch noch erwähnt sein, dass das HAMMERFALL-Publikum doch sehr zivilisiert, human und teilweise noch recht jung ist. Vor manchem Metal-Konzert der 80er wäre vielleicht bei der langen Warterei in der Kälte irgendwas zu Bruch gegangen.
Das Metal-Publikum besteht heutzutage eh hauptsächlich selbst aus zivilisierten Musik-Fans. Die Studenten und Beamten (zwei davon arbeiten für powermetal.de und waren an diesem Abend auch da – wer, wird nicht verraten) in der Hörerschaft taten dann auch ihr übriges, um dann den Aso-Faktor von einst so gegen Null wandern zu lassen.

Genug gelabert – zum Konzert:
Los ging´s so um 20 Uhr mit den Schweden von DREAM EVIL. Im akzeptablen Sound und spielerisch absolut einwandfrei brachten sie je drei Songs ihrer beiden CD-Veröffentlichungen. Für diejenigen, die die Band noch nicht kannten, war es der perfekte Aufwärmer, da die Songs einfach strukturiert sind und sehr gut ins Ohr gehen. Der Sänger Niklas Isfeldt hat einen leichten skandinavischen Slang, der aber für Fans des Scandinavian Metals ein Pluspunkt ist. Von der Optik wirken die fünf Kerle wie bunt zusammengewürfelt: Zum einen der langhaarige, leicht auf Beau geschminkte, griechische Gitarrist Gus G., der kurzhaarige, braungebrannte mit Tätowierungen versehene Sänger Niklas, der Bandgründer und Gitarrist Fredrik Nordström, der optisch auch bei einer Band wie BIOHAZARD reinpassen würde, der Bassist Peter Stålfors, dessen einzige Haare auf dem Kopf die markante Bartbehaarung ist und natürlich noch der bekannte Ex-KING DIAMOND-Drummer Snowy Shaw, der wie eine jüngere Variante in blond von Scott Columbus aussieht (oder wie einer der Drummer von SPINAL TAP). Da hat es richtig Spaß gemacht, zuzusehen und die Metal-Hymnen mitzusingen, gerade wenn man solch klischeebeladene Titel wie “Made Of Metal“ oder “Heavy Metal In The Night“ zu hören bekam. In einem akzeptablen Sound brachten sie dann zum Abschluss ihres Sets ihre Überhymne “Chosen Ones“. Der Chor von der Platte wurde toll vom Backround der Band und vom Publikum übernommen, so dass keine Wünsche offen blieben. Von DREAM EVIL wird man noch hören.

DREAM EVIL-Setlist:
1. Made Of Metal
2. The Prophecy
3. Children Of The Night
4. Fight You ´Till The End
5. Heavy Metal In The Night
6. Chosen Ones

Kurz nach dem Set traf ich wie bei fast jedem Metal-Konzert im Frankfurter Raum die Kollegen von Evilrockshard.de. Wir waren uns einig, dass SINNER, die ja im Rockhard angekündigt waren, wohl etwas zu viel des Guten gewesen wären bei diesem Konzert, weil dann noch irgend jemand seinen Set hätte kürzen müssen.

Weiter ging´s mit der All-Star-Gruppe MASTERPLAN, die schon die hohen Erwartungen an ihr CD-Debut erfüllen und live eigentlich nur abgefeiert werden konnten. Der Bassist Jan-S Eckert (IRON SAVIOR) fiel als erster ins Auge mit seinem eigenwilligen Bass-Design. Das ist nämlich so ein in fluoreszierendem Weiß gehaltener bis auf die Gräten abgenagter überdimensionaler Fisch mit rotem Leuchtauge. Er hatte die Angewohnheit bei Mitklatsch-Spielen, manchmal perkussiv auf den armen Fisch zu hauen, so dass ich bei dem Sound zuerst an eine schlechte Bass-Drum-Einstellung dachte. Aber weit gefehlt, die Bass-Drum wummste enorm. Uli Kusch, der bei HELLOWEEN schon bewiesen hat, dass er ein hervorragender Songwriter ist, donnerte hinter seinem Drumkit und schnitt ulkige Grimassen. Der Keyboarder Axel Mackenrott bangte wie ein Wilder oder rannte auf der Bühne rum, wenn er gerade nix zu spielen hatte.
Gleich ins Auge fiel bei Roland Grapow, dass dieser wohl seine Fender-Kollektion zu Hause vergessen hatte. Stattdessen hielt er sich größtenteils an nem schwarzen LesPaul-Modell fest (er musste öfter mal die Gitarre wechseln u.a. weil diese mal bei “Enlighten Me“ ausgefallen ist). Auffallend war auch, dass die Gitarre nicht nur auf Grund ihres größeren Korpus´ weiter entfernt von ihm hing. Das scheint wohl allen Top-Gitarristen so zu gehen, die längere Zeit im Studio waren (ich denke an Timo Tolkki oder Yngwer Mywayorhighwaysteen). Das Essen dort muss wohl besonders gut schmecken und Zeit genug dazu müssen die wohl auch haben. Vielleicht hat Roland auch gedacht, wenn ich schon zunehme, dann muss meine Gitarre das auch – diese Frage wird sich bestimmt in naher Zukunft auf dieser Seite hier klären.
Zum Gitarrespiel von Roland braucht man nicht viel Worte verlieren, weil dieses ja schon von HELLOWEEN und seinen Soloplatten bekanntermaßen ein bisschen in die Malmsteen-Ecke geht. Die Backings, die er besteuerte, waren auch nicht von schlechten Eltern, so konnte er doch ganz akzeptabel den Herrn Kiske bei “Heroes“ ersetzen (seine erste Soloplatte hatte er ja, glaub ich, auch ganz allein eingesungen).
Zu guter Letzt sei der Sängergott, der wohl mittlerweile zu Weltspitzenklasse der Metal-Sänger gehört, erwähnt. Roland und Uli hatten ein goldrichtiges Händchen ein Stimmwunder wie Jorn Lande in die Band zu holen. Allen, denen der Gesang von DREAM EVIL zu skandinavisch und der von HAMMERFALL zu clean und hoch ist, konnten hier ihre Ohren spitzen. Rein gesanglich liegt er zwischen Ronnie James Dio und Tony Martin, allerdings mit noch einer Portion Dreck in der Stimme – unter „geile Röhre“ im Lexikon könnte er stehen. Live konnte er auch überzeugen, da er die Stücke der Platte ziemlich originalgetreu wiedergeben konnte – o.k., den einen oder anderen Schrei hat er weggelassen. Das einzige, wo der Norweger Leuten wie Ronnie James nicht ganz das Wasser reichen kann, ist in Sachen Routine und Charisma. Da MASTERPLAN aber eine große Zukunft im Metal vor sich haben, wird er es uns noch richtig beweisen. Vorher konnte er ja schon bei BEYOND TWILIGHT, MALMSTEEN, ARK (mit dem CONCEPTION-Gitarrero Tore Ostby), seiner Solo-Platte, um hier nur die wichtigsten Projekte aufzuzählen, seine Fähigkeiten unter Beweis stellen.
An der Songauswahl gab es auch nix zu mäkeln, da MASTERPLAN bei einer Platte mit fast ausschließlich Knallern drauf und ner knappen Stunde Spielzeit eigentlich nix falsch machen konnten. So konnte man sein Haupt zu so Abgehern wie “Kind Hearted Light“ schütteln oder die Intensität von leicht RAINBOW-angehauchten Songs wie “Bleeding Eyes“ oder “Soulburn“ in sich auf saugen. Gegen Schluss wollte Roland uns noch was spielen, aber die Zeit war sehr kurz. Deshalb spielte er nur kurz Riffs von “Future World“ und “Dr. Stein“ an, nachdem er seine von HELLOWEEN bekannte Malmsuit angerissen hatte. Jorn bemerkte zu der Paula von Roland, dass er zu Hause eine etwas wertvollere stehen hätte (der Angeber – vielleicht ist auch Jorn der Grund, warum Roland jetzt eine Paula spielt). Zum Abschluss gab´s noch ein bunt gemischtes Medley aus HELLOWEEN-Songs der Grapow-Ära und einem Stück der Jorn Lande-Soloplatte, obwohl die kurz angespielten Hits wohl noch größere Euphorie ausgelöst hätten. Gesanglich muss man sich aber etwas umgewöhnen, da z.B. “The Chance“ von “Pink Bubbles...“ erheblich rauer rüberkam.
Bei den nächsten Fulltime-Konzerten von MASTERPLAN wird man wohl auch in den Genuss von einigen HELLOWEEN-Klassikern mehr kommen, so dass man demnächst mal Ausschau nach Konzert-Terminen halten sollte.

MASTERPLAN-Setlist:
1. Spirit Never Dies
2. Enlighten Me
3. Crystal Night
4. Heroes
5. Soulburn
6. Kind Hearted Light
7. Bleeding Eyes
8. Malmsuit + Riffintermezzo (Future World, Dr. Stein)
9. Medley: The Chance – Sunset Station (Jorn-Platte) – Sun Is Going Down (hab event. eins noch vergessen)
10. Crawling From Hell


Nach diesen Bands hatte HAMMERFALL einen schweren Stand. Aber, obwohl viele dieser Band den Erfolg nicht gönnen, muss man zugestehen, dass sie es trotz ihres Glücks am richtigen Ort zur richtigen Zeit gewesen zu sein, auch verdient haben. So boten sie eine Show, die es locker mit denen von den derzeit schwächelnden RUNNING WILD aufnehmen kann. Pyro-Effekte, Kanonenschläge und vorm Schlagzeug befestigte Fackeln sowie eine fahrbare Erhöhung des Drumkits wurden geboten. Das Schlagzeug thronte zu Beginn knapp unter der Hallendecke auf dem vom Maskottchen Hector bewachten Eingangstor. Nach Hector´s leichten Türöffnungsproblemen schritten dann während des Intros vom Band die restlichen Musiker einer nach dem anderen unter Beifall auf die Bühne. Zu den Bühnenklamotten aus schwarzem Leder, Plastik und Ketten braucht man eigentlich auch nix mehr zu sagen – gehört ja zum Image. Wo UDO bei der letzten Tour mit drei Bass-Drums schon für Belustigung sorgten, trieben HAMMERFALL mit ihren sechs Bass-Drums halbrund um das Kit verteilt den Metal-Gigantismus auf die Spitze. Nach den ersten paar Liedern durfte dann Anders Johansson, der seinem Bruder bei STRATOVARIUS nicht allzu unähnlich aussieht, etwas runter von der Decke und blieb dann vorerst auf einer angemessenen Schlagzeug-Erhöhung sitzen (so ne Hebebühne is halt schon was Tolles!). Für die 21 € bekamen die gut 1.300 Zuhörer also wirklich viel geboten.
Joacim Cans war gut bei Stimme und machte wie der Rest der Band auch einen sympathischen Eindruck. Die große Bühne wurde durch gekonntes Posen und Herumsprinten bestens ausgenutzt, so dass es eigentlich nie langweilig wurde (auch wenn ich am Ende des Konzerts etwas abgeschwächt hab). Magnus poste wie immer im 80er-Dauerwellen- und Oscar in seinem TrueMetal-Stil. Stefan poste irgendwo in der Mitte dieser Stile. Obligatorische Soli durften natürlich nicht fehlen. Da Magnus ein Basser von internationalem Rang und Namen ist, hätte ich mir persönlich da etwas mehr gewünscht als nur ein paar Effektspielereien – na ja, egal. Spielerisch gab es nix zu mäkeln und der Sound war astrein, powervoll – einfach perfekt.
Die Songauswahl wird für HAMMERFALL auch von Album zu Album immer schwieriger. So wurde an diesem Abend ein gesunder Querschnitt durch alle vier Platten geboten. Gerade die Songs der ersten und der aktuellen Platte kamen live hervorragend rüber, wie z.B. “Riders Of The Storm“, “Hearts On Fire“, “Hammerfall“ oder “Stone Cold“. Bei der verpflichtenden Feuerzeug-Ballade “Glory To The Brave“ schneite es dann auf der Bühne, aber HAMMERFALL konnten dagegen mit ihren skandinavischen Wollmützen trotzen.
Kurz vor 12 ist dann der Hammer gefallen, allerdings nur im übertragenen Sinne, denn dann ging das Licht an und die Fans konnten nach gut 100 Minuten HAMMERFALL und einem hochkarätigem Vorprogramm zufrieden mit der auch zufriedenen Großmutter oder Freundin nach Hause ziehen.

HAMMERFALL-Setlist
1. Intro Trailblazers
2. Riders Of The Storm
3. Heading The Call
4. Stone Cold
5. Keep The Flame Burning
6. Legacy Of Kings
7. Bass Solo Magnus
8. At The End Of The Rainbow
9. Way Of The Warrior
10. The Unforgiving Blade
11. Glory To The Brave
12. Guitar-Solo Stefan
13. Let The Hammer Fall
14. Renegade
15. Steel Meets Steel
16. Crimson Thunder
17. Templars Of Steel
18. Hearts On Fire
19. Hammerfall

Redakteur:
Tilmann Ruby

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