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FUNERAL FOR A FRIEND - Köln

20.02.2015 | 19:18

29.12.2014, Gebäude 9

Vor ausverkauftem Haus stellt die Waliser Emo/Post-Hardcore-Größe FUNERAL FOR A FRIEND das neue Album "Chapter and Verse" vor. Neben alten Hits sind auch NO BRAGGING RIGHTS und FJØRT mit dabei.

Die letzte Tour von FUNERAL FOR A FRIEND führte die Waliser im Oktober 2013 ins Kölner Underground. Die Show war mit etwa 250 Leuten zwar gut besucht, aber nicht ausverkauft. Nachdem man 2015 zunächst das kleinere MTC als Location buchte, wurde die Show in das gut 600 Leute fassende "Gebäude 9" verlegt, welches man sogar ausverkaufen konnte. Scheinbar hat sich die Band mit dem letzten Album "Conduit" wieder einige Fans erspielen können.

Schon bei der deutschen Band FJØRT ist das "Gebäude 9" sehr gut gefüllt und man kommt nur mit größter Mühe in die Konzerthalle der Location. Die deutschsprachige Melodic-Hardcore-Gruppe ist in den letzten zwölf Monaten erstaunlich bekannt geworden und so kann man sich heute über ein paar Fans in den vorderen Reihen freuen. Das Trio legt eine sehr routinierte Show hin, die jedoch nicht den nötigen Spaß bei den Musikern vermissen lässt. Besonders Bassist David schmeißt sich in wilde Posen und heizt dem Publikum ordentlich ein. Nach einer knappen halbe Stunde ist dann jedoch Schluss.

Nach einer kurzem Umbaupause geht es mit NO BRAGGING RIGHTS weiter. Die amerikanische Band vermischt prolligen Hardcore mit Melodie und beinahe pop-punkigen Refrains. Der Großteil des Sets besteht aus Songs des aktuellen Albums "The Concrete Flower". Nummern wie 'Outdated', der ein langer (vielleicht sogar zu langer) Monolog über Depression vorweg geht, oder 'Brave Hearts' kommen sehr gut beim Publikum an. Während der harten Passagen ist im kleinen, aber heftigen Pit vor der Bühne mächtig viel los. Die Musiker legen sich ebenfalls sehr ins Zeug und es herrscht ordentlich Bewegung auf den Brettern. Genau wie bei FJØRT bin ich positiv überrascht von dem extrem guten Sound. Die Instrumente klingen voll und druckvoll, übersteuern oder matschen dabei aber zu keinem Zeitpunkt. Ich glaube, dass ich selten einen so klaren und guten Livesound erlebt habe. Einzig der Gesang klingt bei den klaren Passagen ab und an etwas zu gepresst, doch dafür kann der kompetente Soundmensch allerdings nichts.

Dann betreten die Emo-Helden von FUNERAL FOR A FRIEND die Bühne. Genau wie 2013 gibt es kein Intro, sondern nur eine kurze Begrüßung, bevor man zu den Songs übergeht. 'Penicil Pusher' vom brandneuen Album "Chapter And Verse" wird als Einstieg gewählt. Da das Album in Deutschland erst drei Tage erhältlich ist, sind die Reaktionen zunächst noch etwas zurückhaltend. Zumal genau hier - beim Headliner - der Sound etwas schwächer ist als bei den Vorbands. Der verbessert sich jedoch während der nächsten zwei Songs.

Scheinbar will das Publikum bekannte Nummern hören, vorzugsweise von den ersten beiden Alben "Casually Dressed & Deep In Conversation" und "Hours". Für mich kommen die Debüt-Songs 'Bend Your Arms To Look Like Wings' und 'Storytelling' etwas unerwartet, da diese beiden Knüller sonst leider nur selten gespielt werden. Auch vom letzten Album "Welcome Home Armageddon" werden wieder mehr Songs in die Setlist integriert. Wie so oft wird das Material von den beiden Alternative-Rock-Ausflügen "Tales Don't Tell Themselves" und "Memory And Humanity" außen vor gelassen. Da sollte sich FUNERAL FOR A FRIEND demnächst wieder etwas trauen. Immerhin kam das Material auf den jeweiligen Touren ziemlich gut an.

Die Band macht eine mehr als ordentliche Figur und hat sichtlich Spaß, alte sowie neue Songs zu spielen. Zugegeben: Das Kölner Publikum ist heute wesentlich aktiver als beim letzten Besuch der Waliser. Auch der Aushilfsbassist der Truppe liefert eine gute Performance. Laut Sänger Matthew Davies hat der Gute in gerade einmal 24 Stunden das komplette Set gelernt. Von Unsicherheit keine Spur! Eine volle Stunde gibt FUNERAL FOR A FRIEND Vollgas und schließt die Show mit einem Doppel aus 'Juneau' und 'Roses For The Dead'. Leider gibt es heute kein 'Escape Artists Never Die', da man scheinbar um 23 Uhr die Bühne räumen muss. Trotzdem macht sich allgemeine Zufriedenheit unter den in die Kälte strömenden Fans bemerkbar. Eine so gute Show von FUNERAL FOR A FRIEND habe ich zuvor noch nie gesehen.

Redakteur:
Sebastian Berning
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