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Fear Dark Festival II - Esslingen

10.07.2007 | 21:57

18.05.2007, Jugendhaus Komma

Wie ein Jahr zuvor fanden sich auch dieses Mal eine Hand voll Bands zusammen, um beim Fear Dark Festival die Sau rauszulassen. Stattgefunden hat das Ganze im beliebten "Jugendhaus Komma" in Esslingen und lockte - dank der aufsteigenden Größe ELUVEITIE - viele Besucher vor die Tore.

Die erste Band, die versuchte die Herzen der Zuschauer in dieser relativ schmalen Halle zu gewinnen, hieß WORLD TO ASHES und war der Ersatz der leider ausgefallenen Melodic-Deather IMMORTAL SOULS. Natürlich ist es als Ersatzband schwierig, den von den Fans betrauerten Verlust wettzumachen, aber die Jungs gaben ihr Bestes. Gespielt wurde typischer Melodic-Death-Metal mit typischem Gekreisch, welches ansonsten nicht schlecht war und seinen Zweck erfüllte. Musikalisch ging es jedoch sehr kraftvoll zur Sache und die Drums hämmerten kräftig Löcher ins Trommelfell. Die Stahlsaiten hingegen wurden eher unsauber bearbeitet und wollten daher nicht ganz ins Konzept passen. Alles zusammen hatte eine gemeinsame Folge: Der sagenumwobene Funken wollte einfach nicht überspringen und das Publikum blieb einfach kalt. Nur ein paar Leute konnten sich zum Kopfschütteln aufraffen. Schade eigentlich.

Nächster Zapfenstreich waren die Hessener Stahlkrautpfeifen STAGEWAR. Und schon am Anfang war eines klar: Der Auftritt davor konnte getrost aus dem Hinterköpfchen gelöscht werden, denn alles andere würde nur wertvollen Speicherplatz für Erinnerungen an diese Talente wegnehmen.
STAGEWAR schafften es von Beginn an, eine super Laune zu schaffen und boten für alle Vertreter der Oldschool-Metal-Fraktion das, was sie hören wollten: Guten alten Heavy Metal mit einer guten Prise Speed, Thrash und einer schön verratzten Stimme. Und perfekt in Szene gesetzt wurde dieser auch noch, denn die Buben hatten wahrlich was drauf und sorgten so für kreisende Häupter und eine abgehende Menge. Besonders das Gitarrenspiel fiel auf und wusste vor allem mit geil gespielten Soli zu überzeugen. Hinzu kamen die technisch super und souverän gespielten Drums, welche das Ganze nochmals untermalten.
Ein verdammt gelungener Auftritt also.

Höhenflug des Abends Numero Zwei waren die "Lokalmatadore" (für Bassbubi Burny) FIREREIGN mit ihrem klassischen 80er-Schwermetall. Wenn auch der letzte Auftritt des Sängers, legten sich die Jungs richtig ins Zeug und brachten die Zuschauer (die anfänglich eher schüchtern dastanden) gehörig zum Kochen. Gegen Mitte des Gigs traten sogar drei begeisterte Fans auf die Bühne und feierten die Jungs kräftig ab. Jedoch wurden die Bühnenerklimmer nach kurzer Zeit wieder von der Security runtergeholt, was traurige Gesichter zur Folge hatte.
Doch der Stimmung tat dies kleinen Abbruch, sondern brachte eher Erheiterung.
Musikalisch jagte ein Nackenbrecher den Anderen und wartete mit vielen Leckerbissen wie traumhaften Soli, wuchtigem Drumming (das gekonnte Wirbeln der Drumsticks zog viele aufmerksame Blicke auf sich), präzisem Bass-Spiel und herrlich rumalbernden Bandmitgliedern auf.
Insgesamt war der Rhythmus sehr thrashig, was auf jeden Fall gefiel. I-Tüpfelchen war definitiv noch Schäfers kraftvolle Stimme, die teilweise an Warrel Dane zu späteren SANCTUARY-Zeiten erinnert. Daumen hoch!

Etwas ruhiger ging's mit MORPHIA zu. Das was die Jungs und da ablieferten, konnte man am besten als Gothic-Doom-Metal bezeichnen: Schleppende Rhythmik, langsames Growling und insgesamt war alles einfach im Schneckentempo. Der Sound an sich war jedoch sehr gut, und die Masse konnte sich auch mit der Musik anfreunden, was einige fliegende Haare bezeugten. Leider sang auch der Keyboarder einige Zeilen mit, denn dem Verb "singen" fehlte anscheinend seine Funktion.
Besonders aufgefallen ist eine kleine Sitzecke am Rand vor der Bühne (vom Großteil der Anwesenden liebevoll als "Emo-Ritz-Ecke" bezeichnet), welche meditativ dem Gig beiwohnte. So klischeebehaftet das auch klingt, aber es hätte wirklich nur noch jemand gefehlt, der Rasierklingen an den Mann/die Frau brachte. Insgesamt war der Auftritt erträglich, aber eben auch nicht mehr. Den Doom-Fanatikern wird er aber trotzdem gefallen haben.

Zum Höhepunkt des Abends schlechthin kam es mit den Käsefanatikern ELUVEITIE. Zu Anfang gab es zwar massive Soundprobleme, die in Schwitzerdütsch-Attacken seitens der Band ausarteten (und zu Gelächter-Orgien seitens des Publikums), aber nach einiger Zeit ging es dann auf die Sekunde genau Punkt zwölf los mit der Dudelparty.
Acht abgehende Musiker sind schon so ein Anblick für sich. Wenn jedoch aber die gesamte Band in wildes Getanze ausbricht und nebenbei ihre Instrumente noch perfekt beherrschen, kann das einen doch ganz schön mitziehen. Besonders die beiden Zwillinge Sevan (Flöte) und Rafi (Bass) gingen ab wie Flipper auf Ecstasy: Während Rafi Seinen Bass halb durch den Raum schleuderte, flötete Sevan, stampfend wie ein Sumo-Ringer und dabei erstaunlicherweise immer noch bangend (ich frage mich, wie man da noch spielen kann), den Putz von den Wänden.
Das Publikum wusste das natürlich zu schätzen und propellerte begeistert die Haare. Ab und an entstand aber auch ein eher nerviger Moshpit. Sowas kann man leider nicht verhindern.
Die Jungs haben auf jeden Fall Spaß gemacht und einen Publikumsliebling nach den anderen gespielt. Einzig die Drehleier und die Flöten waren trotz Allem etwas zu leise, aber das war's auch schon mit dem Negativen. Spaß hatte nämlich sichtlich jeder, die Band und das Publikum. Pagan-Folk-Metal wie man ihn will.

Nach dieser geballten Ladung hatte ich erstmal 'ne Bierpause nötig, um später zu SAPHENA wieder den Saal zu betreten.
Die genannte Band ist eine Truppe Ossis, die sehr abstrusen Metalcore spielt.
Normalerweise haben Ossis bei mir ja einen Heim-Bonus, aber diesmal konnte sich dieser Bonus nicht sehr entfalten, denn SAPHENA waren für meinen Geschmack einfach zu schlecht.
Man stelle sich den Auftritt als eine Mischung aus verzweifelten Gesang/Jammern (Emo läst grüßen), überzogenem Gekreische und gedrückten Growls vor, welcher von sägenden Gitarren und hektischem Schlagzeug unterstützt wurde. Das Abstruse an allem war die Mischung, in der dies geschah. Mal ging es ruhig mit diesem Jammergesang zugange, mal wurde dies sogar von Blastbeats unterstützt, ein anderes Mal war bei den Kreischattacken die Instrumentalisierung eher zurückhaltend ... alles sehr komisch. Und allzuviele Besucher waren auch nicht aufzufinden. Ein Rausschmeißer eben. Leute, ich steh zwar auf kulinarische Gerichte, wo neues ausprobiert wird - aber auf blutiges Rumpfsteak mit Nuss-Nougat-Füllung dann doch nicht so.

Insgesamt war der Abend, trotz einiger Entgleisungen, doch sehr gelungen. Die Besucher waren durchweg gut gelaunt, das Team von "Das Brett - Metalmanifestation" sehr freundlich und der Sound eigentlich immer gut gelungen. Auch die Preise waren nicht gerade horrend, was sich sehr positiv äußerte. Ich sag nur: Auf ein Nächstes!

Redakteur:
Sebastian Schneider

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