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GERMAN METAL ATTACK - Bochum

06.02.2013 | 14:12

27.01.2013, Zeche

Mit GRAVE DIGGER, WIZARD, MAJESTY und GUN BARREL

Die Propheten aus einheimischen Gefilden. Wenn sich True-Metaller und Teutonen-Rocker gegenseitig bei der "German Metal Attack" 2012 die Klinke in die Hand geben und das Billing durchlesen, bleibt kein Höschen trocken. Zwar wird der Abend vor Klischees nur so triefen und das Wort "Metal" ein wenig inflationär benutzt, aber in Anbetracht der Aufstellung und der Kulisse kann man getrost über die Tatsachen hinwegschauen.

GRAVE DIGGER sind mit den Jungs von WIZARD, MAJESTY und GUN BARREL auf großer Europatour und das zahlt sich aus. Viele Auftritte sind ausverkauft, die Locations (bis auf wenige, rheinische Ausnahmen) gerammelt voll und auch heute blickt man voller Vorfreude in die erwartungsvollen Gesichter in der mehr als proppevoll besuchten Bochumer Zeche. Ein Schuppen, der für solch ein Ereignis der metallischen Superlative gemeißelt wurde.

Die Kölner Rocker von GUN BARREL eröffnen beinahe pünktlich um 18 Uhr das Gefecht und sind prächtig gelaunt. Mit einem wuchtigen Sound, dem Sympathisant Patrick Sühl und seiner Hintermannschaft, bekommt die schon früh ordentlich besuchte Zeche Dirty-Rock’n’Roll vom Feinsten und wird zu allerlei Mitsingspielchen animiert. Dass nicht Jeder mitmacht, ist klar. Ebenso wie die Tatsache, dass die Jungs mit dem Opener 'Brace For Impact', 'With Might And Main' und dem Rausschmeisser 'Lonely Rider' ein nettes Rock-Set zusammengestellt haben, mit dem sich die Anwesenden dennoch gut arrangieren können.

Nach einer freudig kurzen Umbaupause wird es episch, dramatisch und majestätisch. METALFORCE, MAJESTY oder METAL MAJESTY-FORCE OF METAL (keine Ahnung) betreten mit Leder, Hymnen und einer Menge Energie die Bühne. 'Metal Law', 'Into The Stadiums' und das Posen wird von vielen True-Metallern ebenso dankbar aufgenommen wie Rausschmeisser neueren Datums ('Thunder Rider'). Warum Shouter Tarek "MS" Maghary während allen Klampfensoli die Bühne verlässt, bleibt wohl sein metallisches Geheimnis. Doch wer so oft das Wort "Metal" in den Mund nimmt und auf Teufel komm raus das Publikum versucht, aufzuheizen, braucht anscheinend auch seine Zwischenpäuschen. Sei’s drum, viele "MAJESTY"-Rufe gelangen an die Bühne, die Band ist sichtlich begeistert und lässt kein noch so kleines Klischee ungetrübt. Mit 'Metal Union' verlassen die Krieger dann unter Geklatsche die Bühne, auch wenn es weniger "True-Metal" und Epos auch getan hätte.

Die Umbaupausen sind an diesem Abend ungemein fanfreundlich gestaltet, sodass nach kurzer Zeit die Haudegen von WIZARD den Bühnenplatz einnehmen. Nun wird die Doublebass ein wenig mehr malträtiert, ein Ereignis, was MAJESTY oft vermissen ließen. Mit einer prächtigen Laune, einem gelungenen Spielwitz und einem bombigen Sound hieven sich die Fünf schnell zu den Gewinnern des Abends. Das stetige Gegrinse D'Anna’s, die Energie sowie die Setliste kann sich unterdessen mehr als nur sehen lassen: 'Midgard’s Guardian', der "Odin"-Doppelbrecher 'Betrayer'/'Hall Of Odin' erwecken das Tier in jedem Anwesenden. Doch was WIZARD schließlich mit der grandiosen Doublebass-Hymne 'Hammer, Bow, Axe And Sword' abliefern, wird mir auch noch Tage später im Gedächtnis bleiben. So erweist sich das Quintett als definitive Bereicherung des heutigen Abends und als absolute Spaßbacken, die mit 'Defenders Of Metal' zum wohlverdienten Feierabendbierchen geschickt werden.

Ein weiteres Highlight an diesem Abends sollte aber noch kommen. Hinter der Bühne baut sich eine Leinwand auf, die den Auftritt des Quintetts visuell unterstützen wird und nach einiger Zeit verdunkelt sich die Zeche im Herzen des Ruhrgebietes. Die Spannung ist zum Greifen nahe, das vom IN EXTREMO-Sänger eingesprochene Intro der aktuellen Scheibe, 'Charon (Fährmann des Todes)', ertönt, der Boltendahl-Chris entert mit seinen Grabschauflern die Bühne und eröffnet mit dem wuchtigen 'Clash Of The Gods' das Feuer. Und GRAVE DIGGER wären nicht GRAVE DIGGER, wenn sie nicht im Laufe ihres Auftrittes ein paar Überraschungen parat hätten. Trotz des eher schwammiges Sounds, kommen auch Gassenhauer neueren Datums, wie 'Hammer Of The Scots', das interessante 'Medusa' und das mitgrölbedürftige 'Ballads Of A Hangman' prächtig an. Bei dem dramatisch aufgebauten 'The House' staunt indes auch das Publikum, welches danach Klassiker wie 'Excalibur', 'Knights Of The Cross', 'In The Dark Of The Sun' und natürlich 'Rebellion (The Clans Are Marching)' gebührend feiern darf. Zwischendrin hat sich, wie auf den letzten Tourneen der Boltendahl-Truppe, abermals ein Medley hineingeschlichen. So findet 'The Reaper' ebenso Anklang wie das sträflich vernachlässigte 'Baphomet' und das Gänsehautepos 'Twilight Of The Gods'. Nach einer kurzen Verschnaufpause präsentieren die Jungs ihr letztes Ärmelass und geben uns eine Kostprobe ihrer baldigen Südamerikaauftritte, indem sie 'Yesterday' in einer Akustik-Version der Zeche zum Fraß vorwerfen. Nach diesem Ausrufezeichen wird es für GRAVE DIGGER Zeit, mit einem breiten Lächeln auf den Lippen, 'Highland Farewell', dem obligatorischen 'Heavy (German) Metal (Attack) Breakdown' und der Gewissheit, das Publikum einen tollen, geglückten Abend beschert zu haben, die Segel zu streichen.

Welche Worte soll man über diesen Abend großartig verlieren? Die Location war perfekt, der Sound spitze, die Leute mit der gebotenen Kost mehr als zufrieden und die Bands sichtlich ausgepowert, aber rundum glücklich. GRAVE DIGGER baten zum großen "German Metal Attack"-Tanz, der in dieser Form (nur mit anderen Bands) wohl auch in den Folgejahren an den Start gehen soll. Wenn es in der Zukunft auch nur annähernd solch einen Spaß macht, einheimische Bands zu betrachten, dann braucht sich der deutsche Heavy-Metal keinerlei Sorgen um seine Zukunft machen. Wer diesen Abend oder andere Gigs dieser Konzertreihe bestaunen durfte, weiß, dass die metallischen Laute der Heimat in der Blüte ihres Lebens ertönen.

[Marcel Rapp]

Redakteur:
Marcel Rapp

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